[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/entreizt-euch-teil-1\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/entreizt-euch-teil-1\/","headline":"Entreizt euch! (Teil 1)","name":"Entreizt euch! (Teil 1)","description":"Krisengesch\u00fcttelt, gespr\u00e4chsm\u00fcde, gestresst? Macher:innen und ihre Projekte zeigen, wie es anders geht \u2013 mit mehr Achtsamkeit und Offenheit Die Rosine und ich Erziehungswissenschaftlerin Anja Lindner bringt Kindern bei: Locker bleiben, aufs Wesentliche schauen, Achtsamkeit \u00fcben. Und wenn es sich nur um eine kleine Trockentraube handelt Manchmal macht Anja Lindner mit&#8230;","datePublished":"2025-03-25","dateModified":"2025-03-25","author":{"@type":"Person","@id":"##Person","name":"Redaktion","url":"#","identifier":19,"image":{"@type":"ImageObject","@id":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/?s=96&d=monsterid&r=g","url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/?s=96&d=monsterid&r=g","height":96,"width":96}},"publisher":{"@type":"Person","name":"Dirk Bachhausen","image":{"@type":"ImageObject","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/dirk_profil-300x300.jpg","url":"https:\/\/www.bachhausen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/dirk_profil-300x300.jpg","width":600,"height":60}},"image":{"@type":"ImageObject","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Zeitungsleser.webp","url":"https:\/\/www.bachhausen.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Zeitungsleser.webp","height":534,"width":800},"url":"https:\/\/www.bachhausen.de\/entreizt-euch-teil-1\/","about":["Allgemein"],"wordCount":1208,"keywords":["entreizt"],"articleBody":"    Krisengesch\u00fcttelt, gespr\u00e4chsm\u00fcde, gestresst? Macher:innen und ihre Projekte zeigen, wie es anders geht \u2013 mit mehr Achtsamkeit und OffenheitDie Rosine und ichErziehungswissenschaftlerin Anja Lindner bringt Kindern bei: Locker bleiben, aufs Wesentliche schauen, Achtsamkeit \u00fcben. Und wenn es sich nur um eine kleine Trockentraube handeltManchmal macht Anja Lindner mit einer Grundschulgruppe das Rosinenexperiment. Jedes Kind bekommt eine kleine Trockentraube. Wie f\u00fchlt sie sich an? Wie riecht sie? Was passiert in deinem K\u00f6rper, wenn du sie anschaust? \u201eSie sollen merken, wie ihnen das Wasser im Mund zusammenl\u00e4uft, dann d\u00fcrfen sie die Rosine probieren\u201c, sagt Lindner. Wonach schmeckt sie, wie ver\u00e4ndern sich Geschmack und Textur mit der Zeit? Sprich nicht, teste deine Sinne. \u201eManche Kinder kosten die Rosine zehn Sekunden, manche f\u00fcnf Minuten lang.\u201c Das Experiment ist eine \u00dcbung zur Achtsamkeit. Die Welt wahrnehmen, sich selbst entdecken.Seit 15 Jahren geht Anja Lindner in Berliner Grundschulen und \u00fcbt mit dem Nachwuchs den behutsamen Umgang mit sich und der Umwelt. Selbstregulation, Stressbew\u00e4ltigung, locker bleiben, auch wenn es im Kinderalltag knirscht. Die Hausaufgaben, die Klassenarbeiten, Rangeleien mit Mitsch\u00fcler:innen \u2013 alles zu viel. \u201eAuch fr\u00fcher gab es an Schulen Anspannung und Stress\u201c, sagt Lindner. \u201eAber seit einiger Zeit merke ich, wie der Druck steigt.\u201c Ein \u201eGef\u00fchl angehaltenen Atems\u201c, nennt sie das.