[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/aufstieg-der-deutschen-waffen-start-ups\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/aufstieg-der-deutschen-waffen-start-ups\/","headline":"Aufstieg der deutschen Waffen-Start-ups","name":"Aufstieg der deutschen Waffen-Start-ups","description":"Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck \/ Zur Quelle wechseln Die deutsche R\u00fcstungsindustrie wandelt sich rasant. Einstige Platzhirsche wie Rheinmetall oder Diehl haben in den vergangenen Jahren neue Konkurrenz aus Deutschland bekommen: die jungen Waffen-Start-ups Helsing und Stark. 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Einstige Platzhirsche wie Rheinmetall oder Diehl haben in den vergangenen Jahren neue Konkurrenz aus Deutschland bekommen: die jungen Waffen-Start-ups Helsing und Stark. Beide Firmen dr\u00e4ngen mit sogenannten Kamikaze-Drohnen auf den Markt.\u00a0Die Unternehmen buhlen derzeit um Millionenauftr\u00e4ge der Bundesregierung: Nach CORRECTIV-Informationen soll sich das Verteidigungsministerium (BMVg) im Fr\u00fchjahr 2025 selbst an Helsing und Stark gewendet haben und h\u00e4ndigte sogenannte Testvertr\u00e4ge aus. Es geht um einen Auftrag von 300 Millionen Euro, die nach erfolgreichen Tests und einer Entscheidung zugunsten der Unternehmen ausbezahlt werden sollen. Sp\u00e4ter im Jahr stieg nachtr\u00e4glich offenbar auch Rheinmetall in die Testrunde ein. Tausende Drohnen sollen nach den Tests an die neue Panzerbrigade der Bundeswehr in Litauen geliefert werden. Es geht bei dem ausstehenden Deal aber um weitaus mehr als eine gew\u00f6hnliche Waffenbeschaffung.Die Bundeswehr betritt mit dem Kauf technologisches Neuland. Und wer den Zuschlag bekommt, wird sich wom\u00f6glich auf Jahre das Vorrecht f\u00fcr neue Auftr\u00e4ge sichern und sich als neue Gr\u00f6\u00dfe im R\u00fcstungsmarkt positionieren k\u00f6nnen.\u00a0Was sind Kamikaze-Drohnen?Kamikaze-Drohnen werden im Fachjargon \u201eLoitering Munition\u201c genannt, weil sie nach dem Abwurf, etwa \u00fcber eine Rampe, in der Luft \u00fcber ihren Zielen schweben. Zum Angriff st\u00fcrzen sie dann nach unten und explodieren beim Aufprall. Sie werden deshalb auch Einweg-Drohnen genannt.Es handelt sich demnach um Kampf-Drohnen, die mit Sprengk\u00f6pfen versehen sind; nicht zu verwechseln mit Drohnen, die nur mit Kameras ausgestattet sind und zur Aufkl\u00e4rung oder \u00dcberwachung eingesetzt werden. Die Bundesregierung hatte den Einsatz solcher Systeme im Jahr 2022 noch kategorisch ausgeschlossen. Die Waffen werden zunehmend mit KI ausgestattet, etwa zur Zielfindung. Rein technisch k\u00f6nnten sie den tats\u00e4chlichen Angriff auch autonom durchf\u00fchren \u2013 das jedoch ist umstritten.Wer also steckt hinter den beiden Unternehmen? Und welche Netzwerke wollen alte Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse abl\u00f6sen?Helsing: Der milliardenschwere VorreiterBei einer Pr\u00e4sentation in Tussenhausen im September 2025 zeigt Helsing ein Werbevideo \u00fcber einen mit k\u00fcnstlicher Intelligenz ausgestatteten Kampfjet. (Foto: picture alliance \/ CHROMORANGE | Michael Bihlmayer)An einem Dezembermorgen vergangenes Jahr in der Hauptstadt zeigte sich der Generationsunterschied zwischen der alten und der neuen R\u00fcstungswelt anschaulich: Helsing, das wertvollste Start-up Deutschlands, hatte nahe dem Brandenburger Tor zu einer Pressekonferenz ins Luxushotel Adlon geladen. Es sollte eine neue Kooperation f\u00fcr Satellitentechnologie angek\u00fcndigt werden.