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Medienberichte über Besucheransturm im Harz und Allgäu: Nein, Leser werden nicht mit einem falschen Foto „verschaukelt“

Author: Uschi Jonas

Ein Foto zeigt am Straßenrand parkende Autos, im Hintergrund verschneite Bäume. Screenshots dieses in Medienberichten verwendeten Fotos kursieren auf Facebook und Whatsapp. Die Allgäuer Zeitung verwendete das Bild demnach Anfang Januar für einen Online-Artikel über einen Ansturm auf Skigebiete im Allgäu. Die Bild-Zeitung verwendete dasselbe Foto für einen Online-Artikel über großen Besucherandrang im Harz. 

Zu den nebeneinander gestellten Screenshots der Artikel heißt es in Sozialen Netzwerken: Aha, im Allgäu und im Harz stehen die gleichen Autos rum…..mannmannmann… was werden wir verschaukelt. Es wird suggeriert, es habe zumindest an einem der beiden Orte keinen Besucheransturm gegeben, oder die Berichterstattung sei manipuliert. Doch dieser Behauptung fehlt Kontext. Es gab in beiden Regionen Anfang Januar viele Besucher und Medienberichte darüber. Das Foto stammt tatsächlich aus dem Harz, wie auch in beiden Zeitungsartikeln ersichtlich wird.

Der auf Facebook und Whatsapp verbreitete Beitrag (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)
Der auf Facebook und Whatsapp verbreitete Beitrag (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Anfang Januar berichteten Medien deutschlandweit über Spaziergänger, Rodler und andere Ausflügler in den verschneiten Regionen. Im Artikel der Bild-Zeitung vom 2. Januar, in dem das Foto aus den Screenshots zu finden ist, wird von überfüllten Skigebieten im Harz, im Sauerland, dem Taunus und dem Hunsrück berichtet. In der Bildunterschrift des besagten Fotos heißt es: Autos wohin das Auge reicht: Chaotische Verkehrsverhältnisse bereits in den frühen Morgenstunden. Foto: dpa. In dem zum Bild-Artikel gehörigen Facebook-Beitrag lautet die Überschrift: Ansturm auf Skigebiet im Harz: ‘Wir haben hier Chaos, es bricht alles zusammen’.

Auch im Artikel der Allgäuer Zeitung vom 3. Januar wird vom Andrang in mehreren Bergregionen berichtet. In der Bildunterschrift des Fotos steht: Fahrzeuge stehen auf Behelfsparkplätzen an der Bundesstraße 242 zwischen Braunlage und Torfhaus im Harz. An Vernunft und Vorsicht zu appellieren, hat bei etlichen Menschen nichts genützt: Deutsche Bergregionen erlebten am Wochenende einen Ansturm von Ausflüglern. Bild: Swen Pförtner, dpa.

Das Foto stammt von der DPA und wurde im Harz aufgenommen

Das Originalfoto in der Bilddatenbank der DPA (Quelle: Picture Alliance / Screenshot und Markierung: CORRECTIV.Faktencheck)
Das Originalfoto in der Bilddatenbank der DPA (Quelle: Picture Alliance / Screenshot und Markierung: CORRECTIV.Faktencheck)

Wir finden das Foto in der Bilddatenbank der DPA. In der Beschreibung steht: Fahrzeuge stehen auf Behelfsparkplätzen an der Bundesstraße 242 zwischen Braunlage und Torfhaus im Harz“. Das Foto stammt folglich aus dem Harz. Das vermerkte die Allgäuer Zeitung korrekt im Artikel. In dem Facebook-Beitrag der Allgäuer Zeitung war dies jedoch nicht zu erkennen. Die Bild-Zeitung hingegen schrieb das im Artikel zwar nicht explizit in der Bildunterschrift, verwendete das Foto allerdings im Absatz Massenandrang im Harz.

Dafür, dass es tatsächlich auch im Allgäu Anfang Januar zahlreiche Besucher in den Ski-Regionen gab, gibt es ebenfalls Belege. Darüber berichteten neben der Allgäuer Zeitung beispielsweise der Merkur oder die Augsburger Allgemeine.

Die Allgäuer Zeitung stellte nachträglich auch auf Facebook richtig, dass das Foto aus dem Harz stammt

Zu dem Facebook-Beitrag, in dem die Allgäuer Zeitung das Foto in Bezug zum Ansturm auf das Allgäu gesetzt hatte, äußerte sich die Zeitung am 13. Januar in einer Stellungnahme. Darin heißt es: Das Posting zeigte […] die Überschrift des Artikels, das zugehörige Foto aus dem Harz, und den Teaser der Redaktion, der auf die ähnliche Situation gerade im Allgäu hinwies. […] Dass das Bild den Harz zeigt, um den es im verlinkten Artikel unter anderem ging, stand im Facebook-Teaser selbst nicht explizit drin schlecht für den flüchtigen Nutzer, der den Artikel selbst nicht liest. 

Und weiter: Wir in der Redaktion haben aus dem Vorfall zwei Konsequenzen gezogen: Wir wollen künftig noch genauer darauf achten, möglicherweise missverständliche Formulierungen oder Text-/Bild-Kombinationen in Social Media zu vermeiden. Und den Facebook-Beitrag vom 3. Januar haben wir ergänzt. Damit auch für flüchtige Leserinnen und Leser ganz sicher kein Missverständnis mehr möglich ist. 

Im Text des Facebook-Beitrags steht inzwischen: „Auch im Allgäu waren tausende Menschen auf den Langlauf-Loipen und Rodelpisten unterwegs. (Transparenzhinweis 11.01., weil hier Bild-/Text-Kombination zu Missverständnissen führten: Das Bild zeigt die Situation im Harz, um die es im verlinkten Artikel geht. Die Redaktion)“.

Der inzwischen aktualisierte Facebook-Beitrag der Allgäuer Zeitung vom 3. Januar (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)
Der inzwischen aktualisierte Facebook-Beitrag der Allgäuer Zeitung vom 3. Januar (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Fazit

Anders als es in dem Facebook-Beitrag mit der Gegenüberstellung der Schlagzeilen suggeriert wurde, gab es sowohl einen Besucheransturm auf verschneite Regionen im Harz als auch im Allgäu. Das gezeigte Foto stammt aus dem Harz, wie zwar nicht im Facebook-Beitrag der Allgäuer Zeitung ersichtlich war, jedoch korrekt im Artikel beschrieben wurde. 

Redigatur: Steffen Kutzner, Sarah Thust

Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:

  • Der Artikel der BILD-Zeitung vom 2. Januar 2021: Link
  • Der Artikel der Allgäuer Zeitung vom 3. Januar 2021: Link
  • Der inzwischen aktualisierte, Facebook-Beitrag der Allgäuer Zeitung: Link
Auch ein interessanter Artikel:  Nein, FFP2-Masken sind nicht „potentiell tödlich“

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