[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/opferanwaelte-fordern-schadensansprueche-bei-missbrauch-leichter-anzuerkennen\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/opferanwaelte-fordern-schadensansprueche-bei-missbrauch-leichter-anzuerkennen\/","headline":"Opferanw\u00e4lte fordern, Schadensanspr\u00fcche bei Missbrauch leichter anzuerkennen","name":"Opferanw\u00e4lte fordern, Schadensanspr\u00fcche bei Missbrauch leichter anzuerkennen","description":"Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck \/ Zur Quelle wechseln Missbrauch in der katholischen Kirche Opferanw\u00e4lte fordern, Schadensanspr\u00fcche bei Missbrauch leichter anzuerkennen Vor dem Landgericht Traunstein k\u00e4mpft ein Opfer von sexuellem Missbrauch durch einen Priester um Schadensersatz. Die Kirche blockiert. Seine Anw\u00e4lte fordern nun eine Beweiserleichterung. von Marcus Bensmann 19. 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Die Kirche blockiert. Seine Anw\u00e4lte fordern nun eine Beweiserleichterung.                    von                                Marcus Bensmann19. Juni 2024                                Andreas Perr klagt gegen das Erzbistum M\u00fcnchen und Freising. Foto: Ivo Mayr \/ Correctiv                            Es ging um den Missbrauch durch seinen Priester und darum, ob seine sp\u00e4tere Drogensucht auch Folge des Missbrauchs war. \u00dcber zwei Stunden wurde Andreas Perr von einem Gutachter befragt, den das Landgericht Traunstein bestellt hatte. Weil Perr Schmerzensgeld von der Kirche fordert, muss er seinen erlittenen Schaden beweisen. Es wird wohl noch einen zweiten Termin geben, bis der Gutachter zu einem Ergebnis kommt.In den vergangenen Jahren sind hunderte M\u00e4nner an die \u00d6ffentlichkeit getreten und haben berichtet, wie sie als Kinder von Priestern missbraucht wurden. F\u00fcr viele von ihnen folgte ein Leben in Br\u00fcchen.\u00a0Andreas Perr geriet in Alkohol- und Drogensucht. Es folgten, wie bei vielen Opfern, ein gebrochener Berufsweg oder Armut. Dazu kommen Probleme, Beziehungen einzugehen oder Familien zu gr\u00fcnden. F\u00fcr den ehemaligen Vorsitzenden Richter des Oberlandesgerichts K\u00f6ln, Lothar Jaeger, hat der Missbrauch durch Priester die Opfer oft \u201eaus der Bahn geworfen\u201c, \u201edas Lebensgl\u00fcck\u201c sei zerst\u00f6rt. Allein der \u201egesunde Menschenverstand\u201c zeige einen Zusammenhang zu dem erlittenen Missbrauch.\u00a0Jaeger fordert, dass Zivilgerichte den Missbrauchsopfern von Priestern Schmerzensgeld im hohen sechsstelligen Bereich, wenn nicht gar Millionenh\u00f6he, zusprechen m\u00fcssten. Jaeger hat dazu in diesem Jahr das Buch \u201eSexueller Missbrauch und Gewalt \u2013 Wege zu hohen Anerkennungsleistungen und Entsch\u00e4digungen\u201c ver\u00f6ffentlicht.In dem Gerichtsverfahren in Traunstein wird nun gepr\u00fcft, ob das Opfer seine erlittenen Sch\u00e4den im Zweifelsfall nicht beweisen muss.\u00a0 Das fordern die Anw\u00e4lte des Opfers. Das k\u00f6nnte auch Folgen f\u00fcr weitere Verfahren von Missbrauchsopfern haben.Bisher haben wenige Opfer des Missbrauchs in der katholischen Kirche den Weg vor die Zivilgerichte gewagt. 2023 sprach das Landgericht K\u00f6ln dem Opfer Klaus Menne 300.000 Euro f\u00fcr jahrelangen Missbrauch zu. Dessen Anw\u00e4lte hatten 700.000 Euro gefordert.Priester nach Urteil wegen Kindesmissbrauch erneut eingesetztVor dem Landgericht Traunstein in Bayern wird seit gut einem Jahr der Fall von Andreas Perr verhandelt. Perr hat das Erzbistum M\u00fcnchen und Freising und die Erben des verstorbenen Papstes Benedikt XVI. auf Schmerzensgeld verklagt: 300.000 Euro fordert er vom Erzbistum und 50.000 von den Erben des Papstes, der in den 1980er als Erzbischof in M\u00fcnchen und sp\u00e4ter bis 2005 als Pr\u00e4fekt der Glaubenskongregation Sexualstraft\u00e4ter im Priestergewand eigentlich bestrafen sollte. Das Verfahren gegen die Papsterben ist abgetrennt, bis diese gefunden sind.