[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/arzt-aus-oesterreich-macht-mit-fehlerhaften-angaben-stimmung-gegen-die-masernimpfung\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/arzt-aus-oesterreich-macht-mit-fehlerhaften-angaben-stimmung-gegen-die-masernimpfung\/","headline":"Arzt aus \u00d6sterreich macht mit fehlerhaften Angaben Stimmung gegen die Masernimpfung","name":"Arzt aus \u00d6sterreich macht mit fehlerhaften Angaben Stimmung gegen die Masernimpfung","description":"Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck \/ Zur Quelle wechseln Medizin und Gesundheit Arzt aus \u00d6sterreich macht mit fehlerhaften Angaben Stimmung gegen die Masernimpfung Andreas S\u00f6nnichsen, Arzt in \u00d6sterreich und Ex-Mitglied der Partei Die Basis, behauptet, dass bei einer Masernimpfung das Risiko eines Impfschadens gr\u00f6\u00dfer sei als der Nutzen der Impfung.&#8230;","datePublished":"2025-06-13","dateModified":"2025-06-13","author":{"@type":"Person","@id":"##Person","name":"Correctiv.org","url":"#","identifier":15,"image":{"@type":"ImageObject","@id":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/51a6c0962ec4a7a9fff8508f3b6a21069f40fbb9a1ee7294cca7a040ced87b6c?s=96&d=monsterid&r=g","url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/51a6c0962ec4a7a9fff8508f3b6a21069f40fbb9a1ee7294cca7a040ced87b6c?s=96&d=monsterid&r=g","height":96,"width":96}},"publisher":{"@type":"Person","name":"Dirk Bachhausen","image":{"@type":"ImageObject","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/dirk_profil-300x300.jpg","url":"https:\/\/www.bachhausen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/dirk_profil-300x300.jpg","width":600,"height":60}},"image":{"@type":"ImageObject","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Zeitungsleser.webp","url":"https:\/\/www.bachhausen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Zeitungsleser.webp","height":534,"width":800},"url":"https:\/\/www.bachhausen.de\/arzt-aus-oesterreich-macht-mit-fehlerhaften-angaben-stimmung-gegen-die-masernimpfung\/","about":["Politik"],"wordCount":3127,"keywords":["angaben","fehlerhaften","gegen","macht","masernimpfung","osterreich","stimmung"],"articleBody":"Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck \/ Zur Quelle wechseln            Medizin und Gesundheit     Arzt aus \u00d6sterreich macht mit fehlerhaften Angaben Stimmung gegen die Masernimpfung        Andreas S\u00f6nnichsen, Arzt in \u00d6sterreich und Ex-Mitglied der Partei Die Basis, behauptet, dass bei einer Masernimpfung das Risiko eines Impfschadens gr\u00f6\u00dfer sei als der Nutzen der Impfung. Doch seine Argumente belegen diese Behauptung nicht. Das Gegenteil ist der Fall.                    von                                Kimberly Nicolaus                                , Johannes Gille13. Juni 2025                                Andreas S\u00f6nnichsen stellte bei seinem Vortrag in Wiesbaden im Dezember 2024 falsche Behauptungen zur Masernimpfung auf. (Foto: Bildagentur-online \/ Ohde \/ Picture Alliance)                            In diesem Jahr registrierten Beh\u00f6rden in den USA bislang rund 1.000 Maserninfektionen. Das sind dreimal so viele F\u00e4lle wie 2024. Fast alle der Infizierten waren nicht geimpft oder wiesen einen unbekannten Impfstatus auf. Die Ansteckungsgefahr ist vor allem f\u00fcr Ungeimpfte hoch. Studien belegen, dass die Masernimpfung wirksam vor einer Ansteckung sch\u00fctzt.Doch der Mediziner Andreas S\u00f6nnichsen behauptet, das Risiko, einen Schaden durch die Masernimpfung zu erleiden, sei gr\u00f6\u00dfer als der Nutzen der Impfung. S\u00f6nnichsen ist ein sogenannter Wahlarzt in \u00d6sterreich, also ein Privatarzt mit einer Praxis. Laut Eigenangaben war er fr\u00fcher Mitglied der Basis. 