[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/stromausfall-in-berlin-gefluechtete-wurden-nicht-in-luxushotels-untergebracht\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/stromausfall-in-berlin-gefluechtete-wurden-nicht-in-luxushotels-untergebracht\/","headline":"Stromausfall in Berlin: Gefl\u00fcchtete wurden nicht in Luxushotels untergebracht","name":"Stromausfall in Berlin: Gefl\u00fcchtete wurden nicht in Luxushotels untergebracht","description":"Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck \/ Zur Quelle wechseln Politik Stromausfall in Berlin: Gefl\u00fcchtete wurden nicht in Luxushotels untergebracht W\u00e4hrend des Stromausfalls kochte die Stimmung gegen eine angebliche Ma\u00dfnahme der Berliner Regierung hoch: Sie soll Gefl\u00fcchtete in Luxushotels, unter anderem am Ku\u2019damm, untergebracht haben. 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Verbreitet wird die Behauptung von bekannten AfD-Politikern. Doch sie ist falsch.                     von                                Paulina Thom13. Januar 2026                                Eine Notunterkunft im B\u00fcrgersaal im Rathaus Zehlendorf \u2013 Zehntausende Menschen im S\u00fcdwesten Berlins hatten im Januar 2026 tagelang keinen Strom. (Foto: Carsten Koall \/ DPA \/ Picture Alliance)                                          Behauptung                    W\u00e4hrend des Stromausfalls in Berlin seien Gefl\u00fcchtete in Luxushotels, unter anderem am Ku\u2019damm, untergebracht worden.                        Aufgestellt von: AfD-Politiker Dennis Hohloch und Marc Bernhard, Beitr\u00e4gen in Sozialen Netzwerken                            Datum:                05.01.2026                                Quelle                            Bewertung                                Falsch                                            \u00dcber diese Bewertung                            Falsch. In dem Hotel am Ku\u2019damm wurden nach dem Stromausfall laut der zust\u00e4ndigen Senatsverwaltung und dem Landesamt f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsangelegenheiten und dem Hotel keine Gefl\u00fcchteten untergebracht. Entsprechende Medienberichte sind aus dem November 2023. Auch in andere Hotels wurden demnach nach dem Stromausfall keine Gefl\u00fcchteten verlegt.    \u201eIn Berlin ist ja Stromausfall und Fl\u00fcchtlinge werden jetzt unter anderem in einem Hotel am Ku\u2019damm, einem Ex-Luxushotel untergebracht\u201c, erz\u00e4hlt Dennis Hohloch auf Instagram und blendet dazu eine Schlagzeile ein. Hohloch ist AfD-Abgeordneter in Brandenburg, sein Beitrag hat 27.000 Likes. Mittlerweile ist der Beitrag gel\u00f6scht.Auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Marc Bernhard behauptet auf X, es seien \u201ealle Asylbewerber\u201c wegen des Stromausfalls in Luxushotels untergebracht worden. \u201eMinusgrade f\u00fcr Deutsche \u2013 F\u00fcnf-Sterne f\u00fcr \u201aFl\u00fcchtlinge\u2018\u201c, schreibt er dazu. Mary Khan, EU-Abgeordnete, und viele andere teilten im Kontext des Stromausfalls die Schlagzeile eines Bild-Artikels: \u201eBerlin mietet Luxushotel f\u00fcr Asylbewerber\u201c. Dass sie aktuell ist, behauptet Khan nicht \u2013 sie schreibt aber auch nicht dazu, dass die Schlagzeile mehr als zwei Jahre alt ist.In dem Hotel am Ku\u2019damm leben laut der zust\u00e4ndigen Senatsverwaltung aktuell keine Gefl\u00fcchteten. Laut Senatsverwaltung und dem zust\u00e4ndigen Landesamt wurden wegen des Stromausfalls keine Gefl\u00fcchteten in Hotels untergebracht.Hohloch blendete auf Instagram eine mehr als zwei Jahre alte Meldung ein