[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/kostenexplosion-vor-fussball-em-deutschland-muss-immer-mehr-zahlen\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/kostenexplosion-vor-fussball-em-deutschland-muss-immer-mehr-zahlen\/","headline":"Kostenexplosion vor Fu\u00dfball-EM: Deutschland muss immer mehr zahlen","name":"Kostenexplosion vor Fu\u00dfball-EM: Deutschland muss immer mehr zahlen","description":"Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck \/ Zur Quelle wechseln Vor dem Brandenburger Tor steht das gr\u00f6\u00dfte Fu\u00dfballtor der Welt. Zumindest bis Mitte Juli, bis zum Finalspiel der Fu\u00dfball-Europameisterschaft der M\u00e4nner, die kommende Woche beginnt. Vor dem Tor ist ein Rasen ausgerollt, der so gro\u00df ist wie zehn Fu\u00dfballfelder. 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Zumindest bis Mitte Juli, bis zum Finalspiel der Fu\u00dfball-Europameisterschaft der M\u00e4nner, die kommende Woche beginnt. Vor dem Tor ist ein Rasen ausgerollt, der so gro\u00df ist wie zehn Fu\u00dfballfelder. Mehr als 50.000 Menschen sollen hier gleichzeitig die EM-Spiele verfolgen k\u00f6nnen. Insgesamt rechnet Berlin mit 2,5 Millionen Fu\u00dfballfans aus aller Welt und mit einem enormen wirtschaftlichen Schub, schlie\u00dflich sei mit einer \u201eGesamtwertsch\u00f6pfung von mindestens 600 Millionen Euro zu rechnen\u201c, schreibt die Senatsverwaltung auf CORRECTIV-Anfrage.Viele Fans reisen an, spektakul\u00e4re Bilder, hunderte Millionen Euro kommen in die Kasse. Ist die Rechnung wirklich so einfach?Nein, denn erst einmal muss Berlin zahlen. Allein f\u00fcr die beiden Fanmeilen am Brandenburger Tor und vor dem Reichstag hat die Stadtverwaltung 24 Millionen Euro ausgegeben. Ein Bruchteil von dem, was die Europameisterschaft die deutschen Steuerzahler insgesamt kostet. Denn einen Gro\u00dfteil der Kosten f\u00fcr die EM tragen neben Bund und L\u00e4ndern auch die zehn St\u00e4dte, welche die Spiele ausrichten. Wie teuer das wird, war 2017 w\u00e4hrend des Bewerbungsprozesses offenbar noch nicht abzusehen. Das gilt nicht nur f\u00fcr Berlin, sondern auch die anderen neun Spielorte der Fu\u00dfball-EM.Nun wird klar: Die zehn EM-Spielorte zahlen mindestens 66 Millionen Euro mehr als urspr\u00fcnglich kalkuliert. Das zeigen Recherchen von CORRECTIV.Lokal zusammen mit FragDenStaat. Allein in Frankfurt und Berlin haben sich die Kosten f\u00fcr die St\u00e4dte seit 2017 fast verdoppelt. Die aktuellen Ausgaben \u2013 allein f\u00fcr die Spielorte \u2013 belaufen sich auf 295 Millionen Euro.Grundlage sind Auskunftsanfragen an die St\u00e4dte. Zudem haben die Medien Unterlagen und Vertr\u00e4ge zwischen den St\u00e4dten mit dem europ\u00e4ischen Fu\u00dfballverband Uefa und dem DFB eingesehen. Dadurch zeigt sich neben den enormen Ausgaben zu Lasten der Steuerzahler: Die Uefa verdient pr\u00e4chtig, spricht sogar von einem Rekordgewinn von 1,7 Milliarden Euro.Trotz gestiegener Millionen-Ausgaben: Uefa spricht von \u201eBudgets mit Augenma\u00df\u201cAuf die hohen Kosten und das damit verbundene Risiko der St\u00e4dte angesprochen, schreibt die Uefa an CORRECTIV.Lokal und FragDenStaat: \u201eIm bisherigen Verlauf der Planungen ist festzuhalten, dass die Host Cities Budgets mit Augenma\u00df aufgestellt haben und diese eigenverantwortlich verabschiedet wurden.