[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/narwale-im-hitzestress\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/narwale-im-hitzestress\/","headline":"Narwale im Hitzestress","name":"Narwale im Hitzestress","description":"Die Arktis wird w\u00e4rmer \u2013 das ver\u00e4ndert das \u00d6kosystem. Viele Arten sind bedroht, eine von ihnen: der Narwal. Was tun? Martin Nweeia hat sich mittlerweile daran gew\u00f6hnt. 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Viele Arten sind bedroht, eine von ihnen: der Narwal. Was tun?Martin Nweeia hat sich mittlerweile daran gew\u00f6hnt. An den hautengen Trockenanzug, der seine Kn\u00f6chel und Handgelenke fest umschlie\u00dft, die schwerf\u00e4lligen Bewegungen im Wasser, an das Gef\u00fchl, wenn die Finger langsam steif werden. Doch eines wird wohl immer besonders bleiben: Wenn sich das Meer um ihn herum pl\u00f6tzlich bewegt, zu einer Str\u00f6mung formt \u2013 und aus dem Blau ein Schatten auftaucht, langsam, riesig, ganz ruhig. Eine f\u00fcnf Meter lange, lebende Landschaft mit marmorierter Haut und einem spiralf\u00f6rmigen Sto\u00dfzahn, der bis zu drei Meter lang werden kann \u2013 und eigentlich ein verl\u00e4ngerter Eckzahn ist, durch den Millionen von Nervenenden laufen.\u00a0Doch bevor man ihn sieht, sp\u00fcrt man ihn. Den Narwal. Sein Pfeifen, Klicken und Summen, das man mit dem ganzen K\u00f6rper f\u00fchlt. Wie sanfte Vibrationen, die durch den Brustkorb gehen. \u201eNarwale sind majest\u00e4tisch, in ihrer N\u00e4he zu sein, erf\u00fcllt mich mit Demut\u201c, sagt Nweeia, l\u00e4chelt in die Facetime-Kamera. Er sitzt zu Hause auf seiner Couch in Sharon, Connecticut, f\u00e4hrt sich durch die kurzen Haare und \u00fcber die buschigen Augenbrauen. Nweeia arbeitet an der Universit\u00e4t Harvard und am Polarinstitut des Wilson Center. Mehr als 20 arktische Expeditionen hat er geleitet \u2013 und gilt weltweit als Pionier in der Narwal-Forschung.\u00a0\u201eNahezu alles an ihnen ist einzigartig\u201c, sagt Nweeia. Narwale haben keine R\u00fcckenflosse, eine der dicksten Fettschicht aller Wale, leben ausschlie\u00dflich in arktischen Gew\u00e4ssern und geh\u00f6ren mit bis zu 1.800 Metern zu den am tiefsten tauchenden Walen. Um sie zu erforschen, fangen Nweeia und sein Team meistens einige hundert Meter entfernt von der K\u00fcste einen Wal mithilfe eines Netzes und bringen ihn vorsichtig in seichtes Gew\u00e4sser. \u201eWir haben 30 bis 40 Minuten, um Experimente an ihm durchzuf\u00fchren \u2013 danach lassen wir ihn sofort frei.\u201cAn einen Moment erinnert er sich noch genau: Mitte August 2005, Nweeia steht im seichten Meer, vor ihm ein Narwal. An diesem Tag ist er besonders aufgeregt, denn er probiert seine neueste Erfindung aus: ein Ger\u00e4t, das Herz- und Hirnaktivit\u00e4t der S\u00e4uger misst. Monatelang hat er an seinem schwimmenden Labor gearbeitet, an Saugn\u00e4pfen gebastelt, die an Walhaut haften, Kabel in wasserdichte Isolierung gepackt. \u201eDoch dann wurde ganz schlagartig, wie aus dem Nichts, mein rechtes Bein komplett taub.\u201c Nach einigen Sekunden kehrt das Gef\u00fchl zur\u00fcck. \u201eIch bekam Panik. Gab es ein Leck im Kabel? Und warum nur ein Bein?