und behauptete f\u00e4lschlich, die Berliner Regierung bringe Gef\u00fcchtete wegen des Stromausfalls aktuell in einem Hotel am Ku\u2019damm unter. Mittlerweile ist der Beitrag gel\u00f6scht (Quelle: Instagram \/ Dennis Hohloch; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)Kritik am Krisenmanagement der Berliner Regierung w\u00e4hrend des Stromausfalls\u00a0Nach einem mutma\u00dflich linksextremistischen Anschlag einer Vereinigung mit dem Namen \u201eVulkangruppe\u201c auf eine Kabelbr\u00fccke am 3. Januar gab es im Berliner S\u00fcdwesten tagelang keinen Strom und damit auch keine Heizung, Internet und Mobilfunk \u2013 etwa 100.000 Menschen waren betroffen. Seit Mittwoch l\u00e4uft die Stromversorgung wieder.\u00a0Am Krisenmanagement der Berliner Regierung gab es vielfach Kritik: \u00c4ltere Menschen und Pflegebed\u00fcrftige mussten teilweise in Turnhallen \u00fcbernachten, der regierende B\u00fcrgermeister Kai Wegner (CDU) sei nicht pr\u00e4sent genug gewesen, lautete ein weiterer Vorwurf. Dass Wegner wenige Stunden nach Beginn des Stromausfalls Tennis spielen ging, sorgte f\u00fcr R\u00fccktrittsforderungen.\u00a0Hinzu kam eine Debatte dar\u00fcber, ob die Stadt \u00dcbernachtungskosten von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern \u00fcbernimmt. Neben Notunterk\u00fcnften bestand f\u00fcr Betroffene die M\u00f6glichkeit, als Selbstzahler zu Sonderkonditionen in einem Hotel zu \u00fcbernachten. Das rief Kritik hervor \u2013 einige Tage sp\u00e4ter gab der Senat bekannt, nun doch die gesamten Hotelkosten zu erstatten.\u00a0\u00a0Keine Hotelunterbringung von Gefl\u00fcchteten am Ku\u2019damm w\u00e4hrend des Stromausfalls in Berlin\u00a0Anders sah es bei der Unterbringung von Gefl\u00fcchteten aus, denn sie wurden nicht in Hotels untergebracht. Sowohl der Bericht, den Hohloch einblendet, als auch der  \u00fcber das \u201eLuxushotel am Ku\u2019damm\u201c sind von November 2023. Auch die Zahlen, die Hohloch nennt \u2013 166 Asylbewerbende zu Kosten von rund 9.500 Euro pro Tag \u2013 stammen aus den Berichten.\u00a0Wir haben uns bei der Senatsverwaltung nach der aktuellen Lage erkundigt. Aus der Senatsverwaltung f\u00fcr Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung schreibt uns Pressesprecher, Stefan Strau\u00df, dass im ehemaligen Luxushotel am Ku\u2019damm keine Asylbewerbenden oder Gefl\u00fcchteten mehr untergebracht sind \u2013 auch nicht im Zuge des Stromausfalls. Der Betreiber des Hotels, die Dormero AG, best\u00e4tigt CORRECTIV.Faktencheck telefonisch, dass keine Gefl\u00fcchteten im Zuge des Stromausfalls untergekommen seien.\u00a0Gefl\u00fcchtete aus drei Einrichtungen wurden in Notunterkunft nach Tegel verlegtStrau\u00df schreibt uns, es seien wegen des Stromausfalls grunds\u00e4tzlich keine Gefl\u00fcchteten in Hotels untergebracht worden und es seien auch nicht \u201ealle Asylbewerber\u201c \u2013 wie AfD-Politiker Marc Bernhard behauptet \u2013 verlegt worden. \u201eTeilweise hatten Menschen eine Unterkunft bei Bekannten und Verwandten gefunden, weshalb nicht alle Personen verlegt wurden. An den Orten, wo die Raumtemperatur noch ertr\u00e4glich war, haben wir zugelassen, dass die Menschen freiwillig in der Unterkunft bleiben k\u00f6nnen\u201c, schreibt Strau\u00df.