\u00a0Wie gehen wir mit uns um, wann geht es uns gut? Das besch\u00e4ftigt Anja Lindner schon lange. Im Studium, Erziehungswissenschaften und Psychologie, fasziniert sie besonders Gesundheitspsychologie. Inwieweit pr\u00e4gen unsere Einstellungen das Wohlbefinden, welche Rolle spielt die Beziehung zu anderen Menschen f\u00fcr unser Gl\u00fcck? Sie arbeitet als Sozialarbeiterin, baut eine Begegnungsst\u00e4tte f\u00fcr Menschen im Kiez auf. Sp\u00e4ter, als ihre beiden Kinder in die Schule gehen, f\u00e4llt ihr auf: Es fehlt die Lust aufs Lernen. Spannung, Stress, kleine Konflikte \u00fcberlagern den Alltag. \u00a0Irgendwann in den 00er-Jahren legt Lindner los, auf eigene Faust. Sie bietet Nachmittagskurse in der Grundschule ihrer Kinder an, die Lehrkr\u00e4fte sind begeistert. Schlie\u00dflich kennt sich Lindner aus. Studium, Ausbildung zur Kursleiterin, Fortbildungen von Resilienz bis Konfliktbew\u00e4ltigung. Sie \u00fcbt mit Sch\u00fcler:innen Ruhe bewahren. Einen Ball dr\u00fccken und wieder loslassen, wenn man aufgeregt ist. In Fantasiereisen runterkommen. Stell dir vor, du w\u00e4rst eine Schneeflocke, die tanzt auf deiner Haut. Wie f\u00fchlt sich das an? Die Nachfrage ist riesig. Lindner gr\u00fcndet ihre Firma \u201eRuhig Blut\u201c.\u00a0            Dass meine Arbeit anderen guttut, tr\u00e4gt mich durch den Alltag.                    \u2014 Anja Lindner        Heute f\u00f6rdern Krankenkassen ihre Trainings, das Angebot \u201eBleib locker\u201c macht sie im Auftrag der Techniker Kasse. Lindner verbindet das Konzept mit eigenen Methoden. Indem sie etwa mit den Kindern diskutiert: Was ist wirklich wichtig? \u201eErst sagen manche spontan: Dass der Leon mir den Radiergummi weggenommen hat, will ich nicht. Dann denken sie nach und sagen: Fairness. Oder: Ruhe im Miteinander.\u201c In \u201eStressimpfungs-\u00dcbungen\u201c trainieren sie den Umgang mit schwierigen Situationen. Stell dir vor, du hast Stress \u2013 was genau passiert dann, was kannst du dagegen tun? Lindner: \u201eSo ist man gewappnet, wenn der Stress wirklich mal kommt.\u201c\u00a0\u201eBleib locker\u201c wurde wissenschaftlich evaluiert. Ergebnis: Die Gruppen hatten nach acht Trainings signifikant weniger Stress als eine Kontrollgruppe. Lindner: \u201eDass meine Arbeit anderen guttut, tr\u00e4gt mich durch den Alltag.\u201c Heute bietet sie einen Strau\u00df Trainings an, einige f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte. \u201eSie m\u00fcssen ebenfalls lernen, auf sich zu achten \u2013 auch, um ihre Gereiztheit nicht an die Kinder weiterzugeben.\u201c \u00a0Der W\u00fcrger und das CapeNele Groeger und das Team von Shitshow wollen Unternehmen f\u00fcr psychische Gesundheit sensibilisieren. In Workshops stecken sie Teilnehmer:innen in seltsame MoodsuitsDie Objekte auf dem Tisch vor Nele Groeger sehen aus wie Requisiten aus einem Science-Fiction-Film. Und sie klingen auch so: Der Beuger, der W\u00fcrger, das Cape, die Glocke. \u201eK\u00f6nnte aus einem Horrorkabinett sein\u201c, witzelt sie an einem Donnerstagvormittag in ihrem Erdgeschoss-B\u00fcro in Neuk\u00f6lln. Die braunen Haare fallen Groeger \u00fcber die Schultern, im Regal hinter ihr B\u00fccher wie Work won\u2019t love you back oder Die angstfreie Organisation. Vor den Fenstern bleiben immer wieder Fu\u00dfg\u00e4nger:innen stehen und gucken in den Raum. \u201eManchmal denken die Leute, hier ist ein Pop-up-Store.\u201c Dabei stehen die Objekte nicht zum Verkauf. Sie sollen aufkl\u00e4ren \u00fcber psychische Erkrankungen.\u00a0Denn in Unternehmen sind sie immer noch: ein gro\u00dfes Tabu. Fehltage und F\u00e4lle von Berufsunf\u00e4higkeit sind seit der Pandemie rasant gestiegen. Laut der Studie \u201eArbeiten 2023\u201c der Pronova BKK f\u00fchlen sich 61 Prozent der Arbeitnehmer:innen in Deutschland burnout-gef\u00e4hrdet. 