[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/die-bling-bling-professoren-aus-aachen\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/die-bling-bling-professoren-aus-aachen\/","headline":"Die Bling-Bling-Professoren aus Aachen","name":"Die Bling-Bling-Professoren aus Aachen","description":"Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck \/ Zur Quelle wechseln China Science Investigation Die Bling-Bling-Professoren aus Aachen Privatflugzeuge, Sportwagen, Luxusimmobilien: Die Realit\u00e4t von Professoren an staatlichen technischen Hochschulen ist alles andere als bescheiden. Einige sind offenbar Million\u00e4re mit eigenen Firmen. 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Einige sind offenbar Million\u00e4re mit eigenen Firmen. Insider an der RWTH Aachen sprechen von einem korrupten System \u2013 und viel Geld flie\u00dft aus China.                     von                                Till Eckert18. Juni 2024                                (Collage: Niklas K\u00f6nig \/ CORRECTIV)                            Nur wenige Menschen tragen eine so gro\u00dfe gesellschaftliche Verantwortung wie Professorinnen und Professoren. Ihre Entscheidungen formen die Zukunft, indem sie bestimmen, welche Forschungsfragen verfolgt werden.Sie haben die Macht, die Karrierewege ihrer Studierenden zu lenken. Mit wem sie ihr Wissen teilen und wie sie es tun, liegt ganz in ihrer Hand. Als Beamte mit wenigen Pflichten sind sie fast unantastbar. Kein Dekan oder Rektor kann ihnen Anweisungen erteilen.Die Welt der Professorinnen und Professoren an staatlichen technischen Hochschulen ist heute weit weniger rein akademisch gepr\u00e4gt, als viele es sich wohl gemeinhin vorstellen. Hinter den Mauern dieser Einrichtungen geht es um Status, Einfluss und vor allem um sehr viel Geld.Insider erheben gegen\u00fcber CORRECTIV schwere Vorw\u00fcrfe gegen die Professorenschaft der RWTH Aachen, einer der angesehensten Universit\u00e4ten und damit wom\u00f6glich sinnbildlich f\u00fcr viele Hochschulen im Land: Die Forschung werde dort immer mehr zur Nebensache. An erster Stelle stehe stattdessen f\u00fcr viele an der Universit\u00e4t die pers\u00f6nliche Bereicherung. Immer mehr Professorinnen und Professoren seien gleichzeitig auch Unternehmer, offensichtlich Million\u00e4re \u2013 und teils \u201evon China gekauft\u201c.Unsere Quellen bleiben aus Sicherheitsgr\u00fcnden anonym, wir stellten jedoch sicher, dass sie tiefe Einblicke in die Universit\u00e4tsabl\u00e4ufe der RWTH erhalten haben. Falls auch Sie an einer Universit\u00e4t arbeiten und Hinweise zu fragw\u00fcrdigen Praktiken haben, melden Sie sich gerne: SignalCORRECTIV recherchierte in den vergangenen Monaten deshalb zum Innenleben der RWTH Aachen. Wir sprachen daf\u00fcr mit mehreren aktiven und ehemaligen Angestellten mit tiefen Einblicken in die dortigen Strukturen. Wir durchleuchteten das System externer Finanzfl\u00fcsse an die Universit\u00e4t und analysierten Nebent\u00e4tigkeiten von rund 100 Professorinnen und Professoren an den Fakult\u00e4ten f\u00fcr Maschinenbau und Elektrotechnik. Wir \u00fcberpr\u00fcften au\u00dferdem ihre Verbindungen nach China.\u00a0Bei unseren Recherchen stie\u00dfen wir auf elit\u00e4re Tendenzen, dubiose Gesch\u00e4ftspraktiken und auf ein System, das anf\u00e4llig f\u00fcr Einflussnahme von externen Geldgebern ist. Die Professorinnen und Professoren der RWTH hantieren mit Geldern in beachtlichen H\u00f6hen: \u00dcber sogenannte Drittmittel flie\u00dfen von staatlichen F\u00f6rderern und der Industrie Hunderte Millionen Euro an die Uni. Deren Leitung wei\u00df jedoch nicht \u00fcber alle Geldfl\u00fcsse Bescheid, die nebenbei von Professorinnen und Professoren verhandelt werden.\u00a0CORRECTIV erz\u00e4hlt in dieser Recherche die Geschichten von sechs Professoren. Es geht um Luxus und fragw\u00fcrdige \u201eFirmen-H\u00fclsen\u201c. Es geht um Millionen aus China und um eine bemerkenswerte Offenheit f\u00fcr sensible Forschung mit dortigen Milit\u00e4reinrichtungen.\u00a0Die F\u00e4lle zeigen, wie sich an der RWTH eine Kultur entwickeln konnte, die nicht wissenschaftliche Sorgfalt und Risikoabw\u00e4gungen ins Zentrum der Arbeit stellt, sondern die Jagd nach immer mehr Geld \u2013 auch solchem aus einem autokratischen \u00dcberwachungsstaat.Kapitel 1: Ein zweifelhafter Ratschlag(Collage: Niklas K\u00f6nig \/ CORRECTIV)Vor einigen Jahren machte auf den Fluren der RWTH Aachen ein Professor auf sich aufmerksam, weil er offen zeigte, was er hatte.\u00a0Sein B\u00fcro befand sich in einem neubarocken Sandsteinbau gleich neben dem Hauptgeb\u00e4ude der Universit\u00e4t. Laut Zeitzeugen glich es von innen einem Apple-Store: Minimalistisch, schick und teuer eingerichtet.\u00a0In einem Aachener Wohnviertel baute er sich eine auff\u00e4llige Villa und zur Arbeit fuhr er teils mit einem Sportwagen. Hinter vorgehaltener Hand nannte man ihn an der Uni deshalb auch \u201eden Bling-Bling-Professor\u201c.