2024 gab die Impfskeptiker-Partei \u201eMenschen Freiheit Grundrechte\u201c an, S\u00f6nnichsen sei Mitglied der Partei.\u00dcber die angeblich negative Schaden-Nutzen-Bilanz der Masernimpfung spricht er bei einer Parteiveranstaltung der Basis im Dezember 2024. Sein Vortrag und Ausschnitte davon verbreiten sich seitdem in Sozialen Netzwerken.\u00a0Doch in seinem Vortrag stecken einige Ungenauigkeiten und fehlerhafte Formulierungen. Zudem kl\u00e4rt er weder \u00fcber die Wirksamkeit der Impfung noch \u00fcber die Komplikationen auf, zu denen eine Masernerkrankung f\u00fchren kann. Seine angef\u00fchrten Belege st\u00fctzen seine Behauptung nicht und seine Schlussfolgerung zur Schaden-Nutzen-Bilanz der Masernimpfung ist falsch \u2013 die ist laut Fachleuten positiv, nicht negativ.Auf Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck relativiert S\u00f6nnichsen manche der genannten Punkte, bleibt aber im Grunde bei seinem Schluss. Die Partei Die Basis distanziert sich auf Nachfrage ebenfalls nicht von den fehlerhaften Behauptungen. Im Folgenden schauen wir uns die Behauptungen von S\u00f6nnichsen im Detail an und ordnen sie ein.Die Partei Die Basis ver\u00f6ffentlichte Ende M\u00e4rz 2025 einen Ausschnitt des Vortrags von Andreas S\u00f6nnichsen. Anders als der Wahlarzt behauptet, ist die Schaden-Nutzen-Bilanz der Masernimpfung nicht negativ, sondern laut mehreren Fachleuten positiv. (Quelle: Facebook; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)Hier direkt zu einzelnen Themenbl\u00f6cken springen:USA: Sterberate bei Maserninfektion sank aufgrund besserer Lebensumst\u00e4nde \u2013 und nach Impfstoff-Einf\u00fchrungZu Beginn seines Masern-Vortrags erkl\u00e4rt S\u00f6nnichsen anhand einer Grafik, dass die \u201ekrankheitsspezifische Mortalit\u00e4t von Masern\u201c bereits vor Einf\u00fchrung der Masernimpfung bei unter 1 pro 100.000 Einwohner in den USA lag. Und dass seit Beginn des 20. Jahrhunderts die Masern-Sterbef\u00e4lle deutlich abnahmen, weil sich die Lebensumst\u00e4nde besserten. Das sei \u201eunstrittig\u201c, schreibt uns dazu Christian Bogdan, Professor f\u00fcr Medizinische Mikrobiologie und Infektionsimmunologie am Universit\u00e4tsklinikum Erlangen, dazu h\u00e4tten etwa ein verbesserter Ern\u00e4hrungszustand der Bev\u00f6lkerung, bessere Lebensverh\u00e4ltnisse und Gesundheitsversorgung und weniger Vorerkrankungen beigetragen.Doch S\u00f6nnichsen behauptet zu der Grafik auch, die Masern-Sterbef\u00e4lle in den USA h\u00e4tten schon 1960 \u201equasi die Nulllinie\u201c erreicht, noch bevor der Masernimpfstoff eingef\u00fchrt worden sei. Das ist auch der Eindruck, den die von ihm gezeigte Grafik hinterl\u00e4sst.Seine Beschreibung greift aber zu kurz, da er nicht weiter erkl\u00e4rt, wie sich die Kurve nach der Impfstoffeinf\u00fchrung entwickelt hat. Deutlich erkennbar ist das, wenn man einen engeren Zeitraum betrachtet und sich