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title: "Olympia in Kreuzfeld – schöne Bilder verdecken die gravierenden Schwächen"
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date: 2026-07-30
modified: 2026-07-30
author: "Dirk Bachhausen"
description: "Aus der olympischen Laufbahn soll ein Park werden, aus dem Dopingkontrollzentrum eine Kita, aus der Athletenmensa eine Schule und aus der Poliklinik ein Ärztehaus. An den Wänden des Stadions soll..."
categories:
  - "Köln"
  - "Meinung"
  - "Stadtbezirk Chorweiler"
tags:
  - "bilder"
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# Olympia in Kreuzfeld – schöne Bilder verdecken die gravierenden Schwächen

Aus der olympischen Laufbahn soll ein Park werden, aus dem Dopingkontrollzentrum eine Kita, aus der Athletenmensa eine Schule und aus der Poliklinik ein Ärztehaus. An den Wänden des Stadions soll sogar Gemüse wachsen. Die neuen Visualisierungen für Kreuzfeld erzählen die Geschichte eines Großereignisses, das sich nach wenigen Wochen nahezu nahtlos in einen nachhaltigen Stadtteil verwandelt.

Doch schon jetzt sind erhebliche Widersprüche im Konzept erkennbar. Hinter den beeindruckenden Bildern fehlen weiterhin belastbare Antworten auf die entscheidenden Fragen: Wer trägt die Kosten? Wann entstehen tatsächlich bezahlbare Wohnungen? Welche Verkehrsinfrastruktur wird verbindlich ausgebaut? Und was geschieht, wenn die versprochene Umwandlung teurer, langsamer oder komplizierter wird als heute dargestellt?

Der Kölner Stadt-Anzeiger beschreibt selbst, dass Kreuzfeld zunächst auf die Anforderungen der Spiele zugeschnitten werden soll. Mehrere Baufelder sollen vorerst unbebaut bleiben, weil dort Busterminals, Parkplätze und Flächen für Fernsehproduktionen benötigt werden. Weitere Wohnbebauung soll erst nach den Spielen an das Stadion heranrücken. Damit wird deutlich: In der ersten Phase bestimmt nicht der Wohnungsbedarf der Kölnerinnen und Kölner die Planung, sondern der Bedarf eines wenige Wochen dauernden Großereignisses.

> Eine S-Bahn-Station, an der die Bahn im Zweifel nicht hält
Besonders problematisch ist die Verkehrsanbindung. Das Olympia-Konzept stützt sich wesentlich auf die S-Bahn-Station Blumenberg. Auch der KStA bezeichnet sowohl die S-Bahn-Anbindung als auch den geplanten Anschluss des Blumenbergswegs an die A57 als zentrale Knackpunkte des Projekts. Trotzdem wird bereits von einer künftig „guten Verkehrsanbindung“ gesprochen, als sei diese längst gesichert.

Die Realität sieht anders aus. Seit Jahren werden die Stationen der Chorweiler Schleife regelmäßig ausgelassen, wenn verspätete Züge Zeit aufholen sollen. Dann fährt die S11 von Longerich direkt in Richtung Dormagen und lässt Volkhovener Weg, Chorweiler, Chorweiler Nord, Blumenberg und Worringen aus. Im Jahr 2023 wurden 1.030 solcher Umfahrungen gezählt. Im Jahr 2020 waren es noch 507. Die Zahl hatte sich damit innerhalb von drei Jahren mehr als verdoppelt.

Auch eine Antwort der nordrhein-westfälischen Landesregierung bestätigt das strukturelle Problem. Im Jahr 2022 wurde der Bahnhof Blumenberg wegen betrieblicher Probleme bei durchschnittlich 1,7 Prozent der vorgesehenen Zugfahrten nicht angefahren. Unter Einbeziehung von Baustellen, Ausfällen und der zeitweisen Einstellung der S6 lag der Anteil gegenüber dem Regelfahrplan sogar bei 11,1 Prozent.

Wer an diesem Standort einen Stadtteil für rund 10.000 Menschen und zeitweise ein Dorf für bis zu 16.000 Athletinnen, Athleten und Offizielle errichten will, kann diese Verhältnisse nicht mit einem allgemeinen Versprechen auf spätere Verbesserungen übergehen. Vor einer Olympiabewerbung müsste verbindlich geklärt sein, wie die Chorweiler Schleife dauerhaft gegen Umfahrungen abgesichert, wie der Bahnhof ausgebaut, welche zusätzlichen Verbindungen eingerichtet und wie diese Maßnahmen finanziert werden.

Geradezu verkehrt ist die politische Behauptung, erst Olympia könne den notwendigen Ausbau beschleunigen. Die Menschen in Blumenberg, Chorweiler und Worringen haben unabhängig von einem internationalen Sportereignis Anspruch auf einen zuverlässigen öffentlichen Nahverkehr. Eine funktionierende S-Bahn darf keine olympische Prämie sein.