\u00a0Insgesamt seien 250 Gefl\u00fcchtete aus drei vom Stromausfall betroffenen Unterk\u00fcnften vor\u00fcbergehend in die Notunterkunft am ehemaligen Flughafen Tegel verlegt worden. Dar\u00fcber gab es eine Pressemeldung sowie nachtr\u00e4glich eine Einordnung durch das Landesamt f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsangelegenheiten (LAF) auf Instagram. Demnach z\u00e4hlten dazu eine Containerunterkunft am Hohentwielsteig, eine Unterkunft in Heckeshorn f\u00fcr besonders Schutzbed\u00fcrftige \u2013 dort leben Menschen, die mehrheitlich pflegebed\u00fcrftig sind oder eine k\u00f6rperliche Beeintr\u00e4chtigung beziehungsweise einen erh\u00f6hten medizinischen Bedarf haben \u2013 und zehn Personen mit medizinischem Bedarf aus der Gemeinschaftsunterkunft Beelitzhof. Auch das LAF gibt an: Nach dem Stromausfall seien Gefl\u00fcchtete nicht in Hotels verlegt worden.\u00a0Unabh\u00e4ngig vom Stromausfall bringt das LAF Gefl\u00fcchtete auch in Hotels und Hostels unter, weil es nicht gen\u00fcgend freie Pl\u00e4tze in regul\u00e4ren Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften gibt. Im Instagram Beitrag des LAF ist von einem Kontingent von aktuell 3.300 Pl\u00e4tzen die Rede. Laut Medienberichten waren Mitte Dezember 3.100 dieser Pl\u00e4tze belegt. An dem Vorgehen gibt es immer wieder Kritik, weil die Unterbringung deutlich teurer als in landeseigenen Unterk\u00fcnften ist.\u00a0Die AfD-Politiker Hohloch und Bernhard antworteten bis zur Ver\u00f6ffentlichung nicht auf Anfragen von CORRECTIV.Faktencheck. Hohlochs Instagram-Beitrag ist inzwischen gel\u00f6scht. Khan betont auf Nachfrage, sie habe zu keinem Zeitpunkt behauptet, Asylbewerber seien wegen des aktuellen Stromausfalls in einem Luxushotel am Ku\u2019damm untergebracht worden. Ihr Beitrag thematisiere die Priorit\u00e4tensetzung der Berliner CDU: \u201eW\u00e4hrend f\u00fcr Migranten in der Vergangenheit problemlos hochpreisige Hotels wie am Ku\u2019damm angemietet wurden, m\u00fcssen deutsche Senioren in Krisensituationen in Turnhallen oder \u00e4hnlichen Notunterk\u00fcnften ausharren.\u201c\u00a0Neiddebatte um Unterkunft \u2013 laut Soziologe \u201etypisches Muster\u201c in Notsituationen\u00a0In den Kommentaren unter den Beitr\u00e4gen mit der Falschbehauptung herrscht teilweise Unverst\u00e4ndnis \u00fcber die Politik, teilweise sind dort auch rassistische \u00c4u\u00dferungen.\u00a0Laut Marc Helbling, Professor f\u00fcr Soziologie an der Universit\u00e4t Mannheim, zeigt sich an solchen Debatten ein typisches Muster: \u201eIn Notsituationen wie wirtschaftlichen Krisen oder Massenmigration richten sich Neid und Hass oft auf geflohene Menschen, weil diese als Konkurrenz um knappe Ressourcen wahrgenommen werden und als S\u00fcndenb\u00f6cke dienen.\u201c\u00a0Menschen, denen es aus sozio-\u00f6konomischer Perspektive schlecht gehe, suchten die Schuld f\u00fcr ihre Lage oft bei Menschen, die nicht als volle Mitglieder der eigenen Gemeinschaft gesehen werden, sprich Personen mit Migrationshintergrund. Aber auch bei Menschen mit einem hohen sozio-\u00f6konomischen Status lie\u00dfen sich Ablehnungen gegen Menschen mit Migrationshintergrund beobachten. \u201eDiese sorgen sich nicht um die eigene Situation, sondern um diejenige des (Wohlfahrts)-Staates. Sie sind der Meinung, dass diese Personen eine Belastung darstellen, f\u00fcr welche sie mit ihren Steuern aufkommen m\u00fcssen.\u201c Politische Rhetorik verst\u00e4rke solche Wahrnehmungen von Konkurrenz, schreibt Helbling \u2013 und sie lenke von Systemfehlern ab.\u00a0Redigatur: Matthias Bau, Gabriele ScherndlZur Quelle wechselnAuthor: Gabriele Scherndl"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Stromausfall in Berlin: Gefl\u00fcchtete wurden nicht in Luxushotels untergebracht","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/stromausfall-in-berlin-gefluechtete-wurden-nicht-in-luxushotels-untergebracht\/#breadcrumbitem"}]}]