nicht die Sterberate pro 100.000 Einwohner anschaut, sondern die Sterbef\u00e4lle in den USA insgesamt. Die Gesamtzahl der Todesf\u00e4lle nach der Einf\u00fchrung des Impfstoffs 1963 ging nochmals deutlich zur\u00fcck.Die Grafik, die S\u00f6nnichsen in seinem Vortrag zeigt (oben) ist zwar korrekt \u2013 doch betrachtet man die Sterbedaten in den USA genauer (unten) zeigt sich: Nach der Einf\u00fchrung der Masernimpfung sanken die Todesf\u00e4lle weiter. (Quellen: Jamanetwork, Youtube \/ WHO; Screenshot, Collage und Anmerkungen \u201eEinf\u00fchrung der Masernimpfung\u201c: CORRECTIV.Faktencheck)Konkret zeigen Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass zwischen 1950 und 1963 insgesamt 6.536 Personen in den USA infolge einer Maserninfektion starben. In den 14 Jahren nach Einf\u00fchrung des Masernimpfstoffs verstarben insgesamt 1.397 Menschen an Masern, also Tausende weniger als im selben Zeitraum vor der Impfung.\u00a0Auf Nachfrage konkretisiert S\u00f6nnichsen, dass im Zeitraum zwischen 1950 und 1957 die Zahl der Todesf\u00e4lle nicht im Bereich der \u201eQuasi-Nulllinie\u201c gelegen seien, sondern \u201edeutlich sichtbar dar\u00fcber\u201c. Man m\u00fcsse deshalb als Vergleichsbasis die Zahlen zwischen 1957 und 1963 heranziehen. Doch selbst diese Betrachtung zeigt, dass die Sterbef\u00e4lle nach der Impf-Einf\u00fchrung weiter zur\u00fcckgingen: In den von S\u00f6nnichsen vorgeschlagenen sieben Jahren gab es in den USA rund 2.900 Masern-Sterbef\u00e4lle. In den sieben Jahren nach der Impfstoffeinf\u00fchrung gab es rund 1.200 Masern-Sterbef\u00e4lle, also nicht einmal halb so viele.\u00a0\u00a0Zus\u00e4tzlich unterlaufen S\u00f6nnichsen mehrere kleinere Fehler: So zeigt er etwa auf die Kurve der Diphtherie-Sterbef\u00e4lle und nicht auf jene der Masern-Stebef\u00e4lle, au\u00dferdem behauptet er, die Masernimpfung sei 1965 in den USA eingef\u00fchrt worden, tats\u00e4chlich war das 1963 der Fall. Diese und andere kleine Fehler beschreibt er in seiner Antwort an CORRECTIV.Faktencheck als \u201eunerheblich\u201c oder Verwechslungen.Verdachtsmeldungen an Paul-Ehrlich-Institut sind keine best\u00e4tigten NebenwirkungenAls n\u00e4chsten vermeintlichen Beleg f\u00fcr die angeblich negative Schaden-Nutzen-Bilanz des Masernimpfstoffs pr\u00e4sentiert S\u00f6nnichsen \u201eImpfsch\u00e4den\u201c. Zwar nimmt er das Wort bei seinem Vortrag nicht in den Mund \u2013 das betont er im Nachgang auch per E-Mail \u2013 und schreibt auf einer Folie von \u201eVerdachtsf\u00e4llen\u201c, der Begriff \u201eImpfsch\u00e4den\u201c steht aber auf der Pr\u00e4sentationsfolie, die den Abschnitt des Vortrags einleitet.\u00a0Bei den pr\u00e4sentierten Zahlen handelt es sich um sogenannte Verdachtsmeldungen des PEI. Diese liegen in den Jahren 2001 bis 2012 bei rund 1.700 Meldungen von etwa 5.300 Impfreaktionen. Das PEI schreibt uns auf Anfrage: \u201eBei diesen Meldungen handelt es sich um Verdachtsf\u00e4lle von Impfkomplikationen und Impfnebenwirkungen, nicht um best\u00e4tigte Nebenwirkungen. In diesen Verdachtsf\u00e4llen werden unerw\u00fcnschte Reaktionen gemeldet, die meist in zeitlicher N\u00e4he zu einer Impfung aufgetreten sind, jedoch nicht notwendigerweise durch den Impfstoff ausgel\u00f6st wurden.