[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/bornholm-das-muellschlucker-eiland\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/bornholm-das-muellschlucker-eiland\/","headline":"Bornholm: das M\u00fcllschlucker Eiland","name":"Bornholm: das M\u00fcllschlucker Eiland","description":"Felder, Himmel, H\u00f6fe, Weite (li.), Jens Hjul-Nielsen, Direktor der BOFA (re.), Foto: Anja Dilk Hjul-Nielsen ist ein gro\u00dfer, kra\u0308ftiger Mann mit festem Ha\u0308ndedruck, schnellen Sa\u0308tzen und einer fast kindlichen Lust an neuen Gedanken. Als er 2018 die Leitung der BOFA u\u0308bernahm, hatte er es schon lange satt. 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Als er 2018 die Leitung der BOFA u\u0308bernahm, hatte er es schon lange satt. Denn Bornholm ist ebenso arm wie scho\u0308n. Die Krise des Fischfangs in den 1980ern fu\u0308hrte zu wirtschaftlichem Niedergang, Arbeitslosigkeit, Abwanderung. Bis heute liegt das Einkommen der Insulaner:innen zwanzig Prozent unter dem da\u0308nischen Durchschnitt. Immer, wenn sie sich an die Zentrale in Kopenhagen wandten, hatten sie einen Strau\u00df von Problemen im Gepa\u0308ck: \u201eEntschuldigung, wir haben Schwierigkeiten. Verzeihung, wir brauchen mehr Geld.\u201c Hjul-Nielsen sagte sich: \u201eWie wa\u0308re es, wenn wir von einer Probleminsel zu einer Lo\u0308sungsinsel wu\u0308rden? Einem Vorbild, von dem ganz Da\u0308nemark lernen kann, vielleicht ganz Europa?\u201cEin Wochenende lang hat sich Hjul-Nielsen mit einer Handvoll Kolleg:innen und Expert:innen in einem Kopenhagener Hotel eingesperrt und eine Strategie entwickelt. Kein technokratischer Firlefanz mit Recyclingquoten fu\u0308r Plastik, Biomu\u0308ll oder Holz, keine Trennung von Haus- und Industriemu\u0308ll, sondern ein fu\u0308r alle versta\u0308ndliches Ziel: bis 2032 alles recyclen oder wiederverwenden. Hat Kontakte zur Aalborg-Universita\u0308t im Norden Da\u0308nemarks geknu\u0308pft: Beratet uns, wie ko\u0308nnen wir es schaffen? Hat die Politik auf Bornholm ins Boot geholt: Lasst uns das zusammen durchziehen.No-Waste + klimaneutral = perfekter MixDenn passte sein Konzept nicht hervorragend zur neuen da\u0308nischen Gesetzgebung, die Verbrennungen ohnehin runterfahren will und erste Mu\u0308lltrennung vorschreibt, um das nationale Emissionsziel von minus 50 Prozent bis 2050 zu erreichen? Fu\u0308gte sich die Vision der mu\u0308llfreien Insel nicht optimal in das Programm Bright Green Island, das Bornholm bereits 2008 beschlossen hat? Die Insel will klimaneutral werden, setzt auf o\u0308kologische Landwirtschaft, Energie aus Biogas, Solar und Wind. Bereits jetzt wird der gro\u0308\u00dfte Teil von Strom und Wa\u0308rme aus Erneuerbaren gewonnen. Geht 2029 tatsa\u0308chlich die neue Offshore-Windanlage an den Start, wa\u0308re genug Power da, um die Energie aus der Mu\u0308llverbrennung zu ersetzen. Auch zusa\u0308tzliche Biogasanlagen ko\u0308nnten auf der Insel leicht mehr Fernwa\u0308rme liefern. Wa\u0308re also die Vision der No-Waste-Insel nicht die optimale Erga\u0308nzung? 