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Jobcenter-Schließung trifft Chorweiler: Wer Hilfe braucht, bekommt längere Wege

Für viele Menschen aus dem Stadtbezirk wird der Gang zum Jobcenter künftig deutlich komplizierter. Die bisherige Zweigstelle des Jobcenters am Athener Ring in Chorweiler soll im Zuge einer stadtweiten Neuordnung geschlossen werden. Statt bislang neun Standorten soll es in Köln künftig nur noch zwei zentrale Anlaufstellen geben: eine in Deutz für die rechte Rheinseite und eine in der Vitalisstraße in Braunsfeld für das linksrheinische Stadtgebiet.

Das bedeutet ganz praktisch: längere Wege, mehr Umstiege und mehr Aufwand — ausgerechnet für Menschen, die besonders auf gut erreichbare Behörden angewiesen sind.

Bislang liegt die Chorweiler Zweigstelle am Athener Ring noch vergleichsweise nah am Kölner Norden. Künftig müssten Kundinnen und Kunden aus dem Stadtbezirk erst aus dem Viertel heraus zur passenden Bus- oder Bahnverbindung kommen, dann weiter in Richtung Technologiepark Müngersdorf fahren und anschließend noch den Weg zum neuen Standort zurücklegen. Aus einem ortsnahen Behördengang wird damit eine umständliche Fahrt quer durch den linksrheinischen Kölner Westen.

Wer kein Auto hat, ist auf Busverbindungen und Umstiege angewiesen. Für Termine beim Jobcenter kann das künftig bedeuten: früher losfahren, Verspätungen einkalkulieren, mehr Zeit verlieren — und das womöglich mit Kindern, Unterlagen, gesundheitlichen Einschränkungen oder finanziellen Sorgen im Gepäck.

Das Jobcenter begründet die Zusammenlegung mit effizienteren Abläufen, gebündelten Ressourcen und einem verbesserten Dienstleistungsangebot. Auch Einsparungen bei Miet- und Energiekosten spielen eine Rolle. Für die Menschen im Kölner Norden bleibt jedoch die naheliegende Frage: Werden hier Verwaltungskosten gespart, während die Betroffenen den zusätzlichen Aufwand tragen?

Besonders bitter ist: Fahrtkosten können zwar grundsätzlich erstattet werden, müssen aber eigens beantragt werden. Auch das ist wieder ein zusätzlicher Antrag, eine weitere Hürde, ein weiterer Behördenschritt — für Menschen, die ohnehin schon mit Formularen, Fristen und Nachweisen belastet sind.

In der Bezirksvertretung Chorweiler wurde die geplante Schließung deshalb kritisiert. Die Grünen forderten in einem Antrag, die Aufgabe des Standorts am Athener Ring noch einmal ergebnisoffen zu überprüfen oder zumindest eine ortsnähere Lösung zu suchen. Außerdem sollen Betroffene rechtzeitig und mehrsprachig informiert werden. Telefonische und digitale Beratungsangebote müssten ausgebaut werden, damit nicht jeder Vorgang eine lange Anreise erforderlich macht.

Auch aus der CDU kamen deutliche Fragen zur Standortwahl. Can Kurda stellte insbesondere infrage, warum ausgerechnet Braunsfeld gewählt wurde — und nicht etwa Nippes, wo es an der Neusser Straße bereits einen Standort gibt, der für viele Menschen aus dem Kölner Norden deutlich besser erreichbar wäre.

Und die SPD? Ausgerechnet die Partei, die sich traditionell als Stimme der kleinen Leute, der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und der sozial Schwächeren versteht, fällt in Chorweiler bei diesem Thema vor allem durch eines auf: kaum wahrnehmbaren öffentlichen Widerspruch. Ja, der Antrag wurde in der Bezirksvertretung mehrheitlich getragen. Aber wo ist der erkennbare eigene Druck der SPD-Fraktion? Wo ist die laute, sichtbare Verteidigung eines wohnortnahen Jobcenters für Chorweiler, Seeberg, Heimersdorf, Blumenberg, Chorweiler-Nord — und eben auch Lindweiler?

Gerade hier müsste die SPD eigentlich vorangehen. Wenn eine Behörde, die für viele Menschen mit niedrigem Einkommen existenziell wichtig ist, aus dem Kölner Norden abgezogen wird, dann ist das kein Randthema. Dann geht es um soziale Infrastruktur. Um Erreichbarkeit. Um Würde im Alltag. Um die Frage, ob Menschen in Stadtteilen wie Lindweiler mitgedacht werden — oder ob man ihnen einfach längere Wege zumutet.

Stattdessen wirkt die SPD im Stadtbezirk nach außen seltsam abgetaucht. Die digitale Präsenz der SPD Köln-Nord ist zwar erreichbar, macht aber keinen besonders lebendigen Eindruck: Auf der Seite werden keine Veranstaltungen angezeigt, und im Nachrichtenbereich findet sich sogar eine Fehlermeldung. Auch öffentlich auffindbare Social-Media-Spuren zur SPD im Bezirk Chorweiler wirken eher spärlich aktualisiert; einzelne auffindbare Beiträge liegen Monate zurück.

Da darf man schon fragen: Lebt die SPD in Chorweiler politisch noch — oder verwaltet sie nur noch ihren Namen?

Die Schließung der Jobcenter-Zweigstelle am Athener Ring wäre keine bloße Verwaltungsentscheidung. Sie hätte konkrete Folgen für den Alltag vieler Menschen im Veedel. Wer auf das Jobcenter angewiesen ist, braucht kurze Wege, verlässliche Erreichbarkeit und möglichst wenig zusätzliche Hürden.

Ein zentraler Standort in Braunsfeld mag aus Sicht der Verwaltung effizient erscheinen. Für viele wird er vor allem eines sein: weit weg. Und gerade bei einem solchen Thema sollte man von einer sozialdemokratischen Partei mehr erwarten als Schweigen im Hintergrund.

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