\u201c Die mit Abstand am h\u00e4ufigsten als Verdacht gemeldete Impfreaktion ist Fieber.Die Grafik zeigt die prozentuale Verteilung der als Verdacht gemeldeten 5.297 Impfreaktionen nach Impfung mit dem MMR-Kombinationsimpfstoff in den Jahren 2001 bis 2012 (Quelle: Paul-Ehrlich-Institut; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)Klar ist, dass die Verdachtsmeldungen keine \u201eImpfsch\u00e4den\u201c belegen. Sie sind damit auch kein Beleg f\u00fcr S\u00f6nnichsens Behauptung einer negativen Schaden-Nutzen-Bilanz der Masernimpfung.Sch\u00e4den und Todesf\u00e4lle beziehen sich nicht auf alle Geimpften, sondern auf gemeldete Verdachtsf\u00e4lleIm weiteren Vortrag fokussiert sich S\u00f6nnichsen auf zwei bestimmte Kennzahlen und behauptet: \u201eBei 3,4 Prozent der Geimpften kommt es zu einem bleibenden Schaden und bei 0,9 Prozent zu einem t\u00f6dlichen Ausgang. Das waren immerhin 15 Kinder in diesen zehn Jahren.\u201c Hier unterlaufen ihm weitere kleine Fehler: Es geht um einen Zeitraum von zw\u00f6lf Jahren und nicht um 15 Kinder, sondern um 13 Kinder und 2 Frauen \u2013 eine \u201eSpitzfindigkeit\u201d, wie er sp\u00e4ter schreibt.Viel relevanter ist: Die Prozentangaben, die S\u00f6nnichsen nennt, beziehen sich nicht auf die Gesamtzahl aller Geimpften, sondern auf die gemeldeten Verdachtsf\u00e4lle, wie uns das PEI best\u00e4tigt. Die Pressestelle r\u00e4umt aber ein, dass eine entsprechende Formulierung in dem PEI-Bericht \u201eleider missverst\u00e4ndlich gew\u00e4hlt\u201c worden sei.\u00a0Folglich wurde in den Jahren 2001 bis 2012 ein bleibender Schaden in 3,4 Prozent von 1.696 Verdachtsf\u00e4llen gemeldet, das entspricht 58 F\u00e4llen. Ein t\u00f6dlicher Ausgang wurde in 0,9 Prozent von 1.696 Verdachtsf\u00e4llen gemeldet, das entspricht den von S\u00f6nnichsen genannten 15 Todesf\u00e4llen.Auf Nachfrage rudert S\u00f6nnichsen zur\u00fcck: \u201eDie \u00dcberschrift und auch der Duktus meiner m\u00fcndlichen Ausf\u00fchrungen machen deutlich, dass sich alle Zahlen auf die gemeldeten F\u00e4lle beziehen, nicht auf die Gesamtzahl der Geimpften.\u201c Das stimmt so nicht, im Vortrag sagt er explizit, es gehe um den Anteil der Geimpften.Schwere Impfreaktionen in Zusammenhang mit der Masernimpfung m\u00f6glich, aber laut PEI in keinem Fall wahrscheinlichDoch l\u00e4sst sich bei den rund 1.700 Verdachtsf\u00e4llen tats\u00e4chlich auch der Verdacht erh\u00e4rten, dass die Impfung die Ursache der Beschwerden war?\u00a0In seinem Vortrag beantwortet S\u00f6nnichsen diese Frage nicht. Im Bericht des PEI hei\u00dft es, dass in nur sechs Prozent der Verdachtsf\u00e4lle ein urs\u00e4chlicher Zusammenhang \u201ewahrscheinlich\u201c sei. Das bedeutet laut WHO-Kriterien, dass die F\u00e4lle in einem angemessenen zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung st\u00fcnden und es unwahrscheinlich sei, dass die F\u00e4lle auf eine gleichzeitige Erkrankung, andere Medikamente oder Chemikalien zur\u00fcckzuf\u00fchren seien.In rund 42 Prozent der Verdachtsf\u00e4lle bewertete das PEI den urs\u00e4chlichen Zusammenhang zur Masernimpfung als \u201em\u00f6glich\u201c. Das hei\u00dft, der zeitliche Zusammenhang w\u00fcrde zur Impfung passen, die Reaktion k\u00f6nnte aber auch durch andere Faktoren erkl\u00e4rt werden.