2018 gab das Gemeindeparlament einstimmig das Go.Hol dir dein Abo!Wir sind eine unabh\u00e4ngige Redaktion. Wir finanzieren uns \u00fcber Abos. Mehr als 5.000 treue Leser:innen machen dieses Heft m\u00f6glich \u2013 DANKESCH\u00d6N.4 Ausgaben \/ JahrAbos schon ab 3 \u20ac \/ MonatJetzt abonnierenDie Sonne knallt auf die Su\u0308dseite des BOFA-Gela\u0308ndes. Hier gedeiht die Zukunft, das Recyclingcenter, die erste Sa\u0308ule der BOFA-Vision. Vierzig Container sind zu Gassen aufgereiht, fu\u0308r jede Mu\u0308llkategorie ein Container. Bornholmer:innen rollen mit vollgepackten Autos auf den Hof, entladen und sortieren ihren Abfall in die vierzig Schlu\u0308nde. Da gibt es Styropor und Backsteine, Fischernetze und Toiletten, Fensterrahmen und Dichtungen, Hartplastik und Weichkunststoff.Die Idee: Je genauer der Mu\u0308ll getrennt ist, desto leichter la\u0308sst er sich wiederaufbereiten. Jedes Jahr soll mindestens eine Kategorie dazukommen. Die Sortierung im Recyclingcenter ist freiwillig, zu Hause wird sie ku\u0308nftig erwartet.Zwischen den Containern steht schon ein Muster zum Anschauen: ein Trio neuer Mu\u0308lleimer, blau, gru\u0308n, braun, mit mehrfach geteilten Kammern. Mitte na\u0308chster Woche werden solche Trios an alle Haushalte der Insel ausgeliefert \u2013 die Bornholmer:innen mu\u0308ssen ab dann auch zu Hause kleinteilig trennen. In zwo\u0308lf Kategorien von Biomu\u0308ll u\u0308ber Lebensmittelverpackungen, Tetrapaks, Batterien, Da\u0308mmmaterialien, Metall, Kleinelektro bis zu Kleidung. Die BOFA sammelt die Kategorien nach einem genauen Zeitplan ein, informiert wird per App, wer eine Sonderabholung fu\u0308r Sperrmu\u0308ll braucht, kann sich eintragen.Einen guten Kilometer vom Recyclinghof entfernt sitzt David Christensen in einem verwinkelten Dachgeschoss. Er hat Umweltmanagent an der Aalborg-Universita\u0308t studiert, jetzt leitet er die No-Waste-Abteilung. Sie ist so etwas wie der Maschinenraum der BOFA-Vision. Mit seinem achtko\u0308pfigen Team schaut er sich um: Was ko\u0308nnen wir auf der Insel selbst wiederverwerten? Baumaterialien etwa werden zerkleinert und als Fu\u0308llmaterial fu\u0308r Fundamente von Neubauten ver- wendet. Circa sechzig Prozent des Abfalls wandern hier in die Aufbereitung, die restlichen vierzig mu\u0308ssen verschickt werden. Und wo in Europa, vor allem in Skandinavien und im Ostseeraum, gibt es Recyclingcompanys, die den Mu\u0308ll verarbeiten, den wir nicht aufbereiten ko\u0308nnen?Denn Bornholm ist zu klein, um alle Abfa\u0308lle selbst zu recyceln. Es fehlen nicht nur Technik und Know-how, es hapert auch an der kritischen Masse, der schlichten Menge, damit sich das Recyceln wirtschaftlich bewerkstelligen la\u0308sst. \u201eAlso brauchen wir Partner:innen\u201c, sagt Christensen. Wenn irgend mo\u0308glich, wandern die Abfa\u0308lle nach Da\u0308nemark, dann braucht es keine aufwendigen Exportgenehmigungen. Reifengummi etwa geht nach Ju\u0308tland, Kunststoff zu DanB\u00f8rs nach S\u00f8borg. \u201eWir schauen permanent: Wo kommt die Recyclingtechnik voran, welcher Mu\u0308ll hat einen Marktwert \u2013 unser Konzept muss sich ja auch rechnen.