[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/dubiose-geschaefte-an-der-elite-universitaet\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/dubiose-geschaefte-an-der-elite-universitaet\/","headline":"Dubiose Gesch\u00e4fte an der Elite-Universit\u00e4t","name":"Dubiose Gesch\u00e4fte an der Elite-Universit\u00e4t","description":"Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck \/ Zur Quelle wechseln Wirtschaft Dubiose Gesch\u00e4fte an der Elite-Universit\u00e4t Zweifelhafte Stundenabrechnungen und die Vermengung von Forschungs- und Privatinteressen: Wissenschaftliche Mitarbeitende berichten von bedenklichen Vorg\u00e4ngen an der RWTH Aachen. Die Universit\u00e4t und die Landesregierung wiegeln ab. von Till Eckert 23. Oktober 2024 (Collage: Niklas K\u00f6nig&#8230;","datePublished":"2024-10-23","dateModified":"2024-10-23","author":{"@type":"Person","@id":"##Person","name":"Correctiv.org","url":"#","identifier":15,"image":{"@type":"ImageObject","@id":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/51a6c0962ec4a7a9fff8508f3b6a21069f40fbb9a1ee7294cca7a040ced87b6c?s=96&d=monsterid&r=g","url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/51a6c0962ec4a7a9fff8508f3b6a21069f40fbb9a1ee7294cca7a040ced87b6c?s=96&d=monsterid&r=g","height":96,"width":96}},"publisher":{"@type":"Person","name":"Dirk Bachhausen","image":{"@type":"ImageObject","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/dirk_profil-300x300.jpg","url":"https:\/\/www.bachhausen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/dirk_profil-300x300.jpg","width":600,"height":60}},"image":{"@type":"ImageObject","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Zeitungsleser.webp","url":"https:\/\/www.bachhausen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Zeitungsleser.webp","height":534,"width":800},"url":"https:\/\/www.bachhausen.de\/dubiose-geschaefte-an-der-elite-universitaet\/","about":["Politik"],"wordCount":5269,"keywords":["dubiose","elite","geschafte","universitat"],"articleBody":"Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck \/ Zur Quelle wechselnWirtschaftDubiose Gesch\u00e4fte an der Elite-Universit\u00e4t        Zweifelhafte Stundenabrechnungen und die Vermengung von Forschungs- und Privatinteressen: Wissenschaftliche Mitarbeitende berichten von bedenklichen Vorg\u00e4ngen an der RWTH Aachen. Die Universit\u00e4t und die Landesregierung wiegeln ab.                    von                                Till Eckert23. Oktober 2024                                (Collage: Niklas K\u00f6nig \/ CORRECTIV)                            Schon bei der Ankunft im Assessment-Center wurde Jonas mulmig. Bisher hatte er in seiner wissenschaftlichen Karriere Elektroantriebe f\u00fcr Fahrzeuge weiterentwickelt. Doch die schienen seinen Testern beim Bewerbungsgespr\u00e4ch in Aachen nicht so wichtig, sagt er heute.\u201eBeim Assessment ging es nicht darum, was ich kann. Sondern, wie ich etwas an Kunden verkaufen kann\u201c, sagt Jonas, der eigentlich anders hei\u00dft. Dabei passte seine bisherige wissenschaftliche Arbeit auf dem Papier doch perfekt zum Aachener Forschungsinstitut \u201eProduction Engineering of E-Mobility Components\u201c, kurz PEM. Es handelt sich um eines der gr\u00f6\u00dften Institute der RWTH Aachen, mit einem Standort an der niederl\u00e4ndischen Grenze. Dort hatte sich Jonas vor ein paar Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter beworben. Er wollte dabei auch seinen Doktor machen.Die Irritation, sagt er, wurde an seinem ersten Arbeitstag gr\u00f6\u00dfer. Die wissenschaftlichen Mitarbeitenden, Doktorandinnen und Doktoranden marschierten in feinen Anz\u00fcgen durch das Institut. Die Atmosph\u00e4re dort beschreibt Jonas mit dem Begriff \u201eBerater-Swag\u201c: Die Menschen hingen in \u201eCalls\u201c mit Kunden, sausten neuen Auftr\u00e4gen hinterher, erarbeiteten \u201eGesamtkonzepte\u201c f\u00fcr die potenziellen Geldgeber.\u00a0Ein Oberingenieur, quasi sein direkter Vorgesetzter, habe ihn \u201eaufgegleist\u201c, wie man laut Jonas am PEM zu sagen pflege: Seine Dissertation habe Jonas in seiner Freizeit zu schreiben, er habe hier schlie\u00dflich einen Vollzeitjob zu erledigen. \u201eIch dachte: Halt mal, ich bin doch \u00fcber die DFG hier\u201c, sagt Jonas. Er meint damit die F\u00f6rderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die Doktoranden f\u00fcr ihre Vorhaben oft ganz oder teilweise sponsert. Laut seinem Arbeitsvertrag mit der RWTH sollte Jonas eigentlich auch Forschungsprojekte bearbeiten.Sein Alltag sah dann allerdings ganz anders aus: Er sollte haupts\u00e4chlich Kunden anrufen, um Drittmittel-Auftr\u00e4ge an Land zu ziehen \u2013 im Namen einer GmbH, an der sein Professor beteiligt ist. \u201eDas hat mich immer stark gewundert, weil ich dachte: Ich hab doch einen Vertrag mit der RWTH\u201c, sagt Jonas.Drittmittel, so nennt man Gelder, die von au\u00dfen an eine Universit\u00e4t flie\u00dfen, eingeworben durch Professorinnen und Professoren. An der RWTH unterscheidet man zwischen \u201ehoheitlichen Drittmitteln\u201c, das sind solche aus \u00f6ffentlichen F\u00f6rdert\u00f6pfen des Bundesforschungsministeriums oder der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), und \u201eIndustrie-Drittmitteln\u201c, das sind solche von privaten Firmen und Konzernen.Jonas habe daraufhin Pr\u00e4sentationen zu den Angeboten erstellen m\u00fcssen. \u201eFolien\u201c, wie es ihm zufolge beim PEM salopp hei\u00dft. Statt f\u00fcrs Institut an Elektroantrieben zu forschen, machte er laut eigener Aussage haupts\u00e4chlich Kaltakquise f\u00fcr ein Unternehmen, an dem sein Professor beteiligt ist. Teilweise seien Jonas und anderen Doktorandinnen und Doktoranden auch Projekte zugewiesen worden: In sogenannten \u201eKapa-Runden\u201c mit der F\u00fchrungsriege beim PEM sei gepr\u00fcft worden, wer noch Kapazit\u00e4ten daf\u00fcr hatte, zu Kunden zu fahren oder Konferenzen zu organisieren.