[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/nach-dem-blackout-in-berlin-wer-sind-die-vulkangruppen\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/nach-dem-blackout-in-berlin-wer-sind-die-vulkangruppen\/","headline":"Nach dem Blackout in Berlin: Wer sind die Vulkangruppen?","name":"Nach dem Blackout in Berlin: Wer sind die Vulkangruppen?","description":"Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck \/ Zur Quelle wechseln Die Alarmierung ging am Samstag, dem 3. Januar 2026, morgens um 5:44 Uhr ein. Das interne Benachrichtigungssystem meldete der Sicherheitszentrale der Stromnetz Berlin GmbH einen Defekt an Leitungen an einer Br\u00fccke \u00fcber den Teltowkanal im Berliner S\u00fcdwesten. 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Januar 2026, morgens um 5:44 Uhr ein. Das interne Benachrichtigungssystem meldete der Sicherheitszentrale der Stromnetz Berlin GmbH einen Defekt an Leitungen an einer Br\u00fccke \u00fcber den Teltowkanal im Berliner S\u00fcdwesten.Die Auswirkungen zeigten sich, als die Stadt erwachte: Rund 45.000 Haushalte waren von der Stromversorgung abgeschnitten. Die Stra\u00dfenbeleuchtung und Ampeln fielen aus, die S-Bahn fuhr nicht mehr, Schulen blieben geschlossen und Heizungen sprangen nicht an. Kranke und pflegebed\u00fcrftige Menschen werden in Turnhallen auf Feldbetten untergebracht, um sie vor dem Erfrieren zu bewahren.Arbeiter versuchen nach dem Brandanschlag, die besch\u00e4digten Stromkabel zu reparieren. Quelle: Picture AllianceDer Grund f\u00fcr den \u201eDefekt\u201c wurde schnell klar: Es war ein Sabotageakt, ein gezielter Anschlag, bei dem mehrere Kabel zum Kraftwerk Lichterfelde gekappt wurden.Beim \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) ging am Tag des Anschlags ein Bekennerschreiben ein. Es wurde sp\u00e4ter auch auf der linksautonomen Internetseite Indymedia ver\u00f6ffentlicht. Darin bekennt sich eine sogenannte Vulkangruppe zu dem Anschlag.CORRECTIV hat die Fakten zu den sogenannten Vulkangruppen zusammengetragen und \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Erkenntnisse in informellen Gespr\u00e4chen mit Vertretern der Sicherheitsbeh\u00f6rden abgeglichen. Die Redaktion hat zudem das aktuelle Bekennerschreiben mit fr\u00fcheren Selbstbezichtigungen verglichen, sowie in den Sozialen Netzwerken kursierende Vermutungen zu einer etwaigen False-Flag-Aktion eines russischen Geheimdienstes gepr\u00fcft.Auf den Stra\u00dfen im S\u00fcdwesten Berlins blieb es nach dem Anschlag auf die Stromkabel tagelang dunkel. Quelle: Picture AllianceCORRECTIV liegt zudem eine interne Analyse der mit den Ermittlungen befassten Sonderkommission \u201eSpannung\u201c der Berliner Polizei vor, in der die Beamten die Aktion und das Bekennerschreiben einordnen und anhand der ihnen vorliegenden Erkenntnisse bewerten.Im Ergebnis st\u00fctzt die Recherche die Annahme der Ermittler, dass die T\u00e4ter aller Wahrscheinlichkeit nach tats\u00e4chlich im militanten Teil der linksextremistischen Szene zu verorten sind. Die Selbstbezichtigungsschreiben zeigen zudem eine bemerkenswerte Entwicklung in der Szene \u2013 und sie offenbaren erhebliche szene-interne Spannungen.Gibt es Spuren zu den T\u00e4tern?Die Sicherheitsbeh\u00f6rden halten sich mit offiziellen Ausk\u00fcnften zum Ermittlungsstand zur\u00fcck. Ein Sprecher der zwischenzeitlich zust\u00e4ndigen Berliner Generalstaatsanwaltschaft teilte CORRECTIV lediglich mit, Ausk\u00fcnfte seien \u201ezum Schutz der Ermittlungen\u201c nicht m\u00f6glich. Mittlerweile hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen \u00fcbernommen.Aus Ermittlerkreisen verlautete, es gebe zwar \u201eAnfasser\u201c, aber keinen Tatverdacht gegen konkrete Personen. Die T\u00e4ter seien offenbar professionell vorgegangen, m\u00f6glicherweise w\u00fcrden sie \u00fcber Insider-Kenntnisse \u00fcber das Berliner Stromnetz und Kenntnisse, wie dieses zu sabotieren sei, verf\u00fcgen. Spuren vom Tatort gebe es nicht.Polizei und Generalstaatsanwaltschaft ermittelten in alle Richtungen, hei\u00dft es. Nach jetzigem Stand gehe man aber fest davon aus, dass die T\u00e4ter in der linksextremistischen Szene verortet seien. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums sagte der ARD, der Anschlag \u201el\u00e4sst sich als linksterroristische Tat qualifizieren\u201c.Wer sind die Vulkangruppen?Anschl\u00e4ge von Linksextremisten auf Stromkabel, Handy-Masten oder Bahn-Einrichtungen sind nichts Neues. Im aktuellen Jahresbericht des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz hei\u00dft es, Einrichtungen der kritischen Infrastruktur dienten in der Logik von Linksextremisten \u201eeinzig den Interessen und der Funktionsf\u00e4higkeit eines vermeintlich skrupellosen Staates, der allein darauf aus sei, kapitalistische Profitorientiertheit zu befriedigen\u201c. Gewaltbereite Linksextremisten w\u00fcrden die Einrichtungen daher immer wieder angreifen.Aufgrund des Bekennerschreibens richtet sich der Verdacht gegen die sogenannten \u201eVulkangruppen\u201c. Der Name bezieht sich auf den Ausbruch des isl\u00e4ndischen Vulkans Eyjafjallaj\u00f6kull. Dessen Eruptionen im Jahr 2010 waren so heftig, dass sie nicht nur den internationalen Flug-, sondern auch den Warenverkehr zwischenzeitlich zum Erliegen brachten \u2013 aus der Perspektive von Linken und Linksradikalen also \u201eden Kapitalismus\u201c.In den Medien ist mitunter von \u201eder Vulkangruppe\u201c die Rede. Tats\u00e4chlich gibt es vermutlich aber nicht nur eine, sondern mehrere Gruppierungen, die diese Selbstbezeichnung nutzen. Nach fr\u00fcheren Anschl\u00e4gen nannten sie sich mal \u201eVulkangruppe Tesla abschalten!\u201c, mal \u201eVulkangruppe: Gegen den Fortschritt der Zerst\u00f6rung\u201c, mal \u201eVulkangruppe: Festung Europa sabotieren \u2013 wir schaffen das\u201c.Der Stromausfall lie\u00df in vielen H\u00e4usern auch die Heizungen ausfallen. Betroffene konnten in Turnhallen unterkommen. Quelle: Picture AllianceDass es sich vermutlich um unterschiedliche Gruppierungen handelt, thematisieren ihre Anh\u00e4nger selbst. \u201eWir haben uns als eine Vulkangruppe eingebracht, und schlie\u00dfen uns den anderen Vulkangruppen an\u201c, hei\u00dft es in einem im September vergangenen Jahres ver\u00f6ffentlichten Pamphlet der \u201eVulkangruppe: Freiheit f\u00fcr Maja und Hanna und all den anderen Gefangenen und verfolgten Antifas\u201c.Kommentare auf linksautonomen Internetplattformen zu Bekennerschreiben von Vulkangruppen zeigen, dass deren Militanz in der Szene umstritten ist. Sie agieren innerhalb der Szene offenbar im Verborgenen. \u00dcber ihre Mitglieder und Strukturen liegen keine \u00f6ffentlichen Informationen vor. Nach Informationen von CORRECTIV wissen auch die Sicherheitsbeh\u00f6rden kaum etwas dar\u00fcber. Ermittlungsverfahren zu bisherigen Anschl\u00e4gen brachten bisher keine Ergebnisse.Die Sicherheitsbeh\u00f6rden schreiben den Vulkangruppen bisher rund ein Dutzend Anschl\u00e4ge zu. Erstmals trat eine Vulkangruppe im Jahr 2011 in Erscheinung, seinerzeit mit einem Sabotageakt auf eine Starkstromleitung am Berliner Bahnhof Ostkreuz und rund f\u00fcnf Monate sp\u00e4ter mit einem Anschlag auf ein