[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/medien-muessen-nicht-neutral-sein-wir-brauchen-widerstand-im-journalismus\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/medien-muessen-nicht-neutral-sein-wir-brauchen-widerstand-im-journalismus\/","headline":"Medien m\u00fcssen nicht neutral sein\u00a0\u2013 Wir brauchen Widerstand im Journalismus","name":"Medien m\u00fcssen nicht neutral sein\u00a0\u2013 Wir brauchen Widerstand im Journalismus","description":"0 Medien m\u00fcssen nicht neutral sein\u00a0\u2013 Wir brauchen Widerstand im Journalismus von Matthias Meisner | Sep. 11, 2025 | Analyse Von Matthias Meisner und Paul Starzmann, Auszug aus ihrem kommenden Buch \u201eMut zum Unmut\u201c Die Alternativpresse hat in der Bundesrepublik eine gro\u00dfe Tradition: Stattzeitungen, Szenebl\u00e4tter der Studierendenbewegung, Organe von B\u00fcrgerinitiativen,&#8230;","datePublished":"2025-09-11","dateModified":"2025-09-11","author":{"@type":"Person","@id":"##Person","name":"Volksverpetzer","url":"#","identifier":14,"image":{"@type":"ImageObject","@id":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/797844b3c4803d413cf313d5c88dd88c484df206c17fbfcc4b10980ace3866a7?s=96&d=monsterid&r=g","url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/797844b3c4803d413cf313d5c88dd88c484df206c17fbfcc4b10980ace3866a7?s=96&d=monsterid&r=g","height":96,"width":96}},"publisher":{"@type":"Person","name":"Dirk Bachhausen","image":{"@type":"ImageObject","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/dirk_profil-300x300.jpg","url":"https:\/\/www.bachhausen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/dirk_profil-300x300.jpg","width":600,"height":60}},"image":{"@type":"ImageObject","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Journalismus-2.jpg","url":"https:\/\/www.bachhausen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Journalismus-2.jpg","height":732,"width":1400},"url":"https:\/\/www.bachhausen.de\/medien-muessen-nicht-neutral-sein-wir-brauchen-widerstand-im-journalismus\/","about":["Politik"],"wordCount":4132,"keywords":["metoo"],"articleBody":" 0Medien m\u00fcssen nicht neutral sein\u00a0\u2013 Wir brauchen Widerstand im Journalismus von Matthias Meisner | Sep. 11, 2025 | AnalyseVon Matthias Meisner und Paul Starzmann, Auszug aus ihrem kommenden Buch \u201eMut zum Unmut\u201cDie Alternativpresse hat in der Bundesrepublik eine gro\u00dfe Tradition: Stattzeitungen, Szenebl\u00e4tter der Studierendenbewegung, Organe von B\u00fcrgerinitiativen, eine \u00fcberregionale Tageszeitung wie die \u201etaz\u201c. Wer heute daran ankn\u00fcpft \u2013 und sich dem Hang zu falscher Ausgewogenheit widersetzt.Disruptionsstrategie hei\u00dft der etwas sperrige Fachausdruck: Neue rechte Propagandisten eignen sich Begriffe, Symbole und Sprachbilder ihrer politischen Gegner an \u2013 und verkehren deren Bedeutung.Einer davon ist die Bezeichnung \u201ealternative Medien\u201c. Historisch passte die auf die Presse der Studierendenbewegung, auf Stattzeitungen, die Organe von B\u00fcrgerinitiativen. Oder auch auf die 1978 gegr\u00fcndete linksalternative Tageszeitung \u201etaz\u201c.Und heute? \u201eAlternativ\u201c oder \u201efrei\u201c nennen sich inzwischen rechte und verschw\u00f6rungsideologische Medien, ein Imperium ist herangewachsen aus verschiedenen Blogs, AfD-naher Presse, Internetradios und Videoformaten. Organe, die in Wirklichkeit so wenig alternativ sind, wie die AfD eine Alternative in der Parteienlandschaft ist.\u201eNicht mal der ,linke\u2018 Revolutionsbegriff wird von der Verkehrungsstrategie der Rechten verschont.\u201cW\u00e4hrend die Montagsdemonstrationen in der DDR mit ihrem Slogan \u201eWir sind das Volk\u201c f\u00fcr die eigene Freiheit noch Mauern einrei\u00dfen wollten, habe die rassistische Bewegung Pegida mit dem gleichen Slogan eine Abschottung Europas gefordert, schrieb der Radiomoderator Stephan Karkowsky im Mai 2025 in der Zeitschrift \u201eJournalist\u201c, dem Organ des Deutschen Journalisten-Verbandes: \u201eNicht mal der ,linke\u2018 Revolutionsbegriff wird von der Verkehrungsstrategie der Rechten verschont.