\u201c Der europ\u00e4ische Dachverband sieht kein finanzielles Risiko f\u00fcr die EM-Ausrichter, schlie\u00dflich seien alle Investitionen planbar und die St\u00e4dte h\u00e4tten freie Hand dar\u00fcber, wie sie die Plattform der Uefa Euro nutzen.Dieses \u201eAugenma\u00df\u201c bedeutet im Fall von Berlin zus\u00e4tzliche Ausgaben in H\u00f6he von 40 Millionen Euro, mit denen im Bewerbungsprozess noch nicht gerechnet wurde. Die Stadt erkl\u00e4rt, dass zu diesem Zeitpunkt \u201edie Auswirkungen der Corona-Pandemie und der Energie- bzw. Inflationsbedingten Preissteigerungen\u201c noch nicht absehbar waren.Die Stadt K\u00f6ln, die laut eigenem Plan knapp sechs Millionen Euro mehr als 2017 bezahlt, erkl\u00e4rt auf CORRECTIV-Anfrage, dass nun einmal bei einem Projekt der Gr\u00f6\u00dfenordnung einer Fu\u00dfball-Europameisterschaft im Laufe der Zeit \u201ezwangsl\u00e4ufig erhebliche Kostensteigerungen\u201c entst\u00fcnden. So h\u00e4tten sich insbesondere f\u00fcr die Sicherheit h\u00f6here Anforderungen ergeben.In gleich drei St\u00e4dten bleibt unklar, wie sich die Kosten seit dem Bewerbungsverfahren als EM-Stadt ver\u00e4ndert haben: Hamburg und D\u00fcsseldorf nannten keine Zahlen. In Stuttgart soll es keine Kalkulation gegeben haben. Es konnte \u201enaturgem\u00e4\u00df keine Gesamtkalkulation erstellt werden\u201c, schreibt uns ein Sprecher der Stadt. Was in der Praxis bedeutete: \u00dcber die vergangenen Jahre wurden immer mehr Ausgaben f\u00fcr den jeweiligen Haushalt angemeldet. Die Kosten stiegen sukzessiv.Die St\u00e4dte zahlen, die Uefa kassiertDie enormen Kosten sind vor allem auf die umfangreichen Verpflichtungen seitens der St\u00e4dte zur\u00fcckzuf\u00fchren. F\u00fcr die Organisation der EM wurde die EURO 2024 GmbH gegr\u00fcndet, ein Gemeinschaftsunternehmen der Uefa und des DFB. Die St\u00e4dte haben mit beiden Parteien verschiedene Vertr\u00e4ge unterzeichnet.Gemeinsam mit FragDenStaat hat CORRECTIV.Lokal die entsprechenden Vertr\u00e4ge angefordert. Exemplarisch liegen diese von Hamburg und Dortmund vor und k\u00f6nnen bei FragDenStaat eingesehen werden. Die restlichen St\u00e4dte gaben an, dass die Vertr\u00e4ge weitgehend identisch sind. Wer die Details verstehen will, muss einige Dokumente w\u00e4lzen. Sie bestehen aus umfassenden Garantie- und Verpflichtungserkl\u00e4rungen aus dem Bewerbungsprozess, sowie Vertr\u00e4gen und Zusatzvereinbarungen.Was darin sichtbar wird: Die St\u00e4dte \u2013 und damit letztlich die Steuerzahlenden \u2013 tragen die Kosten und Risiken der Veranstaltung, w\u00e4hrend die Uefa Rekordgewinne erzielt. Ein gro\u00dfer Kostenpunkt, zu dem sich die St\u00e4dte in den Vertr\u00e4gen verpflichten, sind die oben beschriebenen Fanmeilen (\u201eFan Zones\u201c). In Berlin und M\u00fcnchen machen diese rund ein Viertel, in K\u00f6ln sogar fast ein Drittel der Ausgaben aus.Prominente Botschafter werben f\u00fcr die EM im eigenen LandDie St\u00e4dte verpflichten sich zu weiteren Ausgaben. Sie m\u00fcssen eine \u201einterne Organisationsstruktur\u201c schaffen, um Uefa und DFB bei der Vorbereitung und Organisation der EM zu unterst\u00fctzen. Allein das kostet