[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/studie-zeigt-warum-bild-tv-so-peinlich-gefloppt-ist\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/studie-zeigt-warum-bild-tv-so-peinlich-gefloppt-ist\/","headline":"Studie zeigt, warum BILD TV so peinlich gefloppt ist","name":"Studie zeigt, warum BILD TV so peinlich gefloppt ist","description":"Es gibt Dinge, die passen einfach nicht zusammen. Zum Beispiel: Journalismus und Hetze. Oder: Seriosit\u00e4t und BILD. Boulevard und Bewegtbild hingegen passen eigentlich perfekt zusammen. Umso beeindruckender ist es, wie BILD es geschafft hat, daraus ein Chaosprojekt zu machen. Und das Beste: Der peinliche Flop wurde sogar wissenschaftlich begleitet. 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Zum Beispiel: Journalismus und Hetze. Oder: Seriosit\u00e4t und BILD. Boulevard und Bewegtbild hingegen passen eigentlich perfekt zusammen. Umso beeindruckender ist es, wie BILD es geschafft hat, daraus ein Chaosprojekt zu machen. Und das Beste: Der peinliche Flop wurde sogar wissenschaftlich begleitet.BILD wollte Fernsehen machen. Nicht irgendwie, sondern gro\u00df: als \u201eMultiplattform-Universum\u201c, als Fox-News-m\u00e4\u00dfiger Dauerfeuer-Kanal, als \u201eWir sind live, w\u00e4hrend die anderen noch Kaffee holen\u201c-Maschinerie. Und nat\u00fcrlich: unter Julian Reichelt, dem ehemaligen BILD-Chefredakteur. Das Ergebnis? Ein Sender, der intern schon beim Start als Chaosprojekt beschrieben wurde \u2013 und der letztlich zum Jahresende 2023 als journalistischer sowie wirtschaftlicher Totalschaden eingestellt wurde.\u00a0Der renommierte Medienforscher Volker Lilienthal (Universit\u00e4t Hamburg) durfte 2020 direkt in die Redaktion schauen. Er hat Redaktionskonferenzen beobachtet und 43 Mitarbeitende befragt. Und zwar aus ganz unterschiedlichen Ebenen: normale Redakteur*innen, mittleres Management und sogar Chefredaktion. Seine Einblicke hat Lilienthal dann wissenschaftlich ausgewertet. Und der Titel der Studie ist schon eine Ohrfeige f\u00fcr BILD: \u201eEin Jahr des Chaos\u201c.Der \u201eFC Bayern der Medien\u201c stolperte \u00fcber die eigenen Schn\u00fcrsenkelBILD h\u00e4lt bekanntlich sehr viel von sich selbst. Das wird in der Studie mehrfach deutlich. Mitarbeitende beschreiben einen \u201eKorpsgeist\u201c, ein Elitegef\u00fchl, ein Selbstbild als \u201eFC Bayern\u201c der Medien. Man sehe sich als \u201ehochgez\u00fcchtete Rennpferde\u201c.Gleichzeitig zeigt die Studie sehr klar: Dieses Projekt wurde auf dem R\u00fccken der Besch\u00e4ftigten gebaut. Viele Mitarbeitende berichten von drastisch l\u00e4ngeren Arbeitstagen seit dem Start von BILD TV. In den Interviews ist von realen Wochenarbeitszeiten weit \u00fcber dem Vertrag die Rede, und einige schildern Schichten von bis zu 18 Stunden am Tag. Gleichzeitig mussten viele pl\u00f6tzlich Dinge machen, f\u00fcr die sie weder ausgebildet noch ausreichend unterst\u00fctzt wurden: live vor der Kamera, Video produzieren, schneiden, Ton organisieren. Zus\u00e4tzlich zum normalen Print- und Onlinebetrieb und nat\u00fcrlich ohne personelle und strukturelle Vorbereitung a.k.a. bei gewohnt fehlender Professionalit\u00e4t.Ein Mitarbeiter beschreibt die Lage schlicht als \u201ezu wenige Leute f\u00fcr zu viel Arbeit\u201c. Dazu der Druck, auch im Urlaub erreichbar zu sein, sowie das Gef\u00fchl, dass die Verantwortung immer bei denen landet, die gerade fehlen, selbst wenn sie krank sind. Eine befragte Person sagt: \u201eEin Arbeitsrechtler w\u00fcrde viel finden.