\u00a0Intern, sagt Jonas, habe es einen Wettbewerb darum gegeben, wer auf der \u201eAkquise-Liste\u201c ganz oben stand. Teils sei es um Summen bis 150.000 Euro gegangen. Bei gemeinsamen Feiern seien die Top-Geldeintreiber des Instituts dann von den anderen beklatscht worden.\u00a0Die Jagd nach Geld habe die Forschungsarbeit deutlich dominiert, sagt Jonas.Insider berichten von bedenklichen Vorg\u00e4ngen an Elite-Universit\u00e4t RWTH AachenWas klingt wie die Zust\u00e4nde in einem Strukturvertrieb, in dem Vertreter Versicherungen verkaufen und bei Erfolg die Sektkorken knallen lassen, scheint Realit\u00e4t an der RWTH Aachen zu sein \u2013 einer deutschen Elite-Universit\u00e4t. Dort sollte es eigentlich prim\u00e4r um neue wissenschaftliche Erkenntnisse gehen. Es handelt sich um eine der angesehensten Hochschulen im Land und eine der gr\u00f6\u00dften Arbeitgeberinnen in der Region Aachen.Deutsche Unis sollen industrienah forschen, das ist von der Regierung so gew\u00fcnscht. So soll eine Kette geschaffen werden: Ergebnisse aus der Wissenschaft sollen sp\u00e4ter leicht in die Praxis wandern und umgesetzt werden k\u00f6nnen. Doch immer mehr deutet darauf hin, dass hinter den Kulissen der RWTH Aachen teils keine Trennung zwischen Forschung und Unternehmertum stattfindet.CORRECTIV recherchiert seit Monaten zur RWTH Aachen. K\u00fcrzlich deckten wir die fragw\u00fcrdige Gesch\u00e4ftspraktik der \u201eProfessoren-GmbHs\u201c an der Universit\u00e4t auf, durch die Professoren in ihre eigene Tasche wirtschaften k\u00f6nnen. Nach der Ver\u00f6ffentlichung meldeten sich Dutzende Menschen wie Jonas bei uns. Sie berichteten von ihren Erfahrungen in verschiedenen Forschungsinstituten der RWTH.Wir sprachen seither mit mehr als 20 aktiven und ehemaligen Angestellten an verschiedenen Instituten. Darunter sind wissenschaftliche Mitarbeitende und leitende Ingenieure. Wir konnten Arbeitsvertr\u00e4ge, Kostenaufstellungen, Rechnungen, Pr\u00e4sentationen, Chatverl\u00e4ufe und interne E-Mail-Absprachen einsehen. Sie zeichnen das Bild einer Hochschule, in der dubiose, private Firmen-Konstrukte grassieren. F\u00fcr den Umsatz sollen Angestellte sorgen, die teils mit \u00f6ffentlichem Geld finanziert sind.Unsere Quellen bleiben aus Sicherheitsgr\u00fcnden anonym, wir stellten jedoch sicher, dass sie tiefe Einblicke in die Universit\u00e4tsabl\u00e4ufe der RWTH hatten. Falls auch Sie an einer Universit\u00e4t arbeiten und Hinweise zu fragw\u00fcrdigen Praktiken haben, melden Sie sich gerne: SignalWas bislang nicht bekannt war: Sogenannte \u201eProfessoren-GmbHs\u201c, mit denen die Professoren Industrieprojekte anbahnen oder abwickeln, sind zum Teil direkt mit den RWTH-Forschungsinstituten verwoben. Sie teilen sich die B\u00fcrofl\u00e4chen und greifen auf die gleiche Infrastruktur zu. Die RWTH widerspricht dieser Darstellung gegen\u00fcber CORRECTIV und behauptet: es gebe mit heutigem Stand keine Institute und GmbHs, die sich R\u00e4umlichkeiten und Infrastruktur teilen.\u00a0Aussagen ehemaliger und aktiver Angestellte deuten jedoch darauf hin, dass manche Forschungsinstitute und Firmen sogar so weit ineinander verschmelzen, dass selbst f\u00fcr die Mitarbeitenden selbst nicht immer zu unterscheiden ist, welche Leistung f\u00fcr welches Forschungsprojekt oder welchen industriellen Auftrag erbracht wurde.\u00a0Vorg\u00e4nge an einigen Forschungsinstituten k\u00f6nnten strafrechtlich relevant werdenRein formell sollten etwa wissenschaftliche Mitarbeitende haupts\u00e4chlich oder zur H\u00e4lfte f\u00fcr das jeweilige Institut an Forschungsprojekten arbeiten. Letztlich aber, so berichten es uns mehrere Mitarbeitenden, flie\u00dfe ihre Arbeitsleistung haupts\u00e4chlich in private GmbHs.Im Zentrum der Geflechte aus Forschungsinstituten und Firmen stehen Professoren. Bei ihnen laufen alle F\u00e4den zusammen, sie bestimmen ma\u00dfgeblich \u00fcber die internen Vorg\u00e4nge und Geldfl\u00fcsse. Manche sind offenbar geradezu ber\u00fcchtigt an der RWTH. Drei von ihnen heben wir in dieser Recherche exemplarisch hervor.\u00a0Da ist zum Beispiel der Star-Professor, an dessen Institut offenbar zweifelhafte Stundenabrechnungen geschrieben werden. Da ist ein zweiter, der f\u00fcr sein RWTH-Institut m\u00f6glicherweise stark \u00fcberteuerte Flugger\u00e4te einkaufen l\u00e4sst \u2013 von einer GmbH, an der er selbst beteiligt ist. Und da ist ein dritter, der bei einem gestoppten Projekt mit einem chinesischen Auftraggeber einen Millionenbetrag in den Sand gesetzt haben soll. Und der offenbar Lehrstuhl-Mitarbeitende Teile der Einrichtung in seinem Privathaus bauen lie\u00df.