\u00a0Sein Auftreten an der Uni rief irgendwann w\u00fctende Mitarbeiter auf den Plan. Und dann auch die Steuerfahndung. Es kam zum Gerichtsverfahren, an deren Ende der Mann wegen Steuerhinterziehung in 32 F\u00e4llen und Untreue in zwei F\u00e4llen zu 18 Monaten Haft verurteilt wurde. Jetzt k\u00e4mpft er um seinen Beamtenstatus. Die Aachener Nachrichten berichteten 2023 umfassend \u00fcber das Verfahren und das Urteil.Das Gericht und die Zeugen zeichneten darin das Bild eines reuelosen, reichen, von Statussymbolen behangenen Professors, der seinen Pflichten nicht nachkam und der das Drittmittel-System der RWTH missbraucht habe.\u00a0Drittmittel, so nennt man Gelder, welche von au\u00dfen an eine Universit\u00e4t flie\u00dfen, eingeworben durch Professorinnen und Professoren. An der RWTH unterscheidet man zwischen \u201ehoheitlichen Drittmitteln\u201c, das sind solche aus \u00f6ffentlichen F\u00f6rdert\u00f6pfen des Bundesforschungsministeriums oder der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), und \u201eIndustrie-Drittmitteln\u201c, das sind solche von privaten Firmen und Konzernen.Er machte ihnen diese Deutung nicht schwer: So machte der Professor etwa eine Reise nach Istanbul als Betriebsausgabe geltend, die tats\u00e4chlich eine Privatreise war, mit dem Golfclub. Die Ermittlungen legten zudem offen, dass er Gelder seines RWTH-Lehrstuhls f\u00fcr sein Wohnhaus und hochpreisige Autos abzweigte: einen Porsche Cayenne, einen Porsche GTS, einen Land Rover, einen Mercedes SL 280, einen Jaguar F-Type, eine Harley-Davidson, einen Audi RS 6 und einen Smart.Doch das Urteil warf mehr Fragen auf, als es beantwortete: Es war n\u00e4mlich das erste Mal, dass die Drittmittel-Praxis einer gewichtigen deutschen Universit\u00e4t Bestandteil eines Gerichtsverfahrens wurde. Und in dem so umfangreich beschrieben wurde, wie es funktioniert.\u00a0An staatlichen technischen Hochschulen wird mit gigantischen Summen hantiert. Die RWTH gilt als eine der drittmittelst\u00e4rksten Universit\u00e4ten des Landes, die Professorinnen und Professoren der technischen Fakult\u00e4ten werben j\u00e4hrlich Hunderte Millionen Euro ein; pro Professor flie\u00dfen im Schnitt rund 932.000 Euro an eingeworbenen Drittmitteln an die RWTH. Gro\u00df im Gesch\u00e4ft sind insbesondere die Professorenschaft des Maschinenwesens, aber auch der Elektrotechnik.\u00a0Vieles deutet darauf hin, dass sich der verurteilte Professor vom Spirit der Professorenschaft dieser Fakult\u00e4ten anstecken lie\u00df.So sei ihm von oben deutlich zu verstehen gegeben worden, dass die Drittmittel, die von seiner Fakult\u00e4t reinkommen, zu gering seien. Das sagte er vor Gericht. Er habe sich dann mit der Universit\u00e4tsleitung auf einen angestrebten Betrag von 300.000 Euro j\u00e4hrlich geeinigt. Wie genau das gehen solle, sei ihm zun\u00e4chst unklar gewesen.\u00a0Auf die z\u00fcndende Idee habe ihn ein medial bekannter Professor von der Fakult\u00e4t f\u00fcr Maschinenwesen gebracht, der im Verfahren auch als Zeuge aussagte: G\u00fcnther Schuh.\u00a0Schuh berichtete ihm von einem System, mit dem man leichter und mehr Drittmittel einwerben kann. N\u00e4mlich mittels eigener Firmen, sogenannten \u201eProfessoren-GmbHs\u201c, die zwischen Geldgeber und Uni stehen, quasi als Vermittler, die den Vertrieb, der der RWTH fehle, \u201everst\u00e4rken\u201c w\u00fcrden.Dem verurteilten Professor sei fr\u00fch gesagt worden, welches Gl\u00fcck er habe, dass er eine eigene GmbH habe, \u00fcber die er \u201eDrittmittelprojekte laufen lassen\u201c k\u00f6nne. Genau das habe er laut Zeitzeugen dann auch \u00fcber Jahre getan. Nach Ansicht des Gerichts \u00fcbertrat er dabei aber auch justiziable Grenzen.Der Mann sei damals \u00fcberfordert gewesen, meinen Zeitzeugen: die Professur auf der einen Seite, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer auf der anderen. Beide Jobs seien ohne \u00dcberforderung nicht machbar, weil schon die T\u00e4tigkeit als Professor allein \u201eeine 80-Stunden-Woche\u201c bedeute.\u00a0Der Fall des verurteilten Professors machte in der Region Schlagzeilen. Die RWTH spricht gegen\u00fcber CORRECTIV von einem \u201eEinzelfall\u201c. Doch mit der fragw\u00fcrdigen Praxis, ein eigenes Unternehmen mit der Beamtent\u00e4tigkeit an der RWTH zu verkuppeln, steht er l\u00e4ngst nicht alleine da: An der renommierten Universit\u00e4t sind solche Professoren-GmbHs stark verbreitet.\u00a0Sie k\u00f6nnten ein Teil der Erkl\u00e4rung daf\u00fcr sein, wie Professorinnen und Professoren einen betr\u00e4chtlichen Reichtum generieren und im Schnitt fast eine Million Euro im Jahr f\u00fcr die RWTH einwerben k\u00f6nnen. Bislang war der \u00d6ffentlichkeit nicht bekannt, wie genau diese Drittmittel-Einwerbung an der RWTH funktioniert. Daf\u00fcr lohnt sich ein Blick auf den Pionier hinter dem lukrativen Modell.Kapitel 2: Der emsige \u201eElektro-Guru\u201c(Collage: Niklas K\u00f6nig \/ CORRECTIV)Es ist schwer, Schritt zu halten mit all den Entwicklungen und T\u00e4tigkeiten von G\u00fcnther Schuh.\u00a0Auf seiner Webseite beschreibt er sich als Wissenschaftler und Unternehmer. Er ist der Meinung, dass Innovationen \u201eeine wissenschaftliche und unternehmerische Zusammenarbeit erfordern\u201c.\u00a0Er nimmt sich selbst beim Wort: 2005 initiierte Schuh den \u201eRWTH Aachen Campus\u201c, ein Netzwerk aus Wissenschaft und Wirtschaft mit \u201eaktuell \u00fcber 420 Technologieunternehmen\u201c. Schuh baut und zementiert Br\u00fccken zwischen der Industrie und der RWTH Aachen.