Kabel an einer Bahntrasse. In den folgenden Jahren bekannten sich Vulkangruppen zu weiteren Sabotageakten, etwa auf Mobilfunkmasten, sowie in den Jahren 2021 und 2024 auf die Stromversorgung f\u00fcr das Tesla-Werk im brandenburgischen Gr\u00fcnheide.Im September vergangenen Jahres schnitt ein Anschlag auf eine der wenigen oberirdischen Berliner Stromleitungen nicht nur den Technologiepark Adlershof, sondern auch Privathaushalte von der Stromversorgung ab. Die Autoren des zugeh\u00f6rigen Bekennerschreibens bezeichneten sich allerdings nicht als Mitglieder einer Vulkangruppe.Duktus und Inhalte der bisherigen Bekennerschreiben von Vulkangruppen entsprechen den \u00fcblichen Argumentationsmustern des linksautonomen Spektrums. Die mitunter ausschweifenden Pamphlete sind von einer grunds\u00e4tzlichen System- und Kapitalismuskritik durchzogen. Hinzu kommt eine grunds\u00e4tzliche Ablehnung geschlossener Grenzen, sowie eine feindselige Haltung gegen\u00fcber Milit\u00e4r und Polizei.Wie ist der Inhalt des Bekennerschreibens zu bewerten?In den Bekennerschreiben der vergangenen Jahre wird zudem eine Verschiebung deutlich. Der Kampf gegen die ungleiche Verm\u00f6gensverteilung (\u201eEat the rich\u201c) wird verkn\u00fcpft mit der Kritik an der Zerst\u00f6rung der Lebensgrundlagen und dem Klimawandel. Die \u201eReichen\u201c w\u00fcrden \u201euns und unseren Kindern eine zerst\u00f6rte Erde hinterlassen\u201c, hie\u00df es nach einem Anschlag auf ein Trafoh\u00e4uschen in einem Berliner Villenviertel im April vergangenen Jahres in einem Schreiben der Vulkangruppe \u201eFriede den H\u00fctten\u201c. Im Bekennerschreiben zu dem aktuellen Anschlag hei\u00dft es: \u201eIn der Gier nach Energie wird die Erde ausgelaugt, ausgesaugt, verbrannt, geschunden, niedergebrannt, vergewaltigt, zerst\u00f6rt.\u201cDie Vulkangruppe \u201eDen Herrschenden den Saft abdrehen\u201c ver\u00f6ffentlichte auf der linksautonomen Seite Indymedia ein Bekennerschreiben. Quelle: Screenshot aus dem InternetDie Autorinnen oder Autoren der Bekennerschreiben machen keinen Hehl daraus, dass sie das \u201eSystem\u201c nicht reformieren, sondern abschaffen wollen. \u201eOhne St\u00f6rung der Normalit\u00e4t, ohne eine Absetzung der herrschenden Klasse gibt es keine friedliche Gesellschaft\u201c, hei\u00dft es in einem Selbstbezichtigungsschreiben der Vulkangruppe \u201eDas Grollen des Eyjafjallaj\u00f6kull\u201c vom Mai 2011, in dem die Autoren einen Anschlag auf Stromkabel am Berliner Bahnknotenpunkt Ostkreuz rechtfertigten. Der parlamentarischen Demokratie trauen die Vulkangruppen \u2013 wie im linksautonomen Spektrum \u00fcblich \u2013 keine L\u00f6sungen zu. \u201eKomm uns bitte nicht mit den Parteien\u201c, hei\u00dft es im aktuellen Bekennerschreiben. \u201eUnd auch nicht mit den Gr\u00fcnen oder den Linken.\u201cNebul\u00f6s bleiben die Ideen, wie die angeprangerte \u201eimperiale Lebensweise\u201c \u00fcberwunden werden sollte. Kommunistische oder maoistische Gruppen m\u00f6gen genaue Vorstellungen davon haben, wie eine aus ihrer Sicht bessere Welt aussehen und wie sie organisiert sein k\u00f6nnte. Im aktuellen Bekennerschreiben der Vulkangruppe \u201eDen Herrschenden den Saft abdrehen\u201c hei\u00dft es dagegen: \u201eWir sagen nicht, wir w\u00fcssten den Ausweg. Aber wir wissen, wir m\u00fcssen diese Zerst\u00f6rung unterbrechen.