[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/migration-ueber-diese-herausforderungen-sollten-wir-wirklich-sprechen\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/migration-ueber-diese-herausforderungen-sollten-wir-wirklich-sprechen\/","headline":"Migration: \u00dcber diese Herausforderungen sollten wir wirklich sprechen","name":"Migration: \u00dcber diese Herausforderungen sollten wir wirklich sprechen","description":"Geht es um Migration, sind die Debatten oft hitzig und die Themen meist vorprogrammiert. Rechte, die vorgeben, \u00fcber \u201everschwiegene Probleme\u201c von Migration zu reden, machen durch Rassismus und Desinformation die Debatte um diese Probleme unm\u00f6glich. 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Rechte, die vorgeben, \u00fcber \u201everschwiegene Probleme\u201c von Migration zu reden, machen durch Rassismus und Desinformation die Debatte um diese Probleme unm\u00f6glich. Die Folge: Wir vernachl\u00e4ssigen oder vergessen Herausforderungen im Zusammenhang mit Migration und Integration, die es eigentlich anzupacken gilt.Allj\u00e4hrlich besch\u00e4ftigen wir uns umfassend mit Debatten \u00fcber die Polizeiliche Kriminalstatistik, in denen h\u00e4ufig Fehlannahmen und manchmal latenter oder offener Rassismus dominieren. Seit Friedrich Merz\u2019 rassistischer Stadtbild-Aussage letztes Jahr diskutierten wir auch dar\u00fcber. Es ist wichtig, \u00fcber diese Themen zu sprechen und die vielen Fake News in diesen Bereichen aufzudecken, keine Frage. Doch darum soll es heute nicht gehen.\u00a0Denn wenn wir den Rechten das Agenda-Setting \u00fcberlassen, laufen wir Gefahr, dass wichtige soziale Missst\u00e4nde ignoriert werden, unter denen sowohl Ausl\u00e4nder:innen als auch Deutsche leiden. Konkret geht es heute um sechs Brennpunkte \u2013 bei einigen werden wir merken, dass Zuwanderung oft bestehende soziale Engp\u00e4sse sichtbarer macht, ohne urs\u00e4chlich f\u00fcr sie zu sein. Schauen wir auf die Details.\u00a0Brennpunkt 1: WohnungsmarktDer erste Brennpunkt beleuchtet das Recht auf Wohnen \u2013 ein Menschenrecht. Doch der Wohnungsmarkt in Deutschland ist vor allem in Ballungsr\u00e4umen stark angespannt. Das ist kein neues Ph\u00e4nomen, sondern sp\u00e4testens seit den 2010er Jahren sp\u00fcrbar. Probleme beim Finden einer Wohnung betreffen sowohl Deutsche als auch Zugewanderte. Letztere k\u00e4mpfen aber zus\u00e4tzlich mit struktureller Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt \u2013 ein Ph\u00e4nomen, das schon mehrfach belegt wurde.Im Hinblick auf Fluchtmigration in Deutschland zeichnet sich schon l\u00e4nger eine Entsch\u00e4rfung der angespannten Unterbringungslage in den Kommunen ab. Die \u00fcberwiegende Mehrheit der von Forscher:innen befragten Kommunen sch\u00e4tzt die Unterbringung Gefl\u00fcchteter als \u201eherausfordernd, aber machbar\u201c ein. Seit Jahren machen Forscher:innen jedoch auf das Ph\u00e4nomen der sogenannten \u201eAuszugskrise\u201c aufmerksam. Viele Gefl\u00fcchtete in Gemeinschaftsunterk\u00fcnften verweilen dort seit vielen Jahren, obwohl sie l\u00e4ngst ausziehen d\u00fcrften (auch wenn also die sogenannte Residenzpflicht f\u00fcr Asylbewerber:innen nicht mehr greift) \u2013 einfach aus dem Grund, weil sie keine Wohnungen finden. Diese Pl\u00e4tze in den Gemeinschaftsunterk\u00fcnften sind dann lange belegt und werden so nicht frei f\u00fcr Neuank\u00f6mmlinge, was zu den Unterbringungsengp\u00e4ssen der Kommunen beitr\u00e4gt.