\u201c\u00a0            Martin Nweeia (links) und ein Kollege inspizieren vorsichtig einen Narwal-Sto\u00dfzahn, Foto: Martin Nweeia        Einen Monat sp\u00e4ter schickt er die im Wasser aufgezeichnete Tonspur an einen Sound-Experten am Woods Hole Oceanographic Institute. Was der herausfindet, stellt die bisherige Forschung auf den Kopf: Narwale nutzen nicht nur Echolokalisierung \u2013 eine Technik, die viele Meeress\u00e4uger verwenden, um sich in Gew\u00e4ssern zurechtzufinden \u2013, sondern auch ihren Sto\u00dfzahn zur Schallmanipulation. Sie lenken und verst\u00e4rken Schallwellen. \u201eVerr\u00fcckt \u2013 der Narwal hat es geschafft, Schallwellen direkt auf mein Bein zu richten. Vielleicht als ein Hinweis: Hey, du bist im Weg, geh mal weg.\u201c\u00a0Mehr Orcas, weniger NarwaleNarwale nutzen die Klicklaute, um ihre Umgebung zu sehen, w\u00e4hrend der Jagd zu navigieren und mit anderen aus der Gruppe zu kommunizieren. Das Problem: Genau das wird ihnen jetzt erschwert. Denn das Eis in der Arktis schmilzt in einem rasanten Tempo. Prognosen sagen voraus, dass die Arktis im Sommer schon ab 2030 eisfrei sein k\u00f6nnte. Das f\u00fchrt zu drastischen Umweltver\u00e4nderungen. \u201eMehr Orcas dringen in das Gebiet der Narwale vor, die sonst dichtes Eis als Schutz nutzen oder um sich auszuruhen\u201c, sagt Nweeia. Viele Fischbest\u00e4nde wandern ab \u2013 und Narwale m\u00fcssen weiter reisen, um Nahrung zu finden.\u00a0Und dann sind da noch menschlicher Dreck und L\u00e4rm. \u201eDurch das Abschmelzen von Eis entstehen neue Seewege, f\u00fcr Fracht-, Kreuzfahrt- und Containerschiffe, U-Boote, \u00d6ltanker und Eisbrecher\u201c, sagt Nweeia. Seit 1990 hat sich die Zahl der Schiffe mehr als verdoppelt. Das R\u00f6hren der Motoren st\u00f6rt die Echolokalisierung der Meeresbewohner, au\u00dferdem setzen all diese Schiffe Abgase, Abwasser und \u00d6l ins Meer frei.\u00a0Auch seismografische Messungen \u2013 eine Methode, bei der starke Schallwellen ins Wasser geschickt und extrem laute Explosionen eingesetzt werden, um nach \u00d6l und Gas unter dem Meeresboden zu suchen \u2013 sind gef\u00e4hrlich. Der Schall verscheucht Fische, Krill und Krebse, die Nahrungsgrundlage der Narwale, und kann die S\u00e4uger orientierungslos und sogar langfristig taub machen. \u201eLetztens wurde ein Narwal in Europa gesichtet, das ist nicht normal\u201c, so Nweeia. Gleiches gilt f\u00fcr Tiefseebohrungen, die kilometertiefe L\u00f6cher in den Meeresboden bohren.\u00a0Das alles ist nicht nur f\u00fcr Narwale gef\u00e4hrlich, sondern hat Auswirkungen auf das gesamte \u00d6kosystem der Arktis \u2013 eines der sensibelsten der Welt. Julia Ehrlich von der Universit\u00e4t Rostock erforscht den Einfluss des Klimawandels auf Biodiversit\u00e4t und \u00d6kosysteme von Arktis und Antarktis. \u201eWeil die Luft- und Ozeantemperatur steigen, bildet sich Meereis sp\u00e4ter im Jahr und viel weiter im Norden\u201c, erkl\u00e4rt sie. \u201eWeniger Eis bedeutet auch, dass das dunklere Wasser mehr Sonnenlicht aufnimmt und sich st\u00e4rker erw\u00e4rmt. Das beschleunigt das Schmelzen von unten und oben.\u201c\u00a0Die Folge: Tiere und Pflanzen, die bei der Meereisbildung eingefroren werden, wie bestimmte W\u00fcrmer oder Krebse, schaffen es nicht mehr in die zentrale Arktis. Ehrlich: \u201eFr\u00fcher entstand das Eis weiter s\u00fcdlich und trieb mit der Str\u00f6mung, der Transpolardrift, langsam nach Norden \u2013 von der sibirischen K\u00fcste quer durch die Arktis nach Spitzbergen und Gr\u00f6nland.