\u00a0Auf diese Verzahnung ist man an der Uni seit Jahrzehnten stolz, man treibt sie aktiv voran. Sie d\u00fcrfte der Grund daf\u00fcr sein, dass sie von Geld nur so strotzt. Die hohen Summen wurden l\u00e4ngst zum Imperativ: Ohne all die Drittmittel geht es gar nicht mehr, denn die Infrastruktur ist extrem teuer. Und je mehr Drittmittel flie\u00dfen, desto h\u00f6her sind auch die Mittel aus der \u00f6ffentlichen Hand f\u00fcr die Uni.\u00a0Letztlich profitiert die ganze Region von diesem Ansatz: Die RWTH Aachen ist die gr\u00f6\u00dfte Arbeitgeberin und Ausbilderin der Region. Schuh selbst gr\u00fcndete verschiedene Unternehmen mit dem Ziel, Elektromobilit\u00e4t voranzutreiben. Das sp\u00fclt Geld nach Aachen und die Umgebung und lockt potenzielle Arbeitskr\u00e4fte an.\u00a0Schuh gilt als Vision\u00e4r: Er machte Streetscooter, ein Elektro-Transporter-Start-up, gro\u00df und verkaufte es an die Deutsche Post. Er wollte einen elektrischen Kleinwagen zu bezahlbaren Preisen auf den Markt bringen. Er beteiligte sich an der Entwicklung eines Hybrid-Kleinflugzeugs namens Silent Air Taxi. Einige nennen ihn \u201eden deutschen Elon Musk\u201c.\u00a0Schuh tritt h\u00e4ufig in den Medien, in Youtube-Videos und in Podcasts auf. Er\u00a0 zeigt sich darin stolz, ganze 19 Unternehmen gegr\u00fcndet zu haben. Bei 14 ist er nach Handelsregisterdaten aktuell immer noch Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Er ist zudem in mehreren Aufsichts- und Verwaltungsr\u00e4ten t\u00e4tig.Nebenher ist Schuh auch Professor an der RWTH Aachen und leitet dort zwei Lehrst\u00fchle. Es gibt nicht viele Pflichten, die Professorinnen und Professoren erf\u00fcllen m\u00fcssen; die zur Lehre und Pr\u00fcfung geh\u00f6ren dazu. Doch bei all dem Unternehmer-Drang r\u00fcckt die T\u00e4tigkeit als Professor bei Schuh offensichtlich in den Hintergrund: Laut Medienberichten lehrt er nur noch vier Wochenstunden an der Uni.CORRECTIV hat Schuh dazu befragt. \u201eIch bin aktuell an 14 privatwirtschaftlichen Unternehmen beteiligt, aber nur bei einem aktiver Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Bei drei weiteren bin ich nicht aktiver kontrollierender Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Dies geht nicht zu Lasten meiner Lehr- und Pr\u00fcfungsverpflichtungen\u201c, sagt Schuh. \u201eIch geh\u00f6re bei allen f\u00fcnf Leistungskriterien unserer Universit\u00e4t zur Spitzengruppe unserer Universit\u00e4t und vernachl\u00e4ssige meine Universit\u00e4tspflichten in keinerlei Hinsicht. Meine Lehrverpflichtungen wurden zwar etwas reduziert, dies hat aber andere Gr\u00fcnde, denn ich habe Sonderaufgaben zum Auf- und Ausbau des von mir entwickelten RWTH Aachen Campus, zur Gro\u00dfprojektakquisition und zur Start-up Factory \u00fcbernommen.\u201cEs sind Menschen wie Schuh, die an der RWTH das Tempo vorgeben. \u201eEs gibt da diesen internen Wettbewerb dar\u00fcber, wer die meiste Kohle ranschafft\u201c, sagt ein Insider. Es herrsche eine Kultur des Stolzes, eine \u201eM\u00e4nnerkultur\u201c.\u00a0Gleichzeitig h\u00e4tten die Professorinnen und Professoren einen Freifahrtschein: Sie m\u00fcssen sich nicht f\u00fcr ihre Entscheidungen und Handeln rechtfertigen, vor niemandem. Tats\u00e4chlich k\u00f6nnen sie v\u00f6llig weisungsfrei handeln, organisatorisch und fachlich \u2013 so lange sie ihren Lehr- und Pr\u00fcfungsverpflichtungen nachkommen. \u201eAuf so einem N\u00e4hrboden w\u00e4chst der Wunsch nach einem Porsche und nach einem Flugzeug\u201c, meint ein Insider.Auch Schuh ist ein \u00fcberzeugter Porsche-Fahrer. Auf langen Strecken nehme er aber sein privates Flugzeug, eine Cirrus SR22, wie er in Interviews sagt. Das Modell gibt es ab 622.000 Euro zu kaufen.Als Professor mit Beamtengehalt allein kann man den Wohlstand, der f\u00fcr so eine Anschaffung erforderlich ist, wohl nur schwer generieren. Pro Monat betr\u00e4gt dieses Gehalt rund 7.000 Euro, je nach Bundesland mehr oder weniger. Laut Insidern geht das nur \u00fcber Umwege wie eigene Firmen. Solche, die Professorinnen und Professoren der RWTH zuhauf gr\u00fcnden.\u00a0Schuh sagt gegen\u00fcber CORRECTIV: \u201eIch habe bereits mehr als 20 Start-ups in den vergangenen 30 Jahren unterst\u00fctzt und teilweise mitgegr\u00fcndet. Einige dieser Beteiligungen habe ich zwischenzeitlich gewinnbringend verkauft. Au\u00dferdem haben meine Frau und ich kontinuierlich ein kleines Immobilien-Portfolio aufgebaut, das von meiner Frau gemanagt wird.\u201cIm Zeugenstand des Verfahrens gegen den verurteilten Professor berichtete Schuh selbst von der Praxis der Professoren-GmbHs. Ein Modell, bei dem er Vorreiter war und das dann an der ganzen Uni Schule gemacht habe.\u00a0Vereinfacht gesagt geht es bei dem Konzept darum, eine Firma zwischen potenziellen Geldgebern aus der Industrie auf der einen Seite und der RWTH auf der anderen Seite zu installieren.\u00a0Die Absprachen mit der Industrie laufen mit der Firma, die RWTH wird dann beauftragt und stellt f\u00fcr das Projekt mittels Unterauftr\u00e4gen Material und Mitarbeiter von den Lehrst\u00fchlen. So k\u00f6nnen mehr Drittmittel f\u00fcr Forschungsprojekte generiert werden.