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Datenanalyse von CORRECTIV.Faktencheck: Facebook und Youtube sind die wichtigsten Plattformen für Falschinformationen

Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck / Zur Quelle wechseln

Facebook und Youtube sind die Plattformen, auf denen im Jahr 2020 am meisten potenzielle Falschinformationen verbreitet wurden. Das zeigt eine Analyse von Nutzerdaten des CrowdNewsrooms von CORRECTIV.Faktencheck.

Mitte März 2020 wurde Deutschland – wie viele andere Länder – überrollt von einer Welle der Desinformation zur Corona-Pandemie. Als Reaktion schufen wir den CrowdNewsroom – eine Möglichkeit, für Leserinnen und Lesern, uns online Hinweise einzusenden. Gleichzeitig bitten wir sie dort um einige Details, zum Beispiel, wo sie auf die fragwürdige Information gestoßen sind. 

Eine erste Analyse der Daten im Mai zeigte, dass Nutzer fragwürdige Informationen zu Covid-19 damals vor allem auf Youtube fanden und sie über den Messengerdienst Whatsapp verbreiteten. Eine zweite Auswertung aller Daten bis Dezember ergibt jedoch ein etwas anderes Bild. 

Rund 4.000 Hinweise von Leserinnen und Lesern

Von März bis Dezember 2020 erreichten uns im CrowdNewsroom rund 4.000 Hinweise aus ganz Deutschland. Über diesen Zeitraum hat Facebook bei der Verbreitung von potenziellen Falschinformationen an Relevanz gewonnen. Und das, obwohl das Soziale Netzwerk in Deutschland Umfragen zufolge im Vergleich mit anderen Plattformen weniger genutzt wurde als noch 2019.

Unsere Daten sind nicht repräsentativ. Verzerrungen sind möglich, unter anderem weil theoretisch dieselbe Person dutzende Beiträge im CrowdNewsroom einreichen kann. Die Analyse zeigt vor allem, welche Plattformen die Leserinnen und Leser von CORRECTIV.Faktencheck nutzen. Die Meldungen basieren zudem auf subjektiven Einschätzungen der Menschen, welche Informationen falsch sein könnten. Es handelt sich also nicht zwingend immer um Fakes. 

Dennoch können die Meldungen einen Einblick in Trends geben – zum Beispiel, wo im Internet Menschen mit Informationen konfrontiert sind, die sie für fragwürdig halten. 

Im Mai haben wir den CrowdNewsroom überarbeitet und ihn auch für alle anderen Themen außer Covid-19 geöffnet. Wenig überraschend beherrschte das Coronavirus jedoch weiterhin die Lage: Fast 60 Prozent der Einreichungen seit Mai befassten sich mit dem Virus und der Pandemie. An zweiter Stelle lag das Thema „Politik“ (rund 22,1 Prozent) und an dritter „Gesundheit / Medizin“ (rund 6,9 Prozent). Das Thema Impfen hat vor allem seit Ende Dezember stark an Relevanz gewonnen – eine separate Auswertung könnte für die Zukunft sinnvoll sein.  

Balkendiagramm mit den häufigsten Themen im CrowdNewsroom

CrowdNewsroom von CORRECTIV.Faktencheck wird in ganz Deutschland genutzt

Die Daten aus dem CrowdNewsroom sind anonym. Seit Mai gab es jedoch die Möglichkeit, freiwillig die Postleitzahl des eigenen Wohnortes anzugeben. In etwa 1.000 Fällen gaben Nutzer uns diese Information. So konnten wir die Meldungen Bundesländern zuordnen. Die Analyse zeigt: Menschen in ganz Deutschland nutzten im vergangenen Jahr unser Angebot, um Hinweise zu senden. 

Auffällig ist, dass mehr als die Hälfte der 1.000 Einreichungen aus Bayern stammt. Eine Erklärung könnte sein, dass dort eine Person oder Gruppe den CrowdNewsroom sehr häufig genutzt hat. Denn aus Bayern liegt uns auffällig oft dieselbe Postleitzahl vor. 

Berücksichtigt man die Einwohnerzahl der Bundesländer, kamen die meisten Meldungen im CrowdNewsroom aus Bayern, Berlin und Hamburg. Schlusslichter sind Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. 

42,3 Prozent der Nutzer geben Facebook als „Erstkontakt“ an

Als wir die Daten im Mai das erste Mal ausgewertet haben, spielte Whatsapp noch die größte Rolle bei der Verbreitung von potenziellen Falschinformationen. Betrachtet man den Zeitraum bis Dezember, liegt jedoch Facebook vorne. 

Auf die Frage, wo sie der Information zum ersten Mal begegnet sind, antworteten rund 42,3 Prozent der Nutzer: Facebook. An zweiter Stelle folgt Whatsapp mit rund 20,9 Prozent. 14,5 Prozent der Nutzer gaben als Erstkontakt eine „Webseite“ an, rund zehn Prozent Youtube.