> Olympia schafft den geplanten Wohnraum nicht zusätzlich
Auch beim Wohnungsbau wird ein bereits bestehendes Projekt nachträglich als olympisches Erbe verkauft. Kreuzfeld wurde lange vor der aktuellen Bewerbung als neuer Stadtteil geplant. Die integrierte Planung der Stadt aus dem Jahr 2023 sah bereits rund 3.500 Wohnungen sowie Schulen, Kitas, Sportflächen, Einzelhandel und weitere soziale Infrastruktur vor. Genau diese Größenordnung von rund 3.500 Wohnungen wird nun erneut als Ergebnis der olympischen Nachnutzung präsentiert.

Olympia erfindet Kreuzfeld also nicht. Die Bewerbung ordnet den bereits geplanten Stadtteil vielmehr einem Veranstaltungskalender unter. Das ist ein entscheidender Unterschied.

Noch lässt sich nicht zweifelsfrei nachweisen, dass Olympia den Wohnungsmangel in Köln tatsächlich verschärfen wird. Das Risiko ist jedoch offensichtlich: Die Bewerbung gilt für die Jahre 2036, 2040 oder 2044. Gleichzeitig unterscheidet das Konzept ausdrücklich zwischen einer auf die Spiele ausgerichteten ersten Phase und der anschließenden Transformation zum regulären Stadtteil. Zusätzliche Wohnflächen sollen erst nach den Spielen entstehen.

Ohne verbindlichen und von der Olympiabewerbung unabhängigen Bauzeitplan droht dringend benötigter Wohnraum über Jahre den Anforderungen eines möglichen Großereignisses untergeordnet zu werden. Köln braucht deshalb Garantien, dass der Wohnungsbau auch ohne Zuschlag weitergeht, dass erste Wohnungen deutlich vor möglichen Spielen fertiggestellt werden können und dass ein festgelegter Anteil dauerhaft preisgebunden bleibt.

Entscheidend ist außerdem, ob die Athletenapartments tatsächlich den Anforderungen des Kölner Wohnungsmarktes entsprechen. Die Ankündigung, sie könnten mit „minimalem baulichem Aufwand“ umgewandelt werden, ersetzt weder konkrete Grundrisse noch Kostenberechnungen, Fördermodelle und verbindliche Mietpreisbindungen. Aus einer Athletenunterkunft wird nicht automatisch eine bezahlbare Familienwohnung.

> „Temporär“ bedeutet noch lange nicht nachhaltig
Besonders fragwürdig ist die Darstellung des geplanten Leichtathletikstadions als nahezu selbstverständlich nachhaltiges Bauwerk. Vorgesehen ist ein Stadion für rund 50.000 Menschen. Ein L-förmiger Rohbau soll dauerhaft bestehen bleiben, während andere Bestandteile in modularer Holzbauweise errichtet, demontiert oder später in Wohnungen und andere Nutzungen umgebaut werden sollen.

Ein Stadion, das seinen eigentlichen olympischen Zweck bereits nach wenigen Wochen verliert, kann jedoch nicht allein deshalb als nachhaltig gelten, weil es als „temporär“ bezeichnet wird. Umgekehrt wäre die Behauptung zu pauschal, ein solches Stadion könne unter keinen Umständen nachhaltig sein. Entscheidend ist seine vollständige ökologische und wirtschaftliche Bilanz.

Dazu gehören der Ressourcenverbrauch für Fundament, Rohbau und Erschließung, die Emissionen der Herstellung, die tatsächliche Wiederverwendbarkeit der Bauteile, die Kosten des Rückbaus sowie die Frage, ob es für jedes demontierte Element bereits eine gesicherte Nachnutzung gibt. Ebenso muss geklärt werden, wer die Umwandlung finanziert und wer das dauerhafte Quartierszentrum anschließend betreibt.

Solange dafür keine belastbaren und öffentlich nachvollziehbaren Nachweise vorliegen, bleibt die Nachhaltigkeit ein Versprechen. Fassadenbegrünung, Regenwassernutzung und Gemüseanbau an Stadionwänden mögen sinnvolle Bestandteile eines Quartiers sein. Sie können aber keine Lebenszyklusbilanz ersetzen. Aus einem überdimensionierten Bauwerk wird durch begrünte Visualisierungen noch kein nachhaltiges Projekt.