\u00a0In keinem der 58 F\u00e4lle (3,4 Prozent der Verdachtsmeldungen) mit bleibendem Schaden, auf die sich S\u00f6nnichsen bezieht, wurde laut PEI der Zusammenhang als \u201egesichert\u201c oder \u201ewahrscheinlich\u201c bewertet.Zusammenhang von 15 Todesf\u00e4llen mit Masernimpfung teils ausgeschlossen, teils nicht abschlie\u00dfbar bewertbarS\u00f6nnichsen erweckt im Vortrag den Eindruck, dass innerhalb von zehn Jahren 15 Kinder an der Masernimpfung verstorben seien. Doch das ist nicht zutreffend.\u00a0Im PEI-Bericht hei\u00dft es: Bei keiner der 15 Verdachtsmeldungen wurde ein \u201egesicherter\u201c, \u201ewahrscheinlicher\u201c oder \u201em\u00f6glicher\u201c Zusammenhang zwischen Tod und Impfung gesehen, bei sechs davon wurde ein Zusammenhang explizit ausgeschlossen. Richtig ist, dass, wie S\u00f6nnichsen sagt, in mehreren F\u00e4llen keine konkrete Todesursache festgestellt werden konnte. Dazu, warum das PEI in diesen neun F\u00e4llen trotzdem keinen \u201em\u00f6glichen\u201c Zusammenhang zur Impfung gesehen hat, antwortete das Institut: Man w\u00fcrde damit einen Zusammenhang auch nicht ausschlie\u00dfen. Eine abschlie\u00dfende Bewertung sei nicht m\u00f6glich gewesen.\u00a0Die von S\u00f6nnichsen angef\u00fchrten Verdachtsf\u00e4lle mit bleibendem Schaden oder t\u00f6dlichem Ausgang sind folglich kein Beleg f\u00fcr eine negative Schaden-Nutzen-Bilanz der Masernimpfung.\u00a0Das RKI schreibt \u00fcber die Masernimpfung: \u201eSchwerere unerw\u00fcnschte Wirkungen der Impfung sind selten\u201c. Dazu z\u00e4hlen etwa eine allergische Reaktion, wie sie bei ein bis vier F\u00e4llen von einer Million Geimpften auftreten k\u00f6nne, oder ein Abfall der Blutpl\u00e4ttchen, das k\u00f6nne etwa 3 von 100.000 Geimpften betreffen. \u201eDas Risiko nach der Impfung ist jedoch geringer als bei einer nat\u00fcrlichen Infektion mit Masernviren\u201c, so das RKI.Die Partei Die Basis teilte den Vortrag des Arztes Andreas S\u00f6nnichsen. Er stellt darin Falschbehauptungen auf. (Quelle: Youtube \/ Die Basis; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)Unverifizierte Angaben der Vaers-Datenbank belegen keine negative Schaden-Nutzen-BilanzAls n\u00e4chstes blickt S\u00f6nnichsen wieder in die USA. Er pr\u00e4sentiert eine Studie, die sich auf Daten aus der US-Datenbank des Vaccine Adverse Event Reporting Systems (Vaers) st\u00fctzt. Die Studie analysiert, wie viele der an Vaers gemeldeten Todesf\u00e4lle und \u201epl\u00f6tzliche Kindstode\u201c von S\u00e4uglingen (unter einem Jahr alt) innerhalb von 60 Tagen nach einer Impfung auftraten. Die Daten umfassen den Zeitraum 1990 bis 2019.S\u00f6nnichsen erkl\u00e4rt, die Studie zeige eine auff\u00e4llige H\u00e4ufung von Todesf\u00e4llen im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen, das gleiche gelte f\u00fcr den pl\u00f6tzlichen Kindstod. Es entsteht der Eindruck, dass zwischen 700 und 800 S\u00e4uglinge am zweiten Tag nach ihrer Impfung starben. Doch das ist ein Trugschluss.\u00a0Bei diesen Zahlen geht es nicht um Masernimpfungen, sondern um s\u00e4mtliche in der Datenbank abrufbaren Impfungen. Das sagt S\u00f6nnichsen im Vortrag nicht explizit dazu, im Nachgang betont er per Mail aber, dass er an dieser Stelle des Masern-Vortrags lediglich von \u201eImpfungen\u201c spreche. F\u00fcr seine Behauptung zur Schaden-Nutzen-Bilanz der Masernimpfung sind die Zahlen also ohnehin nicht aussagekr\u00e4ftig.