\u00a0Die Gr\u00fcnde, warum Gefl\u00fcchtete nur schwer eine eigene Wohnung finden, k\u00f6nnen vielf\u00e4ltig sein. Allgemeine Wohnungsnot, die Bevorzugung von Menschen mit h\u00f6herem Einkommen sowie strukturelle Diskriminierung und Rassismus auf dem Wohnungsmarkt geh\u00f6ren dazu.Mehr sozialer Wohnungsbau w\u00fcrde also allen helfen: Kommunen, die wieder mehr Pl\u00e4tze in Gemeinschaftsunterk\u00fcnften zur Verf\u00fcgung haben, Zugewanderten, die in ihrer eigenen Wohnung leben k\u00f6nnen (was \u00fcbrigens auch Voraussetzung f\u00fcr einige Aufenthaltstitel ist), und Deutschen, die sich zuvor keine Wohnung leisten konnten.\u00a0Brennpunkt 2: SchulenWir bleiben bei sozialen Engp\u00e4ssen und blicken direkt auf das zweite Brennpunktthema: Schulen. In oben genannter Expertise f\u00fcr den Mediendienst Integration schreiben die Forscher:\u201c[\u2026] Schulen stehen seit l\u00e4ngerem aus verschiedensten Gr\u00fcnden strukturell unter Druck. Sie haben \u2013 \u00e4hnlich wie Kindertagesst\u00e4tten, Beratungsstellen, Jobcenter und Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden \u2013 zus\u00e4tzlich mit anderen Formen von Migration zu tun: Die Zahlen der zuwandernden Fachkr\u00e4fte steigen und auch der Zuzug von EU-B\u00fcrger:innen bleibt relevant.\u201dSchulen sind also f\u00fcr die Bildungsintegration verschiedener Gruppen Zugewanderter in Deutschland zust\u00e4ndig. Wenngleich die Arbeitsmigration nach Deutschland in den letzten Jahren gesunken ist, bleibt die Herausforderung hoch.\u00a0Die \u201eMigrationswende\u201c geht nach hinten losDer Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Integration und Migration macht darauf aufmerksam, dass \u201cvor allem Kinder aus bildungs- und \u00f6konomisch benachteiligten Familien, mit einer anderen Familiensprache als Deutsch, und insbesondere Gefl\u00fcchtete [\u2026] in ihrer Kompetenzentwicklung deutlich hinter der ihrer Gleichaltrigen zur\u00fcck [liegen].\u201d Gr\u00f6\u00dfere Klassen- und Leistungsunterschiede zwischen den Kindern, die es zu schlie\u00dfen gilt, sind zentrale Herausforderungen f\u00fcr die Schulen in Deutschland. F\u00fcr gefl\u00fcchtete Jugendliche haben vor allem ein unsicherer Aufenthaltsstatus und lange Wartezeiten vor dem Schulbeginn negativen Einfluss auf ihre Sprachkenntnisse, aber auch von deutschen Kindern separierte Vorbereitungsklassen haben laut einer Studie einen leicht negativen Einfluss.Apropos Studie: wenn du Lust auf leicht zug\u00e4ngliche Wissenssnacks in den Bereichen Forschung, Medien und Desinformation hast, dann schau dich doch mal auf unserer frisch gelaunchten Plattform Pr\u00fcfpunkt um:Studie: Sprachkenntnisse von gefl\u00fcchteten Jugendlichen verbessert durch Bleiberecht und schnelle IntegrationVerschiedene Stellschrauben: Personal, gemeinsamer Unterricht\u00a0Wie kann den beschriebenen Herausforderungen an Schulen begegnet werden? Es gibt verschiedene Stellschrauben, an denen oft auch schon gedreht wird. Viele Lehrkr\u00e4fte sagen selbst, einen hohen Fortbildungsbedarf in Bezug auf die hohe Diversit\u00e4t unter ihren Sch\u00fcler:innen zu haben. Systematische Fortbildungsangebote sollten vorangetrieben und von Anfang an auch in der Ausbildung mitgedacht werden. Gleichzeitig herrscht auch im Lehrerberuf ein deutlicher Fachkr\u00e4ftemangel.