\u00a0Helsing f\u00fchrt die Zusammenarbeit an, daneben steht das junge Unternehmen Isar Aerospace aus dem M\u00fcnchner Raum. Dazu kommen der R\u00fcstungskonzern Hensoldt, einst als Ausgr\u00fcndung der Traditionsfirma Airbus gestartet, und der \u00fcber 200 Jahre alte norwegische Waffenhersteller Kongsberg.\u00a0In Berlin positionierten sich die jungen Unternehmer wie Disruptoren im Stil von Tech-Unternehmern aus dem Silicon Valley: in schwarzen Rollkragenpullovern und navy-blauen Jacketts. Neben ihnen die alten Hasen, beide in der klassischen Business-Uniform: Anzug und Schlips.Von links: Daniel Metzler, CEO von Isar Aerospace, Gundbert Scherf, CEO von Helsing und Eirik Lie, Pr\u00e4sident Kongsberg Defense and Aerospace sowie Dietmar Thelen, Head of Multi-Domain Solutions Division bei Hensoldt bei der Verk\u00fcndung einer Satelliten-Kooperation der Unternehmen. (Foto: picture alliance\/dpa | Jens Kalaene)Die Unterschiede der beiden Welten zeigten sich an diesem Tag aber nicht nur in den Outfits. Die Vertreter von Hensoldt und Kongsberg sprachen nur wenig, gaben sich zur\u00fcckhaltend. Gundbert Scherf, Mitgr\u00fcnder von Helsing, inszenierte sich dagegen als Vordenker.\u00a0Wenn er spricht, geht es \u2013 so auch an diesem Tag \u2013 um die gro\u00dfen geopolitischen Fragen: um Demokratie und darum, wie man sie sch\u00fctzt. Daf\u00fcr brauche es dringend agile, smarte L\u00f6sungen in Sachen Hardware, Software, KI und Datenauswertung. \u201eWir brauchen die besten Athleten in jedem Bereich\u201c, sagte Scherf.\u00a0Der fr\u00fchere McKinsey-Berater und BMVg-Mitarbeiter Scherf gr\u00fcndete Helsing gemeinsam mit zwei KI- und Machine-Learning-Experten 2021 in M\u00fcnchen. Die Firma hatte durch Scherfs Kontakte zum BMVg und der Szene rund um die M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz (MSC) fr\u00fch politische R\u00fcckendeckung.\u00a0Finanzielle Unterst\u00fctzung kam von Spotify-Gr\u00fcnder Daniel Ek: Er stieg \u00fcber seine Investmentfirma als zentraler Geldgeber ein. Der schwedische R\u00fcstungskonzern Saab investierte ebenfalls. Helsing wurde so schnell zu einem der bestfinanzierten R\u00fcstungs-Start-ups Europas.Wohl eine zentrale Figur in dieser Entwicklung ist Tom Enders. Der fr\u00fchere Airbus-Chef stie\u00df 2022 zu Helsing und \u00fcbernahm sp\u00e4ter den Vorsitz im Aufsichtsrat. Enders steht wie kaum ein anderer f\u00fcr die Schnittstelle zwischen europ\u00e4ischer R\u00fcstungsindustrie, Politik und strategischer Vordenkerrolle: Er leitete \u00fcber ein Jahrzehnt den Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus, ist Pr\u00e4sident der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Politik (DGAP) und geh\u00f6rt zu den einflussreichsten Stimmen, wenn es um europ\u00e4ische Sicherheits- und R\u00fcstungsfragen geht.Tom Enders, damals noch Airbus-Vorstand, neben der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel 2018 in Brandenburg. (picture alliance \/ Britta Pedersen\/dpa-Zentralbild\/ZB | Britta Pedersen)Enders\u2019 Rolle unterstreicht, dass Helsing l\u00e4ngst kein gew\u00f6hnliches Start-up mehr ist. Die Firma will die europ\u00e4ische R\u00fcstungs- und Verteidigungsf\u00e4higkeit offensichtlich neu ordnen.\u00a0Ob die in Berlin angek\u00fcndigte Satelliten-Kooperation Fr\u00fcchte tr\u00e4gt, wird sich noch zeigen. Der Fokus von Helsing liegt bis auf weiteres in anderen Bereichen.Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 verschob sich Helsings Rolle: Aus dem zun\u00e4chst betonten Fokus auf KI-Software f\u00fcr bestehende Systeme entwickelte sich das Unternehmen zunehmend zu einem Anbieter eigener milit\u00e4rischer Hardware. Ab sp\u00e4testens 2024 begann Helsing, unter anderem sogenannte Kamikaze-Drohnen zu entwickeln \u2013 und sie in die Ukraine zu verkaufen.\u00a0Scherfs Firma ist damit nicht allein. 2024 gr\u00fcndete eine Gruppe von Tech-Experten und Investoren ein direkt mit Helsing konkurrierendes Start-up, das eigene Kamikaze-Drohnen entwickelt und in der Ukraine testet. Das Netzwerk dahinter ist nicht weniger einflussreich, vertritt aber andere Interessen.Stark: Der Herausforderer \u2013 mit Cash aus den USAMitarbeiter der Firma Stark Defence demonstrieren bei einem Test im Dezember 2025 in einem Waldst\u00fcck in der N\u00e4he des Sprengplatzes den Aufbau ihrer Kamikaze-Drohne \u201eVirtus\u201c. (Foto: picture alliance\/dpa | Kay Nietfeld)Nahe des Berliner Hauptbahnhofs, rund 200 Meter Luftlinie vom Kanzleramt entfernt, hat das junge Unternehmen Stark Defence einen Sitz. Auf den ersten Blick wirkt das B\u00fcro wie das eines allt\u00e4glichen Start-ups: offene B\u00fcrofl\u00e4chen, der Besprechungsraum hinter einer Glasfront.\u00a0Nur die etwa mannshohe Drohne, die im Raum steht, zeigt: Hier werden die Geschicke eines Unternehmens gelenkt, das Kriegswaffen herstellt. Das B\u00fcro wird auch als Showroom verwendet.\u00a0Stark ist im Grunde eine Neuinterpretation des Unternehmens Quantum Systems, das hier ebenfalls einen Sitz hat, wie das Logo auf dem Klingelschild verr\u00e4t. Beide Firmen wurden von Florian Seibel gegr\u00fcndet, einem ehemaligen Bundeswehroffizier.\u00a0Bei Quantum Systems werden \u00dcberwachungsdrohnen hergestellt, Hunderte davon wurden im vergangenen Jahr an die Bundeswehr ausgeliefert. Stark dagegen stattet seine Drohnen mit kiloschweren Sprengk\u00f6pfen aus, die gegnerische Panzer zerst\u00f6ren sollen. Sie werden bereits in der Ukraine getestet, Seibel will sie k\u00fcnftig auch an die Truppe liefern.\u00a0Mittlerweile ist Seibel nur noch im Hintergrund aktiv. Das Tagesgesch\u00e4ft \u00fcbernahm im vergangenen Jahr Uwe Horstmann, der mit seinem Kapitalfonds bereits in Quantum Systems investierte.\u00a0Auch Horstmann findet gewichtige Worte f\u00fcr den Unternehmenszweck. \u201eKein anderes Team verbindet so viel Tempo, Talent und Entschlossenheit, Europa zu sch\u00fctzen\u201c, sagt er \u00fcber Stark. Horstmann hat wie Seibel Bundeswehr-Erfahrung, er ist Reserveoffizier.\u00a0Stark-CEO Uwe Horstmann im vergangenen November auf einem Event in der englischen Gro\u00dfstadt Swindon. Stark baut hier eine Produktionsst\u00e4tte f\u00fcr seine Kampfdrohnen. (Foto: picture alliance \/ empics | Andrew Matthews)Die Unternehmensf\u00fchrung rund um Seibel und Horstmann hat in kurzer Zeit ein Investorenkonsortium angezogen, das weit \u00fcber klassische Kapitalgeber hinausgeht. Es sind Akteure beteiligt, die tief im sicherheitspolitischen Establishment der USA verankert sind: so etwa der Tech-Milliard\u00e4r Peter Thiel, der seit Jahren als F\u00f6rderer von US-Pr\u00e4sident Donald Trump und neuer Milit\u00e4rtechnologie auftritt.Stark-Gr\u00fcnder Seibel reagiert Zur Quelle wechselnAuthor: Till Eckert"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Aufstieg der deutschen Waffen-Start-ups","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/aufstieg-der-deutschen-waffen-start-ups\/#breadcrumbitem"}]}]