Hamburg mehr als eine Million Euro. Zudem verpflichten sich die St\u00e4dte, \u201eumfangreich an prominenten Pl\u00e4tzen\u201c f\u00fcr die EM zu werben und jeweils Hunderte Volunteers zu besch\u00e4ftigen.In jeder Stadt m\u00fcssen offizielle EM-Botschafter ernannt werden. Der Fu\u00dfballer Kevin-Prince Boateng wirbt in Berlin f\u00fcr das Turnier, die Fu\u00dfballerin Anja Mittag in Leipzig. Beide ehrenamtlich. In anderen St\u00e4dten wird \u201eAufwandsentsch\u00e4digung\u201c f\u00fcr die Promis in nicht genannter H\u00f6he benannt. So entstehen weitere Kosten f\u00fcr den Schiedsrichter Felix Brych und die Eishockeyspielerin Kathrin Lehmann in M\u00fcnchen, in Stuttgart werden der ehemalige Fu\u00dfball-Nationalspieler Cacau und der Paralympics-Goldmedaillengewinner Niko Kappel bezahlt.\u00c4lb\u00e4rt, das Maskottchen f\u00fcr die Europameisterschaft 2024 in Deutschland, posiert mit einer Nachbildung des EM-Pokals. Foto: Jonathan Sachse\/ CORRECTIVWie umfangreich die Vertr\u00e4ge sind, haben auch schon Spiegel und ZDF recherchiert. Ein Risiko, das nicht jede Stadt tragen wollte. So hat Kaiserslautern seine Bewerbung wegen der drohenden hohen Kosten zur\u00fcckgezogen und die Stadt Bremen, die nicht allen Auflagen der Uefa ausnahmslos zustimmte, scheiterte laut Spiegel offenbar deshalb im Bewerbungsverfahren.Offene Fragen zum Effekt einer EM in DeutschlandInwieweit lassen sich das Turnier und die damit verbundenen Ausgaben refinanzieren? Das hat CORRECTIV.Lokal die zehn Austragungsst\u00e4tten gefragt. Die Antworten fielen hier sehr unterschiedlich aus. Stuttgart (zur Erinnerung: Die Stadt ohne Kalkulation) erkl\u00e4rt, dass die Stadt auch hierzu keine Aussagen treffen m\u00f6chte. Diese w\u00e4ren rein \u201espekulativ\u201c, weil die \u201eRentabilit\u00e4t\u201c von verschiedenen Faktoren abh\u00e4ngen w\u00fcrde.Die Stadt K\u00f6ln erkl\u00e4rt, dass die Austragung der EM zwar \u201e\u00f6konomische Vorteile mit sich bringt\u201c, betont aber auch, dass sich der Wert von Sportgro\u00dfveranstaltungen nicht monetarisieren l\u00e4sst. Die K\u00f6lner und K\u00f6lnerinnen seien stolz darauf, Gastgeber zu sein und solche Veranstaltungen w\u00fcrden nicht zuletzt die Lebensqualit\u00e4t in der Stadt verbessern.Andere St\u00e4dte werden etwas konkreter. Berlin und M\u00fcnchen rechnen mit Einnahmen im dreistelligen Millionenbereich. Wie sich diese im Detail zusammensetzen, lassen die St\u00e4dte aber offen. Leipzig legt CORRECTIV einen Ausschnitt einer \u201ePotenzialanalyse\u201c vor, die vom Tourismus-Beratungsunternehmen DWIF durchgef\u00fchrt wurde. Die Stadt rechnet mit einem Bruttoumsatz von fast 60 Millionen Euro, der sich zusammensetzt aus Ausgaben von \u00dcbernachtungs- und Tagesg\u00e4sten und der lokalen Bev\u00f6lkerung.Berechnungen zum EM-Gewinn sind nicht belastbarGlaubw\u00fcrdig seien diese Berechnungen laut Wolfgang Maennig, Professor f\u00fcr Wirtschaftspolitik an der Uni Hamburg, nicht: \u201eEs gibt keine nachweisbaren Effekte von Sportgro\u00dfveranstaltungen auf Besch\u00e4ftigung, Einkommen, Steuermehreinnahmen und \u00dcbernachtungszahlen.\u201c Denn bei diesen Berechnungen w\u00fcrden verschiedene Effekte ignoriert oder f\u00e4lschlicherweise in die Kalkulationen miteinbezogen.