\u00a0Dieser k\u00f6nnte durch gezielte Arbeitsmarktintegration zugewanderter P\u00e4dagog:innen abgemildert werden. Das h\u00e4tte gleichzeitig den Vorteil, dass Menschen, die selbst Migrationserfahrung haben, das System Schule von innen heraus reformieren und modernisieren und mit ihren eigenen Erfahrungen bereichern k\u00f6nnten. Daf\u00fcr ist es aber n\u00f6tig, die teils sehr langwierigen Anerkennungsverfahren von ausl\u00e4ndischen Bildungs- und Qualifikationsabschl\u00fcssen zu vereinfachen und zu beschleunigen \u2013 ein Problem, das nicht nur im Bildungssektor zu beobachten ist.\u00a0Gleichzeitig sollten neuzugewanderte Kinder und Jugendliche besonders gef\u00f6rdert werden. Am besten w\u00e4re es, m\u00f6glichst fr\u00fch einen gemeinsamen Unterricht mit deutschen Kindern in Regelklassen zu gew\u00e4hrleisten, mit zus\u00e4tzlicher Sprachf\u00f6rderung.\u00a0Brennpunkt 3: DuldungWir gehen von der Bildungsintegration weiter zur aufenthaltsrechtlichen Integration. Ein hausgemachtes Problem, auf das bereits seit Jahren hingewiesen wird, ist der Duldungsstatus. Eine Duldung erhalten in Deutschland unter anderem abgelehnte Asylsuchende, die aber aus verschiedenen Gr\u00fcnden nicht abgeschoben werden k\u00f6nnen. Das sind vor allem fehlende Reisedokumente und viele Gr\u00fcnde mehr. Doch auch andere Drittstaatsangeh\u00f6rige, die keinen Asylantrag gestellt haben, sondern nach Ablauf ihres Visums in Deutschland geblieben sind, k\u00f6nnen Geduldete sein. Rund 180.000 Menschen leben mit einem Duldungsstatus, die meisten aus dem Irak und der T\u00fcrkei, gefolgt von Russland, Syrien und Nigeria. Rund 41 Prozent der Geduldeten leben seit mehr als f\u00fcnf Jahren in Deutschland.\u00a0Eine Duldung ist kein regul\u00e4rer Aufenthaltstitel. Im Gegensatz zu anerkannten Asylbewerber:innen k\u00f6nnen Geduldete theoretisch jederzeit abgeschoben werden, auch wenn das rechtlich und praktisch oft nicht m\u00f6glich ist, wie wir hier ausf\u00fchrlich analysiert haben:\u00a0So realit\u00e4tsfern ist die AfD: Wir k\u00f6nnen nicht mehr abschiebenMenschen mit Duldung leben in st\u00e4ndiger Angst, abgeschoben zu werden. Wie lange die Duldungsbescheinigung g\u00fcltig ist, liegt vor allem im Ermessen der zust\u00e4ndigen Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde. Die G\u00fcltigkeit ist aber in der Regel sehr kurz, zwischen einigen Wochen und einem halben Jahr. Geduldete k\u00f6nnen aber auch schon vor Ablauf der G\u00fcltigkeitsdauer abgeschoben werden. Vermehrt wird berichtet, dass Geduldete bei ihren Terminen in der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde festgenommen und anschlie\u00dfend abgeschoben werden.Neben der psychischen Belastung von sogenannten \u201eKettenduldungen\u201c, also der wiederkehrenden Verl\u00e4ngerung von Duldungen ohne Aussicht auf eine Regularisierung des Aufenthaltstitels, sind die Rechte von Geduldeten stark eingeschr\u00e4nkt. Die Reisefreiheit sowie der Familiennachzug sind f\u00fcr Geduldete unterbunden. Um arbeiten zu d\u00fcrfen, muss eine Arbeitserlaubnis beantragt werden, die oft verz\u00f6gert oder verweigert wird. Geduldete Personen aus den sogenannten \u201esicheren Herkunftsl\u00e4ndern\u201c d\u00fcrfen meist per se nicht arbeiten.