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Gefälschter Tweet: Nein, Markus Söder hat Kritikern der Corona-Maßnahmen nicht mit Gefängnis gedroht

Ein Screenshot soll angeblich einen Twitter-Beitrag des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) zeigen. Darin wird der Ministerpräsident wie folgt zitiert: „Keine Strafe ist hoch genug, um die Kritiker und Verweigerer unserer Coronavorschriften zur Räson zu bringen.“ Er fordere „Gefängnisstrafen für Wiederholungstäter“.

Das Bild des vermeintlichen Tweets haben mehrere Nutzer Anfang September auf Facebook geteilt (hier, hier oder hier). Die Beiträge wurden zusammengenommen knapp 1.000 Mal geteilt. 

CORRECTIV-Recherchen ergaben, dass es sich bei dem Tweet um eine Fälschung handelt. Der bayerische Ministerpräsident hat diesen Twitter-Beitrag nicht veröffentlicht.  

Links der gefälschte Tweet von Markus Söder, rechts zum Vergleich ein echter Tweet.
Links der gefälschte Tweet von Markus Söder, rechts zum Vergleich ein echter Tweet. (Quellen: Facebook, Twitter / Bildbearbeitung und Screenshots: CORRECTIV)

Der Beitrag kann gar nicht auf Twitter veröffentlicht worden sein – er ist zu lang

Wir haben uns den Screenshot genau angesehen. Dabei fielen zwei Details ins Auge, die auf eine Fälschung des Tweets schließen lassen. 

Die Schriftart: Auf dem Screenshot ist zu erkennen, dass sich die Schriftart von der Schriftart auf Twitter unterscheidet. Der Text und auch der Tag der Veröffentlichung – die 22 – sind anders formatiert. Die Schrift des Twitter-Namens, des Monats und der Jahreszahl ähnelt hingegen einem echten Twitter-Beitrag. Das deutet auf eine nachträgliche Bearbeitung des Screenshots hin.

Die Länge: Ein Beitrag auf Twitter darf maximal 280 Zeichen lang sein, sonst kann er nicht veröffentlicht werden. Der auf Facebook veröffentlichte „Tweet“ umfasst aber 361 Zeichen, er ist also 81 Zeichen zu lang. 

Der Text ist 81 Zeichen zu lang, um auf Twitter veröffentlicht zu werden.
Der Text ist 81 Zeichen zu lang, um auf Twitter veröffentlicht zu werden. (Quelle: Twitter / Screenshot: CORRECTIV)

Anderer Tweet, gleicher Tag – Söder schrieb: „Daher muss man die Vernünftigen vor den Unvernünftigen schützen“

Wir haben uns außerdem die Seite von Markus Söder auf Twitter angesehen. Laut Screenshot wurde der angebliche Beitrag um „8:40 vorm. 22 August 2020“ veröffentlicht. Auf Söders Profil ist aber aktuell kein Tweet vom 22. August zu finden. Ein Beitrag wurde am 17. August veröffentlicht, der nächste dann am 23. August. 

Offenbar wurde hier ein Tweet gelöscht. Das zeigt eine am 30. August archivierte Version des Twitter-Profils von Markus Söder über die Seite „Wayback Machine. Dort haben wir einen Beitrag vom 22. August entdeckt, der jedoch nicht das angebliche Zitat enthält. Er wurde auch nicht um 8:40 Uhr vormittags veröffentlicht, sondern erst um 23:26 Uhr.

In dem Tweet schrieb Söder: „Danke an die vielen Vernünftigen, die für sich und andere vorsorgen. Aber es gibt auch Menschen, die Corona nicht ernst nehmen, und daher muss man die Vernünftigen vor den Unvernünftigen schützen. Wir können aktuell keine weiteren Lockerungen beschließen.“ Um Strafen für Kritiker der Maßnahmen ging es nicht. 

Auf der Twitter-Seite von Söder ist der Beitrag vom 22. August nicht mehr zu sehen. Allerdings wurde dort am 23. August ein Tweet mit demselben Wortlaut veröffentlicht. Dazu wurde ein Link ergänzt, der auf ein Interview Söders mit dem Deutschlandfunk verweist. Mutmaßlich fehlte dieser Link in dem ersten Tweet vom 22. August, weshalb er entfernt und am 23. August noch einmal neu veröffentlicht wurde. 

Links der gelöschte Tweet vom 22. August, rechts der am darauffolgenden Tag veröffentlichte Beitrag mit demselben Text.
Links der gelöschte Tweet vom 22. August, rechts der am darauffolgenden Tag veröffentlichte Beitrag mit demselben Text. (Quellen: Wayback Machine, Twitter / Screenshot und Collage: CORRECTIV)

Wir fanden das Zitat zudem weder durch eine Google-Recherche noch in einer Suche in der Pressedatenbank Genios.

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Andreas Kossiski - Oberbürgermeister für Köln