\u00a0Die Verantwortlichen des Erzbistums und Joseph Ratzinger erm\u00f6glichten es, dass ein Priester trotz einer Verurteilung wegen mehrfachen Kindesmissbrauchs Ende der 1980er Jahre in der Gemeinde Garching an der Alz wieder eingesetzt wurde. Dieser Priester H. konnte dort den Kindesmissbrauch fortsetzen. Eines seiner Opfer war Andreas Perr.Perr muss nun vor Gericht beweisen, dass der Missbrauch durch den Priester H. f\u00fcr seine Drogensucht verantwortlich ist. Das sieht die Zivilprozessordnung vor, die dem Kl\u00e4ger auferlegt, den entstandenen Schaden nachzuweisen.Gilt f\u00fcr den Priester eine besondere F\u00fcrsorgepflicht wie bei \u00c4rzten?F\u00fcr F\u00e4lle von k\u00f6rperlichen oder seelischen Sch\u00e4den gibt es im Zivilrecht eine Ausnahme, bei der die Opfer einen Schaden nicht beweisen m\u00fcssen. F\u00fcr Mitglieder medizinischer Berufe wird grunds\u00e4tzlich vermutet, dass bei einer Verletzung durch eine medizinische Behandlung \u201eder Behandlungsfehler f\u00fcr diese Verletzung urs\u00e4chlich war\u201c. In einem solchen Fall reicht dem Gericht die Vermutung und nicht der Beweis.Peers Anw\u00e4lte ziehen bei dem Missbrauch durch einen Priester genau diese Analogie. Zwar sei das Verh\u00e4ltnis zwischen \u201ePfarrer und Pfarrkind kein Behandlungsverh\u00e4ltnis\u201c, schreibt der Rechtsanwalt in einem vorliegenden Schriftsatz an das Landgericht Traunstein. Doch auch wenn der T\u00e4ter kein Arzt sei, \u00fcbernehme er als Priester eine \u201eBerufspflicht\u201c, die die \u201eseelische Gesundheit\u201c betreffe, und gegen diese habe der Priester durch den Missbrauch \u201evors\u00e4tzlich\u201c versto\u00dfen.\u00a0\u00a0\u00a0\u201eWenn der Geistliche nun in diesem Schutzumfeld vors\u00e4tzlich oder grob fahrl\u00e4ssig die Pflicht zur Bewahrung der seelischen Gesundheit der Kinder und Jugendlichen verletzt, dann verst\u00f6\u00dft er damit auch gegen eine selbst \u00fcbernommene Berufs- und Organisationspflicht, die derjenigen des Arztes (\u2026) vergleichbar ist\u201c, schreiben die Anw\u00e4lte Perrs. Daher fordern sie eine Beweislastumkehr oder eine Beweiserleichterung, da nach \u201eder Lebenserfahrung eine tats\u00e4chliche Vermutung oder eine tats\u00e4chliche Wahrscheinlichkeit f\u00fcr den urs\u00e4chlichen Zusammenhang\u201c durch den Missbrauch des Priesters an Perr gegeben sei.Jaeger: Bistum leugnet Kerngrunds\u00e4tze der KircheDie Anw\u00e4lte des Erzbistums widersprechen dieser \u00dcberlegung in einem Schreiben an das Landgericht, das CORRECTIV vorliegt. \u201eEine Vergleichbarkeit der Interessenlage kommt nur f\u00fcr die Verletzung von Berufspflichten in Betracht, die (\u2026)\u00a0 dem Schutz von Leben und Gesundheit anderer dienen\u201c, so die Anw\u00e4lte. Sie schreiben: \u201eDas Verh\u00e4ltnis des Kl\u00e4gers zu dem Beklagten (Anmerkung: Priester H.)\u00a0 war mit einem \u00e4rztlichen Behandlungsvertrag nicht vergleichbar.\u201c\u00a0 F\u00fcr den Katholiken und ehemaligen Richter Jaeger ist das unverst\u00e4ndlich. \u201eDie Anw\u00e4lte des beklagten Bistums leugnen aus prozesstaktischen Gr\u00fcnden Kerngrunds\u00e4tze der katholischen Kirche.\u201c Das Erzbistum sollte \u2013 auch \u00fcber Rechtsanw\u00e4lte \u2013 die Auffassung vertreten, dass der Schutz f\u00fcr das seelische Wohl der Kinder zu den ureigensten Aufgaben eines jeden Priesters geh\u00f6re, sagt Jaeger.\u00a0Bisher versuchen die katholischen Bist\u00fcmer in Deutschland, die Schadensregulierung bei sexuellem Missbrauch \u00fcber die sogenannte Unabh\u00e4ngige Kommission zur Anerkennungsleistung (UKA) unter dem kirchlichen Dach zu regeln. Die zunehmenden Klagen vor den Zivilgerichten drohen dieses Monopol zu brechen. \u201eSollte das Landgericht Traunstein der Argumentation des Kl\u00e4gers zur Beweislastumkehr folgen, was keinesfalls sicher ist, so w\u00e4re das f\u00fcr weitere zivilrechtliche Klagen wegen sexuellen Missbrauchs durch Kleriker von erheblicher Bedeutung\u201c, sagt Jaeger.Zur Quelle wechselnAuthor: Marcus Bensmann"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Opferanw\u00e4lte fordern, Schadensanspr\u00fcche bei Missbrauch leichter anzuerkennen","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/opferanwaelte-fordern-schadensansprueche-bei-missbrauch-leichter-anzuerkennen\/#breadcrumbitem"}]}]