\u201cRenitenz k\u00f6nnte hier hei\u00dfen, das wieder zur\u00fcckzudrehen. Konkret: sich zu besinnen, wie gut es der Presselandschaft getan hat, dass seit Ende der 1960er-Jahre immer mehr unkonventionelle, alternative und schlicht andere Medien entstanden sind, renitente Medien vom \u2013 bis heute sendenden \u2013 Radio Dreyeckland aus Freiburg \u00fcber den \u201ePflasterstrand\u201c aus Frankfurt bis zum \u201eBerliner Extra-Dienst\u201c. Letztere Zeitung wurde \u00fcbrigens mit dem Ziel gegr\u00fcndet, \u201edie von der dominante Springer-Presse gepr\u00e4gten Meinungsstrukturen innerhalb der Bev\u00f6lkerung aufzubrechen oder gar zu durchbrechen\u201c.Rechte vereinnahmt Begriff \u201eAlternativmedien\u201cIn seinem 2025 erschienenen Buch \u201eAlternative Medien. Definition, Geschichte und Bedeutung\u201c besch\u00e4ftigt sich der \u00f6sterreichische Jurist und Medienethiker Luis Paulitsch ausf\u00fchrlich mit jenem Teil der Medienlandschaft, der sich bewusst von den etablierten Medien unterscheidet \u2013 als Gegen\u00f6ffentlichkeit. Paulitsch schreibt: \u201eLange Zeit setzte man ,alternativ\u2018 mit der politischen Linken gleich. In den 1990er-Jahren wurde ein Modewort daraus, ehe die politische Rechte den Begriff zunehmend vereinnahmt. Heute wird ,alternativ\u2018 im rechten Spektrum inflation\u00e4r angewandt. Dementsprechend nutzen auch einige rechtsgerichtete Medien dasWort zu PR- und Werbezwecken.\u201c Vielen von ihnen gehe es gar nicht um Berichterstattung, sondern um Propaganda. M\u00f6glich geworden sei diese rechte Raumnahme unter anderem deshalb, weil einst als \u201ealternativ\u201c gestartete Medien wie die \u201etaz\u201c im Laufe der Jahre selbst Teil des Mainstreams geworden seien.Insgesamt ben\u00f6tigt die Medienwelt gerade in Zeiten eines gesellschaftlichen Rechtsrucks Alternativen, ein Korrektiv zu den zuweilen stromlinienf\u00f6rmig erscheinenden Qualit\u00e4tsmedien, mehr renitente Journalist:innen in den Redaktionen. Genau anders aber, als sich die rechtsradikalen Propagandisten von \u201eCompact\u201c, Kontrafunk, \u201eDeutschland-Kurier\u201c &amp; Co. das w\u00fcnschen: Die werten etablierte Zeitungen und den \u00f6\ufb00entlich-rechtlichen Rundfunk ab mit Begriffen wie \u201eMainstreammedien\u201c, \u201eStaatsfunk\u201c oder \u201eL\u00fcgenpresse\u201c. Es ist das Gegenteil konstruktiver, dezidierter Medienkritik.Die Professorin Gabriele Hoo\ufb00acker, Journalismuslehrerin an der Hochschule f\u00fcr Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig, sagt, Medien der Neuen Rechten h\u00e4tten das erfolgreiche Konzept der Alternativmedien kopiert. Die AfD etwa empfehle, vor allem \u201ealternative Medien\u201c zu nutzen, da \u201eStaatsfernsehen und L\u00fcckenpresse\u201c ein unzureichendes Bild vermitteln w\u00fcrden: \u201eDamit kapern rechtspopulistische Gruppen zielstrebig einen Begri\ufb00 , der urspr\u00fcnglich mit ganz anderen Inhalten gef\u00fcllt war. Den innovativen Medienprojekten der kritischen Gegen\u00f6ffentlichkeit folgen jeweils wie in einem Zerrspiegel die Medienprojekte der r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten, rechten bis rechtsextremen Medienmacher:innen.\u201c\u201eNachpr\u00fcfbarer Journalismus gegen Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen\u201cDabei gehe es aber gar nicht so sehr darum, welches Medium heute als \u00bbalternativ\u00ab gelte, sagt Hoo\ufb00acker im Gespr\u00e4ch f\u00fcr dieses Buch.\u201eSondern um verl\u00e4ssliche, faktentreue und erkenntnisf\u00f6rdernde Medienbeitr\u00e4ge.\u201c Ein gut recherchierter, nachpr\u00fcfbarer Journalismus sei die beste \u201eAlternative zu einseitiger Darstellung, zu Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen und zu menschenfeindlichem Framing\u201c. So k\u00f6nnten Redaktionen punkten, die das journalistische Handwerk beherrschen \u2013 \u201eob sie nun \u203aalternativ\u2039 genannt werden oder nicht\u201c. Vielleicht seien gerade einige der sogenannten Mainstreammedien eine gute Alternative zu Kan\u00e4len, die sich selbst als unterdr\u00fcckt und \u201ealternativ\u201c darstellen w\u00fcrden \u2013 derweil sie \u201eihre einseitigen Beitr\u00e4ge frei publizieren d\u00fcrfen und ein Millionenpublikum erreichen\u201c.Auf der Webseite ihrer Hochschule wird die Professorin mit \u201eBerufungsgebiet: medienad\u00e4quate Inhalteaufbereitung\u201c vorgestellt. In diesem Zusammenhang die Frage an sie: Nervt die Forderung nach Neutralit\u00e4t im Journalismus? Die Journalismuslehrerin macht einen Sto\u00dfseufzer: \u201eAch, wenn das Publikum doch nur Information und Meinung unterscheiden k\u00f6nnte. Schon eine Nachricht, die zwei oder drei Positionen beziehungsweise Meinungen wiedergibt, wird f\u00e4lschlicherweise oft f\u00fcr einen Kommentar gehalten.