Twitter und der Messengerdienst Telegram spielen eine kleinere Rolle: Rund 3,5 Prozent der Nutzer des CrowdNewsrooms gaben an, die Information in einem Tweet entdeckt zu haben. Bei 2,2 Prozent war es Telegram. Instagram nannten weniger als ein Prozent der Nutzer. 

Ein Balkendiagramm zeigt, auf welchen Plattformen und Wegen Menschen am häufigsten mit Falschinformationen in Kontakt kommen.

Telegram: Ein blinder Fleck?

Dass Telegram hier so selten genannt wird, ist ein Zeichen dafür, dass es spezifische Nutzergruppen für Soziale Netzwerke gibt. Recherchen von CORRECTIV.Faktencheck im Jahr 2020 haben gezeigt, dass vor allem die Verharmloser der Corona-Pandemie sehr aktiv auf Telegram sind. Menschen gingen teils gezielt dorthin, um eine vermeintliche „Zensur“ auf Plattformen wie Facebook und Youtube zu umgehen. 

Auch Berichten anderer Medien wie ZDF oder T-Online zufolge erfuhr der Messengerdienst durch die Corona-Pandemie einen Boom. Wissenschaftler der Uni Greifswald analysierten im vergangenen Jahr 913 Gruppen und Kanäle auf Telegram und konstatierten, dass Nutzer dort „leicht von einer Diskussion zu aktuellen Themen über desinformierende und verschwörungstheoretische Inhalte in extremistische Kontexte“ gelangen könnten. „Stark vertreten sind Akteure, die dem deutschen Mediensystem und dem Staat misstrauisch bis feindselig gegenüberstehen.“ 

Telegram spielt also eine größere Rolle bei der Verbreitung von Falschinformationen als unsere Datenanalyse es nahelegt. Oder anders ausgedrückt: Menschen, die unseren CrowdNewsroom nutzen, sind mutmaßlich nicht Teil des Publikums in einschlägigen Telegram-Chats. 

Die meisten eingereichten Links führen zu fragwürdigen Berichten auf verschiedenen Webseiten

Wir bitten Nutzer des CrowdNewsrooms auch stets, uns einen Link zu dem fragwürdigen Artikel oder Social-Media-Beitrag zur Verfügung stellen. Von März bis Dezember 2020 erhielten wir so mehr als 3.400 Links. Eine Analyse der URLs zeigt, dass rund 41 Prozent zu verschiedenen Webseiten führten. Berichte verschiedener Medien oder Blogs spielen also eine große Rolle. Solche Links werden über Soziale Netzwerke, allen voran Facebook oder Whatsapp, verbreitet. 

Videos auf Youtube rutschen mit rund 32,4 Prozent auf den zweiten Platz – in unserer ersten Datenanalyse im Mai lag Youtube mit 45 Prozent noch an der Spitze.

Auf dem dritten Platz ist Facebook mit rund 22,6 Prozent. Das Soziale Netzwerk hat hier an Bedeutung gewonnen: In unserer ersten Datenanalyse hatten Facebook-Beiträge 16,6 Prozent der eingesendeten Links ausgemacht.

Ein Balkendiagramm zeigt den Ursprung der Links, die Nutzer im CrowdNewsroom gesendet haben.

Links zu Whatsapp sind nicht möglich, daher fällt der Messenger aus dieser Auswertung heraus. Telegram-Links gibt es zwar, aber diese Art der Verbreitung von Inhalten aus einem Messengerdienst ist eher unüblich.

Facebook verliert in Deutschland an Beliebtheit

Wie sind die Ergebnisse zu interpretieren? Facebooks Relevanz lässt sich zum Teil mit der Masse seiner Nutzer erklären. Allerdings verliert das Soziale Netzwerk seit einiger Zeit an Bedeutung. Laut der ARD-ZDF-Onlinestudie hat Instagram Facebook 2020 als beliebtestes Soziales Netzwerk in Deutschland abgelöst: „15 Prozent der Bevölkerung nutzen täglich Instagram (2019: 13 Prozent), Facebook hingegen kommt nur noch auf 14 Prozent und verliert damit deutlich im Vorjahresvergleich (2019: 21 Prozent).“ 

Whatsapp liegt laut dieser Studie im Vergleich aller Social-Media-Anwendungen deutlich vorne, 68 Prozent der Deutschen nutzen es täglich. Beim Vergleich der Video-Streamingdienste ist Youtube an der Spitze: 43 Prozent der Befragten gaben an, Youtube mindestens wöchentlich zu nutzen.  

Die Analyse unseres CrowdNewsrooms spiegelt also größtenteils die Mediennutzung in Deutschland wieder. Es gibt jedoch auch Widersprüche: So werden Plattformen wie Instagram und Telegram immer populärer, aber aus unseren Daten geht das nicht so hervor. Dennoch sollte ihre Rolle bei der Verbreitung von Desinformation nicht unterschätzt werden. 

Datenauswertung: Michel Penke

Grafiken: Benjamin Schubert

Redigatur: Till Eckert, Uschi Jonas

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Author: Alice Echtermann