\u201c            \u201eWir schauen permanent: Wo kommt die Recyclingtechnik voran, welcher M\u00fcll hat welchen Marktwert?\u201d                    \u2013 Daniel Christensen, Leiter der No-Waste-Abteilung        Der Pioniergeist der Insel zieht Forschende aus aller Welt an. Gerne empfa\u0308ngt Hjul-Nielsen Presse. Journalist:innen von Kanada bis Hongkong waren schon da, National Geographic und BBC haben berichtet. Das o\u0308ffentliche Klappern geho\u0308rt zur Strategie: Bornholm will Spielwiese fu\u0308r Experimente werden. Unternehmen wie Nestle\u0301 und BASF bekunden Interesse, Wissenschaftsprojekte sind gestartet wie die Wasseraufbereitung bei Svaneke. Das neueste EU-Forschungsprojekt sucht nach Lo\u0308sungen fu\u0308r die Wiederverwertung von schadstoffbelasteten Holzabfa\u0308llen. Wie lie\u00dfen sie sich technisch reinigen, was ko\u0308nnten Unternehmen daraus herstellen? Komponenten fu\u0308r den Bootsbau etwa? Das wird gerade mit einem da\u0308nischen Bootsbauer ergru\u0308ndet. Andere Experimente laufen auf lokaler Basis. Das Keramikhandwerk, beru\u0308hmt fu\u0308r seine traditionelle Kunst, probiert in Kooperation mit der o\u0308rtlichen Kunsthandwerksschule recycelten Ton aus.Auch Ru\u0308ckschla\u0308ge geho\u0308ren dazu. Lange war die Biogasanlage zwischen den Feldern vor Aakirkeby eine gro\u00dfe Hoffnung. Alle organischen Abfa\u0308lle der Insel, vom Biomu\u0308ll der Haushalte bis zu den Abfa\u0308llen aus der Fleischproduktion, sollten hier zum Treibstoff fu\u0308r Heizenergie und Strom werden. Aber die Essensabfa\u0308lle waren zu stark mit Mikroru\u0308cksta\u0308nden von Plastikverpackungen und anderem Mu\u0308ll versetzt, Investitionen in eine Vorreinigung ha\u0308tten die Kosten verdoppelt. Christensen: \u201e2022 haben wir das Projekt gestoppt, jetzt werden 38 Tonnen die Woche per Schiff in eine Biogasanlage bei Kopenhagen geschickt, die solche Vorreinigungsstufen hat.\u201c            M\u00fcllkrake auf Kurs zum Verbrenner (li.), Insel Idylle Bornholm (re.), Foto: Anja Dilk        Ein \u00e4hnlicher Flop war das Pilotprojekt zur Aufbereitung kompostierbarer Windeln auf Pflanzenbasis eines franz\u00f6sischen Herstellers. Der Kompost h\u00e4tte als D\u00fcnger f\u00fcr die Landwirtschaft dienen sollen. Doch auch hier hakte es an Verunreinigungen. Jetzt streckt die BOFA ihre F\u00fchler zu einer Kopenhagener Gemeinde aus, die andere Formen des Windelrecyclings testet. Christensens: \u201eWir navigieren uns vorw\u00e4rts, um herauszufinden, was funktioniert.\u201dGemeinsam statt allein rumwurschtelnHenning Wilts, Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut fu\u0308r Klima, Umwelt und Energie, durchforstet fu\u0308r den Europa\u0308ischen Bericht Kreislaufwirtschaft den Kontinent nach Best-Practice-Beispielen. \u201eDie Konsequenz, mit der Bornholm nach Lo\u0308sungen zur Wiederverwertung sucht und sich ein glasklares Ziel gesetzt hat, habe ich nirgends sonst in Europa gesehen. Auch wenn es durchaus Gemeinden gibt, die keine eigene Mu\u0308llverbrennung mehr haben und stark auf Recycling setzen, zum Beispiel Kiel oder Luxemburg\u201c, so Wilts. \u201eUnd es ist bemerkenswert, dass in Bornholm alle in Politik und Verwaltung an einem Strang ziehen.