\u201eViele der St\u00e4dte sind \u00fcber die Sommermonate sowieso gut besucht\u201c, sagt Maennig. Zus\u00e4tzliche Einnahmen in der Hotellerie entstehen also kaum. Die Ausgaben der \u00dcbernachtungs- und Tagesg\u00e4ste seien zudem oft zu hoch angesetzt und auch die lokale Bev\u00f6lkerung d\u00fcrfe nicht wie im Fall der Stadt Leipzig in die Berechnungen miteinbezogen werden. \u201eDer Leipziger gibt Geld aus, unabh\u00e4ngig von der Europameisterschaft\u201c, erkl\u00e4rt Maennig. Diese Ausgaben steigen auch nicht durch Veranstaltungen wie die EM, schlie\u00dflich stehe \u201ejedem nur ein bestimmtes monatliches Nettoeinkommen zur Verf\u00fcgung.\u201c Ist das aufgebraucht, muss es zu einem anderen Zeitpunkt auch wieder eingespart werden.All das macht die EM f\u00fcr Maennig jedoch nicht weniger lohnend. Profitieren w\u00fcrden die St\u00e4dte vor allem vom Erlebnisnutzen der lokalen Bev\u00f6lkerung und von der internationalen Aufmerksamkeit. \u201eWir sprechen hier von kurzfristigen Effekten, die aber nicht zu untersch\u00e4tzen sind\u201c, sagt Maennig. Zweistellige Millionenbetr\u00e4ge an Ausgaben seien damit durchaus zu rechtfertigen, gerade weil anders als bei der Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft 2006 nicht mehrere Stadien neu gebaut werden mussten.Monopol-Stellung der UefaDass die Uefa trotz Rekordgewinnen w\u00e4hrend des Turniers kaum Risiken tragen muss, h\u00e4lt Maennig aber nicht f\u00fcr gerechtfertigt. Sie nutze ihre \u201eMonopol-Stellung\u201c und vergebe die Turniere quasi meistbietend im Auktionsverfahren. Daf\u00fcr macht er allerdings nicht Bund und St\u00e4dte verantwortlich, sondern vor allem die \u201eeinseitigen Interessen der Zuschauer\u201c.\u201eW\u00fcrden wir uns f\u00fcr alle Sportarten gleicherma\u00dfen interessieren, w\u00e4re das Monopol von Uefa und anderen Verb\u00e4nden wie dem IOC gebrochen\u201c, erkl\u00e4rt Maennig. Schlie\u00dflich w\u00fcrden f\u00fcr die Fu\u00dfball-Europameisterschaft Millionen von Menschen einschalten, deshalb seien die St\u00e4dte auch bereit, diese hohen Summen auszugeben.Dass das Interesse an Turnieren wie diesen kurz- oder mittelfristig abflacht, davon ist vorerst nicht auszugehen. Solange das so bleibt, verdient die Uefa flei\u00dfig weiter. Es w\u00e4re eine \u00dcberraschung, wenn es bei den knapp 300 Millionen Euro bleibt, die jetzt schon f\u00fcr die Allgemeinheit entstanden sind.&#8212;Sie haben Hinweise zur EM in Deutschland? Dann schreiben Sie uns an lokal@correctiv.org oder f\u00fcr sensible Informationen eine verschl\u00fcsselte Nachricht \u00fcber unseren anonymen Briefkasten. CORRECTIV.Lokal arbeitet bei dieser Recherche mit Lokal- und Regionalmedien in allen Bundesl\u00e4ndern zusammen, die in der Lage sind, auch Hinweise auf einzelne lokale Missst\u00e4nde zu verfolgen.Redaktion: Stella Hesch, Jonathan Sachse, Pia Siber, Tim WursterKommunikation: Valentin Zick, Esther EckeZur Quelle wechselnAuthor: Jonathan Sachse"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Kostenexplosion vor Fu\u00dfball-EM: Deutschland muss immer mehr zahlen","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/kostenexplosion-vor-fussball-em-deutschland-muss-immer-mehr-zahlen\/#breadcrumbitem"}]}]