\u00a0Wege aus der DuldungEs gibt M\u00f6glichkeiten, aus einem Duldungsstatus heraus einen regul\u00e4ren Aufenthaltstitel zu erhalten. Besonders nennenswert ist dabei das Chancen-Aufenthaltsrecht, eingef\u00fchrt von der Ampelkoalition. Ein solches konnte von Geduldeten, die zum Stichtag 31. Oktober 2022 f\u00fcnf Jahre oder l\u00e4nger in Deutschland lebten, gemeinsam mit ihren Angeh\u00f6rigen beantragt werden. Im Anschluss wurde eine Aufenthaltserlaubnis \u201eauf Probe\u201c f\u00fcr 18 Monate ausgestellt. Wenn sie innerhalb dieser Zeit die Voraussetzungen f\u00fcr ein dauerhaftes Bleiberecht erf\u00fcllen, wird die Aufenthaltserlaubnis im Anschluss verl\u00e4ngert. Zu den Voraussetzungen geh\u00f6ren, dass sie \u00fcberwiegend selbst f\u00fcr ihren Lebensunterhalt aufkommen k\u00f6nnen, ausreichende Deutschkenntnisse haben und ihre Identit\u00e4t gekl\u00e4rt ist.\u00a0\u00a0Diese vielversprechende M\u00f6glichkeit, einen regul\u00e4ren Aufenthaltstitel zu erhalten, ist nun ausgelaufen. Auf Wunsch der Schwarz-Roten Koalition war der letzte m\u00f6gliche Termin f\u00fcr einen Antrag auf das Chancen-Aufenthaltsrecht am 31.12.2025. Eine \u00dcbergangsregelung ist in Kraft.Da anscheinend kein politischer Wille besteht, am hausgemachten Duldungsproblem wirklich etwas zu \u00e4ndern, ist es absehbar, dass weiterhin viele Menschen in Deutschland jahrelang in rechtlicher und tats\u00e4chlicher Prekarit\u00e4t leben werden. Es gibt zwar andere Wege aus der Duldung, wie beispielsweise die Ausbildungsduldung oder die Besch\u00e4ftigungsduldung. Doch die Voraussetzungen sind teilweise sehr hoch, Antr\u00e4ge werden teils trotz \u201eVorzeige-Integrationsleistungen\u201c abgelehnt. Oft werden Ausbildungsduldungen trotz erf\u00fcllter Voraussetzungen nicht erteilt. Nur wenige Menschen halten sich derzeit im Rahmen einer Ausbildungs- oder Besch\u00e4ftigungsduldung in Deutschland auf.\u00a0Auch im n\u00e4chsten Brennpunkt geht es um die Frage, wie sehr Deutschland oft das Potenzial von Zugewanderten f\u00fcr den Arbeitsmarkt vergeudet.Brennpunkt 4: Brain WasteWusstest du, dass insbesondere zugewanderte Frauen oft in Helferberufen h\u00e4ngen bleiben, obwohl sie eine h\u00f6here Qualifikation h\u00e4tten? Einer neuen Analyse zufolge suchen fast sechs von zehn arbeitslosen, nichtdeutschen Frauen mit akademischer Ausbildung einen Job, der nicht an ihr Qualifikationsniveau anschlie\u00dft. Obwohl sie studierten, suchen sie beispielsweise eine Helfert\u00e4tigkeit. Doch warum ist das so? Die Autor:innen der Studie schreiben:\u00a0\u201cGr\u00fcnde hierf\u00fcr k\u00f6nnen sein, dass Abschl\u00fcsse nicht in Deutschland anerkannt sind, eine T\u00e4tigkeit in einem anderen als dem urspr\u00fcnglich erlernten Beruf angestrebt wird oder eine T\u00e4tigkeit im erlernten Beruf nicht mit Betreuungspflichten vereinbar ist (z. B. aufgrund fehlender Kita-Pl\u00e4tze, Ganztagsbetreuung an Schulen oder nicht flexibler Arbeitszeiten im Zielberuf). Auch l\u00e4ngere Erwerbsunterbrechungen k\u00f6nnen zu einer gef\u00fchlten oder auch tats\u00e4chlichen Entwertung der erworbenen Qualifikation f\u00fchren.\u201dGerade unter nichtdeutschen Frauen gibt es also noch sehr viel Fachkr\u00e4ftepotenzial. Ein weiteres Plus: Nichtdeutsche Frauen sind im Durchschnitt j\u00fcnger als deutsche Frauen.\u00a0Auf Fluchtmigration bezogen zeigt eine Analyse des Instituts f\u00fcr Berufs- und Arbeitsforschung (IAB) aus dem Jahr 2024, dass die Erwerbst\u00e4tigenquote von gefl\u00fcchteten M\u00e4nnern nach acht und mehr Jahren Aufenthalt h\u00f6her ist als die durchschnittliche m\u00e4nnliche Bev\u00f6lkerung in Deutschland. Diese Quote liegt bei Frauen deutlich niedriger, wie du an der gr\u00fcnen Linie sehen kannst:Gefl\u00fcchtete Frauen, die ohne Partner und ohne Kinder leben, nehmen h\u00e4ufiger am Erwerbssystem teil als Frauen mit Partner oder mit Kindern oder mit beidem. Erwerbst\u00e4tige, also Teilnehmende am Erwerbssystem, k\u00f6nnen sowohl Arbeitnehmer als auch Selbstst\u00e4ndige sein.