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title: "Building Democracy: Demokratie beginnt vor der eigenen Haustür"
url: https://www.bachhausen.de/building-democracy-demokratie-beginnt-vor-der-eigenen-haustuer/
date: 2026-11-05
modified: 2026-11-05
lang: de
author: "Dirk Bachhausen"
description: "Demokratie lebt davon, dass Menschen sich einmischen, einander zuhören und gemeinsam Lösungen suchen. Wie das im eigenen Umfeld aussehen kann, zeigt „Building Democracy“. Die webbasierte App des NS-Dokumentationszentrums der Stadt..."
categories:
  - "Meinung"
  - "Stadtbezirk Chorweiler"
tags:
  - "Building Democracy"
  - "Demokratie"
  - "eigenen"
  - "Menschen"
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# Building Democracy: Demokratie beginnt vor der eigenen Haustür

Demokratie lebt davon, dass Menschen sich einmischen, einander zuhören und gemeinsam Lösungen suchen. Wie das im eigenen Umfeld aussehen kann, zeigt „Building Democracy“.
Die webbasierte App des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln lädt dazu ein, das eigene Viertel zu erkunden und Ideen für Veränderungen zu entwickeln.

Ein Ansatz, den ich ausdrücklich begrüße: Wer Demokratie stärken will, sollte Menschen die Gelegenheit geben, Beteiligung selbst zu erleben. Entwickelt wurde das Angebot gemeinsam mit dem Cologne Game Lab der TH Köln. Die Helmut und Ruth Lingen-Stiftung unterstützte das Projekt. Wie das städtische Magazin KölnerLeben berichtet, kann die Anwendung auch das seit 2023 bestehende Raumspiel „Remote Island – Abenteuer Demokratie auf einer Insel“ ergänzen. Während dort das Zusammenleben auf einer fiktiven Insel verhandelt wird, richtet „Building Democracy“ den Blick auf die eigene Umgebung.
Die Teilnehmenden recherchieren, diskutieren und erarbeiten in Teams Lösungen für Anliegen, die sie selbst beschäftigen. Das NS-Dokumentationszentrum nennt beispielsweise sichere Schulwege oder zusätzliche öffentliche Begegnungsorte. Damit setzt das Angebot bei Fragen an, zu denen Menschen aus ihrem Alltag etwas beitragen können:

Wo fehlt uns etwas? Was möchten wir verändern? Und wie können wir gemeinsam dafür eintreten? Nach der Vorstellung des Projekts im Kölner Stadt-Anzeiger ist das Spiel über mehrere Wochen angelegt. Es richtet sich neben Schulklassen auch an Gruppen aus Vereinen, Betrieben und Freundeskreisen. Die Nutzung erfolgt über den Browser. Dabei müssen sich die Gruppen zunächst darüber verständigen, wie sie zusammenarbeiten und Entscheidungen treffen wollen. Anschließend erkunden sie ihr Umfeld, sammeln Informationen und entwickeln eigene Anliegen.

Gemeinsame Beratungen und Abstimmungen gehören zum Ablauf. Gerade diese Verbindung finde ich überzeugend. Wer eine Verbesserung erreichen möchte, muss zunächst verstehen, worin das Problem besteht. Dazu gehört, andere Perspektiven einzubeziehen, Behauptungen zu überprüfen und die eigenen Vorstellungen verständlich zu erklären. Auch der Umgang mit Widerspruch gehört dazu. Eine gemeinsame Entscheidung wird nicht dadurch demokratisch, dass alle von Anfang an derselben Meinung sind. Für Chorweiler und Nippes sehe ich darin eine interessante Möglichkeit. Denkbar wäre etwa, dass eine Jugendgruppe untersucht, welche Treffpunkte im Stadtteil fehlen. Eine Schulklasse könnte ihren Schulweg aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Ein Verein könnte gemeinsam mit Anwohnerinnen und Anwohnern überlegen, wie ein öffentlicher Platz einladender werden kann. Das sind mögliche Anwendungen des Ansatzes, keine bereits angekündigten Projekte. Mir ist dabei besonders wichtig, dass verschiedene Generationen miteinander ins Gespräch kommen. Junge Menschen erleben ihr Veedel anders als ältere Nachbarinnen und Nachbarn. Menschen mit einer Behinderung bemerken Barrieren, die anderen möglicherweise gar nicht auffallen. Wer solche Erfahrungen zusammenbringt, schafft eine bessere Grundlage für Entscheidungen. Als jemand, der sich mit Digitalpolitik und dem Leben in unseren Veedeln beschäftigt, wünsche ich mir genau solche Anwendungen: Technik, die Zusammenarbeit erleichtert und Menschen zum Handeln ermutigt. Ihr Wert liegt darin, was durch sie vor Ort entstehen kann – ein Gespräch, eine gemeinsame Idee oder ein gut begründeter Vorschlag. Allerdings braucht Beteiligung auch Menschen, die ihre Ergebnisse ernst nehmen. Wenn Gruppen Zeit investieren, Probleme untersuchen und Lösungen ausarbeiten, sollten Politik und Verwaltung ansprechbar sein.

Dazu gehört eine verständliche Rückmeldung: Was lässt sich umsetzen? Welche Hindernisse gibt es? Wer ist zuständig? Auch eine begründete Absage ist ehrlicher als eine Einladung zum Mitmachen, auf die anschließend nichts mehr folgt. Ich wünsche mir, dass Schulen, Jugendzentren, Vereine und Nachbarschaftsinitiativen im Kölner Norden dieses Angebot kennenlernen und prüfen, ob es zu ihrer Arbeit passt. „Building Democracy“ bietet einen Anlass, gemeinsam genauer hinzusehen und aus einer Alltagsfrage ein eigenes Anliegen zu entwickeln.

Demokratie wird dort lebendig, wo Menschen erfahren, dass sie mitreden und Verantwortung übernehmen können.

Informationen zum Projekt: [https://www.building-democracy.de](https://www.building-democracy.de)