\u00a0Zudem handelt es sich bei den Eintr\u00e4gen in der Vaers-Datenbank der US-Regierung um \u201eunvollst\u00e4ndige, ungenaue, zuf\u00e4llige und nicht verifizierte Informationen\u201c. Es lie\u00dfen sich deshalb \u201ekeine kausalen Zusammenh\u00e4nge zwischen Impfungen und m\u00f6glichen Nebenwirkungen\u201c anhand der Daten ableiten, hei\u00dft es auf der Webseite von Vaers. Bereits w\u00e4hrend der Corona-Pandemie wurde die Datenbank von Impfgegnern genutzt, um die Impfstoffe gegen Covid-19 zu diskreditieren.\u00a0Au\u00dferdem tritt der pl\u00f6tzliche Kindstod (Englisch: Sudden Infant Death Syndrome, SIDS) fast ausschlie\u00dflich in den ersten sechs Monaten nach der Geburt auf. F\u00e4lle nach dem ersten Lebensjahr k\u00f6nnen vorkommen, sind aber \u00e4u\u00dferst selten. Sowohl in Deutschland als auch in den USA wird die Masernimpfung hingegen erst nach dem 11. Monat empfohlen.Aktuell wenige Masernf\u00e4lle in Deutschland, doch das Ansteckungsrisiko unter Ungesch\u00fctzten ist hoch\u00a0Abschlie\u00dfend pr\u00e4sentiert S\u00f6nnichsen eine Rechnung, wonach das Risiko an Masern zu sterben bei 0,0000007 Prozent pro Jahr liege. F\u00fcr dieses \u201eZahlenspiel\u201c, \u201eohne Anspruch auf wissenschaftliche Exaktheit\u201c, so erkl\u00e4rt er auf Nachfrage, teilte er die Anzahl der Infektionen in einem Jahr durch die Gesamtbev\u00f6lkerung und multiplizierte das Ergebnis mit dem von ihm angenommenen Risiko, an den Masern zu sterben.\u00a0Er l\u00e4sst dabei au\u00dfer Acht, dass 87 Prozent der Kinder in Deutschland eine Grundimmunisierung durch eine Masernimpfung haben und vor allem Ungeimpfte an Masern erkranken. Das zeigen Daten der WHO sowie Daten des RKI, wonach beispielsweise 2019 rund 78 Prozent und Anfang 2024 rund 85 Prozent der Erkrankten ungeimpft waren. Eine mit Masern infizierte Person kann in einer ungesch\u00fctzten Bev\u00f6lkerungsgruppe 12 bis 18 weitere Personen anstecken.\u00a0Wenige Masernf\u00e4lle sind kein Argument gegen den Nutzen der ImpfungSoweit zu den einzelnen Argumenten, die S\u00f6nnichsen anf\u00fchrt. In seinem etwa sechsmin\u00fctigen Vortrag zu Masern nennt er keinen einzigen Beleg, der seine Behauptung einer negativen Schaden-Nutzen-Bilanz der Masernimpfung st\u00fctzt. \u00dcber die Folgen einer Masernerkrankung kl\u00e4rt er nicht auf.Mit unseren Recherchen konfrontiert, bleibt S\u00f6nnichsen dabei: \u201eMasern in unserem Land\u201c w\u00fcrden \u201ekeine epidemiologisch relevante Bedrohung\u201c darstellen. Auch die Basis sieht in einer Mail an uns, die sie auch ver\u00f6ffentlichte, keinen Grund zur Korrektur. Einzelne Fehler S\u00f6nnichsens tut sie ab, auf andere geht sie nicht n\u00e4her ein. Ihr Hauptargument: Wenn bei einer Masernerkrankung ein so geringes Sterberisiko da sei, gebe es keinen Nutzen der Impfung.S\u00f6nnichsen verweist in seiner Mail an uns unter anderem darauf, dass es 2024 in Deutschland 645 Masernf\u00e4lle gab, darunter keine Todesf\u00e4lle oder F\u00e4lle von Gehirnentz\u00fcndungen. Das greift zu kurz. Daten aus anderen Jahren zeigen: Von 2007 bis einschlie\u00dflich 2023 gab es laut der Todesursachenstatistik insgesamt 46 Todesf\u00e4lle aufgrund von Masern beziehungsweise SSPE in Deutschland. SSPE ist eine bestimmte Form der Gehirnentz\u00fcndung, die Jahre sp\u00e4ter infolge einer Maserninfektion auftreten kann.Dass sich aktuell wenig Menschen in Deutschland mit Masern