[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/ein-inszenierter-kulturkampf-dividieren-in-niedersachsen-nicht-abgeschafft\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/ein-inszenierter-kulturkampf-dividieren-in-niedersachsen-nicht-abgeschafft\/","headline":"Ein inszenierter Kulturkampf: Dividieren in Niedersachsen nicht abgeschafft","name":"Ein inszenierter Kulturkampf: Dividieren in Niedersachsen nicht abgeschafft","description":"Um eine kleine Anpassung des Lehrplans in Niedersachsen wird von einschl\u00e4gigen Kreisen wieder ein Kulturkampf entfacht. Durch gezieltes Framing wird skandalisiert, dass in Niedersachsen eine bestimmte Art zu di\u00advi\u00addie\u00adren nicht mehr verpflichtend in der Grundschule auf dem Lehrplan steht. Etwas, das andere Bundesl\u00e4nder schon so \u00e4hnlich umgesetzt haben oder noch&#8230;","datePublished":"2026-01-24","dateModified":"2026-01-24","author":{"@type":"Person","@id":"##Person","name":"Volksverpetzer","url":"#","identifier":14,"image":{"@type":"ImageObject","@id":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/797844b3c4803d413cf313d5c88dd88c484df206c17fbfcc4b10980ace3866a7?s=96&d=monsterid&r=g","url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/797844b3c4803d413cf313d5c88dd88c484df206c17fbfcc4b10980ace3866a7?s=96&d=monsterid&r=g","height":96,"width":96}},"publisher":{"@type":"Person","name":"Dirk Bachhausen","image":{"@type":"ImageObject","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/dirk_profil-300x300.jpg","url":"https:\/\/www.bachhausen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/dirk_profil-300x300.jpg","width":600,"height":60}},"image":{"@type":"ImageObject","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/image-19.png","url":"https:\/\/www.bachhausen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/image-19.png","height":444,"width":730},"url":"https:\/\/www.bachhausen.de\/ein-inszenierter-kulturkampf-dividieren-in-niedersachsen-nicht-abgeschafft\/","about":["Politik"],"wordCount":1546,"articleBody":" Um eine kleine Anpassung des Lehrplans in Niedersachsen wird von einschl\u00e4gigen Kreisen wieder ein Kulturkampf entfacht. Durch gezieltes Framing wird skandalisiert, dass in Niedersachsen eine bestimmte Art zu di\u00advi\u00addie\u00adren nicht mehr verpflichtend in der Grundschule auf dem Lehrplan steht. Etwas, das andere Bundesl\u00e4nder schon so \u00e4hnlich umgesetzt haben oder noch planen. Und eine Entscheidung, die auch von verschiedenen Experten gelobt wird und keine Senkung irgendwelcher Standards darstellt. Ein Faktencheck zu dem rechten Emp\u00f6rungsversuch.Keine so neuen BildungsstandardsIn Wahrheit stimmt an der ganzen Debatte genau ein Kern: Niedersachsen verschiebt im Einklang mit aktuellen Bildungsstandards das sogenannte \u201eschriftliche Dividieren\u201c aus der Grundschule in die Sekundarstufe. Klingt weniger skandal\u00f6s, als es dargestellt wird. Es wird auch weiterhin in der vierten Klasse das Dividieren beigebracht! Es wird weder die Division abgeschafft, noch wird Kindern verboten, schriftlich zu dividieren, noch ist das irgendein spontaner Alleingang einer gr\u00fcnen Ministerin. Schauen wir uns an, was der Hintergrund ist:\u00a0Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat 2004 einen \u201dkompetenzorientierten\u201d Kurs eingeschlagen und die L\u00e4nder setzen ihn seit Jahren unterschiedlich um. Darin wird schriftliches Dividieren schon nicht mehr angef\u00fchrt. KMK-Sprecher Michael Reichmann erkl\u00e4rt Volksverpetzer gegen\u00fcber, dass seither immer wieder diskutiert wurde, wann Sch\u00fcler die schriftliche Division lernen sollen. Mehrere Bundesl\u00e4nder