> Das Versprechen der kurzen Wege hält einer genaueren Prüfung nicht stand
Auch bei den angeblich besonders kompakten Spielen ist eine sachliche Einordnung notwendig. Die maßgebliche Vorgabe lautet nicht, dass ausnahmslos jede Sportstätte vom zentralen Olympischen Dorf in Kreuzfeld innerhalb einer Stunde erreichbar sein muss. Nach den DOSB-Vorgaben sollen Athletinnen und Athleten höchstens 50 Kilometer Luftlinie oder 60 Autominuten von ihrer jeweiligen Wettkampfstätte entfernt untergebracht werden. Liegt eine Sportstätte weiter entfernt, sind Satellitendörfer oder Unterkünfte in der Nähe der Wettkampfstätte vorgesehen.

Die Bewerbung räumt selbst ein, dass nur rund 95 Prozent der Athletinnen und Athleten im gemeinsamen Dorf untergebracht werden sollen. Sie spricht zudem lediglich davon, dass „die meisten“ Sportstätten innerhalb von 40 Kilometern beziehungsweise 60 Minuten liegen. Damit ist bereits nach eigener Darstellung klar: Nicht alle Sportlerinnen und Sportler werden von Kreuzfeld aus ihre Wettkampfstätte innerhalb der genannten Grenze erreichen.

Formal kann dies durch zusätzliche Unterkünfte gelöst werden. Politisch schwächt es jedoch die Erzählung von einem einzigen kompakten Olympischen Dorf und besonders kurzen Wegen. Satellitendörfer benötigen eigene Sicherheitsstrukturen, medizinische Angebote, Verpflegung, Personal und Transportkonzepte. Diese zusätzlichen Kosten und organisatorischen Anforderungen müssen vollständig offengelegt werden.

Fragwürdig ist außerdem die Berechnungsmethode: Für die abschließende nationale Bewertung lässt der DOSB die Reisezeit um drei Uhr nachts über Google Maps ermitteln. Von drei Messungen wird sogar nur die jeweils kürzeste Zeit berücksichtigt. Eine nächtliche Fahrtzeit sagt jedoch wenig darüber aus, wie zuverlässig die Wege während eines Großereignisses mit Straßensperrungen, Sicherheitszonen, Berufsverkehr und Hunderttausenden Besucherinnen und Besuchern funktionieren.

> Der Landtagswahlkampf braucht konkrete Antworten
Für den Landtagswahlkampf ist Kreuzfeld deshalb besonders relevant. Die Landesregierung muss als erklären, welche finanziellen und verkehrlichen Verpflichtungen das Land tatsächlich übernimmt. Allgemeine Hinweise auf spätere Fördermöglichkeiten reichen nicht aus. Benötigt werden konkrete Summen, Zuständigkeiten, Zeitpläne und eine verbindliche Absicherung gegen Kostensteigerungen.

Sie muss muss deutlich machen, unter welchen überprüfbaren Bedingungen sie die Pläne unterstützt. Vor allem muss sie erklären, wie sie verhindern will, dass Olympia andere kommunale Investitionen verdrängt. Schulen, Schwimmbäder, Turnhallen, Sportplätze, Kitas und Wohnungsbau dürfen nicht zurückgestellt werden, weil Mittel und Planungskapazitäten in ein internationales Großereignis fließen.

Für alle Parteien gilt dieselbe einfache Frage: Würden die S-Bahn, die Schulen, die Kitas, die Sportanlagen und die Wohnungen auch ohne Olympia gebaut? Lautet die Antwort Nein, offenbart dies kein Argument für die Spiele, sondern ein Versagen regulärer Landes- und Kommunalpolitik.

> Köln braucht Wohnungen und Sportstätten – keinen olympischen Vorbehalt
Der politische Maßstab darf nicht allein sein, ob Köln erfolgreiche Spiele ausrichten könnte. Entscheidend ist, ob im Kölner Norden schneller bezahlbare Wohnungen, ein dauerhaft leistungsfähiger öffentlicher Verkehr, soziale Infrastruktur und langfristig nutzbare Sportstätten entstehen.

Am 26. September 2026 entscheidet der DOSB, mit welcher deutschen Region die Bewerbung fortgesetzt wird. Sollte Nordrhein-Westfalen nicht ausgewählt werden, muss der Olympiaspuk für Köln beendet sein.

Dann darf Kreuzfeld allerdings nicht wieder in einer Schublade verschwinden. Im Gegenteil: Der neue Stadtteil muss endlich als das weiterentwickelt werden, was er schon vor der Bewerbung war – ein dringend benötigtes Wohnungsbauprojekt für Köln. Gleichzeitig müssen die vorhandenen Schwimmbäder, Sporthallen, Vereinsanlagen und öffentlichen Sportflächen saniert und ausgebaut werden.

Dafür braucht Köln keine olympischen Ringe. Dafür braucht Köln politische Prioritäten, verlässliche Finanzierung und den Willen, die alltäglichen Probleme der Stadt endlich konkret zu lösen.