anstecken, belegt nicht, dass die Impfung nichts bringt \u2013 im Gegenteil. Und: Nur auf die geringen Sterbezahlen zu achten, greift zu kurz.Fachleute verweisen auf Gefahr der Virenverbreitung und Hospitalisierungsraten von Masern-ErkranktenWir haben mehrere Fachleute um ihre Einsch\u00e4tzung zur Masernimpfung gebeten. Wir haben mit ihnen auch \u00fcber jene Aspekte gesprochen, die S\u00f6nnichsen au\u00dfer Acht l\u00e4sst. Ihre Einordnungen zeigen ein v\u00f6llig anderes Bild, als S\u00f6nnichsen es zeichnet.Christian Bogdan, Professor f\u00fcr Medizinische Mikrobiologie und Infektionsimmunologie am Universit\u00e4tsklinikum Erlangen, schreibt: Es sei zwar richtig, dass die Zahl der Maserninfektionen in Deutschland derzeit auf einem niedrigen Niveau liege und dementsprechend das Risiko, sich als ungeimpfte Person mit Masern anzustecken, sehr gering sei. \u201eDaraus kann man aber nicht ableiten, dass eine Masernimpfung unn\u00f6tig oder gar gef\u00e4hrlich ist\u201c, so Bodgan. Da Masernviren weltweit nicht ausgestorben sind, k\u00f6nnten sie in ungeimpften Bev\u00f6lkerungsgruppen immer wieder Ausbr\u00fcche verursachen, die mit Hospitalisierungen und auch mit Todesf\u00e4llen einhergingen.\u00a0\u00c4hnlich argumentiert Wegene Borena, Fach\u00e4rztin f\u00fcr Virologie und Leiterin der klinischen Diagnostik an der Medizinischen Universit\u00e4t Innsbruck. Sie schreibt uns, dass auch in reichen Industriel\u00e4ndern die Gefahr bestehe, dass Masernviren st\u00e4ndig eingef\u00fchrt w\u00fcrden und sich ausbreiteten.Masern k\u00f6nnen auch abseits von Todesf\u00e4llen schwere Folgen habenAndrea Grisold, Leiterin des Bereichs Klinische Mikrobiologie, Krankenhaushygiene und Impfungen an der Medizinischen Universit\u00e4t Graz, schreibt uns: \u201eDie Sterberate ist zwar ein wichtiger Aspekt, gibt aber kein vollst\u00e4ndiges Bild vom Nutzen-Risiko-Verh\u00e4ltnis der Masernimpfung. H\u00e4ufige und durchaus schwere Komplikationen durch Masern sind: Mittelohrentz\u00fcndungen, Lungenentz\u00fcndungen, Krampfanf\u00e4lle und Durchfall.\u201c Laut dem RKI\u00a0 kann das Immunsystem langanhaltend nach einer Masernerkrankung geschw\u00e4cht sein. Weitere Komplikationen trete wie folgt auf:\u00a0Mittelohrentz\u00fcndung (bei 7 bis 9 Prozent der an Masern-Erkrankten)Durchf\u00e4lle (ca. 8 Prozent der an Masern-Erkrankten)\u00a0Lungenentz\u00fcndungen (1 bis 6 Prozent der an Masern-Erkrankten)\u00a0Gehirnentz\u00fcndung (etwa bei 1 von 1.000 der an Masern-Erkrankten)SSPE (bei durchschnittlich 4 bis 11 pro 100.000 an Masern-Erkrankten)Christoph Berger, Chefarzt der Infektiologie am Kinderspital Z\u00fcrich, verweist auf Nachfrage auf Angaben des CDC in den USA, wonach Maserninfektionen zu schweren Erkrankungen, zur Hospitalisation bei etwa 20 Prozent der ungeimpften Personen und zu Todesf\u00e4llen bei mindestens einem von 1.000 erkrankten Kindern f\u00fchren.\u00a0Wie das RKI berichtet, wurden im Jahr 2023 34 von insgesamt 78 Masernf\u00e4llen in einem Krankenhaus behandelt.\u00a0Die Kassen\u00e4rztliche Bundesvereinigung vergleicht in einer Patienteninformation das Risiko von Masern und Impfung: \u201eEtwa 100 von 100.000 Erkrankten sterben an Masern, etwa 3.000 bekommen eine Lungenentz\u00fcndung. Schwere Nebenwirkungen der Impfung betreffen etwa 2 von 100.000 Geimpften.