(Grafik: CORRECTIV)\u201eDie Professoren-GmbH organisiert mit ihren erfahrenen Besch\u00e4ftigten Marketing und Vertrieb, \u00fcbernimmt die Projektleitung und das Projektmanagement und gew\u00e4hrleistet das Projektergebnis gegen\u00fcber dem Kunden. Die Beratungs-GmbH beauftragt und bezahlt dann zum Beispiel f\u00fcr circa 30 bis 70 Prozent des Projektvolumens den Lehrstuhl der Universit\u00e4t, der f\u00fcr die Methodenanwendung und -evalution wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in das Projekt entsendet\u201c, so erkl\u00e4rt das G\u00fcnter Schuh gegen\u00fcber CORRECTIV.\u00a0Laut Insidern ist das Modell ein regelrechter Drittmittel-Kreislauf: Der Lehrstuhl k\u00f6nne mit den Geldern wissenschaftliches Personal einstellen, sogenannte aktive Personalmittel. Alle Gelder liefen so als Drittmittel durch die Universit\u00e4t, obwohl das Personal faktisch f\u00fcr die GmbH arbeite.\u00a0Eine Win-Win-Situation w\u00fcrden die einen das nennen. Eine dubiose Praxis die anderen.\u201eDie Leitung beziehungsweise Mitarbeit in Unternehmen erfolgt in Nebent\u00e4tigkeit\u201c, sagt ein RWTH-Sprecher gegen\u00fcber CORRECTIV. Sie w\u00fcrden vor Genehmigung sorgf\u00e4ltig gepr\u00fcft, dabei w\u00fcrden auch Lehr- und Pr\u00fcfungsverpflichtungen ber\u00fccksichtigt.Die Begrifflichkeit \u201eaktiver Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer\u201c, die Schuh nannte, ist dabei wom\u00f6glich ein Knackpunkt: Laut Insidern ist es gang und g\u00e4be, dass sich Professorinnen und Professoren die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrungst\u00e4tigkeit mit mindestens einer weiteren Person aufteilen, beziehungsweise eine Person buchhalterisch die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung \u00fcbernimmt.Heute leiten nach unseren Recherchen mindestens 21 Professorinnen und Professoren der Fakult\u00e4ten Maschinenwesen und Elektrotechnik eine oder mehrere Firmen. CORRECTIV konnte mindestens drei solcher Professoren-GmbHs ausmachen, in denen als Gesch\u00e4ftszweck offiziell die \u201eanwendungsbezogene Forschung\u201c ausgewiesen wurde.\u00a0Forschungs- und Entwicklungsvertr\u00e4ge mit Unternehmen im Besitz eines Professorin oder Professoren seien laut der RWTH prinzipiell m\u00f6glich. \u201eEs werden Forschungs- und Entwicklungsvertr\u00e4ge mit Zahlungspl\u00e4nen f\u00fcr Drittmittelprojekte vereinbart, die zu Vollkosten erfolgen und entsprechend dokumentiert werden.\u201c M\u00f6gliche Interessenkonflikte w\u00fcrden \u201eabgefragt\u201c und es w\u00fcrden \u201eNebent\u00e4tigkeitsvereinbarungen mit den RWTH-Mitgliedern gepr\u00fcft und geschlossen\u201c.\u00a0Laut Hochschulnebent\u00e4tigkeitenverordnung (HNtV) ist es auch genehmigungspflichtig, wenn Personal und Material der Hochschule f\u00fcr Nebent\u00e4tigkeiten verwendet werden sollen. Die Frage, wie viele solcher Genehmigungen f\u00fcr solche Auftr\u00e4ge die RWTH insgesamt an Professorinnen und Professoren ausgesprochen hat, beantwortete der Sprecher nicht. In den Vertr\u00e4gen zwischen Uni und Professoren-GmbH werde \u201ejede Aufgabe und die Einbindung von Infrastruktur und Personal sehr detailliert aufgeschl\u00fcsselt\u201c.Das klingt nach reichlich Transparenz. Doch gerade die konkreten, einzelnen Vertr\u00e4ge zwischen dem urspr\u00fcnglichen Geldgeber und Professoren-GmbH pr\u00fcft die Universit\u00e4t nicht, wie Schuh im Verfahren gegen den verurteilten Professor berichtete und gegen\u00fcber CORRECTIV noch einmal best\u00e4tigt.\u00a0Der tats\u00e4chliche Geldfluss an die Firmen der Professorinnen und Professoren bleibt so im Dunkeln.Laut Insidern k\u00f6nnten Professorinnen und Professoren durch die fehlende Kontrolle mit ihren GmbHs weitaus mehr Geld einnehmen als letztlich an die Uni flie\u00dfe. Die Uni habe so auch keinen \u00dcberblick dar\u00fcber, ob m\u00f6glicherweise sicherheitsrelevantes Wissen ins Ausland abflie\u00dft.\u00a0Der verurteilte Professor nannte die Praxis im Gericht einen \u201eDrittmittelzirkus\u201c. Er werfe sich vor, dabei begeistert mitgemacht zu haben. Mittlerweile sehe er es kritisch, dass \u201evor allem das erforscht wird, was finanzstarke Geldgeber erforscht haben wollen\u201c.\u00a0Diese Kritik ist nicht neu, sondern vermutlich so alt wie die Praxis der externen Drittmittel selbst. Es darf angenommen werden, dass niemand Geld an eine Universit\u00e4t und deren Professoren schiebt, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.