\u00a0Laut einem unabh\u00e4ngigen Strafrechtler, der die F\u00e4lle f\u00fcr uns einsch\u00e4tzte, k\u00f6nnten dabei die Tatbest\u00e4nde f\u00fcr mutma\u00dflichen Subventionsbetrug, m\u00f6gliche Interessenskonflikte, Verm\u00f6genssch\u00e4den sowie Untreue erf\u00fcllt sein. Die Universit\u00e4t k\u00f6nnte laut des Experten zudem ihre Aufsichtspflicht verletzen, wenn sie entsprechenden Verdachtsf\u00e4llen nicht nachgehe.Die Landesregierung wiegelt gegen\u00fcber CORRECTIV ab: Es gebe aktuell \u201ekeinen Anlass f\u00fcr ein rechtsaufsichtliches Vorgehen des Ministeriums\u201c. Die Ausgestaltung der Arbeitsverh\u00e4ltnisse und Arbeitspraxis von wissenschaftlichen Mitarbeitenden, Doktorandinnen und Doktoranden sowie die Einhaltung rechtlicher Vorgaben obliege der Hochschule.\u00a0Die RWTH und ihre Professoren indes behaupten, unsere Informationen seien \u201einkorrekt\u201c oder \u201eunwahr\u201c. Zwischen Instituten und Unternehmen gebe es \u201eeine klare Trennung\u201c, Compliance-Richtlinien und Pr\u00fcfverfahren w\u00fcrden f\u00fcr einen rechtlich einwandfreien Ablauf sorgen.Demgegen\u00fcber stehen etwa ein Dutzend Aussagen von ehemaligen und aktuellen Angestellten. Zwei davon haben ihre Aussagen gegen\u00fcber CORRECTIV eidesstattlich versichert. Die drei Professoren sorgten mit ihren Handlungen daf\u00fcr, dass einige ihre Forschungsinstitute offensichtlich verst\u00f6rt verlie\u00dfen. Und damit teils auch ihre wissenschaftlichen Tr\u00e4ume zur\u00fccklassen mussten: Einige konnten wegen der vielen Arbeit f\u00fcr die GmbHs weder ihre Forschungsvorhaben voranbringen noch ihre Doktorarbeiten beenden.Alle Menschen, mit denen wir sprachen, eint ein Unrechtsbewusstsein. F\u00fcr sie ist die Sache klar: Einige Professoren, im Machtgef\u00fcge der Uni nahezu unantastbar, nutzen demnach an der RWTH zu ihrem finanziellen Vorteil junge Menschen aus. Ein Mitarbeiter sagt, der Umgang mit Doktorandinnen und Doktoranden an der RWTH sei ein Skandal: \u201eDas ist Ausbeutung.\u201c\u00a0Zweifelhafte Stundenabrechnungen beim PEM-InstitutJonas, der f\u00fcr seine Dissertation teils \u00fcber die DFG gef\u00f6rdert wurde, verlie\u00df das PEM-Institut nach kurzer Zeit wieder. Denn f\u00fcr seine Forschung habe er nur maximal f\u00fcnf Prozent seiner Arbeitszeit aufbringen k\u00f6nnen. Den Rest der Zeit habe der Wissenschaftler st\u00e4dtischen Betrieben \u00d6PNV-Flottenumstellungen oder \u00e4hnliches anbieten sollen.\u00a0Weitere ehemalige Mitarbeitenden berichten \u00c4hnliches: Im Fokus standen Akquise oder Beratungsleistungen, die oft nichts mit der eigentlichen Forschung zu tun gehabt h\u00e4tten.\u00a0Beim Termin mit einem Kunden habe dieser verlangt, mit Jonas\u2019 Professor, Achim Kampker, sprechen zu k\u00f6nnen. Dieser habe sich dann zugeschaltet. Jonas merkte da: Kampker ist nicht nur Professor, sondern die zentrale Figur zwischen dem PEM-Institut, den angeschlossenen Firmen und ihren Kunden.Achim Kampker gilt in Sachen E-Mobilit\u00e4t als Top-Experte. Regelm\u00e4\u00dfig tritt er im Fernsehen oder in Podcasts auf. Kampker ist ein Mann mit Strahlkraft, offensichtlich bis in h\u00f6chste politische Kreise vernetzt: Fotos zeigen ihn im Jahr 2011 mit der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die seine Arbeit lobte. Im Jahr 2018 er\u00f6ffnete er f\u00fcr seine Firma \u201eStreetscooter\u201c eine Produktionsst\u00e4tte gemeinsam mit dem damaligen NRW-Ministerpr\u00e4sidenten Armin Laschet. In diesem Jahr empfing er den aktuellen Ministerpr\u00e4sidenten Hendrik W\u00fcst und Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger zur Einweihungsfeier einer Produktionsanlage f\u00fcr Batteriezellen.\u00a0Die Forschung r\u00fcckte bei dem Professor w\u00e4hrend seiner Karriere offensichtlich immer weiter in den Hintergrund. Er agiert auff\u00e4llig viel als Unternehmer. Und die Fassade br\u00f6ckelt, wenn man sich im Vertrauen mit ehemaligen Gesch\u00e4ftspartnern unterh\u00e4lt: So soll Kampker 2016 bei einem Projekt mit zehn Industriepartnern wie Siemens etwa versucht haben, Forschungsergebnisse zu einem Elektrofahrzeug in ein neues Unternehmen flie\u00dfen zu lassen und diese selbstst\u00e4ndig chinesischen Investoren gezeigt haben. Entsprechende E-Mails und die Pr\u00e4sentation liegen CORRECTIV vor. Kampker habe durch sein Verhalten das mit 24 Millionen Euro gef\u00f6rderte Projekt \u201ekaputtgemacht\u201c, werfen ihm ehemalige Partner vor.\u00a0Kampker beschwichtigt gegen\u00fcber CORRECTIV: Er sagt, weil nicht alle Partner mit seinem Vorschlag einverstanden gewesen seien, habe er den Vorschlag zur\u00fcckgezogen. Eine Verhandlung mit Vertretenden aus China habe durch ihn nicht stattgefunden. Ihm werde die Schuld gegeben, obwohl eine andere \u201eEinzelperson\u201c im Anschluss an das Projekt versucht haben soll, die Ergebnisse zu verwerten.Auf dem Gel\u00e4nde eines Businessparks an der niederl\u00e4ndischen Grenze befindet sich der Hauptsitz von Kampkers PEM-Institut. Der Professor baute sich dort eine Art Kreislauf aus mehreren miteinander verzweigten Firmen auf, an denen er direkt oder indirekt beteiligt ist. Folgt man dem Firmennetzwerk noch weiter, fallen weitere Firmen auf, an denen Leute aus dem PEM-Geflecht beteiligt sind. Die meisten dieser Firmen haben \u201eUnternehmensberatung\u201c zum Gesch\u00e4ftszweck.Kampker h\u00e4lt rund 82 Prozent an der PEM Aachen GmbH, die als Gesch\u00e4ftszweck \u201eUnternehmens- und sonstige Beratungst\u00e4tigkeiten\u201c nennt. Diese GmbH wiederum h\u00e4lt Anteile an mindestens f\u00fcnf weiteren Unternehmen, die sich das Geb\u00e4ude teilen. Darunter sind die PEM Motion GmbH, die AE Driven Solutions GmbH oder die ConAC GmbH, der das Geb\u00e4ude geh\u00f6rt. \u00dcber mehrere Ecken streicht der Professor so indirekt quasi auch Teile der Miete vom RWTH-Institut ein, das er selbst leitet. Der \u201eConAC\u201c-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer ist zudem an der RWTH angestellt. \u201eMan vermietet an sich selbst\u201c, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter dazu. Kampker sagt: \u201eDen Vertrag hat die RWTH Aachen zu markt\u00fcblichen Konditionen geschlossen. Ich war an diesem Vorgang nicht beteiligt.