sind l\u00e4ngst dabei, schriftliches Dividieren nicht mehr zwingend in der Grundschule zu behandeln, was auf die Einf\u00fchrung von Bildungsstandards von 2022 zur\u00fcckgeht. Genau das schreibt auch die KMK auf Anfrage von Volksverpetzer: Das Schriftverfahren verlor seinen Status als verpflichtende Vorgabe. Aber niemand hat die Rechenart aus dem Unterricht gestrichen, erst recht nicht vollst\u00e4ndig.Wenn rechte Akteure daraus eine skandal\u00f6se \u201eAbschaffung\u201c machen \u2013 und das mit \u201eAbsenken der Standards\u201d erkl\u00e4ren, ohne die wahren Hintergr\u00fcnde zu recherchieren\u00a0\u2013, dann ist das nicht nur schlechter Journalismus, sondern auch ein Beispiel geschickten Framings: Man nimmt eine didaktische Schwerpunktsetzung, verschweigt den Kontext und verkauft sie als Bildungszerst\u00f6rung, um ein politisches Feindbild zu bedienen. Aus einer wissenschaftsbasierten und lange geplanten kleinen Anpassung des Lehrplans werden implizit \u201eVerdummung\u201c und \u201ekultureller Niedergang\u201c konstruiert. Die wenigsten, die hier \u201eVerdummung\u201c beklagt haben, haben wahrscheinlich verstanden, was konkret \u201eabgeschafft\u201c wurde, geschweige denn, was die didaktischen Gr\u00fcnde dahinter sind.Rechte Presse verzerrt wieder mal die Debatte\u201eDas geht gar nicht\u201c, titelt die WELT, mit \u201eGr\u00fcnen-Ministerin schafft schriftliches Dividieren ab\u201c markiert die BILD nat\u00fcrlich wieder ihren Lieblingsfeind, die Gr\u00fcnen, als Schuldige. In Niedersachsen werde das schriftliche Dividieren in der Grundschule abgeschafft, was die \u201eZukunft unserer Kinder\u201c gef\u00e4hrde und die Bildungsstandards senke. Diese Kritik wurde lautstark von Politikern wie dem CDU-Bundestagsabgeordneten Christoph Plo\u00df und Niedersachsens CDU-Landeschef Sebastian Lechner ge\u00e4u\u00dfert, die der gr\u00fcnen Kultusministerin Julia Willie Hamburg ideologische Motive und fahrl\u00e4ssigen Bildungsabbau unterstellen.\u00a0Auch einige Lehrerverb\u00e4nde \u2013 etwa der Deutsche Lehrerverband (Stefan D\u00fcll) und der Philologenverband (Susanne Lin-Klitzing) \u2013 sowie Medienberichte schlagen in die gleiche Kerbe.Dividieren wird weiter beigebrachtFakt ist: Niedersachsen verbietet weder die Division als Rechenart, noch wird Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern die F\u00e4higkeit vorenthalten, schriftlich zu dividieren. Tats\u00e4chlich werden alle Kinder auch k\u00fcnftig lernen, solche Aufgaben zu l\u00f6sen \u2013 allerdings erst ab Klasse 5 verbindlich und nicht mehr zwingend in der Grundschule. Im neuen Kerncurriculum Mathematik des Landes (g\u00fcltig seit 2025) wird das formale Schriftverfahren der Division aus der Grundschule herausgenommen und in die Sekundarstufe I verlagert. Mehr auch nicht.In den Grundschuljahren \u00fcben die Kinder stattdessen die Vorstufen der Division und nutzen halbschriftliche Rechenstrategien, bevor sie dann auf der weiterf\u00fchrenden Schule die klassische schriftliche Division lernen. Anders gesagt: Das Land verschiebt den Zeitpunkt des Lernens \u2013 nicht den Lerninhalt an sich \u2013 und teilt ihn in kleinere Zwischenschritte ein. Und das aufgrund einer lange etablierten Richtlinie. Das Kultusministerium in Hannover betont ausdr\u00fccklich, dass das schriftliche Dividieren \u201enicht abgeschafft\u201c wird und der Bildungsanspruch nicht gesenkt wird. Eine Sprecherin stellte klar: \u201eAlle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in Niedersachsen werden es weiter erlernen.