\u00a0Ein Land, das viele besonders finanzstarke Geldgeber f\u00fcr solche Drittmittel-Auftr\u00e4ge beheimatet, ist China.G\u00fcnther Schuh lieb\u00e4ugelte in der Vergangenheit mit Geld aus der sogenannten Volksrepublik: 2020, als eines seiner Unternehmen, \u201ee.Go\u201c, drohte, den Bach runter zu gehen, wollte er es mit der Hilfe eines chinesischen Autoherstellers retten. Der Notarvertrag war schon unterschrieben, doch die Pandemie machte ihm einen Strich durch die Rechnung.Viele seiner Kolleginnen und -Kollegen an der RWTH sind da schon einen Schritt weiter: Teils machen sie \u00fcber Professoren-GmbHs Gesch\u00e4fte mit chinesischen Firmen. Und f\u00fcr Forschungsprojekte flie\u00dfen Millionensummen aus dem \u00dcberwachungsstaat. Die kommen teils direkt von chinesischen Ministerien.Kapitel 3: Die China-Fans der RWTH(Collage: Niklas K\u00f6nig \/ CORRECTIV)Kai-Uwe Schr\u00f6der ist ein wahrer China-F\u00fcrsprecher. In internen Veranstaltungen schw\u00f6rte er die Belegschaft und Studierenden laut Insidern immer wieder darauf ein, dass der Fokus bei Kooperationen auf solchen mit China liegen m\u00fcsse. Er selbst sagt gegen\u00fcber CORRECTIV, es gebe keine Grundlage f\u00fcr diese Behauptung. Er handle lediglich im Sinne der \u201eWissenschaftsdiplomatie\u201c.Schr\u00f6der ist Start-Up-Gr\u00fcnder und Professor f\u00fcr Strukturmechanik und Leichtbau an der RWTH Aachen. Er leitet dort das entsprechende Institut. Und er ist Rektoratsbeauftragter f\u00fcr China an der Uni. Als solcher d\u00fcrfte er sich den Risiken der Zusammenarbeit mit Institutionen aus dem \u00dcberwachungsstaat bewusst sein.Nach unseren Recherchen kooperierte er f\u00fcr Forschungsarbeiten in den vergangenen drei Jahren jedoch ganze 18 Mal mit Forschenden von Einrichtungen der sogenannten \u201eSeven Sons of National Defense\u201c. Dabei handelt es sich um eine Gruppe aus sieben chinesischen Universit\u00e4ten, die laut dem australischen Think-Tank ASPI zwar als zivile Hochschulen deklariert sind, aber tief mit der Milit\u00e4r- und R\u00fcstungsindustrie verbunden sind. Oder einzelne Labore f\u00fcr Verteidigungstechnologie betreiben.Darunter ist etwa das Harbin Institute of Technology (HIT), mit dem die RWTH seit 2021 auch ein Hochschulabkommen hat. Es handelt sich dabei um eine chinesische Spitzenuniversit\u00e4t von herausragender Bedeutung f\u00fcr das Milit\u00e4r. Von chinesischen Staatsmedien wird sie als zentral f\u00fcr \u201eInnovation in der Verteidigungstechnologie und Modernisierung von Waffen und R\u00fcstungsg\u00fctern\u201c beschrieben. Sie sei f\u00fchrend in Bereichen wie Satellitentechnologie, Robotik und Informationstechnologie.\u00a0Das HIT steht geradezu beispielhaft f\u00fcr die Verschmelzung von Zivilem und Milit\u00e4rischem. In den dortigen Laboren wird laut eigenen Angaben in hoher Zahl \u201emilit\u00e4risch-zivile Integrationstechnologie\u201c produziert. Von \u201eDual-Use\u201c-G\u00fctern in der Forschung spricht man, wenn die Ergebnisse sowohl zivilen als auch milit\u00e4rischen Nutzen haben \u2013 das HIT produziert solche quasi am Flie\u00dfband.\u00a0Dass es bei ihrer Forschung sicherheitsrelevante Risiken gibt, nehmen Schr\u00f6der und die RWTH aber offensichtlich gelassen. Mindestens f\u00fcnf chinesische Institutionen finanzierten Schr\u00f6ders Forschungsarbeiten teilweise mit. Darunter ist der China Scholarship Council (CSC), eine Institution, die ihren Stipendiaten CORRECTIV-Recherchen zufolge brutale Knebelvertr\u00e4ge aufzwingt, die sie zur bedingungslosen Treue vor der Kommunistischen Partei verpflichten.\u00a0Darauf angesprochen antwortet Schr\u00f6der knapp: Bei den Arbeiten \u201ebegleite\u201c er die \u201einnovative Forschung\u201c zweier chinesischer Forschenden und er \u201ediskutiere mit ihnen die von ihnen mit ihren Mitteln und Ressourcen erzeugten Ergebnisse\u201c. Er stelle damit einen Wissensfluss von China nach Deutschland her.\u00a0Es ist ein bemerkenswertes Narrativ, das Schr\u00f6der damit bedient: CORRECTIV wies in mehreren Recherchen aus den vergangenen Jahren auf Forschung mit China als Sicherheitsl\u00fccke hin. Das Thema ist hochbrisant und wird seither breit in Wissenschaft und Politik diskutiert. Wie riskant die Zusammenarbeit mit chinesischen Einrichtungen ist, zeigte sich erst zuletzt durch die Festnahme dreier Deutscher, die sich mutma\u00dflich der Spionage f\u00fcr China schuldig machten. Das Mittel ihrer Wahl, um an technologisches Wissen zu gelangen: gezielte Forschungskooperationen.\u00a0Im April redete Sinan Selen, der Vizepr\u00e4sident des Bundesverfassungsschutzes, auf einer Tagung nahe dem Brandenburger Tor Unternehmern deutlich ins Gewissen: Es m\u00fcsse davon ausgegangen werden, dass \u201ejede chinesische Firma und jede Forschungseinrichtung\u201c dem direkten Einfluss der Kommunistischen Partei unterliegt. Ein Umstand, den die RWTH Aachen selbst 2022 gegen\u00fcber CORRECTIV einr\u00e4umte. Im gleichen Atemzug wiegelte die Uni aber ab: Man habe interne Pr\u00fcfverfahren, um potenzielle Risikokooperationen auszuschlie\u00dfen.\u00a0\u00c4hnlich \u00e4u\u00dfert sich der RWTH-Sprecher auch heute gegen\u00fcber CORRECTIV. Die RWTH habe sich \u00fcber \u201eihre Pr\u00e4ambel der Grundordnung zu friedlicher Forschung bekannt\u201c. Es handele sich bei der Forschung mit den chinesischen milit\u00e4rnahen Einrichtungen entweder um \u201eGrundlagenforschung\u201c \u2013 ein Argument, das CORRECTIV seit zwei Jahren immer wieder begegnet und womit eine Diskussion \u00fcber m\u00f6gliche milit\u00e4rische Anwendbarkeit der Forschung gut abmoderiert werden kann. Oder Forschende aus chinesischen Einrichtungen seien quasi aus Versehen als Co-Autoren auf Forschungsarbeiten genannt worden.So etwa argumentiert Haris Ga\u010danin, RWTH-Professor f\u00fcr \u201eMobility &amp; Transport Engineering\u201c gegen\u00fcber CORRECTIV. Er selbst hat keine Professoren-GmbH. Er f\u00e4llt aber mit sensibler Forschung auf: In mindestens 14 F\u00e4llen kooperierte er laut ver\u00f6ffentlichten Arbeiten in den vergangenen zwei Jahren mit Forschenden der \u201eSeven Sons\u201c und in mindestens drei F\u00e4llen auch mit Forschenden der National University for Defence Technology (NUDT).