\u201c Journalismus und Aktivismus d\u00fcrften nicht vermengt werden, verlangt sie. \u201eVon Journalist:innen erwarte ich, dass sie die Darstellungsformen und die genannte Trennungsregel kennen und beherrschen. Alles andere w\u00e4re Aktivismus.\u201c,Journalismus ist, etwas zu ver\u00f6\ufb00entlichen, von dem andere nicht wollen, dass es ver\u00f6\ufb00entlicht wird. Alles andere ist Werbung.\u2018Widerspenstig aber sollte guter und professioneller Journalismus aus Sicht von Gabriele Hoo\ufb00acker durchaus sein: \u201eDazu gibt es ein sch\u00f6nes Zitat, das meist George Orwell zugeschrieben wird, aber wohl nicht von ihm stammt: ,Journalismus ist, etwas zu ver\u00f6\ufb00entlichen, von dem andere nicht wollen, dass es ver\u00f6\ufb00entlicht wird. Alles andere ist Werbung.\u2018 Das beschreibt die f\u00fcr guten Journalismus erforderliche Renitenz ganz gut, denke ich.\u201cIn ihrem Buch \u201eMissbrauch, Macht &amp; Medien. Was #MeToo in Deutschland ver\u00e4ndert hat\u201c beschreibt die \u201eSpiegel\u201c-Reporterin Juliane L\u00f6\ufb04er ihr Verh\u00e4ltnis zu Neutralit\u00e4t im Journalismus so: \u201eEs gibt die Pflicht, bei den Fakten zu bleiben und sich an die Regeln zu halten, aber nicht die, keine Haltung zu haben. Es gibt die Pflicht, alle Seiten anzuh\u00f6ren und verschiedene Perspektiven zu verstehen, aber keine Pflicht, mit allen Perspektiven zu sympathisieren.\u201cAnfang 2025 warnte der \u201eVolksverpetzer\u201c in einem Posting auf BlueSky vor einem falschen Umgang mit der Forderung nach Neutralit\u00e4t im Journalismus: \u201eEine ,Vierte Gewalt\u2018, die M\u00e4chtige nicht mehr zur Rechenschaft ziehen will, ist brandgef\u00e4hrlich.\u201c Nicht wenige Journalist:innen w\u00fcrden sagen, \u201esie m\u00fcssten ,neutral\u2018 sein und ,beide Seiten\u2018 gleicherma\u00dfen pr\u00e4sentieren\u201c. Die Information dar\u00fcber, wer l\u00fcge und wer die Wahrheit sage, falle dar\u00fcber zu oft weg.Volksverpetzer wirbt f\u00fcr \u201eBerichte mit Haltung\u201c\u201eLebe stets so, dass Demokratiefeinde etwas dagegen haben\u201c, gibt der Gr\u00fcnder des Volksverpetzers, Thomas Laschyk, in seinem 2024 erschienenen Buch \u201eWerbung f\u00fcr die Wahrheit\u201c als Motto aus. In einem Kapitel schreibt Laschyk unter der \u00dcberschrift \u201eWarum klassischer Journalismus versagt\u201c, die strikte Trennung zwischen Meinung und Bericht sei durchaus sinnvoll. \u201eMeinungen m\u00fcssen sich trotzdem an die Fakten halten. Umgekehrt brauchen auch ,neutrale\u2018 Berichte eine ,Haltung\u2018. Ein Journalist soll sich nicht stupide unkommentiert die Aussagen verschiedener Personen aufz\u00e4hlen und dann den Leser selbst herauspicken lassen, welche ihm mehr gefallen, wenn es um Fakten und Wissenschaft geht.\u201cNeutralit\u00e4t wird immer wieder als Qualit\u00e4tskriterium gehandelt, als eine der zentralen Normen im Journalismus. Aber kann es sie \u00fcberhaupt geben?2021 \u00e4u\u00dferte sich die \u201etaz\u201c-Wirtschaftsredakteurin Ulrike Herrmann in einem Kommentar f\u00fcr ihre Zeitung \u00fcberrascht, dass \u00fcber ihre jahrzehntelange Mitgliedschaft bei den Gr\u00fcnen diskutiert werde: \u201eJetzt wird pl\u00f6tzlich zum Thema, dass ich nicht ,neutral\u2018 sein k\u00f6nnte.\u201c Sie sei blo\u00df \u201eeine Karteileiche\u201c bei den Gr\u00fcnen, ihre Rolle als Journalistin aber verstehe sie so: \u201eDie Leser:innen sollen wissen, dass ich nicht neutral bin. Denn Neutralit\u00e4t gibt es nicht. Wenn eine objektive Wahrheit existieren w\u00fcrde, w\u00e4ren Kommentare und Meinungsartikel genauso sinnlos wie verschiedene Zeitungen, die auf unterschiedliche Lesergruppen zielen.\u201c Abgesehen davon sei es schlicht falsch, dass Parteimitglieder brav ihrer Spitze folgen w\u00fcrden: \u201eDie gr\u00fcne Basis ist notorisch selbstbewusst, aber auch in anderen Parteien geht es hoch her.\u201cJournalistikprofessor Schultz: Neutral ist unm\u00f6glichDer Mainzer Journalistikprofessor Tanjev Schultz sagte 2024 in einem Interview mit dem Onlinemagazin \u201e\u00dcbermedien\u201c: \u00bbNeutral w\u00fcrde bedeuten, die Welt so abzubilden, wie sie ist. Das ist schon deshalb unm\u00f6glich, weil Journalismus ausw\u00e4hlt. Was ist wert, berichtet zu werden? Hinter jeder Auswahl verbergen sich Wertentscheidungen.