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title: "Bezahlbares Wohnen braucht Boden: Köln stärkt Genossenschaften"
url: https://www.bachhausen.de/bezahlbares-wohnen-braucht-boden-koeln-staerkt-genossenschaften/
date: 2026-10-02
modified: 2026-10-02
lang: de
author: "Dirk Bachhausen"
description: "Der Beschluss des Ausschusses für Stadtentwicklung zur gezielten Förderung des genossenschaftlichen Wohnungsbaus ist ein wichtiges Signal für Köln. Der von der Volt-Fraktion eingebrachte Antrag AN/1087/2026 weist in die richtige Richtung:..."
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  - "Meinung"
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  - "bezahlbares"
  - "Boden"
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# Bezahlbares Wohnen braucht Boden: Köln stärkt Genossenschaften

Der Beschluss des Ausschusses für Stadtentwicklung zur gezielten Förderung des genossenschaftlichen Wohnungsbaus ist ein wichtiges Signal für Köln. Der von der Volt-Fraktion eingebrachte Antrag AN/1087/2026 weist in die richtige Richtung: Städtische Grundstücke sollen künftig systematischer für gemeinwohlorientierte und dauerhaft bezahlbare Wohnprojekte eingesetzt werden.

Der Kölner Wohnungsmarkt ist seit Jahren extrem angespannt. Steigende Mieten, hohe Grundstückspreise und fehlendes Bauland machen es insbesondere Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen immer schwerer, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Gleichzeitig fehlt es vielen Genossenschaften und gemeinschaftlichen Wohnprojekten nicht an Ideen oder engagierten Mitgliedern, sondern vor allem an geeigneten und finanzierbaren Grundstücken.

Genau hier setzt der Antrag von Volt an. Die Verwaltung soll einen verbindlichen Fünfjahresplan entwickeln und einen städtischen Flächenpool für Wohnungsgenossenschaften aufbauen. Bis zum Jahr 2031 sollen mindestens zehn Prozent der städtischen Entwicklungsflächen an Genossenschaften vergeben werden. Bereits 2027 soll eine erste Fläche ausgeschrieben werden. Zusätzlich soll die Stadt gezielt geeignete Grundstücke ankaufen.

Ich begrüße diesen Beschluss ausdrücklich. Wer dauerhaft bezahlbaren Wohnraum schaffen will, darf sich nicht allein auf den freien Markt verlassen. Grund und Boden sind nicht beliebig vermehrbar. Deshalb muss die Stadt ihre Grundstückspolitik aktiv gestalten und Flächen gezielt für Projekte einsetzen, die einen langfristigen Nutzen für die Menschen in Köln haben.

Wohnungsgenossenschaften leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Sie verfolgen in der Regel nicht das Ziel, kurzfristig möglichst hohe Renditen zu erzielen. Im Mittelpunkt stehen stabile Wohnverhältnisse, langfristig kalkulierbare Mieten und die Mitbestimmung der Mitglieder. Genossenschaftlicher Wohnraum bleibt damit dauerhaft dem gemeinschaftlichen Zweck verpflichtet und wird der Spekulation weitgehend entzogen.

Besonders wichtig ist, dass aus einzelnen Modellprojekten endlich eine verlässliche Strategie entstehen soll. Genossenschaften brauchen Planungssicherheit. Sie müssen wissen, welche Flächen wann zur Verfügung stehen und nach welchen Kriterien diese vergeben werden. Nur dann können sie Projekte professionell vorbereiten, Mitglieder gewinnen und Finanzierungen aufbauen.

Das Beispiel München zeigt, dass eine konsequente kommunale Flächenpolitik genossenschaftliche Strukturen stärken und dauerhaft etablieren kann. Köln sollte von diesen Erfahrungen lernen und sie an die eigenen Bedingungen anpassen. Eine soziale Bodenpolitik ist keine kurzfristige Maßnahme, sondern eine Investition in die Zukunft unserer Stadt.

Richtig ist deshalb auch, dass im Jahr 2029 überprüft werden soll, ob die festgelegten Flächenziele erreicht werden. Politische Beschlüsse dürfen nicht nur auf dem Papier stehen. Es braucht messbare Ziele, transparente Zwischenstände und die Bereitschaft, nachzusteuern, wenn Flächen nicht rechtzeitig bereitgestellt oder ausgeschrieben werden.

Ebenso entscheidend ist die dauerhafte Absicherung der MitStadtZentrale. Gemeinschaftliche Wohnprojekte und neue Genossenschaften benötigen fachkundige Begleitung. Grundstücksfragen, Finanzierung, Förderprogramme, Rechtsformen und Bauplanung sind komplex. Viele gute Initiativen scheitern nicht an fehlendem Engagement, sondern an bürokratischen und organisatorischen Hürden. Eine zentrale Lotsenstelle kann helfen, diese Hindernisse zu überwinden und aus guten Ideen tatsächlich realisierte Wohnungen zu machen.

Bei der Vergabe städtischer Flächen sollten nicht der höchste gebotene Preis, sondern nachvollziehbare Gemeinwohlkriterien im Mittelpunkt stehen. Dazu gehören dauerhaft bezahlbare Mieten, Barrierefreiheit, Klimaschutz, gemeinschaftlich nutzbare Räume, soziale Vielfalt und eine gute Einbindung in das jeweilige Veedel. Gerade in neu entstehenden Quartieren können Genossenschaften dazu beitragen, lebendige und stabile Nachbarschaften zu schaffen.

Für den Kölner Norden ist diese Politik besonders wichtig. Große Entwicklungsprojekte wie Köln-Kreuzfeld dürfen nicht nur möglichst viele Wohnungen hervorbringen. Es müssen vielfältige, sozial ausgewogene und dauerhaft bezahlbare Quartiere entstehen. Genossenschaften sollten deshalb von Anfang an verbindlich in die Planungen einbezogen werden.

Sergen Belen, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Volt-Fraktion, bringt es auf den Punkt: Genossenschaftliches Wohnen darf in Köln kein Nischenthema bleiben, sondern muss zu einem festen Bestandteil der Stadtentwicklung werden.

Dem stimme ich ausdrücklich zu. Der Beschluss ist ein wichtiger Schritt. Entscheidend wird nun sein, dass die Verwaltung den Flächenpool zügig aufbaut, die erste Ausschreibung tatsächlich 2027 erfolgt und das Ziel von mindestens zehn Prozent bis 2031 konsequent verfolgt wird.

Köln braucht mehr Wohnungen. Vor allem aber braucht Köln mehr Wohnungen, die auch in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren noch bezahlbar sind. Eine starke genossenschaftliche Wohnungswirtschaft kann dazu einen entscheidenden Beitrag leisten.

 