\u00a0Arbeitsmarktintegration l\u00e4uft grunds\u00e4tzlich sehr gut, aber nicht gleich gut f\u00fcr FrauenInsgesamt l\u00e4uft die Arbeitsmarktintegration in Deutschland viel besser, als es uns vielleicht bewusst ist. Die aktuellen Besch\u00e4ftigungsquoten siehst du hier:Dennoch gibt es gerade bei der Arbeitsmarktintegration von zugewanderten Frauen viel Nachholbedarf. Wichtige Stellschrauben sind vor allem mehr Kinderbetreuungsangebote sowie eine vereinfachte Anerkennung von ausl\u00e4ndischen Abschl\u00fcssen und Qualifikationen. Von beiden Faktoren sind Frauen mehr betroffen als M\u00e4nner. Zur bitteren Realit\u00e4t geh\u00f6rt n\u00e4mlich, dass es immer noch Frauen sind, die meistens die Kinder betreuen. Zus\u00e4tzlich \u201esind Frauen in ihren Herkunftsl\u00e4ndern nicht nur seltener als M\u00e4nner erwerbst\u00e4tig, sondern bei Erwerbst\u00e4tigkeit h\u00e4ufiger in Berufen, deren Zugang in Deutschland stark reglementiert ist, etwa im Medizin- oder Erziehungssektor\u201c, wie das IAB schreibt.\u00a0Das Brain-Waste-Problem (also die Nichtanerkennung sowie das \u201eVergeuden\u201c von Qualifikationen und F\u00e4higkeiten) betrifft sowohl deutsche als auch nichtdeutsche Frauen. Auch in Deutschland betreuen mehr Frauen als M\u00e4nner die gemeinsamen Kinder \u2013 gleichzeitig sind auch f\u00fcr deutsche Familien Kita-Pl\u00e4tze knapp. Auf zugewanderte Frauen kommt jedoch zus\u00e4tzlich noch das Problem der fehlenden Anerkennung von Abschl\u00fcssen zu. W\u00e4hrend wir vor allem auch im Medizin- und Erziehungssektor \u00fcber Fachkr\u00e4ftemangel klagen, machen wir es zugewanderten Frauen oft durch strukturellen Kinderbetreuungsmangel sowie durch komplizierte B\u00fcrokratie sehr schwer, im deutschen Arbeitsmarkt Fu\u00df zu fassen.\u00a0Brennpunkt 5: Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden im NotfallmodusIn der in Brennpunkt 1 erw\u00e4hnten Befragung von Kommunen wurde auch nach weiteren Bereichen und deren eingesch\u00e4tzter Auslastung gefragt. Am st\u00e4rksten \u00fcberlastet sind demnach weiterhin die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden.Vor allem St\u00e4dte geben an, dass ihre Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden im Notfallmodus sind. Zus\u00e4tzlich zur Fluchtmigration haben diese mit anderen Formen der Migration, wie beispielsweise EU-Binnenmigration und Fachkr\u00e4ftemigration, zu tun.\u00a0Ein wichtiger Aspekt ist, dass die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden zus\u00e4tzlich \u00fcberlastet sind mit immer neuen Gesetzesreformen und Aufgaben. Die Versch\u00e4rfungswut von Asylgesetzen in den letzten zehn Jahren haben wir hier bereits ausf\u00fchrlich analysiert:Asylpolitik: Immer weiter versch\u00e4rfen, immer mehr AfD?Immer kompliziertere Rechtslage\u00a0Migrationsforscher:innen befragten 2023 f\u00fcr eine Studie 90 Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden. 92 Prozent des Personals gaben an, dass die Arbeitsbelastung in den vergangenen Jahren stark gestiegen sei. Gr\u00fcnde sind gestiegene Einwanderungszahlen, aber auch eine zunehmend komplizierte Rechtslage. Viele Mitarbeitende f\u00fchlen sich