\u201cNeutralit\u00e4t zu fordern, k\u00f6nne zudem bedeuten, dass s\u00e4mtliche Positionen zu einem Thema ohne Wertung und Gewichtung wiedergegeben werden, zum Beispiel Positionen der AfD so wie die aller anderen Parteien. \u201eDie Aufgabe von Journalismus sollte es aber sein, auch zu pr\u00fcfen, ob etwas stimmt oder nicht, ob behauptete Fakten zutre\ufb00en und welche E\ufb00ekte politisches Handeln hat. Journalismus ist nicht nur ein Mikrofon, das andere benutzen. Deshalb w\u00e4re es auch verfehlt, ,Ausgewogenheit\u2018 in dem Sinne zu verlangen, dass alle gleich viel Zeit, Platz, Kritik und Lob bekommen.\u201cMuss man einer Partei, die die freie Presse und den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk bek\u00e4mpft, also viel Platz einr\u00e4umen? Oder muss man ihren Positionen nicht wom\u00f6glich auch in den Medien Paroli bieten und ihr den Platz verweigern?Journalist Kraske kritisiert vorauseilendem Gehorsam gegen\u00fcber der AfDDer Leipziger Journalist Michael Kraske sagt: \u201eDer Journalismus in einer liberalen Demokratie ist gegen\u00fcber den Feinden der Demokratie und dem Rechtsextremismus nicht neutral, und der darf das gar nicht sein.\u201c Kraske kritisiert nicht nur den aus seiner Sicht gescheiterten Versuch der \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender, AfD-Spitzenpolitiker:innen auf \u201eMeinungsb\u00fchnen\u201c \u2013 so nennt er die Talkshows \u2013 zu entlarven. Auch viele Regionalzeitungen, gerade in den Hochburgen der AfD, scheuten sich, die Partei hart anzupacken: Sie habe es gescha\ufb00t, \u201emit dem Kampfbegri\ufb00 ,Neutralit\u00e4t\u2018 und dem Ruf nach Fairness eine Art vorauseilenden Gehorsam bei den Medien zu erzeugen\u201c. Michael Kraske beklagt, dass zugleich \u201edie Berichterstattung \u00fcber den demokratischen, kreativen und vielf\u00e4ltigen Osten, den es selbst in rechten Hotspots gibt\u201c, dramatisch zu kurz komme.Rechtsstreit um \u201eKontext\u201c-Recherche zu AfD-MitarbeiterWie sehr gerade in der Auseinandersetzung mit Rechtsradikalen Renitenz und Mut im Journalismus gefragt sind, zeigt aktuell eine Auseinandersetzung im S\u00fcdwesten der Republik. Es geht um die Wochenzeitung \u201eKontext\u201c, die 2011 in Stuttgart auf den Markt ging, als Onlinezeitung, aber auch als gedruckte Beilage der \u201etaz\u201c-Wochenendausgabe. Sie liegt seit Jahren im Rechtsstreit um die privaten Facebookchats eines Mitarbeiters von zwei AfD-Abgeordneten im baden-w\u00fcrttembergischen Landtag.Der \u201eKontext\u201c-Redakteurin Anna Hunger war Anfang 2018 ein USB-Stick mit einer Datei zugespielt worden, 136 Chatverl\u00e4ufe, ausgedruckt mehr als 17.000 DIN-A4-Seiten. \u201eEklig\u201c empfand Hunger die Inhalte, enthalten sind nach ihren Angaben \u201eB\u00fcrgerkriegsfantasien, Menschenfeindlichkeit, rassistisches Zeug\u201c. Anna Hunger berichtete in \u201eKontext\u201c erstmals im Mai 2018 unter der \u00dcberschrift \u201e\u201aSieg Heil\u2018 mit Smiley\u201c \u00fcber die Chats, an denen AfD-Funktion\u00e4re, NPD-Mitglieder und Burschenschafter beteiligt waren. Sie nannte auch den Namen des AfD-Mitarbeiters. Der ging juristisch dagegen vor, zun\u00e4chst mit einer Abmahnung. Die Chatprotokolle, so behauptete er, seien gef\u00e4lscht. Ziel des AfD-Mannes: die Namensnennung und seine Verortung im Rechtsextremismus sei zu unterlassen.Im Eilverfahren verliert \u201eKontext\u201c vor dem Landgericht MannheimIn zweiter Instanz gewinnt die Zeitung vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe. 2022 rollt das Landgericht Frankfurt am Main das Hauptsacheverfahren breit auf. Nun gewinnt \u201eKontext\u201c wieder \u2013 das Gericht geht von der Authentizit\u00e4t der Protokolle aus. Doch wiederum geht der AfD-Mann in die Revision.Der vorl\u00e4ufige Ausgang ist ein harter Schlag f\u00fcr die Wochenzeitung \u2013 und die Pressefreiheit: Im M\u00e4rz 2025 urteilt das Oberlandesgericht Frankfurt am Main, Anna Hungers Aussagen zur Quelle seien \u201enicht ausreichend, um die Zuverl\u00e4ssigkeit der Quelle beurteilen zu k\u00f6nnen\u201c. \u201eKontext\u00ab k\u00f6nne nicht belegen, dass die Chatprotokolle nicht manipuliert