\u201cMilitante Aktionen sind f\u00fcr die Vulkangruppen zwar offenbar kein Selbstzweck. Legt man ihre Ver\u00f6ffentlichungen zugrunde, gelten sie aber als legitimes Mittel. Die Gef\u00e4hrdung von Menschen wollen die Urheber der Schreiben zwar nach eigenem Bekunden ausschlie\u00dfen. Beeintr\u00e4chtigungen werden aber billigend in Kauf genommen \u2013 und durch Vergleiche mit den durch \u201eKapitalismus\u201c und \u201eImperialismus\u201c verursachten vermeintlich grundlegenderen Problemen heruntergespielt.Wurde das Bekennerschreiben wirklich von Linksextremisten verfasst?In den Sozialen Netzwerken kursieren diverse Fragen zu dem Anschlag \u2013 und viele Erkl\u00e4rungsversuche. Diskutiert wird vor allem die M\u00f6glichkeit einer sogenannten False-Flag-Aktion: Stecken nicht deutsche Linksextremisten hinter dem Anschlag, sondern die Russen, die der deutschen Wirtschaft schaden und die deutsche Gesellschaft destabilisieren wollen?Nahrung f\u00fcr eine solche Vermutung gibt es genug. Deutsche Nachrichtendienste gehen davon aus, dass das Putin-Regime hinter Sabotageakten und Anschl\u00e4gen stecken k\u00f6nnte:etwa hinter der Explosion eines DHL-P\u00e4ckchens auf dem Flughafen Leipzig. Dieses detonierteoffenbar nur aufgrund der Versp\u00e4tung eines Frachtflugzeuges vor dem Abflug auf dem Flughafengel\u00e4nde \u2013 anstatt w\u00e4hrend des Fluges.Der CDU-Au\u00dfenpolitiker Roderich Kiesewetter sagte der Welt, eine Sprachanalyse zeige, die R\u00fcck\u00fcbersetzung ins Russische ergebe eine viel bessere Sprache als dieses \u201eholprige\u201c Deutsch. Es d\u00fcrfe nichts ausgeschlossen werden.Selbst Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) lieferte der Vermutung, hinter vermeintlich von Linksextremisten ver\u00fcbten Taten k\u00f6nne sich der Kreml verbergen, Nahrung. In einem Interview mit der Welt am Sonntag, das allerdings wenige Wochen vor dem Anschlag gef\u00fchrt wurde, sagte Dobrindt: \u201eEin Ziel unserer neuen Strategie gegen hybride Bedrohungen ist, herauszufinden, ob ausl\u00e4ndische M\u00e4chte linksextreme oder anarchistische Gruppen nutzen, um Spionage oder Sabotage zu betreiben.\u201cWorauf st\u00fctzen sich die Spekulationen \u00fcber eine False-Flag-Aktion?Die Bef\u00fcrworter der False-Flag-Theorie verweisen auf Rechtschreibfehler in dem Bekennerschreiben. Tats\u00e4chlich wird der Name des US-Vizepr\u00e4sidenten JD Vance in dem Text f\u00e4lschlicherweise wie der Name eines Sneaker-Herstellers geschrieben (\u201eVans\u201c).Ein Transkriptionsfehler eines \u00dcbersetzungstools? Wurde das Bekennerschreiben auf der Basis fr\u00fcherer Pamphlete wom\u00f6glich mithilfe K\u00fcnstlicher Intelligenz erstellt, zun\u00e4chst in kyrillischer Sprache, und erst dann durch eine Software fehlerhaft ins Deutsche \u00fcbersetzt?Mehrere Nutzer Sozialer Netzwerke propagieren diese These vehement \u2013 und haben das Bekennerschreiben nach eigener Aussage von KI-Chatbots analysieren lassen. Auff\u00e4llig sei \u201edie Diskrepanz zwischen komplexem Vokabular und teils rudiment\u00e4ren oder grob fehlerhaften Satzstrukturen\u201c, hei\u00dft es in einem Post. Dies deute auf eine \u201e(potenziell maschinelle) \u00dcbersetzung\u201c hin. Au\u00dferdem seien grammatikalische Muster erkennbar, die im Deutschen unnat\u00fcrlich wirkten.Was sagen die Sicherheitsbeh\u00f6rden?Gepr\u00fcft wurde das Bekennerschreiben auch von den Sicherheitsbeh\u00f6rden. Nach Informationen von CORRECTIV haben sowohl das Berliner Landeskriminalamt als auch das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ihre Analysen vorl\u00e4ufig abgeschlossen. Sie wurden nicht ver\u00f6ffentlicht. Ihr Inhalt ist CORRECTIV aber bekannt.Der Verfassungsschutz h\u00e4lt das Bekennerschreiben demnach f\u00fcr authentisch. Inhalte und Begrifflichkeiten des Textes f\u00fcgten sich in die ideologischen