[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/roemerpass-unter-gletscher-widerspricht-nicht-dem-menschengemachten-klimawandel\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/roemerpass-unter-gletscher-widerspricht-nicht-dem-menschengemachten-klimawandel\/","headline":"\u201eR\u00f6merpass\u201c unter Gletscher  widerspricht nicht dem menschengemachten Klimawandel","name":"\u201eR\u00f6merpass\u201c unter Gletscher  widerspricht nicht dem menschengemachten Klimawandel","description":"Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck \/ Zur Quelle wechseln Faktencheck \u201eR\u00f6merpass\u201c unter Gletscher widerspricht nicht dem menschengemachten Klimawandel Das Eis auf einem Schweizer Alpenpass ist nach Jahrtausenden komplett geschmolzen. 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In Sozialen Netzwerken hei\u00dft es, die R\u00f6mer h\u00e4tten den Pass in einer eisfreien Periode vor 2.000 Jahren genutzt \u2013 und dies widerspreche dem menschengemachten Klimawandel. Doch das ist falsch.                     von                                Sarah Langner28. November 2024                                Der Tsanfleuronpass ist seit 2022 eisfrei. Die beiden angrenzenden Gletscher werden von Jahr zu Jahr kleiner. (Quelle: Jean-Christophe Bott \/ Keystone \/ Picture Alliance)                                        Behauptung                    Ein Passweg der R\u00f6mer, der unter einem abgeschmolzenen Gletscher gelegen habe, widerspreche dem menschengemachten Klimawandel.                        Aufgestellt von:     viraler Instagram-Beitrag von Politik und Zeitgeschehen                            Datum:                19.10.2024            Quelle            Bewertung        Falsch\u00dcber diese Bewertung                            Falsch. Es ist unklar, ob die R\u00f6mer den Pass nutzten und ob er vor 2.000 Jahren eisfrei war \u2013 neuere Forschung spricht dagegen. Unabh\u00e4ngig davon sind Gletscherregionen, die in der Vergangenheit eisfrei waren, kein Beweis gegen den menschengemachten Klimawandel. Insbesondere die Geschwindigkeit, mit der sich das Klima in den letzten Jahrzehnten ver\u00e4ndert hat, unterscheidet den aktuellen Klimawandel von vergangenen nat\u00fcrlichen Klimaschwankungen.    Der Tsanfleuronpass in den Schweizer Alpen verband \u00fcber Jahrtausende die beiden Gletscher Sex Rouge und Tsanfleuron miteinander. Heute jedoch trennt er sie. Denn seit September 2022 zeigt der Pass seinen Ger\u00f6llr\u00fccken, das Eis darauf ist g\u00e4nzlich geschmolzen.Das ist Anlass f\u00fcr manche, den menschengemachten Klimawandel in Frage zu stellen. Auch in einem viralen Instagram-Beitrag mit mehr als 10.000 Likes geht es offenbar um den Tsanfleuronpass, darin hei\u00dft es: \u201eWenn man unter weggeschmolzenen Gletschermassen einen 2.000 Jahre alten Passweg entdeckt, der zur R\u00f6merzeit noch flei\u00dfig benutzt wurde, sollte man seine paranoide Klimahysterie vielleicht mal \u00fcberdenken.\u201c Die Argumentation dahinter: Wenn das Eis auf dem Passweg vor 2.000 Jahren auf nat\u00fcrliche Weise geschmolzen ist, dann kann der Einfluss des Menschen auf den aktuellen Klimawandel ja nicht so schlimm sein.Der Instagram-Beitrag stammt von einem Account namens \u201ePolitik und Zeitgeschehen\u201c, nach eigenen Angaben eine Medien- und Nachrichtenseite, die jedoch schon in der Vergangenheit mit falschen und irref\u00fchrenden Behauptungen auffiel.Auch die Argumentation in Bezug auf den Passweg ist irref\u00fchrend und ihr fehlt Kontext: Zum einen wurde