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Trödler auf dem Wochenmarkt : Chorweiler braucht mehr Vielfalt statt mehr Kontrollen

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Auf dem Wochenmarkt am Liverpooler Platz sollen künftig verstärkt Genehmigungen kontrolliert werden. Auslöser ist eine Anfrage der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Chorweiler. Doch gerade in einem Stadtteil wie Chorweiler ist Trödel nicht das Problem, sondern oft Teil der Lösung.

Der Wochenmarkt in Chorweiler lebt von dem, was viele Märkte lebendig macht: Auswahl, Begegnung, günstige Angebote und einer gewissen Unordnung des Alltags. Neben Obst, Gemüse, Textilien und anderen Waren finden sich auf dem Liverpooler Platz offenbar auch immer wieder Trödelstände. Gebrauchte Kinderkleidung, Haushaltswaren, Porzellan, Schmuck, Kleinigkeiten vom Dachboden – Dinge also, die für manche Menschen Ballast sind, für andere aber eine bezahlbare Möglichkeit, den Alltag zu bestreiten.

Nun soll damit offenbar Schluss sein oder zumindest deutlich härter durchgegriffen werden. Die SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Chorweiler hat bei der Verwaltung nachgefragt, ob diese Trödelstände überhaupt genehmigt seien und ob Gebühren gezahlt würden. Die Antwort: Nach Kenntnis der Verwaltung handele es sich um einzelne Trödelstände ohne Genehmigung. Künftig soll der kommunale Ordnungsdienst häufiger kontrollieren.

Man kann das formal nachvollziehen. Natürlich müssen Regeln gelten. Natürlich ist es gegenüber regulären Markthändlern erklärungsbedürftig, wenn einige Gebühren zahlen und andere nicht. Aber Politik besteht eben nicht nur darin, auf Regelverstöße zu zeigen und dann Kontrollen zu fordern. Politik bedeutet auch, zu fragen: Was braucht dieser Stadtteil eigentlich?

Und gerade in Chorweiler ist die Antwort ziemlich offensichtlich: Chorweiler braucht mehr Leben auf dem Platz, mehr Angebote, mehr niedrigschwellige Möglichkeiten und nicht weniger.

Ein Markt wird interessanter, je vielfältiger er ist. Mehr Stände bedeuten mehr Auswahl. Mehr Auswahl bedeutet mehr Besucher. Mehr Besucher bedeuten am Ende auch mehr Umsatz für die regulären Händler. Wer schon einmal über einen lebendigen Markt gelaufen ist, weiß: Gerade die Mischung macht den Reiz aus. Ein Markt, der nur noch aus streng sortierten, formal perfekten Verkaufsflächen besteht, ist vielleicht ordnungspolitisch sauberer – aber nicht automatisch besser für die Menschen vor Ort.

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Besonders bitter ist dabei, dass es ausgerechnet in Chorweiler Menschen gibt, die auf günstige gebrauchte Waren angewiesen sind. Für Familien mit wenig Geld kann gebrauchte Kinderkleidung eine echte Entlastung sein. Für Seniorinnen und Senioren mit kleiner Rente kann ein günstiges Haushaltsgerät hilfreich sein. Für Menschen, die jeden Euro umdrehen müssen, ist Trödel kein romantisches Hobby, sondern manchmal schlicht notwendig.

Warum die SPD ausgerechnet hier den Schwerpunkt auf Kontrolle legt, muss sie den Menschen im Stadtteil erklären. Denn sozial wirkt das nicht. Sozial wäre es, eine Lösung zu schaffen, die beides ermöglicht: faire Regeln für Händler und bezahlbare Angebote für Bürgerinnen und Bürger. Denkbar wären einfache Tagesgenehmigungen, geringe Standgebühren, klar markierte Flächen oder ein regelmäßiger kleiner Trödelbereich am Rand des Wochenmarkts. Das wäre pragmatisch, bürgernah und würde den Markt stärken.

Stattdessen entsteht der Eindruck: Wieder einmal wird nicht gestaltet, sondern verwaltet. Nicht ermöglicht, sondern eingeschränkt. Die SPD-Fraktion in Chorweiler fällt ohnehin viel zu selten durch mutige, sinnvolle Initiativen für den Stadtteil auf. Häufiger bleibt der Eindruck von Passivität, internen Problemen und politischer Ideenarmut. Wenn dann ausgerechnet der Trödel auf dem Wochenmarkt zum Thema gemacht wird, wirkt das wie eine falsche Priorität zur falschen Zeit.

Chorweiler hat größere Probleme als ein paar Menschen, die gebrauchte Waren verkaufen. Der Stadtteil braucht Aufenthaltsqualität, funktionierende soziale Infrastruktur, Sauberkeit, Sicherheit, echte wirtschaftliche Impulse und eine Politik, die die Lebensrealität der Menschen ernst nimmt.

Wer den Wochenmarkt stärken will, sollte ihn nicht kleiner, steriler und teurer machen. Er sollte ihn öffnen, ordnen und weiterentwickeln. Die Stadt könnte aus dem bestehenden Trödelangebot etwas Positives machen: einen legalen, bezahlbaren und regelmäßigen Bereich für Gebrauchtwaren. Das würde den Marktplatz beleben, den Menschen helfen und trotzdem für faire Bedingungen sorgen.

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Mehr Kontrollen allein sind keine Lösung. Sie sind höchstens ein Zeichen dafür, dass der Politik wieder einmal nichts Besseres einfällt.

Chorweiler braucht keine Jagd auf Trödler. Chorweiler braucht einen Markt, der für alle da ist.

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