\u201cDie Firmen, an denen Kampker beteiligt ist, teilen sich im sogenannten \u201eSmart Mobility Solution Campus\u201c die R\u00e4umlichkeiten und die Infrastrukturen mit denen seines RWTH-Forschungsinstituts. Laut Landesrechnungshof eigentlich ein No-Go: Gegen\u00fcber CORRECTIV teilt dieser mit, er habe zuletzt 2020 \u201edringenden Handlungsbedarf\u201c des Landes festgestellt, auf eine \u00c4nderung der bisherigen Organisations- und Zust\u00e4ndigkeitsstruktur der Hochschule hinzuwirken. Eine auch nur teilweise Finanzierung von Ausgaben aus \u00f6ffentlichen Geldern f\u00fcr R\u00e4umlichkeiten oder Infrastrukturen f\u00fcr wirtschaftliche Projekte sei unzul\u00e4ssig.\u00a0Kampker selbst spricht lediglich von mehreren \u201eunabh\u00e4ngigen Unternehmen und Start-Up-Betrieben\u201c, die im gleichen Geb\u00e4udekomplex wie das PEM-Institut untergebracht seien. Und die Hochschule behauptet, Mietvertr\u00e4ge mit GmbHs, die R\u00e4umlichkeiten und Infrastrukturen in RWTH-Instituten betroffen haben, seien in der Vergangenheit gek\u00fcndigt worden: \u201eMit heutigem Stand gibt es keinen Fall, in dem sich Institute und GmbHs, an denen Professoren der RWTH beteiligt sind, R\u00e4umlichkeiten und Infrastruktur teilen.\u201cDas ist angesichts der Berichte der Mitarbeitenden fraglich. Demnach werden beim PEM in denselben R\u00e4umlichkeiten Forschungs- und Industrieprojekte bearbeitet. \u201eWer da sitzt und was macht, ist egal\u201c, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter.\u00a0Damit Geld in Kampkers Instituts-Firmen-Geflecht flie\u00dft, sollen viele der rund 200 wissenschaftlichen Mitarbeitenden, Doktorandinnen und Doktoranden neben ihrer Forschungsarbeit in Masse Industrie-Drittmittelauftr\u00e4ge an Land ziehen. Und Kunden L\u00f6sungen aus Kampkers Leistungskatalog anbieten.\u00a0Ein Insider sagt, eines der Mottos am PEM sei gewesen: F\u00fcr Geld machen wir alles. Kampker sagt, es gebe \u201edefinitiv\u201c kein solches Motto. Er k\u00f6nne sich vorstellen, dass \u201eeinige Mitarbeitende hier interpretieren.\u201cGegen\u00fcber CORRECTIV berichteten Jonas und mehrere weitere ehemalige Mitarbeitenden weiter, dass es am PEM-Institut \u201eg\u00e4ngige Praxis\u201c sei, in einem Tool f\u00fcr Arbeitszeiterfassung falsche Angaben zu machen.\u00a0So sollen Arbeitsstunden, die wissenschaftliche Mitarbeitende f\u00fcr Kunden-Akquise oder Kunden-Beratungsleistungen f\u00fcr die privaten Unternehmen aufgebracht haben, regelm\u00e4\u00dfig \u00f6ffentlich gef\u00f6rderten Forschungsprojekten zugeschrieben worden sein \u2013 \u201eobwohl an diesen tats\u00e4chlich nicht gearbeitet wurde\u201c. Die Forschungsprojekte sollen dabei inhaltlich nicht mit den Leistungen f\u00fcr die privaten Firmen in Zusammenhang gestanden haben. Unter den Mitarbeitenden, mit denen wir gesprochen haben, sind auch Gruppenleiter. Sie geben an, mehrfach unrichtige Stundenabrechnungen ihrer Kolleginnen und Kollegen freigegeben zu haben. Zwei ehemalige Mitarbeitende bekr\u00e4ftigen ihre Aussagen per Eidesstattlicher Versicherung.\u201eIndustriemittel werden mit Forschungspersonal bearbeitet. Das war bei mir viel der Fall\u201c, sagt etwa ein ehemaliger PEM-Mitarbeiter. Er sollte demnach Events f\u00fcr die privaten GmbHs planen, die Arbeitsstunden daran aber einem Forschungsprojekt zuschreiben. \u201eEs war \u00fcblich, dass der ganze Tag oder eine ganze Woche \u00fcber ein Forschungsprojekt abgerechnet wurde, ohne dass der Mitarbeiter auch nur eine Minute daran gearbeitet hat\u201c, berichtet ein weiterer. Stattdessen habe der Mitarbeiter Pr\u00e4sentationen f\u00fcr Kunden erstellt, die er im Namen einer der GmbHs vorstellte.Mitarbeitende sollen im internen Zeiterfassungsprogramm, \u201eTimetool\u201c genannt, die gearbeiteten Stunden selbst Projekten zuordnen. Laut einem ehemaligen Mitarbeiter, der seine Aussage gegen\u00fcber CORRECTIV eidesstattlich versicherte, habe es eine \u201eWeisung\u201c gegeben, dass jede T\u00e4tigkeit abgerechnet werden m\u00fcsse, sodass keine \u201eAbrechnungsl\u00fccken\u201c entstehen. Zwar gebe es ein eigens f\u00fcr Akquiset\u00e4tigkeiten im \u201eTimetool\u201c angelegtes Abrechnungselement. Jedoch d\u00fcrfe dieses nur f\u00fcr Dienstreisen im Rahmen von Kundenakquisen oder \u00e4hnlichen T\u00e4tigkeiten verwendet werden \u2013 der Rest, also Leistungen vor Ort im PEM, m\u00fcsse laut des Mitarbeiters auf Forschungsprojekte geschrieben werden.\u00a0Konfrontiert mit den Vorg\u00e4ngen rund um die zweifelhafte Zeiterfassung am PEM-Institut sagt der Professor Kampker, entsprechende Aussagen seien nicht wahr: \u201eWir handeln ausnahmslos gem\u00e4\u00df transparenten Prozessen, die dies verhindern und beispielsweise auch mit der internen Revision der RWTH Aachen abgestimmt sind.