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Marketing und Kommunikation: Europäisches Parlament setzt vermehrt auf Influencer:innen

Mann mit Europa-Pullover

Das Europäische Parlament hat den Influencer Riccardo Simonetti zum LGBTIQ*-Sonderbotschafter gemacht. Simonetti setzt sich seit Jahren für die Rechte queerer Menschen ein und hat sich als Moderator, Aktivist, Entertainer, Diva und eben auch erfolgreicher Instagram-Influencer einen Namen gemacht. Dass er als Influencer mit mehr als 300.000 Follower:innen zum Sonderbotschafter gemacht wurde, ist kein Zufall, sondern Teil einer neuen Kommunikationsstrategie.

Das Europäische Parlament (EP) will in Zukunft mehr auf Influencer:innen in seiner Kommunikation setzen. Ziel dieser Zusammenarbeit sei es, neue Zielgruppen zu erreichen und deren Wissen über das Europäische Parlament zu erhöhen, sagt eine Sprecherin gegenüber netzpolitik.org. Derzeit erarbeite man eine Strategie für diese Form der Kommunikation. Das EP geht davon aus, dass die anvisierten Zielgruppen weniger geneigt seien, politische oder traditionelle Nachrichten zu verfolgen.

Echtes Interesse statt Geld

Das EP bezahlt die Influencer:innen nicht für die Inhalte, die sie produzieren. Stattdessen will es „mit Content-Erstellern zusammenzuarbeiten, denen die jeweiligen Themen am Herzen liegen, was ihre Veröffentlichungen ehrlicher und realer macht“, sagt EP-Sprecherin Constanze Beckerhoff.

Dabei konzentriert sich das EP derzeit vor allem auf Instagram und YouTube, was sich aber bei neuen Trends ändern könnte. Laut der Sprecherin setzt das EP eher auf langfristige Partnerschaften mit ausgewählten Influencern wie Simonetti. Solche Partnerschaften soll es mit den motiviertesten Influencern geben, die eine längere Zusammenarbeit mit dem EP anstreben.

Das EP hält solche langfristigen Zusammenarbeiten für glaubwürdiger gegenüber den Follower:innen und sagt, dass die Influencer:innen selbst solche langfristigen Partnerschaften bevorzugen würden. Dem EP schwebt dabei vor, dass man in einer stärkeren thematischen Zusammenarbeit auch mal einen Gesetzgebungsprozess von Anfang bis Ende verfolgen könne oder zu einem bestimmten Thema dauerhaft zusammenarbeiten könne.

Kontaktpflege im Social-Media-Team

Das EP arbeitet bereits mit mehreren Influencer:innen zusammen. In Deutschland habe zum Beispiel die Influencerin Diana zur Löwen regelmäßig Inhalte zu den EU-Wahlen gepostet. Sie unterstützte die überparteiliche Informationskampagne des Europäischen Parlaments #thistimeimvoting. Als weiteres Beispiel nennt das Parlament ein Interview der niederländischen Influencerin Jeanne de Kroon mit dem Europaabgeordneten Jan Huitema zum Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft und speziell zu Textilabfällen.

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Die Kontaktpflege zu den Influencer:innen übernimmt das Social-Media-Team des Parlamentes, erklärt EP-Sprecherin Beckerhoff. In diesem habe sich auch die Zusammenarbeit mit Simonetti entwickelt. „Riccardo Simonetti wird mit seinen Aktionen auf seinen Social Media Kanälen und anderen Medien dem Engagement des Europäischen Parlaments für die Rechte von LGBTI-Personen mehr Sichtbarkeit verleihen. Neben gemeinsamen digitalen Aktionen könnte er – in Zeiten nach der Pandemie – die Abgeordneten auch physisch in Straßburg oder Brüssel treffen“, beschreibt Beckerhoff die zukünftige Zusammenarbeit.

Bundesregierung gibt Hunderttausende für Influencer aus

Das Konzept des Europäisches Parlamentes unterscheidet sich von Strategien der Bundesregierung. Diese nimmt auch Geld in die Hand, um Influencer:innen zu bezahlen, etwa für die Bewerbung der Corona-Warn-App. Laut der Antwort auf eine kleine Anfrage (PDF) gab die Bundesregierung im Jahr 2020 fast 225.000 Euro für Influencer-Marketing alleine auf Instagram aus. Den größten Anteil, rund 114.000 Euro, investierte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. In der Vergangenheit bezahlten Ministerien auch Influencer:innen, damit sie zum Beispiel für Bundeswehr oder Polizei warben.

Auch Europol, die Polizeibehörde der Europäischen Union, wollte Influencer:innen für ihr Marketing nutzen. Das geht aus der Social-Media-Strategie von Europol aus dem Jahr 2019 (PDF) hervor, die netzpolitik.org per Informationsfreiheitsanfrage erhielt. Laut dieser wollte die Polizeibehörde Gelder für Influencer:innen auf Instagram ausgegeben.


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