wurden \u2013 die .xhtml-Datei sei als nicht signiertes, privates elektronisches Dokument nicht f\u00e4lschungssicher. Die Zeitung wird zur Unterlassung verurteilt. Revision wird nicht zugelassen. Das Gericht erh\u00f6ht den Streitwert auf 480.000 Euro.Rechtsstreit, \u201eder die Grundlagen f\u00fcr investigativen Journalismus infrage stellt\u201cEin Rechtsstreit, \u201eder die Grundlagen f\u00fcr investigativen Journalismus infrage stellt\u201c, bef\u00fcrchtet die \u201etaz\u201c, der \u201eKontext\u201c an jedem Wochenende beiliegt. Ein Rechtsstreit, der die Existenz des Alternativmediums \u201eKontext\u201c bedroht. Alexander Roth, der als Investigativjournalist regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber rechte Umtriebe berichtet, nennt das Urteil des OLG Frankfurt in der \u201eWaiblinger Kreiszeitung\u201c einen \u201eSkandal\u201c. Roth schreibt: \u201eJournalismus ist, wenn man so will, die Taschenlampe, die jene Ecken der Realit\u00e4t ausleuchtet, die sonst im Dunkeln geblieben w\u00e4ren. Das ist seine Kernaufgabe. Die ,Kontext\u2018-Wochenzeitung kommt dieser Aufgabe seit Jahren wie kaum ein anderes Medium in der Region Stuttgart nach.\u201cDeren Gr\u00fcnder Josef-Otto Freudenreich dankte der \u201eUndercoverlegende\u201c G\u00fcnter Wallra\ufb00, dem Reporter, der in den 1970er-Jahren Furore machte, als er sich unter falschem Namen bei \u201eBild\u201c einschmuggelte und deren Methoden so an die \u00d6\ufb00entlichkeit brachte. Wallra\ufb00 n\u00e4mlich hatte das Urteil aus Frankfurt so kommentiert: \u201eSo wird nicht der, der hetzt, sondern der, der aufdeckt, verurteilt. [\u2026] Mit solidarischen Gr\u00fc\u00dfen!\u201c\u201eEin Gericht bestraft eine Journalistin, weil sie ihre Arbeit richtig macht und ihre Quelle nicht preisgibt.\u201cDas Signal, so Alexander Roth weiter: \u201eEin Gericht bestraft eine Journalistin, weil sie ihre Arbeit richtig macht und ihre Quelle nicht preisgibt.\u201c Wenn \u201eKontext\u201c nun wie angek\u00fcndigt vor den Bundesgerichtshof ziehe, k\u00e4mpfe die gemeinn\u00fctzige Wochenzeitung \u201ef\u00fcr uns alle\u201c.Diese Geschichte bekommt hier so viel Raum, weil es nicht blo\u00df um den Einzelfall geht. Es geht ganz generell um die Bedeutung von Widerspenstigkeit und Aufm\u00fcpfigkeit im Journalismus. Zum besseren Verst\u00e4ndnis ein R\u00fcckblick auf die Gr\u00fcndung von \u201eKontext\u201c, ma\u00dfgeblich initiiert von Josef-Otto Freudenreich, dem langj\u00e4hrigen Chefreporter der \u00bbStuttgarter Zeitung\u00ab. Er gab 2011 zu seinen Motiven an: \u201eWir wollen den Filz zerschneiden.\u201c Dieser sei in nahezu sechs Jahrzehnten CDU-Landesregierung \u00fcberall gewachsen, durchziehe Politik, Wirtschaft und die Justiz Baden-W\u00fcrttembergs. Themen gab es reichlich \u2013 mit dem Widerstand gegen das Hauptbahnhof-Mammutprojekt Stuttgart 21 fing es nur an.Im Oktober 2024 starb Edzard Reuter, acht Jahre bis 1995 Vorstandsvorsitzender von Daimler-Benz. Freudenreich schrieb f\u00fcr \u201eKontext\u201c einen pers\u00f6nlichen Nachruf auf den \u201ev\u00e4terlichen Freund\u201c. Aus dem ehemaligen Konzernchef sei ein Kapitalismuskritiker geworden. Reuter war von Beginn an Beiratsvorsitzender bei \u201eKontext\u201c, er wollte ein Medium unterst\u00fctzen, das Beleg daf\u00fcr sei, \u201ewie sehr eine lebendige Demokratie von der Begleitung durch lebendigen und unabh\u00e4ngigen Journalismus abh\u00e4ngig ist\u201c. Das Engagement des Industriellen belegt, dass die Zeitung weit \u00fcber das linksalternative Milieu hinaus beachtet wurde.Welche Rolle sollte Renitenz im Journalismus spielen, Herr Freudenreich?Der Journalist:\u201eMag sein, dass das Bockige in meiner oberschw\u00e4bischen Heimat vergraben liegt. Es k\u00f6nnte aus dem Boden wachsen, in dem der Adel die widerspenstigen Bauern verscharrt, und die katholische Kirche den Segen dazu gegeben hat. Das in dieser Region erscheinende Monopolblatt nennt sich im Untertitel immer noch unabh\u00e4ngige Zeitung f\u00fcr christliche Kultur und Politik, und hatte einen Chefredakteur, der mir sagte, Juso-Positionen k\u00f6nnte ich mir in die Haare schmieren. Seine Nachfolger n\u00e4hern sich der AfD an. Mir l\u00e4sst das keine Ruhe. Als Bildungsb\u00fcrger zitiert man dann gerne Kurt Tucholsky (1890 \u2013 1935) mit dem Satz: ,Nichts erfordert mehr Mut und Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!