\u201cNicht nur in Niedersachsen TrendEinige Bundesl\u00e4nder \u2013 etwa Hamburg \u2013 hielten aus eigenen Gr\u00fcnden am Divisionsalgorithmus in der 4. Klasse fest; andere L\u00e4nder entschieden sich bereits vor Jahren f\u00fcr eine sp\u00e4tere Einf\u00fchrung. Berlin zum Beispiel konnte das schriftliche Dividieren durch sein sechsj\u00e4hriges Grundschulmodell intern auf Klasse 5\/6 verschieben, ohne gro\u00dfes Aufsehen. Auch in anderen Bundesl\u00e4ndern wird dar\u00fcber diskutiert.\u00a0Niedersachsens Neuerung folgt also einem bundesweiten Trend, der auf wissenschaftliche Empfehlungen zur\u00fcckgeht, und ist keineswegs ein Sonderweg einer einzelnen gr\u00fcnen Kultusministerin. Laut dem nieders\u00e4chsischen Kultusministerium haben neben Niedersachsen bereits f\u00fcnf weitere L\u00e4nder entsprechende \u00c4nderungen angesto\u00dfen \u2013 es handelt sich um eine abgestimmte Umsetzung der gemeinsamen KMK-Standards von 2022. Mit anderen Worten: Was jetzt in Hannover geschieht, ist nicht spektakul\u00e4r und kein ideologischer Alleingang.Schriftlich vs. halbschriftlich \u2013 worum geht es eigentlich?Schriftlich vs. halbschriftlich \u2013 worum geht es eigentlich? Die Debatte krankt auch daran, dass der Unterschied zwischen \u201eschriftlichem\u201c und \u201ehalbschriftlichem\u201c Dividieren oft unklar bleibt. Schriftliches Dividieren meint das klassische Langdivisionsverfahren, bei dem Dividend und Divisor stellengerecht unter- und nebeneinander geschrieben und Schritt f\u00fcr Schritt geteilt, multipliziert und subtrahiert werden\u00a0\u2013 jenes Verfahren, bei dem viele von uns das \u201eTafelwerk\u201c oder die \u201eZiehlinie\u201c aufschreiben und rechnerische Teilschritte notieren.\u00a0Ein Beispiel von schriftlichem Dividieren, Screenshot https:\/\/lehrerfortbildung-bw.de\/Halbschriftliche Methoden dagegen sind strategische Rechenwege, bei denen Aufgaben in einfachere Teilaufgaben zerlegt werden, ohne den strikten formalen Aufbau des traditionellen Algorithmus. So kann man z.B. 2340 \u00f7 5 durch Zerlegen l\u00f6sen: erst 2000 \u00f7 5 rechnen, dann 300 \u00f7 5, dann 40 \u00f7 5, und die Ergebnisse 400 + 60 + 8 zusammenz\u00e4hlen\u00a0\u2013 ergibt 468. Dieses Verfahren wird manchmal auch \u201egeschicktes Kopfrechnen auf Papier\u201c genannt.\u00a0Fachleute unterst\u00fctzen den SchrittEs erlaubt den Kindern, die Zwischenschritte selbst aufzuschreiben und nachzuvollziehen. Forscher argumentieren, dass solch halbschriftliches Dividieren das Zahlenverst\u00e4ndnis f\u00f6rdert und Fehlerquellen reduziert. Dass hier kein Untergang der mathematischen Bildung droht, wird von vielen Fachleuten best\u00e4tigt. \u201eEs ist ja der Sinn der revidierten Bildungsstandards, st\u00e4rker auf mathematisches Verst\u00e4ndnis und weniger auf Routinen zu setzen\u201c, erkl\u00e4rt etwa der Bildungsforscher Olaf K\u00f6ller vom Leibniz-Institut in Kiel dem Tagesspiegel \u2013 daher k\u00f6nne man gut begr\u00fcnden, zun\u00e4chst auf das schriftliche Dividieren zu verzichten.\u00a0Der Mathematik-Didaktiker Prof. Timo Leuders (PH Freiburg) h\u00e4lt die Reform sogar f\u00fcr fachlich richtig und empirisch begr\u00fcndet. Er verweist darauf, dass Kinder mit dem halbschriftlichen Dividieren deutlich bessere Fortschritte machen \u2013 \u201edas bringt deutliche Vorteile, zeigt die Forschung\u201c. Leuders gibt zu bedenken, dass die m\u00fchsam erlernte schriftliche Division im Alltag der meisten Menschen ohnehin kaum noch angewendet wird:\u00a0\u201eDie schriftliche Division beherrschen die wenigsten im Erwachsenenalter\u201c\u201eDie schriftliche Division beherrschen die wenigsten im Erwachsenenalter, ich sch\u00e4tze, 90 Prozent h\u00e4tten das nicht hingekriegt.