\u201c Sonst wurschteln Abfallverantwortliche meist allein vor sich hin. Wenn es eine No-Waste-Strategie gibt, wei\u00df der Rest der Beho\u0308rde oft gar nichts davon. Verfahren und Ordnungsrecht sind dann kaum auf die Entsorgungskonzepte abgestimmt. \u201eAber nur dann ist der Prozess effizient.\u201cInzwischen werden gut 70 Prozent der 80.000 Tonnen Mu\u0308ll im Jahr recycelt, 25 Prozent wandern noch in die Verbrennung, die letzten 5 Prozent landen auf der du\u0308steren Seite des BOFA-Gela\u0308ndes \u2013 der Deponie. Skelette alter Schiffe voller Asbest, Holz getra\u0308nkt mit Gift, Bauschutt mit Schadstoffen, Verbundmaterialien, die nicht mehr voneinander zu trennen sind. Was hier liegt, darf in der Anlage nicht verbrannt werden, zu toxisch ist der Mu\u0308ll. \u201eEs bleibt nichts anderes, als die Hoffnung auf technologische Durchbru\u0308che\u201c, sagt BOFA-Chef Hjul-Nielsen.Die zweite Sa\u0308ule von Hjul-Nielsens No-Waste-Vision allerdings haben die Bornholmer:innen selbst im Griff: Wiederverwenden und Abfall vermeiden. Marian Lundhs Lager liegt versteckt an der Ru\u0308ckseite eines Eckhauses, wo die Hauptstra\u00dfe zum Zentrum von Aakirkeby einen scharfen Knick macht. Drei Stufen hoch, die Tu\u0308r steht offen. Lundh, beiges Blu\u0308mchen-T-Shirt, blonder Pferdeschwanz, hat zwei Handys in der Hand. Eines mit Facebook, eines mit der lokalen Verkaufsplattform AAIF, vor ihr ein Tischgrill, zack Foto, zack geht der Grill online. Lundh hebt den Blick. \u201eWillkommen im Paradies. Setz dich, ich steh lieber.\u201c Das lokale Handy piept. \u201eNa guck, schon ist der Grill weg.\u201cLundh ist Doppel-Unternehmerin, ein Hotel, ein Hostel, und ehrenamtliche Vorst\u00e4ndin des Aakirkeby-Sportverbandes. Seit f\u00fcnf Jahren leeren sie und ihre vier Mitstreiterinnen, allesamt Firmen-Chefinnen, jeden Morgen den Zw\u00f6lf-Quadratmeter-Container suf dem BOFA-Recyclinghof, in den die Bornholmer:innen stellen wollen, was noch gut ist, aber sie nicht mehr haben wollen. Auf den ersten Blick ist das Lager ein wildes Meer aus Dingen, auf den zweiten eine wohlsortierte Amtsstube: Vasen, B\u00fccher, Spiele, Stehlampen, Bilderrahmen, Glasschalen, Kaffeemaschinen, Sitzm\u00f6bel, allesamt in Gruppen geordnet wie in einem Kaufhaus. Ka\u0308ufer:innen ko\u0308nnen ihr Schna\u0308ppchen in Lundhs Hostel Rosengarten abholen. \u201eDas bringt gut 20.000 Euro Einnahmen im Jahr\u201c, sagt Lundh. \u201eDie Leute sind viel offener fu\u0308r Gebrauchtes geworden.\u201c Und alle haben etwas davon: Der Ertrag flie\u00dft in den Sportverein im Ort, eine Institution in der Gemeinde.            