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title: "Fast zehn Jahre zu spät, fast viermal so teuer: Köln ist nicht olympiareif"
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date: 2026-08-09
modified: 2026-08-09
author: "Dirk Bachhausen"
description: "Das MiQua sollte ursprünglich Anfang 2019 übergeben werden. Nun wird mit einer Fertigstellung Ende 2028 und Gesamtkosten von 230 Millionen Euro gerechnet. Gleichzeitig könnten bis zu 33,7 Millionen Euro Fördermittel..."
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# Fast zehn Jahre zu spät, fast viermal so teuer: Köln ist nicht olympiareif

**Das MiQua sollte ursprünglich Anfang 2019 übergeben werden. Nun wird mit einer Fertigstellung Ende 2028 und Gesamtkosten von 230 Millionen Euro gerechnet. Gleichzeitig könnten bis zu 33,7 Millionen Euro Fördermittel gefährdet sein. Wer Großprojekte derart aus dem Ruder laufen lässt, sollte nicht von Olympischen Spielen träumen.**

Köln hat bei seinen Großprojekten längst kein Erkenntnisproblem mehr. Köln hat ein Umsetzungsproblem.

Das Museum im Archäologischen Quartier, kurz MiQua, sollte ursprünglich zum 1. Januar 2019 an den Landschaftsverband Rheinland übergeben werden. Gebaut wird seit 2015. Nach der aktuellen Planung soll das Museum nun voraussichtlich erst im Dezember 2028 fertiggestellt werden. Damit läge die Übergabe fast zehn Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan.

Auch finanziell hat das Projekt mit der ursprünglichen Planung kaum noch etwas zu tun. Im Jahr 2015 wurde mit Gesamtkosten von 61,6 Millionen Euro gerechnet. Inzwischen bestätigt die Stadt eine Kostensteigerung auf 230 Millionen Euro. Das Projekt ist damit fast viermal so teuer wie damals veranschlagt.

Das ist keine normale Abweichung mehr. Das ist das Scheitern einer belastbaren Projektplanung.

## Ein wichtiges Museum verdient eine professionelle Umsetzung

Das MiQua ist kulturell und historisch von großer Bedeutung. Kölns römische Vergangenheit, das mittelalterliche jüdische Viertel und die Geschichte des Goldschmiedeviertels sollen dort an einem außergewöhnlichen Ort sichtbar gemacht werden.

Gerade ein solches Projekt hätte eine professionelle, transparente und verlässliche Umsetzung verdient.

Die Kritik am Projektmanagement darf deshalb nicht als Kritik an jüdischer Erinnerungskultur missverstanden werden. Das Gegenteil ist richtig: Wer die Bedeutung dieses Museums ernst nimmt, muss auch verlangen, dass mit ihm verantwortungsvoll umgegangen wird.

Historische Bedeutung ersetzt keine Kostenkontrolle. Erinnerungskultur hebt die Pflicht zu einer seriösen Planung nicht auf. Und ein kulturell wertvolles Projekt darf nicht zu einem finanziellen Fass ohne Boden werden.

## Kein Zeitpuffer und möglicherweise Millionenverluste

Besonders alarmierend ist, dass der neue Fertigstellungstermin offenbar unmittelbar an eine Förderfrist gekoppelt ist. Sollte das MiQua nicht bis Ende 2028 fertiggestellt werden, könnte das Land Fördermittel teilweise zurückfordern. Im Raum stehen bis zu 33,7 Millionen Euro.

Ob das Land diese Summe tatsächlich zurückverlangen würde, ist bislang nicht entschieden. Sicher ist aber: Einen belastbaren Zeitpuffer gibt es nicht mehr. Weitere archäologische Funde, technische Probleme, Insolvenzen oder Schwierigkeiten bei Ausschreibungen könnten den Termin erneut gefährden.

Gleichzeitig sind die bisher bewilligten 190 Millionen Euro bereits ausgeschöpft. Ohne zusätzliche Finanzmittel droht nach Angaben aus der Verwaltungsvorlage sogar ein zeitnaher Baustopp.

Damit befindet sich die Politik erneut in der bekannten Kölner Zwangslage: Entweder sie bewilligt weitere Millionen oder sie riskiert, dass ein weit fortgeschrittenes Projekt stillsteht und noch mehr Geld verloren geht.

Eine echte politische Entscheidungsfreiheit ist das nicht mehr. Wenn der Rat erst informiert wird, nachdem das vorhandene Budget verbraucht ist, kommt demokratische Kontrolle zu spät.

## Risiken sind keine Überraschung, sondern Teil der Planung

Natürlich gibt es nachvollziehbare Gründe für einzelne Verzögerungen und Mehrkosten. Die Kündigung eines Stahlbauunternehmens hat den Bauablauf erheblich beeinträchtigt. Materialpreise sind gestiegen. Neue archäologische Funde machten Anpassungen notwendig. Auch technische und rechtliche Anforderungen haben sich verändert. Die Stadt hatte bereits 2024 darauf verwiesen, dass zahlreiche Folgegewerke wegen der Verzögerungen später beginnen konnten und dadurch zusätzliche Kosten entstanden.

Doch genau darin besteht die Aufgabe eines professionellen Risikomanagements.