\u2018 Das verschafft dem eigenen, heutzutage weniger folgenschweren Tun gleich mehr Glanz, auch wenn es nur die oberschw\u00e4bische Bockigkeit ist. Hochdeutsch f\u00fcr Renitenz.Zwei Beispiele k\u00f6nnte ich zur Illustrierung heranziehen: Stuttgart 21 und einen AfD-Prozess. Aus dem Milliardenloch ist ist ,Kontext\u2018 entstanden, als Gegenpart zur Konzernpresse, die dem unterirdischen Bahnhof g\u00fcldene Gloriolen gewunden hat. Unser Motto: Euch zeigen wir\u2019s. Mit den Rechtsradikalen verbindet uns ein mittlerweile siebenj\u00e4hriger Prozess, der ,Kontext\u2018 bis zu 150.000 Euro kosten kann, verf\u00fcgt vom OLG Frankfurt, das meint, wir m\u00fcssten die Seriosit\u00e4t unserer Informanten und Quellen belegen. Es geht um 17.000 Seiten Chatprotokolle, aus denen die faschistische Gesinnung eines ehemaligen Mitarbeiters von AfD-Landtagsabgeordneten auf widerlichste Weise zutage trat. ,Der gr\u00f6\u00dfte Held im Land ist der Informant\u2018, haben wir getitelt und den Gang zum BGH angek\u00fcndigt. Unser Motto: Jetzt erst recht. Wenn wir das \u201eNein\u201c Tucholskys eine Nummer kleiner nehmen, als Ermunterung f\u00fcr unseren Job, dann k\u00f6nnte es doch zum Synonym f\u00fcr allt\u00e4gliche Renitenz werden. Gegen die Einfl\u00fcsterer aus den hunderttausend Pressestellen, gegen das Valium des Mainstreams und gegen das Ja, wenn es nicht mehr als ein Amen ist. Ich bin mir sicher, dass das unseren Geschichten, unserem Publikum, unserem Seelenheil und jenem der Gesellschaft, die wir demokratisch nennen, guttun w\u00fcrde.\u201cF\u00fcnf Jahre nach Gr\u00fcndung der Wochenzeitung \u201eKontext\u201c ging 2016 im Nordosten der Republik, in Greifswald, eine Publikation an den Start, die auf den ersten Blick anders kaum sein k\u00f6nnte: das \u201eKatapult\u201c-Magazin, eine popul\u00e4rwissenschaftliche Zeitschrift, die zur Veranschaulichung fast ausschlie\u00dflich auf Infografiken und Karten setzte. Das Konzept des viertelj\u00e4hrlich erscheinenden Magazins: sozialwissenschaftliche Erkenntnisse auf kreative Weise einer breiten \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich zu machen.\u201eKatapult\u201c als Alternative aus GreifswaldAuch wenn sich das ganz anders liest als die Impulse f\u00fcr die Gr\u00fcndung von \u201eKontext\u201c, so gibt es doch eine ganze Reihe Parallelen. Beide Bl\u00e4tter und ihre Macher sind sehr politisch, verstehen sich als entschieden antifaschistisch. Sie erschufen in einer von Monopolbl\u00e4ttern gepr\u00e4gten Zeitungslandschaft kritische Alternativen. Wenn Josef-Otto Freudenreich, Jahrgang 1950, sich selbst \u201ebockig\u201c nennt, dann ist Benjamin Fredrich, Jahrgang 1987, der aus Vorpommern stammende Gr\u00fcnder von \u201eKatapult\u201c, nach eigenem Bekunden h\u00e4ufig \u201ew\u00fctend\u201c.Fredrich hatte keine journalistische Ausbildung, als er \u201eKatapult\u201c auf den Markt brachte. Manches Projekt missgl\u00fcckte ihm \u2013 etwa eine Solidarit\u00e4tsaktion mit ukrainischen Journalist:innen 2022 nach Beginn des russischen Angriffskrieges. Aber wom\u00f6glich ist sowas schwer zu vermeiden, wenn einer so systematisch aneckt wie Fredrich, anecken m\u00f6chte. 2023 gab Fredrich als Reaktion auf Kritik die Posten als Chefredakteur und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer ab \u2013 die F\u00e4den h\u00e4lt er trotzdem weiter in der Hand.\u201eFredrich rastet aus\u201cSeine Geschichte und die des Magazins beschrieb er 2021 in einem Buch unter dem Titel \u201eFredrich rastet aus\u201c, erschienen im Selbstverlag. Der Autor nennt das Buch \u201eein Dokument des Widerstandes\u201c. In einem Beitrag \u00e4u\u00dfert er sein Unverst\u00e4ndnis dar\u00fcber, dass immer mehr Menschen \u2013 nicht nur in seiner Heimat \u2013 nach rechts abdriften. \u00bbRechte Cliquen gab es immer \u2013 gef\u00e4hrlich konnten sie aber nur dann werden, wenn sich wandelbare Mitl\u00e4ufer anschlossen.\u201cWenn Freudenreich den Rechtsruck der \u201eSchw\u00e4bischen Zeitung\u201c aus Ravensburg beklagt, dann tut Fredrich das ganz \u00e4hnlich beim \u201eNordkurier\u201c. Fredrich sieht in der Redaktion dieser Zeitung aus dem mecklenburgischen Neubrandenburg \u201ewaschechte Rassisten\u201c am Werk. Das Blatt verletze Pressekodex und Grundgesetz, schrieb er: \u201eDer ,Nordkurier\u2018 hetzt seine Leserschaft gegen Zuwanderer auf, bekommt menschenverachtende Leserkommentare und l\u00f6scht diese anschlie\u00dfend nicht. Warum? Weil es Reichweite bringt.