David Christensen, Leiter No-Waste-Programm der Abfallbetriebe BOFA (li.), Re-Use-Initiative des Sportverbandes in Aakirkeby (re.), Foto: Anja Dilk        U\u0308berall fo\u0308rdern Projekte auf der Insel diesen Mind-Shift. Mehr als 13.000 Mitglieder \u2013 fast ein Drittel der Einwohner:innen \u2013 hat die Bornholmer Re-Use-Plattform \u201eLetzter Halt vor BOFA\u201c auf Facebook. In vielen Do\u0308rfern sind Sharingstationen fu\u0308r Fahrra\u0308der oder fu\u0308r Werkzeug entstanden. Im na\u0308chsten Jahr soll es \u201eLiving Labs\u201c in Superma\u0308rkten geben, auch die da\u0308nische Handelskette Coop macht mit: R\u00f8nnes gro\u0308\u00dfter Supermarkt wird fu\u0308r eine Testphase zum \u201eKreislaufsupermarkt\u201c, in dem verschiedene wiederverwendbare Verpackungen erprobt werden, zum Beispiel fu\u0308r Gemu\u0308se.Was funktioniert gut, was nutzen die Verbraucher:innen nicht? Gerade verhandelt die BOFA mit einem lokalen Milcherzeuger: Ko\u0308nnte er Milchautomaten in einem Supermarkt aufstellen, aus dem sich die Kund:innen selbst die Milch zapfen? Eine Schule fu\u0308r benachteiligte Jugendliche repariert und verkauft Waschmaschinen vom Recyclinghof. Die Bierbrauerei Svaneke u\u0308berla\u0308sst ihre Malzreste der Ba\u0308ckerei zum Backen.Jacob Tr\u00f8st freut es, wenn Companys mit anpacken. Der Bu\u0308rgermeister wirkt wie ein gemu\u0308tlicher, wachsamer Mann, der einiges ausha\u0308lt. Er gru\u0308\u00dft in seinem Bu\u0308ro, wenige Schritte von David Christensens No-Waste-Abteilung entfernt, und seufzt ein wenig, wa\u0308hrend er einen Kaffee serviert. Er wei\u00df: Ohne Unternehmen und Bevo\u0308lkerung auf den Mu\u0308llfrei-Kurs der Insel mitzunehmen geht nichts. Der Zusammenhalt und die Naturliebe auf der Insel seien eine solide Basis. Letztlich aber za\u0308hle auch das Finanzielle. Und das neue Abfallprogramm kostet. Die Gebu\u0308hren sind seit 2018 um 50 Prozent gestiegen, auf 700 Euro im Jahr. Fu\u0308r manche hier ein ganz scho\u0308ner Batzen.Aber an allen Ecken fehlt das Geld in BornholmJeden Tag ringt Tr\u00f8st um die Verteilung des o\u0308ffentlichen Geldes. Zumal Bornholm ja auch CO2-neutral werden will. Die neuen E-Busse, die nun die Verbrenner ersetzen sollen, kosten doppelt so viel wie Diesel-Busse. \u201eWas wir an der einen Ecke ausgeben, fehlt an der anderen\u201c, sagt Tr\u00f8st. \u201eWarum bekommen wir nicht mehr nationale Fo\u0308rdermittel?\u201d Kein Wunder, dass nicht alle B\u00fcrger:innen Fan der Verwaltungsstrategie sind. Nach einer aktuellen BOFA-Umfrage sprechen sich zwar nur neun Prozent dagegen aus. Aber wie aussagekra\u0308ftig ist sie? Also setzt Tr\u00f8st auf Kommunikation. La\u0308dt zu Anho\u0308rungen und Inforunden, offline und online. Mal kommen hundert Menschen, mal drei\u00dfig. \u201eWir erreichen nie alle damit.\u201cBei allem Aufbruch und Pioniergeist \u2013 von einer echten Kreislaufwirtschaft ist Bornholm noch entfernt. Weichen fu\u0308r Wiederverwenden und Recyceln sind gestellt. Aber, gibt Wilts vom Wuppertal Institut zu Bedenken: \u201eRecycling ist nicht immer die beste Lo\u0308sung. Mit sogenannten Lebenszyklus-Analysen muss man die o\u0308kologische Bilanz in jedem Einzelfall u\u0308berpru\u0308fen.