alleingelassen, Einarbeitung und Supervision w\u00fcrden an vielen Stellen fehlen. Zudem sei die Ausbildung mangelhaft.Eine \u00dcbersicht \u00fcber alle Bereiche, die in die Zust\u00e4ndigkeit der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden fallen und in denen ein Aufgabenzuwachs angegeben wurde, siehst du hier:Mehr als die H\u00e4lfte der Befragten gibt an, dass das Tempo der Neuerungen im Aufenthaltsrecht zu hoch sei. Gleichzeitig leiden auch die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden unter Fachkr\u00e4ftemangel und fehlender Attraktivit\u00e4t des Jobs.\u00a0Was kann gegen diese Vielzahl an Problemstellungen getan werden? L\u00f6sungsans\u00e4tze gibt es viele \u2013 zentral ist die Frage, wie die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden entlastet werden k\u00f6nnen. Der Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Integration und Migration schl\u00e4gt unter anderem eine st\u00e4rkere Zentralisierung bei den Zust\u00e4ndigkeiten f\u00fcr die Fachkr\u00e4fteeinwanderung vor. Wenn das Ausw\u00e4rtige Amt, die deutschen Auslandsvertretungen sowie die Bundesagentur f\u00fcr Arbeit mehr Aufgaben \u00fcbernehmen k\u00f6nnten, w\u00fcrde sich m\u00f6glicherweise weniger Stau in den Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden ergeben.\u00a0Kritik an \u201ehyperaktiver Gesetzgebung\u201c der RegierungGleichzeitig kommt es auch bei den deutschen Botschaften und Konsulaten im Ausland h\u00e4ufig zu sehr hohen Wartezeiten im Visumsprozess \u2013 das ist stark standortabh\u00e4ngig. Die Tendenz ist aber klar: Je \u00e4rmer das Land, desto l\u00e4nger ist die Wartezeit. Auch eine Aufstockung des Personals sowie eine bessere Ausbildung und Supervision k\u00f6nnten zur L\u00f6sung des Problems beitragen. Migrationsforscher Schammann weist aber darauf hin, dass es damit nicht getan ist. Ihm zufolge br\u00e4uchte es \u00c4nderungen im Verwaltungsverfahrensrecht, damit unn\u00f6tige Doppelarbeit beim \u00dcberpr\u00fcfen von Dokumenten wegfallen w\u00fcrde. Auch bestimmte Aufenthaltstitel k\u00f6nnte man l\u00e4nger g\u00fcltig sein lassen und somit den Aufwand der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden reduzieren.\u00a0Gleichzeitig sollte die Bundesregierung von \u201chyperaktiver Gesetzgebung\u201d absehen, die lediglich auf Signalwirkung setzt und weder durchdacht ist, noch Expertise aus den Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden einbezieht.Brennpunkt 6: Psychologische VersorgungKommen wir im letzten Brennpunkt zu einem Thema, das ebenfalls nicht vernachl\u00e4ssigt werden darf: die psychologische Versorgung von Gefl\u00fcchteten. Der Bundeshaushalt 2026 sieht massive K\u00fcrzungen f\u00fcr die psychische Unterst\u00fctzung von Gefl\u00fcchteten vor. Zum Hintergrund: Asylbewerber:innen haben in Deutschland per Gesetz keinen vollen Zugang zum Gesundheitswesen. Das regelt das Asylbewerberleistungsgesetz. Die Wartezeit, bis Asylbewerber:innen vollen Zugang haben, wurde in den letzten Jahren immer weiter erh\u00f6ht und liegt zurzeit bei vollen drei Jahren. In der Regel werden nur akute Krankheiten behandelt, eine psychotherapeutische Versorgung wird normalerweise nicht gew\u00e4hrt.