\u201c Viele vergessen die Schrittfolgen bald wieder. Wertvolle Unterrichtszeit in der Grundschule darauf zu verwenden, sieht er kritisch: \u201eUm die schriftliche Division zu lehren, ist die Zeit zu schade.\u201c Wichtiger sei, dass die Kinder flexibel rechnen lernen und ein tiefes Verst\u00e4ndnis entwickeln \u2013 denn \u201eaus der Fertigkeit erw\u00e4chst kein Verst\u00e4ndnis\u201c, so Leuders. Ein rein mechanisch antrainierter Rechenablauf garantiere noch lange nicht, dass das Kind wirklich versteht, was mathematisch passiert.\u00a0Im Gegenteil: \u00dcberm\u00e4\u00dfiges Pauken schriftlicher Verfahren k\u00f6nne flexibles Denken behindern und schw\u00e4cheren Kindern die Lernzeit rauben, die sie f\u00fcr Grundlagen br\u00e4uchten. Diese Perspektive teilen viele Didaktiker. Auch Susanne Prediger, Mathematikprofessorin an der TU Dortmund, begr\u00fc\u00dft ausdr\u00fccklich die Entschlackung des Lehrplans: Es werde an den richtigen Stellen gestrafft, um Zeit zu gewinnen, damit Kinder die Grundlagen besser lernen k\u00f6nnen.Verk\u00fcrzt, \u00fcberspitzt, aufgeblasen:Die Emp\u00f6rung rund um das \u201eAbschaffen\u201c des schriftlichen Dividierens basiert auf einem sprachlichen Missverst\u00e4ndnis \u2013 und teils auf politischer Zuspitzung. CDU-Politiker Christoph Plo\u00df etwa stilisierte die Lehrplan\u00e4nderung als \u201efatalen Skandal\u201c einer gr\u00fcnen Ministerin, die das Leistungsprinzip mit F\u00fc\u00dfen trete.\u00a0Wie er darauf komme, dass es irgendjemandem schaden solle, ist sein Geheimnis.Die schriftliche Division verschwindet nicht, sie wird in Niedersachsen nur von der Grundschule verschoben. Division an sich bleibt nat\u00fcrlich auch Teil der Grundschule und der algorithmische Rechenweg wird ab Klasse 5 nachgeholt. Und das ist auch nichts Schlechtes und keine Absenkung von Standards, im Gegenteil. Andere Bundesl\u00e4nder sind diesen Weg bereits gegangen, ohne dass dort reihenweise mathematische Defizite konstatiert w\u00fcrden. Und viele Experten halten das f\u00fcr eine gute Idee, die die F\u00e4higkeiten der Sch\u00fcler st\u00e4rkt.Fazit: Viel L\u00e4rm um nichtsDie Bildungsstandards werden nicht abgesenkt, sondern dem aktuellen didaktischen Wissensstand angepasst \u2013 und das im Einklang mit dem Stand der Forschung. Das oft bem\u00fchte Bild von der \u201eZukunft unserer Kinder\u201c, die durch diesen Schritt in Gefahr gerate, entbehrt angesichts der Fakten jeder Grundlage. Vielmehr d\u00fcrfte es der mathematischen Zukunft der Kinder n\u00fctzen, wenn Grundlagen verst\u00e4ndiger und stressfreier gelegt werden. Anstatt alarmistisch vom \u201eUntergang der Rechenkultur\u201c zu sprechen, sollte man anerkennen, dass Schule sich weiterentwickelt \u2013 mit dem Ziel, mehr nachhaltiges K\u00f6nnen zu vermitteln, nicht weniger.\u00a0Die Aufregung um das schriftliche Dividieren zeigt vor allem, wie emotional Bildungsthemen diskutiert werden. Ein k\u00fchler Blick enth\u00fcllt jedoch: Hier wird kein Mathe-K\u00f6nnen gestrichen, sondern die Vermittlung optimiert. Letztlich z\u00e4hlt, dass unsere Kinder Division verstehen und anwenden k\u00f6nnen \u2013 wann und wie sie das lernen, sollte an empirischen Erkenntnissen orientiert sein, nicht an Tradition oder populistischen Zuspitzungen.\u00a0Artikelbild: canva.com, Screenshot bild.de. Teile des Artikels wurden mit maschineller Hilfe erstellt. Wie Volksverpetzer KI verwendet.Zur Quelle wechseln"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Ein inszenierter Kulturkampf: Dividieren in Niedersachsen nicht abgeschafft","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/ein-inszenierter-kulturkampf-dividieren-in-niedersachsen-nicht-abgeschafft\/#breadcrumbitem"}]}]