\u201c Heute ist das kaum mehr m\u00f6glich. Die Eis-Autobahn in die Arktis ist praktisch unterbrochen, die eingefrorenen Tiere und Pflanzen bleiben zur\u00fcck.Klingt erst mal harmlos \u2013 k\u00f6nnte aber f\u00fcr das \u00d6kosystem der Arktis folgenschwer sein. \u201eDenn es kann Auswirkungen auf die ganze Nahrungskette haben\u201c, sagt Ehrlich. Die winzigen Ruderfu\u00dfkrebse zum Beispiel sind Hauptnahrung f\u00fcr viele Fische und Wale, weil sie besonders viel Fett speichern. Sie k\u00f6nnten nun von gr\u00f6\u00dferen Krebstieren, die aus dem Atlantik einwandern und sich in w\u00e4rmerem Wasser wohlf\u00fchlen, verdr\u00e4ngt werden. Die bringen es aber h\u00f6chstens auf zwei Zentimeter L\u00e4nge und enthalten nicht mehr als drei Milligramm Fett. Fische, V\u00f6gel und Co m\u00fcssen also viel mehr davon finden und fressen, um ihren Energiebedarf zu decken. Auch Makrelenschw\u00e4rme und Kabeljau zieht es in den Norden. \u201eWelche Folgen das alles hat, erforschen wir noch\u201c, so Ehrlich.            Fr\u00fcher trieben eingefrorene Krebse, W\u00fcrmer und Algen mit der Polardrift nach Gr\u00f6nland. Heute ist die Eisautobahn unterbrochen                    \u2014 Julia Ehrlich, Universit\u00e4t Rostock        Fest steht: Verlierer des Klimawandels sind Arten, die sich auf die Arktis spezialisiert haben. Gewinner sind Generalisten, die sich breit gef\u00e4chert ern\u00e4hren und gro\u00dfe Temperaturschwankungen aushalten. Besonders Karibus, Eisb\u00e4ren, Ringelrobben, Gr\u00f6nlandwale, Walrosse und eben Narwale kommen mit den w\u00e4rmeren Temperaturen nicht klar. Auch der Polardorsch, der wohl wichtigste Fisch in der Nahrungskette der Arktis, ist laut Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Polar- und Meeresforschung, (AWI) stark bedroht. Denn hat das Wasser mehr als vier Grad Celsius, kann er nicht mehr so gut wachsen. Auch winzige Mikroalgen \u2013 die Nahrung f\u00fcr Zooplankton \u2013 sind betroffen. Sie gedeihen in und unter dem Eis. Weil es zur\u00fcckgeht, fehlt ihnen nun aber der Lebensraum.\u00a0Wer profitiert? An Land nur die Rentiere: Weniger Schnee bedeutet l\u00e4ngere Phasen, in denen Pflanzen wachsen, von denen sie sich ern\u00e4hren. Im Wasser Orcas und einige Algenarten: \u201eMehr Makroalgen, wie Seetang, tauchen in der Arktis auf, vor allem an K\u00fcstenregionen\u201c, so Jonas Zimmermann vom Botanischen Garten der Freien Universit\u00e4t, Berlin. \u201eSie nutzen die w\u00e4rmeren Temperaturen und das zus\u00e4tzliche Sonnenlicht, das durch das nicht mehr vorhandene oder d\u00fcnne Eis kommt.\u201c Weil weniger Eis vorhanden ist, k\u00f6nnen sie nun auch im kalten Winter wachsen.\u00a0Grunds\u00e4tzlich k\u00f6nnen Algen ein Plus sein, sie binden zum Beispiel viel CO2 und produzieren Sauerstoff. Doch es gibt ein Problem: Aufgrund des w\u00e4rmeren Klimas findet die Algenbl\u00fcte einiger Arten fr\u00fcher statt \u2013 die Tiere, die sie fressen, sind dann oft noch nicht so weit. Weil sie mehr Sonnenlicht und N\u00e4hrstoffe bekommen und weniger Fressfeinde haben, k\u00f6nnen die Algen nun explosionsartig wachsen. Einige produzieren Gifte, wenn sie absterben. Au\u00dferdem entziehen sie dem Wasser durch Abbauprozesse Sauerstoff \u2013 in manchen Regionen sterben Muscheln und Fische. Nicht nur Tieren vor Ort f\u00e4llt damit eine Nahrungsgrundlage weg, sondern auch Menschen.Neue Gleichgewichte, aber wie stabil?Manche Arten erweisen sich allerdings als erstaunlich anpassungsf\u00e4hig. Eisb\u00e4ren zum Beispiel. J\u00fcngst tauchen immer mehr