\u00a0Die NUDT untersteht direkt der Zentralen Milit\u00e4rkommission, dem h\u00f6chsten milit\u00e4rischen F\u00fchrungsorgan Chinas. Die Universit\u00e4t ist bekannt f\u00fcr ihre Forschung, unter anderem zu Supercomputern, autonomen Fahrzeugen und Hyperschallraketen. Ein spezielles Forschungszentrum k\u00fcmmert sich ausschlie\u00dflich um \u201eDual-Use\u201c-Basistechnologien, um Robotik und K\u00fcnstliche Intelligenz.\u00a0Bei einer Forschungsarbeit von 2023 etwa ging es darum, Radartechnologie f\u00fcr unbemannten Luftfahrzeugen \u2013 Drohnen \u2013 zu verbessern (PDF). Ein \u201eDual-Use\u201c ist durch den Nutzen f\u00fcr das chinesische Milit\u00e4r offensichtlich, immerhin experimentiert die NUDT seit Jahren an Drohnenschw\u00e4rmen, die f\u00fcr die Felderkennung eingesetzt werden sollen.Auch die Regierung scheint ein Interesse daran zu haben, dass solche Forschung vorangetrieben wird: F\u00fcr die Arbeit floss unter anderem Geld von der National Natural Science Foundation of China, einer Stiftung, die dem Technologie-Ministerium untersteht. Sie f\u00f6rderte Arbeiten, an denen Ga\u010danin beteiligt war, in mindestens 41 F\u00e4llen.\u00a0Ga\u010danin erkl\u00e4rt gegen\u00fcber CORRECTIV, dass er \u201enie mit der NUDT zusammengearbeitet\u201c habe und dies auch jetzt nicht tue. \u201eAuch bin ich mit keinem der Forschungsmitarbeiter oder Professoren des NUDT bekannt\u201c, sagt er. Er will erst k\u00fcrzlich davon erfahren haben, dass ein NUDT-Wissenschaftler als Autor auf eine seiner Forschungsarbeiten gesetzt worden sei.\u00a0Die konkrete Forschung zur Radartechnologie f\u00fcr Drohnen befasse sich mit \u201egrundlegender Theorie mit mathematischen Modellen\u201c. Er habe diese \u00fcberpr\u00fcft. Mit den weiteren Autoren habe er nie pers\u00f6nlich Kontakt gehabt. Nach den Richtlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zur \u201eguten wissenschaftlichen Praxis\u201c und Integrit\u00e4t m\u00fcssen Forschende aber \u201ein wissenschaftserheblicher Weise\u201c an Arbeiten beigetragen haben, um darin als Autorinnen und Autorinnen genannt zu werden. Wie das gehen soll, ohne sich zumindest einmal mit den anderen beteiligten Forschenden ausgetauscht zu haben, ist zumindest offen.\u201eVor Ihrer E-Mail war mir der zweite Autor von der NUDT \u00fcberhaupt nicht bekannt\u201c, sagt Ga\u010danin. \u201eEs scheint \u00fcblich zu sein, im letzten Moment neue Co-Autoren hinzuzuf\u00fcgen, ohne die anderen zu konsultieren, und ich kann nur vermuten, dass dies auch hier der Fall ist.\u201c Eine Exportkontrolle sei nicht n\u00f6tig gewesen, da es sich um Grundlagenforschung handele.\u00a0Er habe in keiner seiner Arbeiten einen Beitrag zur milit\u00e4rischen oder angewandten Forschung geleistet. Ga\u010danin sagt au\u00dferdem, er sei nie von einer F\u00f6rderorganisation in China finanziert worden und habe nie einen Nutzen aus den Ver\u00f6ffentlichungen gezogen. Er wiederholt, dass es sich um Grundlagenforschung handele. \u201eEin m\u00f6glicher \u2018Dual-Use\u2019 dieser Ver\u00f6ffentlichung f\u00fcr milit\u00e4rische oder andere unerw\u00fcnschte Anwendungen ist extrem weit hergeholt\u201c, sagt Ga\u010danin. Zudem seien die Forschungsarbeiten \u201e\u00f6ffentlich und damit f\u00fcr die Gesellschaft zug\u00e4nglich\u201c.\u00a0Dass chinesische milit\u00e4rnahe Einrichtungen Forschungsergebnisse aus Kooperationen direkt oder indirekt f\u00fcr milit\u00e4rische Anwendungen nutzen, ist aber nicht ausgeschlossen: Die sogenannte \u201emilit\u00e4risch-zivile Fusion\u201c ist in China mindestens seit 2015 in vollem Gang, auf allen Regierungsebenen. Die Grenzen zwischen der zivilen und milit\u00e4rischen Nutzung von Forschung werden dabei immer mehr verwischt. Das ist Teil einer offiziellen, lang angelegten Strategie.\u00a0Die politische F\u00fchrung Chinas verfolgt seit Jahren das Ziel, Wissen und Technologie auch f\u00fcr den R\u00fcstungssektor zu nutzen. \u201eDie wichtige Rolle, die die Innovation in Wissenschaft und Technologie der Landesverteidigung spielt\u201c, wird durch die chinesische F\u00fchrung dabei immer wieder hervorgehoben. Es sollen \u201eneue Muster f\u00fcr eine tief integrierte milit\u00e4risch-zivile Wissenschafts- und Technologieentwicklung geschaffen werden, die alle Elemente abdeckt und multidisziplin\u00e4r und hocheffizient ist.\u201cZudem sind ver\u00f6ffentlichte Forschungsarbeiten laut Experten nur die Spitze des Eisbergs: Wichtiger als die \u00f6ffentlichen Ergebnisse sind die Beziehungen, die Einblicke in universit\u00e4re Infrastrukturen und Forschungsaufbauten.Von den rund 100 Professorinnen und Professoren der Fakult\u00e4ten Maschinenwesen und Elektrotechnik konnten wir zusammen mit Schr\u00f6der und Ga\u010danin mindestens 19 Professorinnen und Professoren ausmachen, die laut ihren Arbeiten mit Forschenden der \u201eSeven Sons\u201c oder der NUDT kooperiert haben.