\u201c\u00a0Unklar ist weiterhin, wie systematisch sich die von den ehemaligen Mitarbeitenden beschriebenen Vorg\u00e4nge abspielen. In einem Bericht des Landesrechnungshofs Nordrhein-Westfalen wird jedoch schon 2020 auf ein fragw\u00fcrdiges Abrechnungsverhalten im PEM-Institut hingewiesen (PDF, Punkt 19.2): Der Landesrechnungshof stellte damals unter anderem fest, dass Stunden, in denen eine spezielle Maschine lief, nicht zu dem, was abgerechnet wurde, passten.\u00a0\u201eIm Rahmen der \u00f6rtlichen Erhebungen bei der RWTH wurde (\u2026) festgestellt, dass die gef\u00f6rderten Anlagen bei allen drei Projekten \u00fcberwiegend von Unternehmen genutzt wurden, an denen Lehrstuhlinhaber bzw. weitere (Lehrstuhl-)Besch\u00e4ftigte der RWTH als Gesellschafter beteiligt waren\u201c, hei\u00dft es im Bericht. Und: \u201eDie betreffenden Rechnungen f\u00fcr die Nutzungen der gef\u00f6rderten Anlagen wurden oftmals von Besch\u00e4ftigten der RWTH erstellt, die den Gesellschaftern der nutzenden Unternehmen im Rahmen von deren T\u00e4tigkeit bei der RWTH unterstellt waren.\u201c\u00a0Das zust\u00e4ndige Ministerium der Landesregierung hatte damals die Untersuchung durch unabh\u00e4ngige Wirtschaftspr\u00fcfer gefordert. Wir wollten von der Universit\u00e4t wissen, welche Wirtschaftspr\u00fcfung beauftragt wurde, wie das Ergebnis ausfiel und ob seither Kontrollmechanismen an Kampkers PEM-Institut installiert wurden. Ein Sprecher der Universit\u00e4t teilt mit, die Fehler seien durch die Kanzlei \u201eNeumann, Schmeer &amp; Esser\u201c analysiert worden. \u201eProzesse f\u00fcr vergleichbare Projekte\u201c seien angepasst worden. In Zukunft w\u00fcrden vor dem Projektstart externe Pr\u00fcfer einbezogen.Die neuerlichen Aussagen durch die Mitarbeitenden k\u00f6nnten abgesehen davon jedoch ein rechtliches Nachspiel haben: Wenn n\u00e4mlich \u00fcber sogenannte \u201esubventionserhebliche Tatsachen\u201c \u2013 zu denen Arbeitszeiten und -inhalte \u00fcblicherweise geh\u00f6ren \u2013 unrichtige Angaben in den F\u00f6rdermittelantr\u00e4gen f\u00fcr \u00f6ffentliche Forschungsgelder oder der Nachweisdokumentation gemacht werden, w\u00e4re zumindest in objektiver Hinsicht der Tatbestand des Subventionsbetrugs erf\u00fcllt.Am Ende fehlt durch die Arbeit f\u00fcr die GmbHs am PEM vor allem die Zeit f\u00fcr Forschung, f\u00fcr die die wissenschaftlichen Mitarbeitenden eigentlich \u00fcberwiegend da sind. Jonas und weitere ehemalige Mitarbeiter berichten beispielsweise, dass sie ihre Dissertation am PEM nicht beenden konnten. \u201eIch habe viel zu viel gearbeitet. Ich schaffte das nicht\u201c, sagt einer.\u00a0Der Universit\u00e4ts-Sprecher und Kampker sagen dazu, wissenschaftliche Mitarbeitende h\u00e4tten zwar die M\u00f6glichkeit zur Promotion. Das aber liege im pers\u00f6nlichen Interesse und erfolge nicht w\u00e4hrend ihrer anderen T\u00e4tigkeiten am Institut. Die Promotionsvorhaben bei Professor Kampker w\u00fcrden au\u00dferdem \u201emit einer \u00e4u\u00dferst hohen Quote erfolgreich abgeschlossen\u201c.Weniger euphorisch \u00e4u\u00dfern sich Jonas und weitere Insider \u00fcber die wissenschaftliche Qualit\u00e4t aus dem PEM-Institut: Die Forschungsergebnisse und Doktorarbeiten seien teilweise so notd\u00fcrftig, dass einige sich wegen ihrer Ver\u00f6ffentlichungen sch\u00e4mten. Und sogar versuchten, diese der \u00d6ffentlichkeit unzug\u00e4nglich zu machen. \u201eEs gab kaum wissenschaftlichen Output, der irgendwie Sinn macht\u201c, sagt Jonas.\u00a0\u201eVergabesonderf\u00e4lle\u201c beim Institut f\u00fcr FlugsystemdynamikAuch am Institut f\u00fcr Flugsystemdynamik (FSD) von Professor Dieter Moormann ist die Verzahnung zwischen Forschung und einer Firma, bei der er Gesellschafter ist, sehr eng. Und auch dort ist die Frustration unter einigen Mitarbeitenden teils gro\u00df. Die Wahrheit werde dort \u201everbogen\u201c, sagt einer im Gespr\u00e4ch mit CORRECTIV. Teams w\u00fcrden \u201ehochgradig vermischt\u201c.Auch das FSD-Institut und die FlyXDrive GmbH teilen sich laut Mitarbeitenden \u2013 anders als die RWTH und Moormann es gegen\u00fcber CORRECTIV darstellen \u2013 die R\u00e4umlichkeiten: Die Firma nutze etwa die Werkst\u00e4tten f\u00fcr die Integration von Flugger\u00e4ten, um sie dem Institut im selben Geb\u00e4ude zu verkaufen. Mitarbeiter von Institut und GmbH s\u00e4\u00dfen teils im selben B\u00fcro.Ein Mitarbeiter beschreibt, das Institut sei aus \u00f6ffentlichen F\u00f6rdergeldern finanziert. Daf\u00fcr reiche das Institut entsprechende Antr\u00e4ge f\u00fcr Forschungsgelder bei den F\u00f6rderern ein. Bemerkenswert: \u201eMan kann Projektantr\u00e4ge auch so formulieren, dass man seine eigene GmbH in die Antr\u00e4ge einbettet\u201c, sagt der Insider. Der RWTH-Sprecher teilt dazu mit, dass viele Ministerien f\u00fcr Forschungsf\u00f6rderungen eine gemeinsame Antragsstellung oder enge Zusammenarbeit mit Unternehmen erwarten w\u00fcrden, um den Transfer in die Wirtschaft zu erm\u00f6glichen. \u201eGmbHs, an denen Professoren beteiligt sind, sind von solchen Ausschreibungen explizit nicht ausgeschlossen\u201c, schreibt der Sprecher. \u201eEntscheidend ist, dass die operativen Entscheidungstr\u00e4ger nicht identisch sind, und darauf wird sehr genau geachtet.