Videos von ihnen auf, wie sie nicht auf Eisschollen Robben auflauern, sondern etwas unbeholfen \u2013 der flauschige, wei\u00dfe Bauch wackelt hin und her \u2013 Rentierk\u00e4lbern auf dem Festland hinterherjagen. Tats\u00e4chlich weichen Eisb\u00e4ren immer mehr auf andere Nahrungsquellen aus, fressen beispielsweise im Sommer die Eier von G\u00e4nsen, Enten und Seeschwalben. Etliche internationale Zeitungen jubelten: Hoffnung f\u00fcr Eisb\u00e4ren! Zwar gibt es Hinweise, dass sie sich genetisch langsam an die ver\u00e4nderten Bedingungen anpassen k\u00f6nnten \u2013 aber das dauert viele Generationen. \u201eDas positiv zu bewerten, finde ich gef\u00e4hrlich\u201c, sagt Ehrlich: \u201eMit Sicherheit werden sich neue Gleichgewichte bilden. Die Frage ist aber, wie widerstandsf\u00e4hig, wie stabil diese sind.\u201cH\u00f6chste Zeit, die Arktis und ihre Bewohner zu sch\u00fctzen. Nur, wie?            Der Narwal \u2013 ein Sinnbild f\u00fcr die verletzliche Arktis, Foto: Martin Nweeia        Fr\u00fchling 2000\u00a0\u2013 Martin Nweeia startet seine erste Expedition. Ganz allein. Und zwar an der Nordspitze von Baffin Island, der f\u00fcnftgr\u00f6\u00dften Insel der Erde, die zwischen den kanadischen Arktisinseln und der Westk\u00fcste Gr\u00f6nlands liegt. \u201eIch wollte die Umgebung erkunden, aber kannte niemanden da oben\u201c, sagt Nweeia. In der Inuit-Siedlung Pond Inlet mietet er ein kleines Zimmer. \u201eViele Forschende wohnen hier in einem Hotel, ich wollte aber Teil der Gemeinde sein.\u201c Wenig sp\u00e4ter lernt Nweeia David Angnatsiak kennen \u2013 den besten Inuit-J\u00e4ger der Region. \u201eMan warnte mich, dass er die meisten Menschen nicht mag\u201c, erz\u00e4hlt Nweeia und lacht: \u201eAls er mich sah, fragte er mich, was ich anziehen werde. Ich zeigte auf meine Daunenjacke. Er murmelte etwas auf Inuktitut, reichte mir einen Mantel aus Karibuhaut und sagte: Das wird deine Jacke sein.\u201c\u00a0Um drei Uhr morgens brechen die beiden auf sturmfesten Schneemobilen auf, \u00fcberqueren Eisschollen \u2013 und jagen Narwale. Seit Jahrhunderten praktizieren die Inuit, die den Narwal als Geschenk der Meere mit g\u00f6ttlichen Kr\u00e4ften bezeichnen, diese Tradition. Sie verwerten fast alles ihrer Beute: das Fleisch wird getrocknet oder fermentiert, das \u201eMuktuk\u201c \u2013 die unter der Haut liegende Fettschicht \u2013 roh oder leicht gekocht gegessen, das Fett f\u00fcr Lampen verwendet, die Knochen f\u00fcr Baumaterial oder Werkzeuge. Die Jagd erfolgt nach Regeln: Bevor sie beginnt, gibt es Gebete oder Zeremonien, die J\u00e4ger:innen zollen den Tieren ihren Respekt.\u00a0Innerhalb von drei Jahren hat Nweeia sechs Gemeinden in Nunavut, Kanada und Westgr\u00f6nland besucht. Heute ist er \u00fcberzeugt: \u201eDie Indigenen wissen unglaublich viel.\u201c Schlie\u00dflich h\u00e4ngt ihr Leben davon ab. \u201eJ\u00e4ger:innen testen st\u00e4ndig die Extreme von Tieren. Sie wissen, wie sie kommunizieren, was sie fressen, wo sie ihren Nachwuchs bekommen. Ein Blick und sie erkennen, zu welcher Familie ein bestimmter Narwal geh\u00f6rt.\u201c\u00a0Sto\u00dfz\u00e4hne verraten die HerkunftDie Wissenschaft h\u00e4nge an vielen Stellen hinterher \u2013 nicht nur in der Narwal-Forschung. Denn es fehlt ein wichtiger Baustein: die Verbindung zur Natur, der Respekt f\u00fcr die Umwelt. \u201eWeder die fortgeschrittensten Technologien noch ein dreimonatiger Forschungsaufenthalt verschafft einem das Wissen, das Indigene sich ein Leben lang angesammelt haben\u201c, so Nweeia: \u201eDie Inuit erkennen allein am Sto\u00dfzahn, woher ein Tier stammt \u2013 ein k\u00fcrzerer, dickerer bedeutet, das Tier kam aus dem Norden, ein l\u00e4ngerer, d\u00fcnner, aus dem S\u00fcden.