\u00a0Mindestens 45 der Professorinnen und Professoren dort waren an Forschungsarbeiten beteiligt, f\u00fcr die Gelder aus China flossen.Auf den Professor Bernd Markert, der den Lehrstuhl f\u00fcr Allgemeine Mechanik leitet, trifft beides zu: Er kooperierte mit Forschenden der \u201eSeven Sons\u201c und seine Arbeiten wurden bereits mit Geld aus China gef\u00f6rdert. Aber seine Verbindungen gehen noch tiefer.\u00a0Markert leitet auch eine Professoren-GmbH. Der Gesch\u00e4ftszweck der IAM Aachen GmbH ist die Durchf\u00fchrung von \u201eForschungs-, Transfer- und Dienstleistungsprojekten\u201c.\u00a0Es gibt eine indirekte Verbindung zum chinesischen Staat: Markerts Firma h\u00e4lt laut Handelsdaten von Sayari, einem Anbieter von Informationen \u00fcber Unternehmensdaten, als Shareholder auch zwei Prozent Anteile an der CRRC Changchun Germany RailTech GmbH. Sie hat den \u201eFuxing\u201c, einen chinesischen Wasserstoff-Zug, entwickelt.Markert antwortete nicht pers\u00f6nlich auf Fragen von CORRECTIV. Der RWTH sei bekannt, dass Markerts Firma Anteile an der chinesischen Firma h\u00e4lt. \u201eDie Beteiligung im Sinne eines Joint Ventures ist \u00fcbliche Praxis, um eine vertrauensw\u00fcrdige Gesch\u00e4ftsbeziehung aufzubauen\u201c, sagt der Sprecher. \u201eBis jetzt kam es lediglich zu einem Dienstleistungsauftrag in H\u00f6he von 93.700 Euro gem\u00e4\u00df Vollkostenrechnung, der als Unterauftrag \u00fcber das Institut von Herrn Markert abgewickelt wurde.\u201c Der Vertrag sei der Hochschule bekannt und mit der Drittmittelabteilung der Hochschule kommuniziert worden. Dabei handelt es sich jedoch nur um den Geldfluss von Markerts Professoren-GmbH an die Uni \u2013 der Geldfluss vom urspr\u00fcnglichen Geldgeber an diese bleibt offen.\u201eEs hat keine \u00dcbermittlung von G\u00fctern von der RWTH an die CRRC Changchun Germany RailTech GmbH oder einer Muttergesellschaft stattgefunden\u201c, sagt der RWTH-Sprecher. Es handele sich zudem um \u201ereine Grundlagenforschung aus dem Bereich der Mechanik, bei der bekannte und etablierte Methoden zum Einsatz kommen, die \u00fcber Ver\u00f6ffentlichungen des Instituts ohnehin der ganzen Welt zug\u00e4nglich sind\u201c. Es gebe laut des Sprechers also \u201ekeinen Grund zur Besorgnis\u201c.Die Verbindung bleibt auff\u00e4llig: An der chinesischen Firma h\u00e4lt nach Sayari-Handelsdaten n\u00e4mlich auch der chinesische Staat Anteile.\u00a0Die enge Beziehung nach China macht sich f\u00fcr einige auch im Lebenslauf bemerkbar. Die Karriere von Markus Oeser etwa zeigt einen bemerkenswerten Sprung: Der Professor f\u00fcr Bauingenieurwesen war jahrelang an der RWTH besch\u00e4ftigt, bevor er 2021 Pr\u00e4sident der Bundesanstalt f\u00fcr Stra\u00dfenwesen wurde, auf Vorschlag des damaligen Verkehrsministers Andreas Scheuer. An der RWTH h\u00e4lt Oeser weiterhin Vorlesungen.\u00a0Oeser hat in mindestens 86 F\u00e4llen mit der HIT kooperiert \u2013 er d\u00fcrfte damit der Spitzenreiter in Sachen Kooperationen mit chinesischen milit\u00e4rnahen Einrichtungen sein. An der HIT hatte er seit 2015 auch eine Gastprofessur inne.Wer solche Gastprofessuren eingeht, muss nach CORRECTIV-Informationen in der Regel einen Vertrag unterschreiben, der zur Treue gegen\u00fcber der Kommunistischen Partei verpflichtet. Der Einfluss des chinesischen \u00dcberwachungsstaates ist somit sogar vertraglich festgehalten. Wir haben Oeser gefragt, ob er einen solchen Vertrag unterzeichnete. Er war f\u00fcr CORRECTIV bis zur Ver\u00f6ffentlichung dieses Artikels jedoch nicht f\u00fcr eine Stellungnahme zu erreichen.Nach eigenen Angaben flossen von kurz nach dem Jahrtausendwechsel bis Ende 2023 rund 3,5 Millionen Euro von staatlichen chinesischen Stellen an die RWTH. Das sind aber nur die offiziell ausgewiesenen Drittmittel, die \u00fcber Forschungsprojekte an die Uni gingen \u2013 Gelder, die etwa \u00fcber Drittmittel-Auftr\u00e4ge von chinesischen Firmen \u00fcber Professoren-GmbHs m\u00f6glicherweise direkt an Professorinnen und Professoren flossen, werden nicht erfasst.Landesrechnungshof hat keine Erkenntnisse \u00fcber Nebent\u00e4tigkeiten von RWTH-Professoren\u201eKooperationen zwischen nichtstaatlichen Zuwendungsgebern und Wissenschaft sind grunds\u00e4tzlich richtig und notwendig, weil sie den Transfer von Forschungserkenntnissen f\u00f6rdern und aufwendige Forschung oftmals erst m\u00f6glich werden lassen\u201c, sagt Matthias Jaroch, Sprecher des Deutschen Hochschulverbands (DHV). \u201eSie bergen aber tendenziell stets die Gefahr, die grundgesetzlich verbriefte Forschungsfreiheit zu beeintr\u00e4chtigen.\u201c Das Risiko der Beeinflussungsversuche durch Dritte wachse.\u00a0Laut Jaroch sei das wirksamste Mittel dagegen ausreichend Grundfinanzierung durch Bund und L\u00e4nder, die der Verband immer wieder fordere. Solange diese nicht bestehen w\u00fcrde, blieben die Universit\u00e4ten darauf angewiesen, sich alternative Geldquellen zu erschlie\u00dfen. Wichtig sei gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Transparenz und Offenlegung der Kooperationsvertr\u00e4ge von Professorinnen und Professoren.