Wer mitten in der Kölner Altstadt über einer archäologischen Fundstätte baut, muss mit neuen Funden rechnen. Wer ein komplexes öffentliches Großprojekt plant, muss Ausfälle von Unternehmen, Preissteigerungen, Nachträge und zeitliche Verzögerungen einkalkulieren.

Risiken werden nicht dadurch zu unvorhersehbaren Ereignissen, dass man sie in der ursprünglichen Kalkulation zu niedrig ansetzt.

Wenn Kosten und Termine über viele Jahre immer wieder korrigiert werden müssen, reicht es nicht, jedes Mal auf neue Schwierigkeiten zu verweisen. Dann muss grundsätzlich gefragt werden, ob Planung, Projektsteuerung, Vergabe und politische Aufsicht funktionieren.

## Seit Jahren dasselbe Kölner Muster

Seit fast zwei Jahrzehnten wiederholt sich bei prominenten Kölner Großprojekten dasselbe Muster: Ein Projekt wird mit ehrgeizigen Versprechen und scheinbar beherrschbaren Kosten beschlossen. Später folgen Verzögerungen, Nachträge, neue Prognosen und zusätzliche Finanzierungsbeschlüsse.

Am Ende wird erklärt, ein Abbruch sei nun noch teurer und deshalb müsse weiteres Geld bereitgestellt werden.

Ob Opernsanierung, Verkehrsinfrastruktur oder Museumsbau: Zu viele Projekte werden später fertig und erheblich teurer als angekündigt. Das beschädigt nicht nur den städtischen Haushalt. Es zerstört das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Handlungsfähigkeit von Verwaltung und Politik.

Dabei geht es nicht um die unrealistische Forderung, jedes Bauprojekt müsse auf den Euro genau kalkulierbar sein. Komplexe Projekte enthalten immer Unsicherheiten. Entscheidend ist aber, ob diese Unsicherheiten ehrlich benannt, finanziell berücksichtigt und fortlaufend kontrolliert werden.

In Köln entsteht stattdessen immer wieder der Eindruck, dass zunächst politisch attraktive Einstiegspreise genannt werden und die vollständige Rechnung erst Jahre später sichtbar wird.

## Olympia verzeiht keinen Kölner Zeitplan

Vor diesem Hintergrund wirkt die Kölner Olympia-Bewerbung immer realitätsferner.

Köln beteiligt sich als zentraler Standort an der Bewerbung der Region KölnRheinRuhr um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044. Beim Ratsbürgerentscheid stimmten 57,39 Prozent der Teilnehmenden für diese Beteiligung. Der Deutsche Olympische Sportbund will am 26. September 2026 entscheiden, mit welchem deutschen Konzept er in das internationale Bewerbungsverfahren geht.

Dieses Votum ist zu respektieren. Es ist aber kein Blankoscheck für unkalkulierbare Risiken.

Olympische Spiele bedeuten weit mehr als schöne Bilder vor dem Dom, internationale Gäste und emotionale Eröffnungsfeiern. Sie bedeuten verbindliche Termine, funktionierende Verkehrswege, geeignete Sportstätten, Unterkünfte, Sicherheitskonzepte, Barrierefreiheit und eine Verwaltung, die unter internationaler Beobachtung zuverlässig arbeitet.

Der Beginn der Olympischen Spiele lässt sich nicht um ein halbes Jahr verschieben, weil ein Auftragnehmer ausfällt. Das Internationale Olympische Komitee akzeptiert keine Kölner Nachtragsvorlage. Die Welt wartet nicht, bis eine weitere Ausschreibung abgeschlossen ist.

Wer nicht gewährleisten kann, dass ein einzelnes Museumsprojekt innerhalb eines belastbaren Zeit- und Kostenrahmens fertiggestellt wird, kann nicht glaubwürdig versprechen, ein weltweites Großereignis zuverlässig zu organisieren.

## Erst liefern, dann von Olympia träumen

Köln braucht keine weiteren Hochglanzvisionen. Köln braucht Projekte, die tatsächlich fertig werden.

Die Stadt muss ihre Steuerung von Großprojekten grundlegend reformieren. Dazu gehören realistische Kostenannahmen, öffentlich nachvollziehbare Risikoreserven, regelmäßige Berichte über Termin- und Kostenabweichungen sowie klare Verantwortlichkeiten. Bei erheblichen Kostensteigerungen muss die Politik erneut entscheiden können, bevor das Geld vollständig ausgegeben ist – nicht erst danach.

Vor allem aber muss Köln über mehrere Jahre beweisen, dass es aus seinen Fehlern gelernt hat.

Solange selbst laufende Großprojekte immer wieder teurer werden und sich um Jahre verzögern, ist die Behauptung, Köln sei bereit für Olympia, nicht überzeugend.

Das MiQua kann eines Tages ein beeindruckendes Museum und ein wichtiger Ort der Erinnerung werden. Schon heute ist seine Baugeschichte jedoch ein Mahnmal für den Umgang der Stadt mit Zeitplänen, Risiken und Steuergeld.

Wer seit Jahren seine eigenen Großprojekte nicht verlässlich abschließen kann, sollte nicht darüber nachdenken, die größte Sportveranstaltung der Welt auszurichten.