\u00a0Genau da kommen die psychosozialen Zentren (PSZ) in Deutschland ins Spiel, die diesen staatlich geschaffenen Versorgungsengpass versuchen abzumildern. Die PSZ sind die einzigen spezialisierten Einrichtungen f\u00fcr schwer traumatisierte Gefl\u00fcchtete und versorgen j\u00e4hrlich 30.000 Klient:innen. Nur 3,1 % des Bedarfs k\u00f6nnen sie jedoch decken. Dabei sind die PSZ kein nice to have, sondern ein essentieller Bestandteil einer ganzheitlichen Gesundheitsversorgung, wie eine Referentin der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren unterstreicht:\u201eViele von uns haben erlebt, wie Klient*innen durch die Hilfe der Psychosozialen Zentren erstmals wieder Hoffnung fassen: Hoffnung darauf, dass ihre \u00dcberlebensk\u00e4mpfe gesehen werden und das Unrecht, das sie erfahren haben, als falsch anerkannt wird. F\u00fcr manche bedeutet das: endlich wieder schlafen k\u00f6nnen. F\u00fcr andere: Vertrauen in Menschen und in Institutionen. All das ist kein Luxus \u2013 es ist \u00fcberlebensnotwendig.\u201dDoch nun sollen den PSZ die Mittel massiv eingek\u00fcrzt werden2026 sollen den PSZ nur noch 7,1 Millionen Euro durch den Bund zur Verf\u00fcgung stehen (siehe Bundeshaushalt &gt; Familienministerium &gt; Sonstige Bewilligungen). N\u00f6tig w\u00e4ren aber mindestens 27 Millionen Euro an Bundesmitteln. Mit der geplanten K\u00fcrzung k\u00f6nnten nur noch 0,5 % der potenziell betroffenen Personen versorgt werden. Das w\u00e4re noch unterirdischer als die sowieso schon angespannte und wenig planbare aktuelle Versorgungslage.\u00a0Die Folgen sind absehbar:\u201eDurch die K\u00fcrzungen drohen bundesweit Aufnahmestopps und Therapieabbr\u00fcche. Die Wartelisten der verbleibenden Einrichtungen werden ins Unertr\u00e4gliche wachsen, Erkrankungen chronifizieren, Krisen werden sich zuspitzen und die Versorgungslast verschiebt sich in den akutstation\u00e4ren Bereich, also die Notaufnahmen der Kliniken.\u201dSelbst aus einer rein \u00f6konomischen Sicht sinnvollWem das Argument noch nicht ausreicht, dass durch psychosoziale Zentren das Leid von Menschen gemildert werden kann: In PSZ zu investieren hat sogar \u00f6konomische Vorteile. Durch Pr\u00e4ventionsarbeit werden in Zukunft Kranken- und Rentenversicherung entlastet und Arbeitgebern stehen produktivere Arbeitnehmer zur Verf\u00fcgung, was gut f\u00fcr die Wirtschaft ist. Forschende gehen davon aus, dass jeder Euro, der in die psychosoziale Versorgung Gefl\u00fcchteter investiert wird, 2,5 bis 3 Euro an volkswirtschaftlichem Gewinn generieren kann.\u00a0Schauen wir uns daf\u00fcr die Kosten psychischer Erkrankungen genauer an:Klar ist, dass indirekte Kosten und insbesondere intangible Kosten, also schwer monetarisierbare Kosten in Form von verminderter Lebensqualit\u00e4t bei Betroffenen, grunds\u00e4tzlich schwer messbar sind. Die 2,5 bis 3 Euro volkswirtschaftlicher Gewinn pro Euro Investition beziehen sich \u00fcbrigens nur auf die Verminderung von Produktivit\u00e4tsausf\u00e4llen. Der positive Effekt von Investitionen in die Behandlung psychischer Erkrankungen auf die Sozialversicherungen wurde da noch gar nicht ber\u00fccksichtigt. Nochmal erh\u00f6hen w\u00fcrde sich die Rendite von Investitionen in psychische Gesundheit bei Ber\u00fccksichtigung der intangiblen Kosten (s. Bericht S. 40).\u00a0Auch hier zeigt sich ein Muster, das wir bereits gesehen haben: Dass Deutschland mit Psychotherapiepl\u00e4tzen massiv unterversorgt ist, ist kein Geheimnis mehr \u2013 das betrifft sowohl Deutsche als auch Nichtdeutsche. Bei Gefl\u00fcchteten ist die Unterversorgung zus\u00e4tzlich noch staatlich gewollt und Alternativangebote bekommen immer weniger Finanzierung.Migration als \u201cBrennglas\u201d\u00a0Migrationsforscher Schammann sagte einmal in einem Interview:\u201eMigration wirkt wie ein Brennglas, unter dem Probleme, die wir als Gesellschaft ohnehin haben, noch gr\u00f6\u00dfer erscheinen. Aber Migration ist nicht urs\u00e4chlich f\u00fcr die Probleme.