\u201c Wie viel Energie muss fu\u0308r Transport und Recyclingprozess aufgewendet werden, kommt sie aus erneuerbaren Quellen, was la\u0308sst sich aus dem recycelten Material machen? Ku\u0308nftig mu\u0308sse es darum gehen: Welche Materialien wollen wir u\u0308berhaupt noch im Supermarktregal haben? Was ko\u0308nnte man mit Mehrweglo\u0308sungen hinbekommen? Viele Abfa\u0308lle auf dem Festland recyceln zu lassen, ist langfristig nicht optimal. Wilts: \u201eUnd dessen sind sich die Bornholmer:innensicher bewusst.\u201cMitglied werden &amp; Vorteile sichernUnterst\u00fctze unsere redaktionelle Arbeit mit 5 \u20ac im Monat und erhalte daf\u00fcr:\ud83d\udc8c Exklusive Newsletter mit Artikeln und Hintergr\u00fcnden\ud83d\udcd6 Neue Magazine optional direkt zu dir nach Hause\ud83d\uded2 Alle bisherigen Ausgaben zum halben Preis\ud83e\udd0d Jederzeit k\u00fcndbar und flexible LaufzeitZur MitgliedschaftNatu\u0308rlich kennt No-Waste-Chef Christensen die Widerspru\u0308che. \u201eAber wir mu\u0308ssen realistisch sein. Der erste Schritt zur Kreislaufwirtschaft ist fu\u0308r uns ein immer feinmaschigeres Recycling, viel Re-Use und Mu\u0308llvermeidung \u2013 und die Erprobung neuer Projekte\u201c, so Christensen. \u201eWir mu\u0308ssen auf allen Ebenen gleichzeitig arbeiten.\u201c Gerade diskutiert die Abteilung: Wie ko\u0308nnen wir die Gesamtmenge an Mu\u0308ll effizienter beschra\u0308nken? Wie irgendwann mal den Kreislauf schaffen, der, natu\u0308rlich, mit kreislauffa\u0308higem Produktdesign beginnen muss? Christensen: \u201eAber so weit sind wir noch nicht.\u201c Umso wichtiger ist das Bildungsprogramm fu\u0308r Grundschulen. Regelma\u0308\u00dfig la\u0308dt die BOFA Schu\u0308ler:innen zu Fortbildungen in ihren \u201eMu\u0308ll Turm\u201c und informiert u\u0308ber Materialverbrauch und die Wichtigkeit von Mu\u0308llvermeidung.Letztlich kann eine Insel den Wandel nicht allein stemmen. Kreislaufforscher Wilts pla\u0308diert fu\u0308r europa\u0308ische Regelungen. Digitale Produktpa\u0308sse zum Beispiel, die Hersteller verpflichten, genau aufzufu\u0308hren, welche Materialen in einem Produkt stecken, damit es leichter recycelt werden kann. Fu\u0308r Batterien ist das ab 2026 bereits Pflicht. Oder Regelungen, die kreislauffa\u0308hige Gescha\u0308ftsmodelle fu\u0308r Hersteller wirtschaftlich machen. \u201eSie ko\u0308nnten leichter Kredite oder Fo\u0308rdermittel bekommen\u201c, so Wilts. \u201eUmgekehrt sollten Unternehmen festgelegte Strafen zahlen mu\u0308ssen, wenn ihre Produkte nicht zu 100 Prozent recycelbar sind, wie in Frankreich.\u201c Und warum nicht, langfristig, einen maximalen Ressourcenverbrauch pro Kopf und Jahr politisch ins Visier nehmen?            \u201eUnternehmen sollten festgelegte Strafen zahlen m\u00fcssen, wenn ihre Produkte nicht zu 100 Prozent recycelbar sind, wie in Frankreich.\u201d                    \u2013 Henning Wilts, Wuppertal Institut        BOFA-Chef-Hjul-Nielsen muss los. Links neben seinem B\u00fcro brummt der Verbrenner, rechts wuseln Bornholmer:innen \u00fcber den Recyclinghof. Hju-Nielsen sagt: \u201eWir ko\u0308nnen nicht auf andere warten.\u201d"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Bornholm: das M\u00fcllschlucker Eiland","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/bornholm-das-muellschlucker-eiland\/#breadcrumbitem"}]}]