9,5 Millionen Menschen haben Depressionen oder Angstst\u00f6rungen. \u201eDas liegt auch an einer drastischen Arbeitsverdichtung\u201c, sagt Groeger, die Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften an der Universit\u00e4t der K\u00fcnste studiert hat: \u201eOft bleibt schlicht keine Zeit, um auf seine Grenzen zu h\u00f6ren.\u201cGroeger wei\u00df, wovon sie spricht. Mit 17 hat sie ihre erste depressive Episode \u2013 ein Gef\u00fchl, wie eine bleischwere Decke auf ihrer Brust. Bei ihrem ersten Job als Copy-writerin in einer Agentur traute sie sich manchmal nicht, sich krank zu melden. \u201eIch wollte mein Team nicht im Stich lassen oder als faul abgestempelt werden.\u201c Mit dem Gef\u00fchl ist sie nicht allein. Was also dagegen tun?\u00a0Das dachten sich auch Luisa Weyrich, Benthe Untiedt und Johanna Dreyer. Gemeinsam t\u00fcftelten die Freundinnen 2019 monatelang in Groegers Wohnzimmer an ihrer Idee: Shitshow \u2013 eine Agentur f\u00fcr psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. Mentale Gesundheit bei der Arbeit f\u00f6rdern, eine Kultur der Akzeptanz etablieren und ein Bewusstsein f\u00fcr psychische Erkrankungen wissenschaftlich fundiert vermitteln.\u00a0            Die Verantwortung allein dem Individuum zuzuschieben, wird der Sache nicht gerecht. Unternehmen m\u00fcssen sich selbst in die Pflicht nehmen.                    \u2014 Nele Groeger        Ein wichtiges Tool des Start-ups: die Moodsuits. Der W\u00fcrger zum Beispiel, den man sich wie einen Schal verkehrt herum um den Hals legt. \u201eDie eingebaute kleine Holzkugel dr\u00fcckt leicht auf den Kehlkopf \u2013 das bezeichnen \u00c4rzt:innen auch als Globus-Gef\u00fchl\u201c, erkl\u00e4rt Groeger. Oder die Glocke, ein gro\u00dfer Taucher:innenhelm in Milchglasoptik, den man sich \u00fcber den Kopf st\u00fclpt. \u201eWie ein Schleier, der bei einer Depression oft \u00fcber den Betroffenen liegt.\u201c Shitshow verschickt seine Moodsuits quer durch Deutschland. \u201eSie dienen als Gespr\u00e4chsanlass und nehmen die Schwere vom Thema\u201c, erkl\u00e4rt Groeger. \u201eAm Anfang finden viele Workshop-Teilnehmende das albern, h\u00e4ufig gibt es dann doch jemanden, der einen Fall in der Familie hat oder selbst betroffen ist.\u201c\u00a0Shitshow will zeigen: Menschen k\u00f6nnen sehr wohl leistungsf\u00e4hig sein, trotz \u00dcberforderung oder psychischer Erkrankung, und sollten offen dar\u00fcber reden d\u00fcrfen. Sport-Mitgliedschaften oder Meditationen in den Mittagspausen reichen nicht, um den Stress bei den Angestellten rauszunehmen. \u201eDie Verantwortung allein dem Individuum zuzuschieben, wird der Sache nicht gerecht. Unternehmen m\u00fcssen sich selbst in die Pflicht nehmen\u201c, sagt Groeger. N\u00f6tig sei meist: die Unternehmenskultur auf den Pr\u00fcfstand stellen \u2013 wo machen wir Mitarbeitenden Druck, welche mittelbaren Botschaften senden wir? Aber das ist unbequem und teuer.\u00a0Groeger wickelt ihren Cardigan eng um den K\u00f6rper und trinkt einen Schluck Kr\u00e4utertee. Hinter ihr stapeln sich Kartons, auf dem Klebeband das Wort Shitshow in Dauerschleife. Als N\u00e4chstes geht es f\u00fcr die Moodsuits zu einem gro\u00dfen Unternehmen nach Karlsruhe. \u201eMeine Einstellung zur Arbeit hat sich grundlegend ge\u00e4ndert: Wenn der Druck zu gro\u00df wird, nehme ich mir eine Auszeit \u2013 ohne schlechtes Gewissen.\u201c\u00a0 \u00a0"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Entreizt euch! (Teil 1)","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/entreizt-euch-teil-1\/#breadcrumbitem"}]}]