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Krise der Plattformen: Gorillas bereitet Entlassungen in Spanien vor

Dieser Artikel stammt von Netzpolitik.org.Der Autor ist...
Sieht geschlossen aus, wird wohl bald geschlossen sein: Eins der Gorillas-Warenhäuser in Madrid. – CC-BY 4.0 Maximillian HenningDer deutsche Lieferdienst Gorillas bereitet laut spanischen Medienberichten die Entlassung seiner 300 Angestellten in Spanien vor. In Belgien hat das Unternehmen letzte Woche einige seiner Lager geschlossen. Auch für Italien und Dänemark würde man „alle möglichen strategischen Optionen“ prüfen, hatte Gorillas-Gründer Kağan Sümer Ende Mai angekündigt.
Das Unternehmen wolle sich auf seine Kernmärkte konzentrieren, so Sümer. Dazu zählten Länder wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Niederlande, wo man sich „auf einem klaren Weg zur Rentabilität“ befinde.
Weniger Geld, weniger Arbeiter*innen, weniger Kund*innen
Die in den letzten Jahren großgewordenen Lieferplattformen befinden sich aktuell in einer Krise. Viele hatten ihr Geschäftsmodell auf einfach verfügbarem Investorengeld aufgebaut und sind von eigenständigem Profit weit entfernt.
Dieses Geld wird nun knapp. Potenzielle Arbeiter*innen für die Plattformen haben viele andere Joboptionen. Kund*innen haben durch die starke Inflation nicht mehr das lose Taschengeld, um sich Essen oder Supermarkteinkäufe an die Haustür liefern zu lassen.
Außerdem ziehen viele Länder gerade striktere Regeln für den Plattformsektor ein. Auch die EU plant aktuell eine Richtlinie, mit der unter anderem die Arbeitsbedingungen bei app-gesteuerten Lieferdiensten verbessert werden sollen.
Gorillas hatte Ende Mai bereits 300 Angestellte in Berlin entlassen. Der deutsche Lieferdienst ist nicht der einzige, der aktuell Personal abbaut: Der türkische Konkurrent Getir entließ zur gleichen Zeit über 4000 Arbeiter*innen weltweit, auch in Berlin war die Flotte betroffen.
Verhandlungen zu Entlassungen in Spanien
Nach der Ankündigung des Gorillas-Gründers Ende Mai hatte das Unternehmen noch dementiert, dass man Spanien verlassen wolle. Man würde nach einem Partner suchen, um die Arbeiter*innen in Spanien zu übernehmen, hieß es damals.
Das ist anscheinend nicht gelungen. Letzte Woche forderte Gorillas seine dortigen Arbeiter*innen auf, Vertreter*innen für Verhandlungen zu den geplanten Entlassungen zu wählen. Dieser Prozess ist in Spanien gesetzlich vorgeschrieben.
Das Unternehmen plane, alle Verträge der Arbeiter*innen in seinen Warenhäusern in vier spanischen Städten zu kündigen, so ein Brief von Gorillas. Momentan sind die Warenhäuser noch geöffnet und die Fahrer*innen liefern weiter aus. Das bestätigte eine Sprecherin von Gorillas gegenüber netzpolitik.org.
Den Arbeiter*innen bleibt bis zum 30. Juni, um ihre Vertretung für den Entlassungsprozess zu bestimmen. Dafür dürfen sie Gewerkschaften um Hilfe bitten, auch wenn sie momentan noch nicht gewerkschaftlich organisiert sind. Ein Gorillas-Fahrer sagte der Nachrichtenseite „El Salto“, das würde man nun so schnell wie möglich ändern wollen.
Den Fahrer*innen stünde eine Zahlung für die Entlassung zu, aber die sei nicht ausreichend, so der Fahrer. Viele wären umgezogen, um für Gorillas zu arbeiten. Nun müssten sie nach einer neuen Arbeit suchen – dafür bräuchten sie ein Polster.
Vielleicht eine Übernahme in Belgien
In Belgien ist die Lage ähnlich. Letzte Woche habe Gorillas dort den bestehenden Betrieb reduziert und einige seiner Lager geschlossen, so die Sprecherin von Gorillas. In Antwerpen und Brüssel bleibe man jedoch weiter geöffnet.
Laut belgischen Medien laufen dort aktuell Verhandlungen mit anderen Unternehmen, die eventuell einen Teil des Geschäfts übernehmen würden. Falls diese Verhandlungen scheitern, würden demnach 240 Arbeiter*innen entlassen werden. Sie sollen dabei eine beinahe doppelt so hohe Entschädigungszahlung erhalten wie gesetzlich vorgeschrieben.
Eine Sprecherin von Gorillas sagt dazu, „dass zu diesem Zeitpunkt noch keine endgültige Entscheidung bezüglich unserer Präsenz auf dem belgischen Markt getroffen wurde“.

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Author: Maximilian Henning

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