\u201cBewertung des Impfstoffs: S\u00f6nnichsen ignoriert dessen Wirksamkeit, eine Masernerkrankung vorzubeugen\u00a0\u00a0In seiner Bewertung der Schaden-Nutzen-Bilanz ignoriert S\u00f6nnichsen w\u00e4hrend seines Vortrags nicht nur die Folgen einer Masernerkrankung, sondern auch die Wirksamkeit der Masernimpfung.Laut WHO verhinderte die Masernimpfung zwischen 2000 und 2023 mehr als 60 Millionen Todesf\u00e4lle. Das RKI schreibt zudem auf Nachfrage: \u201eRegelm\u00e4\u00dfig werden Daten in systematischen Reviews zum Beispiel von der Cochrane Gesellschaft und von der WHO zusammengestellt und bewertet. Der weltweite Einsatz im Rahmen dieser Risiko-Nutzen-Analysen wird f\u00fcr angemessen eingesch\u00e4tzt.\u201c\u00a0So zeigt zum Beispiel eine Studie aus 2021, dass die Wirksamkeit des Impfstoffs zur Vorbeugung von Masern nach einer Dosis bei 95 Prozent und nach zwei Dosen bei 96 Prozent lag. Grundlage der Ergebnisse sind einmal sieben Kohortenstudien mit rund 12.000 Kindern und einmal f\u00fcnf Kohortstudien mit rund 21.600 Kindern. Die Beweisst\u00e4rke der Ergebnisse gilt als \u201emoderat\u201c.\u00a0Grisold von der Medizinischen Universit\u00e4t Graz schreibt au\u00dferdem: \u201eDurch die Impfung sch\u00fctzt man auch Menschen, die nicht geimpft werden k\u00f6nnen. Zum Beispiel S\u00e4uglinge oder immungeschw\u00e4chte Personen.\u201cFazit: Das Schaden-Nutzen-Bilanz der Masernimpfung ist laut PEI und mehreren Fachleuten positivVor diesem Hintergrund bewerten alle von uns begfragten Fachleute die Schaden-Nutzen-Bilanz der Masernimpfung als \u201eeindeutig positiv\u201c. Grisold schreibt: \u201eDie Impfung sch\u00fctzt in \u00fcber 95 Prozent der F\u00e4lle zuverl\u00e4ssig vor Masern. Die Nebenwirkungen der Impfung sind gut erforscht und \u00fcberwiegend mild und vor\u00fcbergehend. Masern k\u00f6nnen t\u00f6dlich verlaufen oder zu schweren Folgesch\u00e4den f\u00fchren \u2013 die Impfung verhindert das.\u201cDas PEI schreibt: \u201eEin Impfstoff mit einem negativen Verh\u00e4ltnis von Nutzen und Risiko w\u00fcrde keine Zulassung erhalten oder behalten.\u201cRedigatur: Matthias Bau, Gabriele ScherndlDie wichtigsten, \u00f6ffentlichen Quellen f\u00fcr diesen Faktencheck:J\u00e4hrliche Todesf\u00e4lle in den USA infolge einer Maserninfektion, Weltgesundheitsorganisation: LinkBericht aus 2013: Sicherheit und Vertr\u00e4glichkeit von monovalenten Masern- und kombinierten Masern-, Mumps-, R\u00f6teln- und Varizellenimpfstoffen, Paul-Ehrlich-Institut: Link (archiviert)Masernsymptome und Komplikationen, Center for Disease Control and Prevention: Link (archiviert)Masern, Weltgesundheitsorganisation: Link (archiviert)Impfquoten in Deutschland, RKI, April 2025: Link (archiviert)Todesursachenstatistik, Statsitisches Bundesamt, abgerufen am 11. Juni 2025: LinkVaccines for measles, mumps, rubella, and varicella in children, Cochrane Library, November 2021: Link (archiviert)Patienteninformation, Kassen\u00e4rztliche Bundesvereinigung, M\u00e4rz 2020: Link (PDF, archiviert)Zur Quelle wechselnAuthor: Kimberly Nicolaus"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Arzt aus \u00d6sterreich macht mit fehlerhaften Angaben Stimmung gegen die Masernimpfung","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/arzt-aus-oesterreich-macht-mit-fehlerhaften-angaben-stimmung-gegen-die-masernimpfung\/#breadcrumbitem"}]}]