\u201c Gerade deshalb inkludiert Nweeia Inuits in fast alle seine Forschungen. \u201eUnd zwar nicht in der Fu\u00dfnote, sondern als Autor:innen\u201c, so Nweeia. Das Wilson Center arbeitet au\u00dferdem daran, Indigene aus der Arktis zur COP 30 nach Brasilien zu holen: \u201eDamit sie das Podium bekommen, das sie verdienen.\u201cIndigene Stimmen \u2013 ein Schl\u00fcssel, um die Arktis zu verstehen und zu bewahren. \u201eSie sehen die Welt nicht als Supermarkt, sie beuten sie nicht aus. Dieses Umdenken muss auch im Westen stattfinden\u201c, so Nweeia. Was braucht es noch? \u201eDas Meer ist weniger erforscht als das Weltall, in den Tiefseegebieten gibt es noch viele blinde Flecken \u2013 besonders, was die langfristige Folge von Meereisschmelze und Permafrost-Auftauung betrifft\u201c, sagt die Rostocker Biodiversit\u00e4tsexpertin Ehrlich. Doch Forschung ist teuer und die Planung kostet Zeit.\u201eNeben Forschung braucht es vor allem Regulierungen f\u00fcr die Nutzung der Arktis, internationale Abkommen m\u00fcssen ausgeweitet und effektiver umgesetzt werden\u201c, so Ehrlich. Fischerei-Verbote erzielen bereits kleine Erfolge, auch die Einrichtung von Reservaten f\u00fcr empfindliche \u00d6kosysteme bringt etwas. Ein Beispiel ist die kanadische Siedlung Clyde River: \u201eVor ein paar Jahren merkten die J\u00e4ger:innen, dass die Narwal-Population dort wegen seismografischer Messungen drastisch abnahm\u201c, sagt Nweeia. Also klagte die kleine Inuit-Gemeinde mithilfe des B\u00fcrgermeisters gegen das National Energy Board Kanadas, Greenpeace unterst\u00fctzte bei den Gerichtskosten. \u201eDie Chancen auf einen Erfolg lagen bei unter zehn Prozent.\u201c Doch dann verbot der Oberste Gerichtshof 2015 dort tats\u00e4chlich die Messungen.\u00a0            Indigene Menschen wissen unglaublich viel. Bei einem Forschungsaufenthalt von drei Monaten k\u00f6nnen wir uns das nie aneignen                    \u2014 Martin Nweeia, Narwal-Forscher        Auch der Einsatz des World Wide Fund for Nature (WWF) f\u00fcr Schutzgebiete tr\u00e4gt Fr\u00fcchte. Er setzt sich f\u00fcr Artenschutz in der Arktis ein \u2013 und ist unter anderem als Beobachter im Arktischen Rat vertreten: Mehr als 35 Millionen Hektar sch\u00fctzt der WWF vor Bergbau und anderen Eingriffen. Bereits seit 1992 gibt es das Arktis-Programm des WWF International, das auch vom WWF Deutschland unterst\u00fctzt wird. Die Zahl der Eisb\u00e4ren zum Beispiel erh\u00f6hte sich von nur 5.000 in den 1950er-Jahren auf heute circa 27.000. Polar Bears International (PBI) wiederum setzt Drohnen und Kamerahalsb\u00e4nder zur Erforschung des Verhaltens\u00a0 von Eisb\u00e4ren ein, in Norwegen werden Polarf\u00fcchse ausgewildert \u2013 der Bestand wuchs von 40 F\u00fcchsen 2006 auf nun fast 300. Biodiversit\u00e4tsexpertin Ehrlich: \u201eDas ist ein Anfang. Was es aber vor allem braucht, ist eine Senkung der Temperatur \u2013 daran kommen wir nicht vorbei.\u201c \u00a0"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Narwale im Hitzestress","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/narwale-im-hitzestress\/#breadcrumbitem"}]}]