\u201cdas grunds\u00e4tzliche Misstrauen gegen\u00fcber der Springer-Presse\u201eKatapult\u201c, \u201eKontext\u201c oder auch \u201eVolksverpetzer\u201c verbindet auch das grunds\u00e4tzliche Misstrauen gegen\u00fcber der Springer-Presse. Als Benjamin Fredrich 2020 mit dem Medienpreis \u201eLead Award\u201c ausgezeichnet werden sollte, lehnte er ab. Beim Googeln hatte er gelesen, dass vor ihm die Chefredakteurin der \u201eBild am Sonntag\u201c, Marion Horn, ausgezeichnet worden war. Sie habe, so die Jury, \u201eeinen neuen Ton in den Boulevard gebracht und aus der ,BamS\u2018 eine relevante, ernst zu nehmende Zeitung gemacht\u201c. Dazu die Finanziers, Gro\u00dfverlage, Porsche. \u201eSuche Steigerung von ,schei\u00dfe\u2018\u201c, schreibt Fredrich in seinem Buch. \u201eFinde keine. Gro\u00dfverlage geben sich selbst Preise. Leute, ihr seid schei\u00dfe.\u201c Der \u201eLead Award\u201c ist seither nie mehr vergeben worden.Missgunst in der Branche bleibt Fredrich nach solchen Aktionen nicht erspart. Ende 2024 ver\u00f6ffentlicht der \u00bbSpiegel\u00ab ein Portr\u00e4t \u00fcber Benjamin Fredrich. Der Titel im gedruckten Magazin: \u201eEwig Anf\u00e4nger\u201c. In der Onlineversion: \u201eEinmal Hochmut \u2013 und zur\u00fcck\u201c. Zu Fredrichs Kritik an \u201eBild am Sonntag\u201c und \u201eNordkurier\u201c schreibt der \u201eSpiegel\u201c: \u201eIn diversen Beitr\u00e4gen drischt er auf andere Medien ein.\u201cWiderst\u00e4ndig und w\u00fctend \u2013 ist das nicht unseri\u00f6s?Renitent \u2013 auch wenn juristische Auseinandersetzungen f\u00fcr ein kleines Medium existenzbedrohend sein k\u00f6nnen? Widerst\u00e4ndig und w\u00fctend \u2013 ist das nicht unseri\u00f6s? Dies sind Fragen f\u00fcr eine ganze Branche. Sie werden auch in der Redaktion von Correctiv diskutiert, jenes Mediums, das mit der Recherche zum Tre\ufb00en von Rechtsradikalen und ihren Sympathisanten im November 2023 in der Villa Adlon am Lehnitzsee in Potsdam die massivsten Proteste gegen Rechtsextremismus in der Geschichte der Bundesrepublik ausgel\u00f6st und die Debatte um ein AfD-Verbot befeuert hat.Auf rechten Portalen und in rechtsradikalen Medien wurde die Correctiv-Recherche unisono als \u201eFake-News-Geschichte\u201c denunziert. Unmittelbar nach der Bundestagswahl im Februar 2025 stellte die CDU\/CSU-Bundestagsfraktion dann eine Kleine Anfrage mit 551 Fragen an die Bundesregierung zur \u201epolitischen Neutralit\u00e4t staatlich gef\u00f6rderter Organisationen\u201c, von Greenpeace \u00fcber Campact bis zu den \u201eOmas gegen Rechts\u201c und auch Correctiv. Viele der dort ins Visier genommenen Organisationen sahen darin eine \u201eMisstrauenskampagne gegen die demokratische Zivilgesellschaft\u201c.Correctiv: Wir machen keine KampagnenDennoch stellte Correctiv nur zwei Tage nach der Ver\u00f6\ufb00entlichung der Kleinen Anfrage \u2013 und Wochen vor der eigentlich zust\u00e4ndigen Bundesregierung \u2013 eigene Antworten auf die das Medium betre\ufb00enden 34 Fragen ins Netz. Sie sollen jeden Verdacht ausr\u00e4umen, Correctiv k\u00f6nnte wom\u00f6glich parteiisch sein. Nicht neutral. \u201eCorrectiv wird nicht f\u00fcr Parteien aktiv\u201c, versicherte das Medium, und f\u00fchre auch nicht gegen bestimmte Parteien oder Politiker Kampagnen. Correctiv habe \u201ekeine parteipolitische Tendenz\u201c, kenne \u201ekeine Stellungnahmen von nennenswerten Staatsrechtlern, die Correctiv Verst\u00f6\u00dfe gegen das Neutralit\u00e4tsgebot nachweisen\u201c, mache \u201ekeine Kampagnen\u201c, f\u00f6rdere keine einseitigen Narrative in politischen Debatten und auch keine Demonstrationen und Proteste mit ihren finanziellen Mitteln. Sondern: \u201eDie Redaktion von Correctiv berichtet \u00fcber Aktivit\u00e4ten von Parteien und legt ggf. verfassungsfeindliche Tendenzen in Parteien o\ufb00en, um B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger dar\u00fcber zu informieren und ihre politische Meinungsbildung zu unterst\u00fctzen.