der Pass zur R\u00f6merzeit h\u00f6chstwahrscheinlich nicht \u201eflei\u00dfig benutzt\u201c, es ist nicht einmal sicher, ob er vor 2.000 Jahren eisfrei war. Zum anderen widerspricht eine vergangene eisfreie Periode eines Gletschergebiets nicht dem menschengemachten Klimawandel. Warum das so ist, erkl\u00e4ren wir im Faktencheck.Auf Instagram suggeriert der Account \u201ePolitik und Zeitgeschehen\u201c, dass ein Pass, der bis 2022 unter einem Gletscher lag, den menschengemachten Klimawandel widerlege. Doch das ist falsch. (Quelle: Instagram; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)Tsanfleuronpass war wahrscheinlich kein \u201eR\u00f6merpass\u201c\u00a0Das Abschmelzen des Tsanfleuronpasses weckte internationales Interesse, viele Medien griffen das Thema 2022 auf. Der Focus titelte: \u201eHitze-Sommer legt seit 2000 Jahren verborgenen Pass in Alpen frei.\u201c In einem Spiegel-Artikel hei\u00dft es im Teaser, schon die R\u00f6mer seien durch Schnee und Eis \u00fcber den Pass gestapft.Einige Medienberichte erweckten einen falschen Eindruck, erkl\u00e4rt uns auf Anfrage der Glaziologe Mauro Fischer von der Universit\u00e4t Bern. Er hat an der damaligen Pressemitteilung des Skigebiets Glacier 3000 mitgewirkt. In der Pressemitteilung hei\u00dft es, dass der Tsanfleuronpass \u201emindestens seit 2.000 Jahren\u201c beziehungsweise \u201emindestens seit der R\u00f6merzeit\u201c mit Eis bedeckt gewesen sei, wahrscheinlich sogar noch l\u00e4nger. Bei den 2.000 Jahren habe es sich um eine \u201ekonservative Sch\u00e4tzung\u201c gehandelt. Inzwischen liefere die neuere Forschung \u201estarke Hinweise daf\u00fcr, dass der Pass viel l\u00e4nger als die letzten 2.000 Jahre eisbedeckt war.\u201c Dass der Pass \u201emindestens\u201c seit 2.000 Jahren mit Eis bedeckt war, ordnen auch der Focus und Spiegel im Verlauf der Artikel ein.Dass die R\u00f6mer den Pass wie auf Instagram behauptet \u201eflei\u00dfig genutzt\u201c h\u00e4tten, halten sowohl Fischer als auch der Glaziologe Christoph Mayer von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften f\u00fcr unwahrscheinlich. \u201eF\u00fcr die \u00dcberquerung der Berner Alpen gibt\u2019s in der Region viel plausiblere und einfachere Routen\u201c, erkl\u00e4rt Fischer. Tsanfleuron sei daher eher ein Nebenpass gewesen, der bei g\u00fcnstigen Verh\u00e4ltnissen vielleicht begangen worden sei, so Mayer.Doch unabh\u00e4ngig davon, ob der Pass von den R\u00f6mern genutzt wurde oder ob er vor 2.000 Jahren eisfrei war \u2013 beides w\u00e4re kein Beleg gegen den menschengemachten Klimawandel.In der Vergangenheit abgeschmolzene Gletscher widerlegen nicht den menschengemachten KlimawandelDas Argument komme immer wieder auf und sei \u201ev\u00f6llig haltlos\u201c, schreibt uns auf Anfrage Matthias Huss, Glaziologe an der Eidgen\u00f6ssischen Technischen Hochschule Z\u00fcrich. \u201eKein Klimawissenschaftler bestreitet, dass sich das Klima auch nat\u00fcrlich \u00e4ndert.\u201c Gr\u00fcnde f\u00fcr nat\u00fcrliche Schwankungen in der Vergangenheit waren etwa Vulkanausbr\u00fcche oder eine ver\u00e4nderte Sonneneinstrahlung, wie wir in einem Hintergrund erkl\u00e4ren.Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: \u201eDas Klima \u00e4ndert sich seit einigen Jahrzehnten mit einem unglaublichen Tempo \u2013 und gewaltigen Konsequenzen f\u00fcr die Menschheit\u201c, betont Huss. \u201eDass es in den Alpen vor 2.000 Jahren an gewissen Stellen weniger Eis gab als heute, ist eine interessante Beobachtung, aber sie hat nichts zu tun mit dem menschgemachten Klimawandel und seinen Auswirkungen.