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Anthroposophie-Kritik: Böll-Stiftung stellt Podcast wieder online

Nach Einknicken nun der Rückzug vom Rückzug

Zuletzt ging es im erbitterten Streit um lediglich einen Satz. Darf man sagen, was der Journalist und renommierte Anthroposophie-Experte Dietrich Krauß in einem Podcast für die Heinrich-Böll-Stiftung und ihre bayerische Schwester Petra-Kelly-Stiftung gesagt hatte? Nämlich: „Es gibt Behinderteneinrichtungen, anthroposophische Behinderteneinrichtungen, die betrachten Behinderung als Strafe von Fehlverhalten aus dem letzten Leben.“

Umgang mit Kritik am Podcast zeigt: Grüne am Scheideweg

Doch eigentlich ging es in der Diskussion auf Seiten der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland, die diese Passage als „besonders falsch, diffamierend und perfide“ bezeichnet und im Hintergrund offenbar sogar mit juristischen Schritten gedroht hat, um weit mehr. Wollen sich die Grünen mit den anthroposophischen Mileus anlegen, die einen Teil ihrer Wähler:innenschaft ausmachen? Und deshalb ist auch die neue und womöglich letzte Wendung in diesem Streit bemerkenswert: Der Podcast ging am Dienstag wieder online, ungekürzt. Allerdings erst nach einer Intervention der Heinrich-Böll-Stiftung aus Berlin, der Mutter im Stiftungsverbund.

Die Funktionäre und Funktionärinnen in der Hauptstadt waren überhaupt nicht damit einverstanden, dass die in Stuttgart und München ansässigen Stiftungen zunächst einen Rückzieher gemacht hatten – und den umstrittenen Podcast mit Krauß „vorübergehend“ sogar ganz vom Netz nahmen. Vor wenigen Tagen gab es bereits einen Bericht auf Volksverpetzer:

Sie veröffentlichten den Podcast dann zwar vergangene Woche wieder, allerdings ohne den Satz zu den Behinderteneinrichtungen und nur mit einer Fußnote, nach der diese Passage „nicht exakt verifizierbar“ sei.

Böll-Stiftung weist Vorwürfe am Umgang mit dem Podcast zurück

Jan Philipp Albrecht, der Vorsitzende der Bundesstiftung, hatte dazu viel telefoniert – und deutlich gemacht, dass die kritische Auseinandersetzung mit Waldorfschulen, Esoterik und Anthroposophie den Grünen-nahen Stiftungen sehr wohl ein Anliegen sein sollte. „Sie muss gerade auch in unserem Milieu stattfinden“, sagte Albrecht dem Volksverpetzer. „Wir als Heinrich-Böll-Stiftung stellen uns explizit der Auseinandersetzung mit den Schnittmengen von Anthroposophie mit rechtsextremen und rassistischen Ideologien.“

Auf Twitter wies die Böll-Stiftung den Vorwurf zurück, es habe ein Einknicken „gegenüber Anthroposophen“ insgesamt gegeben. Die Stiftung gehe „an keiner Stelle einer Auseinandersetzung und notwendigen, offenen und kritischen Debatten aus dem Weg, im Gegenteil“. Weiter hieß es: „Wir befassen uns seit Jahren mit der wachsenden Präsenz und den politisch-ideologischen sowie zum Teil personellen Schnittmengen von autoritären, rechtsextremen, für Verschwörungsmythen anfälligen und zum Teil offen wissenschaftsfeindlichen Milieus.“

Studie: Anthroposophie als Quelle von Querdenken

Dass die Stiftungen in Baden-Württemberg und Bayern die Inhalte des Podcasts nach der scharfen Kritik der Anthroposophischen Gesellschaft – sie hatte Ende Oktober einen dreiseitigen Protestbrief geschrieben – genau geprüft haben, verteidigt der frühere Grünen-Europaabgeordnete Albrecht. Im Februar hatte die Böll-Stiftung Baden-Württemberg eine von den Baseler Soziologen Nadine Frei und Oliver Nachtwey erstellte Studie „Quellen des Querdenkertums“ veröffentlicht. Laut dieser wird die Querdenken-Szene im Südwesten maßgeblich aus den anthroposophischen und alternativen Milieu gespeist. Hier der Volksverpetzer-Artikel dazu:

Krauß hatte einen ganzen Stapel an Dokumenten und Zitaten vorgelegt, die seine Aussage belegen. Zuletzt verwies er unter anderem auf einen Twitter-Thread von Inge Rosenberger, Sprecherin der Interessengemeinschaft Inklusives Wohnen. Sie hatte über eine anthroposophische Behinderteneinrichtung unter anderem geschrieben: „So richtig absurd wurde es nach der Behauptung, die Behinderung der Tochter sei eine Strafe für das vorherige Leben – für sie selbst und für uns. Anscheinend waren wir alle in mindestens einem unserer früheren Leben große Sünder und mussten in diesem Leben dafür büßen. Naja.“

Fazit: schwierige, aber Notwendige Debatte über Anthroposophie

Der renommierte Religionshistoriker Helmut Zander hatte erklärt, Anthroposophen würden den Begriff Strafe vermeiden, um den Begründer der Bewegung, Rudolf Steiner, „weichzuspülen“. Zander sagte: „Insofern verstehe ich, dass man dem Begriff der Strafe ausweicht. Aber in der Sache ist ein schlechtes Karma genau dies.“

Krauß hatte das Hin und Her um den Podcast als ehrenrührig empfunden: „Mit der Fußnote wird der Eindruck erweckt, als sei an meiner Aussage etwas nicht in Ordnung“, sagte er vergangene Woche: „Aber offenbar war an diesem Punkt die Angst vor der anthroposophischen Klientel größer als die Bereitschaft, wissenschaftlich fundierten Klartext zu sprechen.“ Am Dienstag zeigte sich der Reporter erleichtert, dass der Podcast in voller Länge wieder ans Netz gegangen ist: „Das hätte man einfacher haben können. Aber die Debatte ist ein guter Aufschlag, um sich mit dem Thema grundsätzlich zu beschäftigen.“

Bildquelle: Shutterstock

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