\u201cAuch andere Forschende verwenden den Brennglas-Vergleich. Ein paar dieser Probleme unserer Gesellschaft haben wir oben beleuchtet: Wohnungsmangel, Lehrermangel, Fachkr\u00e4ftemangel. Wir d\u00fcrfen diese Missst\u00e4nde nicht \u201ckleinreden\u201d oder gar versuchen, sie wegzuwischen. Migration jedoch als Ursache f\u00fcr unsere\u00a0 Probleme anzusehen, w\u00e4re genauso falsch. F\u00fcr Fehler in der Wohnungspolitik k\u00f6nnen Zugewanderte nichts, genauso wenig wie f\u00fcr Deutschlands demographisches Problem, das zu einer \u00dcberalterung der Gesellschaft f\u00fchrt und L\u00fccken auf dem Arbeitsmarkt hinterl\u00e4sst.\u00a0Von mehr Sozialpolitik w\u00fcrden am Ende alle profitieren \u2013 Deutsche sowie Zugewanderte.\u00a0Studien: mehr Sozialpolitik verhindert die AfD, nicht RechtspopulismusWie es auch gehen kannEine Problemanalyse darf nat\u00fcrlich nicht enden, bevor wir uns mutmachende Best Practice Beispiele angeschaut haben. Und davon gibt es einige.\u00a0Bezogen auf die angespannte Unterbringungslage versucht ein Programm in Baden-W\u00fcrttemberg Abhilfe zu schaffen. Das Netzwerk \u201cRaumteiler\u201d bringt ehrenamtlich Engagierte, private Vermieter und Wohnungssuchende zusammen. Leerstehender Wohnraum soll so durch unkomplizierte Vermittlung gefunden und zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Auch in anderen Bundesl\u00e4ndern gibt es \u00e4hnliche Projekte. Klar ist aber auch, dass private Initiativen staatliche Bem\u00fchungen, die Unterbringungslage zu verbessern, nur erg\u00e4nzen und nicht ersetzen k\u00f6nnen.Beim Thema Schulen f\u00f6rdern Bund und L\u00e4nder seit 2024 rund 4.000 Schulen in besonders benachteiligter Lage. Das Startchancen-Programm investiert in die schulische Infrastruktur und in bedarfsgerechte Ma\u00dfnahmen der Unterrichtsentwicklung. Der Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Integration und Migration empfiehlt, auch Schulen im Blick zu behalten, die \u00fcber das Programm keine F\u00f6rderung erhalten haben.\u00a0\u00a0Klar ist: Es besteht noch viel Aufholbedarf in den verschiedensten Bereichen \u2013 wir haben uns einige, aber nicht alle davon angeschaut. Es ist wichtig, \u00fcber diese Probleme, die im Zusammenhang mit Migration und Integration aufkommen k\u00f6nnen, zu reden, ohne in verk\u00fcrzende Erkl\u00e4rmuster zu verfallen. Wie wir gesehen haben, werden verschiedenste Probleme durch Migration erst sichtbarer, ohne urs\u00e4chlich f\u00fcr sie zu sein. Gleichzeitig d\u00fcrfen wir aber nicht in die Falle des rechten Agenda-Settings fallen und nur \u00fcber vermeintliche Probleme mit Kriminalit\u00e4t oder im Stadtbild sprechen. Denn so fallen Themen unter den Tisch, die es anzupacken gilt. Am Ende profitiert von mehr \u00f6ffentlichen Investitionen und Sozialpolitik jede:r einzelne von uns.\u00a0Artikelbild:\u00a0CanvaZur Quelle wechseln"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Migration: \u00dcber diese Herausforderungen sollten wir wirklich sprechen","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/migration-ueber-diese-herausforderungen-sollten-wir-wirklich-sprechen\/#breadcrumbitem"}]}]