Muster fr\u00fcherer Schreiben von Vulkan-Gruppen. Parallelen seien vor allem zu Schreiben aus den Jahren 2024 (Tesla) und 2025 (Trafoh\u00e4uschen in Berliner Villenviertel) erkennbar. Auch die Zielauswahl (Kabeltrasse) und die Vorgehensweise passten zu fr\u00fcheren Sabotageakten. Der Anschlag sei demnach aller Wahrscheinlichkeit nach von Anh\u00e4ngern des militant-anarchistischen Spektrums ver\u00fcbt worden.Belastbare Hinweise, der Text k\u00f6nne zun\u00e4chst in kyrillischer Sprache von Putin-Getreuen verfasst worden sein, liegen laut der internen Einsch\u00e4tzung der Verfassungssch\u00fctzer nicht vor. Der Kreml habe nach dem Anschlag auch keine Propagandakampagne lanciert, um Deutschland als verwundbar darzustellen oder Spaltungstendenzen zu bef\u00f6rdern. Auch dies lasse eine Urheberschaft oder Beteiligung des Kreml an dem Anschlag als unwahrscheinlich erscheinen.Krisengespr\u00e4che: Berlins Regierender B\u00fcrgermeister Kai Wegner (CDU) und Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) bei einer Pressekonferenz zum Stromausfall. Quelle: Picture AllianceDer Staatsschutz der Berliner Polizei, zust\u00e4ndig f\u00fcr politisch motivierte Delikte, kommt in einer unabh\u00e4ngig vom Verfassungsschutz erstellten Bewertung der Ermittlergruppe \u201eSpannung\u201c zum gleichen Ergebnis. Die Analyse liegt CORRECTIV vor. Die Ermittler betonen darin, dass die Verfasser des Selbstbezichtigungsschreibens offenbar nicht zu den Vulkangruppen aus den 2010er Jahren geh\u00f6rten. \u201eVielmehr d\u00fcrfte es sich hier um eine Nachahmung bzw. Anlehnung, sowohl in der Namensgebung als auch in der Tatbegehung, handeln, um entsprechende Aufmerksamkeit zu generieren\u201c, hei\u00dft es.Aufgrund \u201eseiner globalen Bez\u00fcge, der antiimperialistischen und \u00f6koanarchistischen Ideologeme sowie der emotionalisierenden Diktion\u201c sei der Text \u201edem anarchistischen Spektrum zuzuordnen\u201c. Insbesondere Passagen zur Insel Tuvalu im Pazifik, zu Venezuela, sowie zu Chinas Politik zur Erlangung seltener Erden legten \u201eeine besonders global orientierte Kenntnis nah, wie sie f\u00fcr Anarchisten auch aus zur\u00fcckliegenden Selbstbekennungen typisch ist\u201c. Eine inhaltliche \u00c4hnlichkeit zeige sich vor allem zu j\u00fcngeren Bekennerschreiben von Vulkangruppen.\u201eDie Einordnung, es k\u00f6nne sich um ein KI-generiertes Schreiben handeln, erscheint wenig wahrscheinlich\u201c, hei\u00dft es in der Analyse des Berliner Staatsschutzes. Die falschen Schreibweisen (\u201eVans\u201c statt \u201eVance\u201c \/ \u201eGiffay\u201c statt \u201eGiffey\u201c \/ \u201eMann\u201c statt \u201eMan\u201c \/ \u201eTesla ausschalten\u201c statt \u201eTesla abschalten\u201c \/ \u201eKatharina Reiche\u201c statt \u201eKatherina Reiche\u201c \/ \u201eCo\u00b2\u201c statt \u201eCO2\u201c) werten die Berliner Extremismus-Fahnder eher als Hinweise auf individuelle Fehler der Verfasser. Modernen KI-Tools oder \u00dcbersetzungssystemen trauen die Ermittler derartige Fehler offenbar nicht zu \u2013 auch wenn dies in der Analyse nicht ausdr\u00fccklich thematisiert wird.Am Dienstag nach dem Anschlag (6. Januar) wies die Polizei die Vermutungen, Russland k\u00f6nne hinter dem Anschlag stecken, auch \u00f6ffentlich zur\u00fcck. \u201eDarauf gibt es bislang gar keine Hinweise\u201d, sagte der Vize-Pr\u00e4sident Marco Langner vor Journalisten. Die Pr\u00fcfungen wiesen auf die Vulkan-Gruppe hin \u2013 \u201eund zwar sehr deutlich\u201c.Welche weiteren \u00c4u\u00dferungen gibt es von den Vulkangruppen?Am Dienstagabend erschien zudem eine \u201eRichtigstellung\u201c der Vulkangruppe. Die \u201ekursierenden Unterstellungen\u201c einer angeblichen ,False-Flag-Aktion\u2018 werden darin als \u201eSpekulation\u201c und als \u201eVersuch, die eigene Ohnmacht zu kaschieren\u201c zur\u00fcckgewiesen. \u201eWer nun behauptet, hinter jeder Form von Sabotage m\u00fcsse zwangsl\u00e4ufig ein fremder Geheimdienst stehen, verweigert sich der Realit\u00e4t gesellschaftlicher Konflikte im Inneren\u201c, hei\u00dft es in dem Text.Bemerkenswert ist ein weiterer Text, der am Mittwoch auf einer linksautonomen Internetseite ver\u00f6ffentlicht wurde. Darin meldet sich eine Vulkangruppe (ohne weiteren Zusatz) zu Wort, die sich von dem j\u00fcngsten Sabotageakt und den vorherigen Anschl\u00e4gen der vergangenen Jahre deutlich distanziert. \u201eWir waren die Vulkangruppe der (sic!) Jahre 2011\u201c, hei\u00dft es in dem Text. Und weiter: \u201eDie Texte und Aktionen der letzten Jahre stammen nicht von uns. Sie widersprechen dem, wof\u00fcr wir standen und warum wir \u00fcberhaupt gehandelt haben.\u201c Urspr\u00fcngliches Ziel sei die \u201eSt\u00f6rung von Normalit\u00e4t, nicht ihre Zerst\u00f6rung\u201c gewesen.Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine 2014 habe sich zudem der Kontext verschoben. \u201eWas zuvor als Kritik an westlicher Milit\u00e4rpolitik formuliert werden konnte, geriet in eine Lage, in der jede Form von Infrastrukturangriff objektiv Teil einer allgemeinen Destabilisierung wird\u201c, hei\u00dft es.Die Sicherheitsbeh\u00f6rden d\u00fcrften das Schreiben mit hohem Interesse gelesen haben. Denn es scheint die Vermutung zu best\u00e4tigen, dass die Vulkangruppen der ersten Generation mit der Gruppe, die den aktuellen Anschlag und die weiteren j\u00fcngsten Sabotageakte ver\u00fcbte, nicht identisch sind.Ist es Extremismus? Oder Terrorismus?Der Regierende B\u00fcrgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), und die Berliner Innensenatorin, Iris Spranger (SPD), bezeichneten die Anschl\u00e4ge als Terrorismus. Der Umstand, dass inzwischen der Generalbundesanwalt wegen des Verdachts auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung ermittelt, st\u00fctzt diese Einsch\u00e4tzung.Auch der Extremismusexperte Felix Neumann von der Konrad-Adenauer-Stiftung h\u00e4lt den Begriff Terrorismus f\u00fcr gerechtfertigt. Auf Anfrage von CORRECTIV sagte Neumann, neben einem militanten Antifaschismus gebe es in der linksextremistischen Szene mittlerweile auch eine militante Str\u00f6mung, die in einem lang anhaltenden Kampf klimapolitisch motivierte Sabotageakte ver\u00fcbe.Angriffsziel sei die Infrastruktur. \u201eZu leiden haben darunter aber nicht irgendwelche Maschinen oder Kraftwerke, sondern Menschen, darunter Kinder und \u00c4ltere\u201c, sagte Neumann. Die Erz\u00e4hlung der Linksmilitanten, ihre Gewalt richte sich nur gegen Sachen, sei zynisch. Die Zahl der Anschl\u00e4ge habe in den vergangenen Jahren zugenommen. Mit einer Entspannung sei nicht zu rechnen.Auch in der internen Analyse der Berliner Polizei hei\u00dft es: \u201eDerartige Aktionen, die seitens der linken Szene in den oben genannten Begr\u00fcndungszusammenhang gestellt werden, sind weiterhin wahrscheinlich\u201c.Mitarbeit: Alexej HockRedigat: Alexej Hock, Samira Joy FrauwallnerFaktencheck: Samira Joy FrauwallnerZur Quelle wechselnAuthor: Ulrich Kraetzer"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Nach dem Blackout in Berlin: Wer sind die Vulkangruppen?","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/nach-dem-blackout-in-berlin-wer-sind-die-vulkangruppen\/#breadcrumbitem"}]}]