\u201cNichts anderes sei im \u00dcbrigen bei dem kurz vor der Bundestagswahl erschienenen Beitrag \u201eDie Rechtstreiber der CDU\u201c geschehen, demzufolge einige Wirtschaftslobbyisten und Denkfabriken aktiv die Brandmauer untergraben und dabei als n\u00e4chsten m\u00f6glichen Tabubruch eine von der AfD tolerierte Minderheitsregierung anstreben.Warum war es Correctiv so wichtig, sich gegen diese Vorw\u00fcrfe zu verteidigen?Warum war es Correctiv so wichtig, sich gegen diese Vorw\u00fcrfe zu verteidigen, die eigene \u201eNeutralit\u00e4t\u201c herauszustellen? Der Aktionsk\u00fcnstler und Autor Jean Peters, der sich im November 2023 in die Villa Adlon einschmuggelte und die Correctiv-Recherche \u00fcber Potsdam leitete, sagt im Gespr\u00e4ch f\u00fcr dieses Buch: \u201eDie ideologischen Positionen sind extrem divers bei uns. Sie reichen von machtkritisch-anarchistischen bis hin zu machtorientiert-konservativen Positionen.\u201c Es gebe in seiner Redaktion ein \u201eFremdeln mit dem Wort ,Alternativmedium\u2018\u201c, sagt Peters. \u201eDie Sehnsucht, b\u00fcrgerlich anerkannt zu werden, gibt es auch bei uns, das w\u00fcrde ich als Ursache sehen.\u201cWichtig ist Peters aber, dass sein Medium auch in Zukunft widerst\u00e4ndig bleibt: \u201eOhne Renitenz keine kritische Position, vor allem dann nicht, wenn die Subjekte der Berichterstattung alles tun, damit man ihren Darstellungen folgt. Renitenz ist die Grundvoraussetzung, um im Journalismus gute Arbeit zu leisten.\u201c Der Schl\u00fcssel sei, Autorit\u00e4ten aufgrund ihrer Positionen nie ganz ernst zu nehmen, sondern nur fachliche Autorit\u00e4t anzuerkennen. Sonst lasse man sich zu schnell davon schmeicheln, wenn man zum Gespr\u00e4ch mit wichtigen Leuten eingeladen werde.Das sieht er bei Correctiv trotz unterschiedlicher Positionen in der Redaktion gewahrt: \u201eAls investigatives Medium sind wir einzelnen Beh\u00f6rden und Ministerien meist sehr unangenehm, weil wir st\u00e4ndig nachbohren. Ich kenne andere Medien, die einen Kuschelkurs fahren, um an Informationen heranzukommen. Man riecht bei manchen Geschichten f\u00f6rmlich, dass die Autoren den Geheimdiensten auf dem Scho\u00df sa\u00dfen.\u201c Er halte nichts von Journalisten, sagt Peters, \u201edie st\u00e4ndig auf Dinnern mit M\u00e4chtigen und Reichen rumh\u00e4ngen. Die bei Empf\u00e4ngen und Hintergrundgespr\u00e4chen mit Geheimdiensten sind, ohne das transparent zu machen, ohne es kritisch zu reflektieren, ohne kritisch dar\u00fcber zu schreiben.\u201c Das sei kein Journalismus, das sei der erste Schritt zur Korruption.\u201eWarum\u201c, so fragt er sich, \u201esind die Warnungen \u2013 gerade an die CDU \u2013 so verhallt?\u201cSolche Entwicklungen erkl\u00e4rt der Journalist sich auch mit \u201edem Echo der Diffamierungskampagnen des Kalten Krieges\u201c: War die Presse zu kritisch, habe es gehei\u00dfen \u201ealles nur Kommunisten\u201c oder \u201ekein echter Journalismus\u201c. Und heute hei\u00dfe es: \u201eAntifa\u201c. Oder: \u201eAktivist\u201c. Und doch ist nach der Einsch\u00e4tzung von Jean Peters fr\u00fcher eine offen kritische Haltung zur Macht normaler und angesehener gewesen. \u201eDas fehlt mir.\u201cAls Anfang 2025 nach dem Fall der Brandmauer erneut viele Menschen bei Protesten auf die Stra\u00dfe gingen, um zu protestieren, erinnerte sich Jean Peters an ein wichtiges Ergebnis der Potsdam-Recherche von Correctiv: dass Teile der b\u00fcrgerlichen Mitte ungeniert gemeinsame Sache machen mit Rechtsextremisten. Peters ist ern\u00fcchtert. \u201eWarum\u201c, so fragt er sich, \u201esind die Warnungen \u2013 gerade an die CDU \u2013 so verhallt?\u201cFazit: Die Macht der Presse hat Grenzen. Und dennoch ist und bleibt Widerstand gerade in den Medien ein Lebenselixier. Wenn er fehlt, braucht man sie nicht mehr.Der Text ist ein Auszug aus dem Buch \u201eMut zum Unmut \u2013 eine Anleitung zur politischen Widerspenstigkeit\u201c von Matthias Meisner und Paul Starzmann, das am 15. September im Verlag J.H.W. Dietz Nachf. Bonn erscheint. Informationen zum Titel hier. Zwischen\u00fcberschriften erg\u00e4nzt durch die Redaktion. Artikelbild: Meisner Matthias (c): Jutta Benzenberg, Starzmann Paul (c): Nilg\u00fcn \u00c7akan.Passend dazu:Zur Quelle wechseln"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Medien m\u00fcssen nicht neutral sein\u00a0\u2013 Wir brauchen Widerstand im Journalismus","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/medien-muessen-nicht-neutral-sein-wir-brauchen-widerstand-im-journalismus\/#breadcrumbitem"}]}]