\u201cDie FlyXDrive GmbH wird geleitet von Norbert Siepenk\u00f6tter und Johanna Holsten. Beide sind zu unterschiedlichen Teilen sowohl an der GmbH angestellt \u2013 und an der RWTH. Beide k\u00f6nnen auf die Infrastruktur der Universit\u00e4t zugreifen. Kosten habe die GmbH damit laut den Insidern kaum welche. Die FlyXDrive GmbH bezahle keine Miete und habe anders als die Firmen im PEM-Geflecht keine externen Kunden.Moormann best\u00e4tigt gegen\u00fcber CORRECTIV, dass die FlyXDrive GmbH keine Miete bezahle. \u201eDie FlyXDrive muss im Kontext von Forschungsprojekten wie \u2018GrenzFlug+\u2019 R\u00e4umlichkeiten der RWTH (Testlabore, Integrationsr\u00e4ume, Fluglabor, Besprechungsr\u00e4ume) f\u00fcr gemeinsame Forschungsaktivit\u00e4ten nutzen.\u201c Auch andere Projektpartner wie ein Telekommunikationsanbieter h\u00e4tten sich w\u00e4hrend des Projekts in den R\u00e4umlichkeiten aufgehalten, Miete h\u00e4tte niemand entrichtet. Umgekehrt w\u00fcrde das FSD auch keine Miete bezahlen, wenn es Labore des Telekommunikationsanbieters nutze. \u201eDas ist im Rahmen von gemeinsamen Forschungsprojekten ein typisches Prozedere\u201c, sagt Moormann.Bei \u201eGrenzflug+\u201c handelt es sich um ein beendetes Projekt \u2013 die FlyXDrive GmbH sei laut eines Mitarbeiters aber weiterhin am Institut sesshaft und t\u00e4tig. Unterlagen, die CORRECTIV vorliegen, werfen dar\u00fcber hinaus Fragen bez\u00fcglich der Vergabe des Projekts an die FlyXDrive GmbH auf: F\u00fcr das durch das Bundesverkehrsministerium mit rund drei Millionen Euro gef\u00f6rderte Forschungsvorhaben \u201eGrenzflug+\u201c sollte das FSD-Institut der RWTH ein unbemanntes Flugger\u00e4t stellen und testen, das Rettungskr\u00e4ften in Krisengebieten assistiert.\u00a0Das Ger\u00e4t, das dabei letztlich zum Einsatz kam, ist der sogenannte \u201eTiltwing NEO\u201c. Dieser wurde f\u00fcr das Projekt nach CORRECTIV-Informationen von der FlyXDrive GmbH an die Universit\u00e4t verkauft; also der Firma, bei der Institutsleiter Moormann Gesellschafter ist. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Holsten rief in einem Angebot einen Preis von rund 199.000 Euro f\u00fcr das Flugger\u00e4t bei der RWTH ab. Weitere interne Unterlagen zeigen jedoch: Das Ger\u00e4t war mitsamt aller Bauteile nur rund 46.000 Euro wert.Der Deal wurde geradezu forciert: Der Dekan der Fakult\u00e4t f\u00fcr Maschinenwesen, Wolfgang Schr\u00f6der, schickte eine sogenannte \u201eAusschlie\u00dflichkeitserkl\u00e4rung\u201c an die Abteilung f\u00fcr Einkauf. Schr\u00f6der beschreibt darin, warum nur dieses eine Flugger\u00e4t der FlyXDrive GmbH f\u00fcr das Projekt in Frage k\u00e4me. Fraglich ist, ob durch die Vergabe des Projekts an eine Firma, an der Institutsleiter Moormann beteiligt ist, ein Interessenkonflikt vorliegt. Ein solcher kann bestehen, wenn verantwortliche Personen auf beiden Seiten t\u00e4tig werden, also auf Seite der Hochschule und der GmbH. Sollten Ger\u00e4te zu einem zu hohen Preis durch die Hochschule gekauft worden sein, k\u00f6nnte auch ein sogenannter \u201eVerm\u00f6gensschaden\u201c vorliegen.Die Universit\u00e4t teilt mit, dass es sich um einen \u201eSonderfall\u201c handele. Der potenzielle Interessenkonflikt sei allen Beteiligten bekannt gewesen. Das Bundesverkehrsministerium habe einerseits die Beteiligung eines Unternehmens vorgeschrieben. Andererseits habe sich kein anderes Unternehmen f\u00fcr das Projekt gewinnen lassen, weil sich aus dem Projekt kein \u201eunmittelbar absehbares Gesch\u00e4ftsmodell entwickeln\u201c lie\u00df. \u201eEine Beteiligung der FlyXDrive war also alternativlos\u201c, schreibt ein Sprecher. Die Ausschlie\u00dflichkeitserkl\u00e4rung durch den Dekan sei Teil eines abgestimmten Prozesses gewesen, der bei einem \u201esolchen Vergabesonderfall vorgeschrieben\u201c sei.\u00a0Moormann sagt, der angesprochene Wert f\u00fcr das Flugger\u00e4t habe nur die Hardware des Grundsystems abgedeckt. \u201eBis zum Endprodukt, welches f\u00fcr den Erfolg von \u2018Grenzflug+\u2019 erforderlich war, wurde das Flugsystem mit weiterer Sensorik ausgestattet und damit an seine neue Aufgabe angepasst, qualifiziert und luftrechtlich genehmigt.\u201cDas klingt umfangreich. Aber: \u201eDie Integration von Sensorik bestand darin, eine Kamera in die bestehende Nase einzubauen. Das war eine bestehende Sensorik, die von einem Institutsmitarbeiter vorgenommen wurde. Damit hatte die GmbH nichts zu tun\u201c, sagt ein Mitarbeiter. Moormann entgegnet auf erneute CORRECTIV-Anfrage, \u201edas Flugsystem f\u00fcr die FlyXDrive GmbH\u201c sei mit mehr als nur einer eingebauten Kamera ver\u00e4ndert worden. Es stimme nicht, dass ein Mitarbeiter der RWTH \u201eden Einbau einer Kamera f\u00fcr die FlyXDrive GmbH durchgef\u00fchrt hat\u201c. F\u00fcr \u201eGrenzflug+\u201c sei ein zweites Flugsystem gleichen Typs zum Einsatz gekommen, das sich im Besitz der RWTH bef\u00e4nde \u201eund mit einer anderen Kamera ausgestattet wurde\u201c.Zum angeblichen \u201eVergabesonderfall\u201c \u00e4u\u00dfern sich mehrere Mitarbeitende irritiert: \u201eDann ist es jedes Mal ein Sonderfall\u201c, sagt einer. \u201eSoweit ich das wei\u00df, wurde bisher immer mit Ausschlie\u00dflichkeitserkl\u00e4rungen die FlyXDrive in Projekte und Unterauftr\u00e4ge gezogen.\u201c Auch beim Projekt \u201eFlutnetz\u201c habe die GmbH etwa ein Flugger\u00e4t an die RWTH verkauft. Ein weiterer Mitarbeiter best\u00e4tigt das. Moormann sagt dazu, Vergaben an einen Auftragnehmer gebe es nur, wenn es daf\u00fcr \u201ebesondere Gr\u00fcnde\u201c gebe, die jeweils in der Ausschlie\u00dflichkeitserkl\u00e4rung dargelegt w\u00fcrden und mit F\u00f6rdermittelgebern abgestimmt w\u00fcrden. \u201eSo wurde unter anderem bei \u2018GrenzFlug+\u2019 und \u2018Flutnetz\u2019 verfahren.