[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/missbrauch-im-erzbistum-paderborn-studie-zeigt-auch-der-vatikan-war-informiert\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/missbrauch-im-erzbistum-paderborn-studie-zeigt-auch-der-vatikan-war-informiert\/","headline":"Missbrauch im Erzbistum Paderborn: Studie zeigt, auch der Vatikan war informiert","name":"Missbrauch im Erzbistum Paderborn: Studie zeigt, auch der Vatikan war informiert","description":"Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck \/ Zur Quelle wechseln Der Vatikan war \u00fcber zahlreiche Missbrauchsf\u00e4lle im Erzbistum Paderborn informiert. Das zeigt eine Studie der Universit\u00e4t Paderborn, die im M\u00e4rz ver\u00f6ffentlicht wurde. Auf rund 700 Seiten dokumentieren die Autoren Dutzende Hinweise aus den Jahren 1941 bis 2002. 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Das zeigt eine Studie der Universit\u00e4t Paderborn, die im M\u00e4rz ver\u00f6ffentlicht wurde. Auf rund 700 Seiten dokumentieren die Autoren Dutzende Hinweise aus den Jahren 1941 bis 2002. Sie belegen die Kommunikation zwischen dem Erzbistum und dem Vatikan zu verschiedenen Missbrauchsf\u00e4llen.Die Ergebnisse st\u00fctzen die aktuelle CORRECTIV-Recherche \u201eAkten des Missbrauchs\u201c. Diese zeigt anhand weltweiter Schreiben an und aus dem Vatikan, dass Wissen und Verantwortung f\u00fcr Missbrauch in der katholischen Kirche seit mindestens 100 Jahren auch im Vatikan liegen. Die ausgewerteten Briefe belegen, dass Berichte \u00fcber sexuellen Missbrauch im Vatikan strukturiert gesammelt wurden. Experten fordern Zugang zu den Akten, die bis heute verschlossen sind.Wegen \u201ePriestermangels\u201c: Erzbischof rechtfertigt Einsatz eines MissbrauchspriestersDie Studie beschreibt unter anderem, wie der damalige Erzbischof J\u00e4ger 1952 den erneuten Einsatz eines Priesters rechtfertigte, der mehrfach Minderj\u00e4hrige sexuell missbraucht hatte. Gegen\u00fcber Rom f\u00fchrte er \u201ePriestermangel\u201c als Begr\u00fcndung an. Laut den Autoren der Universit\u00e4t Paderborn wurde dieses Argument \u201egebetsm\u00fchlenartig\u201c verwendet. J\u00e4ger hielt eine Rehabilitierung des Priesters f\u00fcr m\u00f6glich, wenn dieser in eine andere, unbekannte Di\u00f6zese versetzt w\u00fcrde. Der Schutz des Ansehens der Kirche stand dabei im Vordergrund, w\u00e4hrend die Gefahr weiterer Straftaten und das Leid der Opfer in den Hintergrund traten, so die Studie.Die Studie zeichnet zudem ein problematisches Bild vom Umgang mit Schuld. So schrieb der damalige Erzbischof Degenhardt 1974 an die Kongregation f\u00fcr die Glaubenslehre, bei einem beschuldigten Priester sei zwar eine \u201eunz\u00fcchtige Handlung\u201c festgestellt worden, bestraft werde er aber nicht. Begr\u00fcndet wurde dies unter anderem damit, dass das Opfer nicht \u201eunbescholten\u201c gewesen sei. Der Priester wurde versetzt, was als ausreichende Ma\u00dfnahme galt.Vatikan bereits in den 1930er Jahren informiertDie Studie weist au\u00dferdem darauf hin, dass Akten teils in erheblichem Umfang vernichtet wurden. Es sei daher unklar, ob alle Dokumente und Briefwechsel erhalten geblieben sind. Auch die CORRECTIV-Recherche sieht Hinweise auf systematisches Vernichten und Vertuschen.CORRECTIV liegt ein Brief aus den vatikanischen Archiven vor, der im Untersuchungszeitraum der Studie (1941 bis 2002) nicht enthalten ist. Er stammt vom 9. Juni 1937. Darin bittet der damalige Paderborner Erzbischof Caspar Klein den Pr\u00e4fekten der Kongregation f\u00fcr das Heilige Offizium, die damaligen Instruktionen in F\u00e4llen von Missbrauch im Beichtstuhl ignorieren zu d\u00fcrfen.Die angef\u00fchrte Begr\u00fcndung von Klein: Ende der 1930er Jahre standen die deutschen Bisch\u00f6fe unter dem Druck des NS-Regimes. Propagandaminister Joseph Goebbels nutzte Sittlichkeitsprozesse gegen Kleriker, um die katholische Kirche anzugreifen. In dieser Situation bat bereits der damalige K\u00f6lner Erzbischof den Papst, auf die Meldepflicht bei Missbrauchsf\u00e4llen zu verzichten. Der damalige Staatssekret\u00e4r und sp\u00e4tere Papst Pius XII gew\u00e4hrte nach Einsch\u00e4tzung des italienischen Historikers Davide Jabes diese Ausnahme.Dessen Auswertungen der vatikanischen Archive im Rahmen der CORRECTIV-Recherche zeigen, dass der Vatikan bereits in den 1930er Jahren umfassend \u00fcber Missbrauchsf\u00e4lle in Deutschland informiert war. Neben Paderborn standen auch andere Bist\u00fcmer in Kontakt mit dem Heiligen Offizium.Text &amp; Recherche: Marcus Bensmann, Anna KassinRedaktion: Justus von Daniels, Stella HeschFaktencheck: Isabel KnippelCORRECTIV im PostfachLesen Sie von Macht und Missbrauch. Aber auch von Menschen und Momenten, die zeigen, dass wir es als Gesellschaft besser k\u00f6nnen. T\u00e4glich im CORRECTIV Spotlight.Zur Quelle wechselnAuthor: Stella Hesch"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Missbrauch im Erzbistum Paderborn: Studie zeigt, auch der Vatikan war informiert","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/missbrauch-im-erzbistum-paderborn-studie-zeigt-auch-der-vatikan-war-informiert\/#breadcrumbitem"}]}]