\u00a0W\u00e4hrend Nebent\u00e4tigkeiten grunds\u00e4tzlich erlaubt seien, bed\u00fcrfen sie einer Genehmigung, vor allem dann, wenn auch Hochschulressourcen daf\u00fcr verwendet werden sollen. Sie d\u00fcrften auch nicht mehr als ein F\u00fcnftel der Arbeitszeit einnehmen. Die Frage, inwieweit mehrere Nebent\u00e4tigkeiten mit der hauptamtlichen T\u00e4tigkeit in Forschung und Lehre zeitlich in Einklang gebracht werden k\u00f6nnen, sei laut Jaroch berechtigt, m\u00fcsse aber im Einzelfall gepr\u00fcft werden.\u201eDie Offenlegungspflichten bei Nebent\u00e4tigkeiten sind eindeutig und klar. Der Wert dieser Bestimmungen h\u00e4ngt jedoch ma\u00dfgeblich davon ab, dass ihre Einhaltung ordnungsgem\u00e4\u00df \u00fcberpr\u00fcft wird\u201c, sagt Jaroch. Hochschulleitungen und den Landesrechnungsh\u00f6fen als Organen der Finanzkontrolle h\u00e4tten in diesem Zusammenhang eine zentrale Bedeutung.CORRECTIV fragte den Landesrechnungshof Nordrhein-Westfalen, wie viele Professorinnen und Professoren der RWTH Aachen seiner Kenntnis nach eigene Firmen leiten und ob ihm die Eink\u00fcnfte aus diesen Firmen bekannt seien. Antwort: \u201eKeine Erkenntnisse.\u201cInteressenkonflikte und offene T\u00fcren f\u00fcr Einflussnahme? Experte \u00fcbt starke Kritik an Praktiken an der RWTHChristopher Bohlens, der f\u00fcr den Verein Transparency International Deutschland die Arbeitsgruppe Wissenschaft leitet und als Sachverst\u00e4ndiger im Wissenschaftsrat t\u00e4tig ist, kritisiert die Praktiken an der RWTH scharf. F\u00fcr ihn legt die CORRECTIV-Recherche \u201eein tiefes strukturelles Problem der Universit\u00e4t und ihrer Verbindungen zur Industrie und zu ausl\u00e4ndischen Geldgebern offen\u201c.\u00a0Insbesondere die Tatsache, dass Vertr\u00e4ge zwischen den Professoren-GmbHs und der Industrie nicht von der Universit\u00e4t gepr\u00fcft werden, untergrabe die Transparenz und Kontrolle dieser finanziellen Str\u00f6me. \u201eNormalerweise sollten Kooperationen, Forschungsauftr\u00e4ge und Auftragsforschungen immer \u00fcber die Hochschule abgewickelt werden\u201c, sagt Bohlens.\u00a0\u201eDaf\u00fcr gibt es in der Regel festgelegte Prozesse, die bestimmen, wie Hochschulen Vertr\u00e4ge und Verg\u00fctungen gestalten\u201c, sagt Bohlens. Wenn jedoch Firmen gegr\u00fcndet w\u00fcrden, um diese Auftr\u00e4ge abzuwickeln und dadurch Professorinnen und Professoren die M\u00f6glichkeit h\u00e4tten, \u201ezu ihrem eigenen Vorteil in die eigene Tasche zu wirtschaften\u201c, entspreche dies nicht den \u00fcblichen Standards und sei intransparent. Hierzu besteht laut dem Experten auch die moralische Frage, ob dies in Einklang mit den Zielen von Forschung und Lehre steht. Dass die Rechenschaftspflicht gegen\u00fcber der Hochschule und dem Land durch die fehlende Pr\u00fcfung nicht erf\u00fcllt wird, f\u00fchrt zu einem Mangel an Transparenz und Kontrolle, der potenziell korrupte Praktiken beg\u00fcnstigt, sagt Bohlens.Dass Gelder aus China flie\u00dfen, wirft laut Bohlens Fragen zur Unabh\u00e4ngigkeit der Forschung und der m\u00f6glichen Einflussnahme durch ausl\u00e4ndische Regierungen auf. \u201eBesonders alarmierend ist, dass Gelder auch f\u00fcr Projekte mit milit\u00e4rischem Bezug geflossen sind, was sicherheitspolitische Implikationen haben k\u00f6nnte\u201c, sagt Bohlens.\u00a0\u201eDie F\u00e4lle m\u00fcssen auch unter dem Gesichtspunkt der illegitimen Einflussnahme durch China und anderer autorit\u00e4rer Staaten betrachtet werden, die mithilfe von viel Geld und teils strategisch eingesetzter Korruption in ganz unterschiedlichen Sektoren ihre Interessen durchsetzen. Hier spielt auch der Wissenschaftsbereich eine wichtige Rolle.\u201cLaut Bohlens ergebe sich durch die Recherche \u201edringender Handlungsbedarf\u201c. So sollten klare Richtlinien und strengere Aufsichtsmechanismen implementiert werden, um Interessenkonflikte zu minimieren und die Integrit\u00e4t der akademischen Forschung zu sichern. \u201eNur so kann gew\u00e4hrleistet werden, dass die Wissenschaft im Dienst der Gesellschaft und nicht privater oder ausl\u00e4ndischer Interessen steht.\u201cUnsere Recherche zeigt, was passieren kann, wenn an einer Universit\u00e4t Professuren und Unternehmertum miteinander verschmelzen. An den Fakult\u00e4ten Maschinenwesen und Elektrotechnik an der RWTH Aachen entstand eine Kultur, in der Business und Cash offenbar wichtiger sind als Forschung und Lehre. Die Verbindungen der Professorinnen und Professoren in den chinesischen Milit\u00e4rapparat sind weitreichend.Diese Probleme betreffen nicht nur die RWTH in Aachen: Sie k\u00f6nnen \u00fcberall dort auftreten, wo Universit\u00e4ten enge Verbindungen zur Industrie und ausl\u00e4ndischen Geldgebern pflegen, ohne hinreichend f\u00fcr Transparenz zu sorgen. Sie bedrohen das Fundament einer Institution, die auf Wissen und auf Integrit\u00e4t gebaut sein sollte.Text &amp; Recherche: Till EckertRedaktion: Anette DowideitFaktencheck: Stella HeschMitarbeit: Max BernhardDesign: Niklas K\u00f6nig, Mohamed AnwarKommunikation: Valentin Zick, Esther EckeZur Quelle wechselnAuthor: Till Eckert"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Die Bling-Bling-Professoren aus Aachen","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/die-bling-bling-professoren-aus-aachen\/#breadcrumbitem"}]}]