\u201c Der RWTH-Sprecher f\u00fcgt hinzu: \u201eSonderfall bedeutet nicht, dass es ein einmaliger Fall war, sondern dass er von der Norm abweicht.\u201c\u00a0Weiterhin steht in Frage, ob tats\u00e4chlich alle Projektbeteiligten \u00fcber den potenziellen Interessenkonflikt bei \u201eGrenzflug+\u201c im Bilde waren, wie von der Universit\u00e4t angegeben: Neben dem Telekommunikationsanbieter waren noch zwei weitere Unternehmen und die Stadt Aachen involviert.\u201eUnter uns wurde schon h\u00e4ufiger \u00fcberlegt, anonyme Tipps bei der Polizei abzugeben\u201c, sagt ein Mitarbeiter. \u201eDie wissen alle, dass das nicht sauber ist.\u201cGef\u00e4lligkeiten unter Freunden?Viel Aufmerksamkeit erhielt 2023 der Fall eines gerichtlich verurteilten RWTH-Professors. Dieser hatte Universit\u00e4tsgelder f\u00fcr private Sportwagen und eine Villa abgezweigt, an deren Bau Lehrstuhl-Mitarbeitende beteiligt waren. Wir berichteten dar\u00fcber in unserer ersten Recherche zur RWTH Aachen. Die Universit\u00e4t behauptete gegen\u00fcber CORRECTIV, es habe sich dabei um einen \u201eEinzelfall\u201c gehandelt.\u00a0Tats\u00e4chlich deuten die Aussagen weiterer Insider aber darauf hin, dass \u00e4hnliche Vorg\u00e4nge in den undurchsichtigen Geflechten aus Instituten und Firmen weiterhin vorkommen k\u00f6nnen. Wer sich an der Universit\u00e4t umh\u00f6rt, st\u00f6\u00dft beispielsweise auf Ger\u00fcchte \u00fcber einen Professor an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Maschinenwesen. In dessen Wohnhaus sollen Lehrstuhl-Mitarbeitende im Jahr 2022 Teile der Inneneinrichtung und eine automatisierte Abklappvorrichtung f\u00fcr einen Fernseher eingebaut haben.\u00a0Wir konnten den Sachverhalt nicht vollumf\u00e4nglich nachpr\u00fcfen, haben den entsprechenden Professor allerdings dazu befragt. Dieser sagt: \u201eIch bin mit einem anderen Mitarbeiter am Institut befreundet, und ja, der ist ab zu bei mir zuhause, und ich bin es bei ihm. Und ja, wir helfen uns ab und zu privat.\u201c Die Ausklappvorrichtung f\u00fcr den Fernseher habe er jedoch mit seinem Sohn eingebaut.\u00a0Auch, dass Professoren mit Millionenbetr\u00e4gen hantieren, geh\u00f6rt an der RWTH l\u00e4ngst zur Normalit\u00e4t. Laut Insidern komme es dabei vor, dass sie sich bei Ausgaben teils massiv verkalkulieren. Das sei auch bei dem konkreten Professor vorgekommen, angeblich im Zusammenhang mit einem Projekt f\u00fcr einen chinesischen Auftraggeber. Die RWTH sagt gegen\u00fcber CORRECTIV, die Aussage beziehe sich wom\u00f6glich auf ein Projekt, das mehrere Jahre zur\u00fcckliege.\u00a0Weder die Uni oder der Professor teilen mit, was dabei konkret vorgefallen ist, sondern sprechen von \u201ever\u00e4nderten Rahmenbedingungen\u201c, weshalb das Bundesamt f\u00fcr Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle interveniert habe. Hochschulleitung und Rechtsdezernat h\u00e4tten daraufhin \u201edie \u00dcbergabe der Leistungen an den Projektpartner\u201c gestoppt. Es sei um Leistungen im Wert von 950.000 Euro gegangen, die vom Auftraggeber dann nicht bezahlt wurden. Das sei ein \u201eunvorhersehbarer und aber immer m\u00f6glicher und v\u00f6llig lauterer Vorgang\u201c.Recherchen f\u00fchren zu Nervosit\u00e4t an der RWTHUnsere erste Recherche zu den \u201eBling-Bling-Professoren aus Aachen\u201c f\u00fchrte nach CORRECTIV-Informationen zu einiger Aufregung auf den Fluren der RWTH Aachen und wurde dort breit diskutiert. Auch in den sozialen Netzwerken debattierten Teile der wissenschaftlichen Szene \u00fcber die geschilderten Praktiken, so etwa auf LinkedIn oder Reddit. Einige Menschen zeigen sich geschockt. Andere schreiben, die darin beschriebenen Vorg\u00e4nge seien schon lange ein offenes Geheimnis gewesen.Wenn das so ist, stellt sich die Frage: Wie viel wusste die Universit\u00e4tsleitung von der Kultur, in der Business und Cash wichtiger sind als Forschung und Lehre \u2013 und die offensichtlich auch private Gesch\u00e4fte beg\u00fcnstigt?\u00a0Nach den Aussagen mehrerer Insider sollen sich aufgrund der Vorg\u00e4nge in den Instituten in der Vergangenheit immer wieder Menschen an den Personalrat der RWTH gewandt haben, so auch nach unserer ersten Recherche. Die Frage, wie viele Meldungen durch wissenschaftliche Mitarbeitende, Doktorandinnen und Doktoranden zu den beschriebenen Sachverhalten bislang bei Ombudsstellen oder dem Personalrat eingingen und welche Konsequenzen die RWTH daraus zog, beantwortete der Sprecher der Universit\u00e4t nicht. \u201eAn der RWTH gibt es eine Richtlinie zur \u2018Guten Wissenschaftlichen Praxis\u2019 und eine entsprechende Kommission. Wer sich an diese Kommission, die Ombudsstellen oder auch an den Personalrat wendet, der kann sicher sein, dass das Anliegen sorgf\u00e4ltig und vertraulich bearbeitet wird.\u201cNach au\u00dfen wirkt es bislang, als sei die Universit\u00e4t unber\u00fchrt von den teils drastischen Erfahrungsberichten durch die Mitarbeitenden. Intern steigt jedoch offensichtlich die Nervosit\u00e4t: Professoren sollen nach unserer ersten Recherche an ihren Instituten Krisensitzungen einberufen haben, um \u00fcber m\u00f6gliche Konsequenzen f\u00fcr ihre Institute zu sprechen.