\u201cAuch Mayer betont uns gegen\u00fcber die hohe Geschwindigkeit des menschengemachten Klimawandels. Die Situation im Vergleich zu vor 2.000 Jahren beschreibt er so: \u201eDie mittlere Temperaturschwankung war damals etwa 0,5 bis 0,7 Grad \u00fcber 500 Jahre. Heute erleben wir einen Anstieg von bisher 1,3 bis 1,5 Grad in 150 Jahren und davon den gr\u00f6\u00dften Teil in den letzten 30 Jahren, mit einer deutlichen Tendenz zur Beschleunigung.\u201cDer Temperaturanstieg in den letzten Jahrzehnten sei zu 100 Prozent durch den Einfluss des Menschen zu erkl\u00e4ren, schreibt Huss. \u201eEs ist physikalisch ganz klar belegt, wieso der Aussto\u00df an Treibhausgasen zur Erw\u00e4rmung f\u00fchrt. Die Zusammenh\u00e4nge sind schon seit \u00fcber 100 Jahren bekannt.\u201cDass nat\u00fcrliche Faktoren den aktuellen Klimawandel nicht erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, belegt auch eine Grafik des Weltklimarats. Sie zeigt, wie sich die globale Oberfl\u00e4chentemperatur \u00e4ndern w\u00fcrde, wenn menschliche Faktoren wegfielen: Sie w\u00e4re deutlich weniger angestiegen.Eisfreie Fl\u00e4che am Tsanfleuronpass w\u00e4chst jedes JahrAuch den globalen Gletscherschwund der letzten Jahrzehnte k\u00f6nne man nur mit dem menschgemachten Klimawandel erkl\u00e4ren, schreibt Fischer. Die eisfreie Fl\u00e4che um den Tsanfleuronpass wachse von Jahr zu Jahr. Von der Schmelze seien auch die beiden an den Pass grenzenden Gletscher betroffen. Fischer misst f\u00fcr das Schweizerische Gletschermessnetz Glamos die Massenbilanzen dieser beiden Gletscher. Ihre Zukunft sieht er kritisch: \u201eSowohl der kleinere Sex Rouge als auch der etwas gr\u00f6\u00dfere Tsanfleurongletscher werden beide innerhalb der n\u00e4chsten Jahrzehnte komplett verschwinden.\u201cDer Verlust des letzten Eises auf dem Pass fiel mit 2022 in ein besonders warmes Jahr, schreibt Huss. Er bezeichnet es als \u201eabsolutes Rekordjahr\u201c \u2013 seit Beginn der Gletscher-Messungen in der Schweiz vor \u00fcber 100 Jahren habe es keine ann\u00e4hernd starke Gletscherschmelze gegeben. Allein 2022 und 2023 hat die Schweiz zehn Prozent ihres verbleibenden Gletschereises verloren. Das Jahr 2024 sei dank viel Schnee im Winter etwas weniger dramatisch gewesen.Diese Grafik des World Glacier Monitoring Service zeigt: Die Gletscher in Mitteleuropa (blaue gestrichelte Linie) verlieren im weltweiten Vergleich am meisten Eismasse (Quelle: World Glacier Monitoring Service; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)Mayer erkl\u00e4rt jedoch: Selbst wenn das jetzige Klima genau so bleiben w\u00fcrde, wie es ist, w\u00fcrden die Gletscher noch Jahrzehnte weiter abschmelzen, da sie verz\u00f6gert auf Klimaentwicklungen reagieren. Fischers Prognose f\u00fcr die Region lautet: \u201eGegen Ende des 21. Jahrhunderts wird es in den Alpen fast kein Gletschereis mehr geben, und daf\u00fcr sind nicht nat\u00fcrliche Klimaschwankungen, sondern der menschengemachte Klimawandel verantwortlich.\u201cDer Betreiber des Instagram-Accounts \u201ePolitik und Zeitgeschehen\u201c antwortete nicht auf eine Anfrage dazu.Redigatur: Paulina Thom, Gabriele ScherndlZur Quelle wechselnAuthor: Sarah Langner"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"\u201eR\u00f6merpass\u201c unter Gletscher  widerspricht nicht dem menschengemachten Klimawandel","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/roemerpass-unter-gletscher-widerspricht-nicht-dem-menschengemachten-klimawandel\/#breadcrumbitem"}]}]