\u00a0Nach CORRECTIV-Informationen soll auch der Kanzler der Uni, Manfred Nettekoven, kurz nach der Ver\u00f6ffentlichung eine Aufstellung aller Firmen gefordert haben, an denen Professoren beteiligt sind, mitsamt deren Zweck. Gegen\u00fcber CORRECTIV behauptet der Universit\u00e4ts-Sprecher, es habe sich dabei um einen \u201eroutinem\u00e4\u00dfigen Vorgang\u201c gehandelt.Die Landesregierung st\u00e4rkt der Universit\u00e4t bislang offiziell den R\u00fccken. Zu den von uns in unserer ersten Ver\u00f6ffentlichung beschriebenen Vorg\u00e4nge schrieb ein Sprecher, dass Firmenausgr\u00fcndungen ein \u201ev\u00f6llig normaler Vorgang\u201c seien. Compliance-Richtlinien der Universit\u00e4t seien einzuhalten. Bei Verst\u00f6\u00dfen entfalte \u201eder Rechtsstaat seine volle Wirkung\u201c.\u00a0Zur aktuellen Recherche teilt die Landesregierung zudem mit: \u201eDie innovativen Ausgr\u00fcndungen beziehungsweise Start-ups aus den Hochschulen sind von besonderer Bedeutung f\u00fcr die Vitalit\u00e4t und Wettbewerbsf\u00e4higkeit von Forschung und Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen.\u201c Derzeit bestehe kein Anlass f\u00fcr ein rechtsaufsichtliches Vorgehen des zust\u00e4ndigen Ministeriums.Experte von Transparency International fordert unabh\u00e4ngige UntersuchungenChristopher Bohlens, der f\u00fcr den Verein \u201eTransparency International Deutschland\u201c die Arbeitsgruppe Wissenschaft leitet und als Sachverst\u00e4ndiger im Wissenschaftsrat t\u00e4tig ist, sieht das anders: \u201eDie beschriebenen F\u00e4lle deuten auf eine problematische Unternehmenskultur hin, in der Regelverst\u00f6\u00dfe gegen die Richtlinien f\u00fcr Nebent\u00e4tigkeiten scheinbar geduldet oder ignoriert werden\u201c, sagt er.\u00a0\u201eEs scheint, dass Professoren ihre Position ausnutzen, um pers\u00f6nliche Vorteile zu erlangen, ohne R\u00fccksicht auf die institutionellen und gesellschaftlichen Interessen. Dies ist besonders besorgniserregend, da Universit\u00e4ten als moralische Vorbilder fungieren sollten und die Ausbildung zuk\u00fcnftiger F\u00fchrungskr\u00e4fte beeinflussen.\u201cGerade die strukturelle Verflechtung zwischen universit\u00e4ren Instituten und privaten GmbHs, bei der Arbeitsleistung und Ressourcen nicht klar voneinander getrennt sind, sieht Bohlens kritisch. \u201eDas Risiko, dass Professoren \u00f6ffentliche Gelder, beispielsweise durch Arbeitsleistung von Mitarbeitenden, in private GmbHs lenken, ist hoch, wenn keine klaren Regelungen und Kontrollen bestehen.\u201c Eine fehlende Trennung von Ressourcen und T\u00e4tigkeiten versto\u00dfe gegen Prinzipien der Transparenz und Unabh\u00e4ngigkeit.\u00a0Die von einigen Mitarbeitenden berichtete Praxis, bei der wissenschaftliche Mitarbeitende, Doktorandinnen und Doktoranden zweifelhafte Stundenabrechnungen schreiben, um ihre Arbeit den \u00f6ffentlich gef\u00f6rderten Projekten zuzuordnen, stelle laut Bohlens einen schwerwiegenden Vertrauensbruch dar: \u201eDies untergr\u00e4bt die Glaubw\u00fcrdigkeit des deutschen Wissenschaftssystems.\u201c Die PEM-Insitutsleitung dementierte solche Vorg\u00e4nge zwar. Die Vorw\u00fcrfe der Insider wogen laut Bohlens jedoch schwer.\u00a0\u201eDie Universit\u00e4t sollte unabh\u00e4ngige Untersuchungen zu den Vorf\u00e4llen einleiten. Gegebenenfalls m\u00fcssen externe Pr\u00fcfstellen wie der Landesrechnungshof oder die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden\u201c, sagt der Experte.\u00a0Laut ihm brauche es weiterhin sch\u00e4rfere Compliance-Richtlinien und Sanktionen, eine \u00dcberpr\u00fcfung der Vergabeprozesse und Schutz f\u00fcr Whistleblower. \u201eInsgesamt zeigt die Recherche ein systemisches Problem auf, das nicht nur auf individueller Ebene, sondern auch institutionell angegangen werden muss\u201c, sagt Bohlens.\u00a0CORRECTIV hat auch bei der DFG nachgefragt, ob dort Vorg\u00e4nge bekannt seien, nach denen promotionsgef\u00f6rderte Doktorandinnen und Doktoranden f\u00fcr private GmbHs arbeiteten. Ein Sprecher antwortete, dass der Organisation solche F\u00e4lle bislang nicht bekannt gewesen seien. Hinweisen auf sogenannte \u201eMittelfehlverwendungen\u201c will sie jedoch nachgehen.Jonas und die weiteren Mitarbeitenden, mit denen wir f\u00fcr diese Recherche sprachen, haben alle eines gemeinsam: Die Zeit an den Instituten der RWTH hat sie mitgenommen.\u00a0\u201eAn der RWTH ist das v\u00f6llig normal mit diesen Firmen. Als Studi hat man das nicht verstanden. Das waren f\u00fcr uns gef\u00fchlt normale Arbeitgeber\u201c, beschreibt ein Insider seine Erfahrung. \u201eDas Framing war: Forschung ist chronisch unterfinanziert. Und durch die Firmen w\u00fcrden die Einnahmen wieder an die Uni flie\u00dfen. Aber das ist nat\u00fcrlich nicht so.\u201c\u00a0Ein weiterer Mitarbeitender sagt: \u201eDas ist instituts\u00fcbergreifend ein Thema, wie die Doktoranden zwischen den Instituten und GmbHs ausgetauscht werden und nicht wissen, was sie da machen.\u201c Wollen w\u00fcrde das zwar niemand, aber: \u201eWir m\u00fcssen das machen, weil wir ja promovieren wollen.\u201cText und Recherche: Till EckertRedaktion: Anette DowideitFaktencheck: Elena KolbDesign: Niklas K\u00f6nigKommunikation: Valentin ZickZur Quelle wechselnAuthor: Till Eckert"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Dubiose Gesch\u00e4fte an der Elite-Universit\u00e4t","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/dubiose-geschaefte-an-der-elite-universitaet\/#breadcrumbitem"}]}]