\u201cAber Hauptsache, Julian geht\u2019s gutAuch in dieser Studie wird mal wieder sehr deutlich, wie Julian Reichelt mit Menschen umgeht und seinen Machtfantasien fr\u00f6nt. Mehrere Mitarbeitende beschreiben ihn als jemanden, der \u00fcberall reingr\u00e4tscht, st\u00e4ndig neue Anweisungen gibt und die Redaktion damit permanent unter Strom setzt. Reichelt wird einstimmig als \u201eabsoluter Mikro-Manager\u201c beschrieben. Es wird berichtet, dass Reichelt sogar w\u00e4hrend Live-Sendungen Moderator*innen \u00fcber den Knopf im Ohr Anweisungen gegeben habe, was sie jetzt zu sagen oder zu tun h\u00e4tten.Mitarbeitende berichteten zudem, je sp\u00e4ter der Tag wurde, desto cholerischer werde er, desto mehr Druck baue er auf. In der Redaktion kursiere daf\u00fcr ein Satz, der offenbar alles zusammenfasst: \u201eReichelt w\u00fcnscht. Julian will\u201c. Auch werde erlebt, dass es vor allem darum gehe, den Chefredakteur \u201ebei Laune zu halten\u201c. Und dass dann alles getan werden m\u00fcsse, damit Julian Reichelt gl\u00fccklich ist.BILD TV wollte Breaking News. Deutschland lieferte: Realit\u00e4t.Einer der zentralen Punkte in der Studie ist die Fixierung auf Breaking News. Reichelt setzte stark darauf, dass st\u00e4ndig etwas Krasses passieren m\u00fcsse, das man \u00e0\u00a0la Fox News live aufblasen kann. Das Problem f\u00fcr BILD: Es gab nichts! Ein Zitat aus der Studie bringt das sehr gut auf den Punkt: Man sei eben nicht in den USA, wo \u201edas dritte Einkaufszentrum noch irgendwie einen \u00dcberfall erlebt\u201c.Also sendete man bei BILD stundenlang live, obwohl es nichts zu berichten gab. Ein Beispiel in der Studie ist die R\u00e4umung der \u201eLiebig 34\u201c, einem linksautonomen Wohnprojekt in Berlin. Intern war das umstritten. Nat\u00fcrlich nicht, weil BILD pl\u00f6tzlich journalistische Standards entdeckt h\u00e4tte, sondern weil selbst im eigenen Haus Leute merkten: Man kann nicht 24\/7 so tun, als w\u00fcrde permanent die Welt untergehen, wenn die Realit\u00e4t schlicht nicht genug \u201eMaterial\u201c liefert.Boulevard lebt eigentlich davon, Ereignisse zu verdichten. Emotionalisieren, personalisieren, zuspitzen. Im Live-Modus funktioniert das nur begrenzt, denn hier sieht man schneller, wenn die Substanz fehlt. So hat BILD TV Ereignisse stundenlang zerredet, gedehnt und aufgeblasen. Ein befragter Chefreporter kritisiert, man \u201e\u00fcberspanne\u201c vieles, man \u201ezerrede\u201c gute Geschichten und dehne Ereignisse \u201ewie einen Kaugummi\u201c. Das Ergebnis sei eine langweilige Berichterstattung.BILD vs. BILDDas ist fast der ironischste Teil, denn BILD hat sich mit dem Fernsehprojekt wohl die eigene Reichweite eingeschr\u00e4nkt.\u00a0 BILD TV wurde lange Zeit nicht im Fernsehen ausgestrahlt, sondern haupts\u00e4chlich \u00fcber BILD.de und YouTube. Und das bedeutete: Auf der Startseite von BILD.de wurden die Videos immer wieder ganz nach oben geschoben. Videos bekamen auf der Startseite von BILD.de \u00fcberproportional viel Platz.Nur ist die Startseite begrenzt. Das sagt ein Chefredaktionsmitglied in der Studie ganz offen: Wenn BILD live da Platz einnimmt, verdr\u00e4ngt es andere Inhalte. Das war strategisch ziemlich unklug: BILD.de wird sehr stark am Handy genutzt und viele Menschen gucken unterwegs keine Videos mit Ton, sondern wollen schnell Texte lesen. In der Studie wird au\u00dferdem erw\u00e4hnt, dass intern bekannt war: Nur etwa 20 Prozent der BILD.de-User*innen konsumieren \u00fcberhaupt Videos.Hei\u00dft: BILD hat versucht, ihrer eigenen Zielgruppe ein Produkt aufzudr\u00fccken \u2013 obwohl sie selbst wussten, dass die meisten es nicht wollen.Die brutalste Wahrheit: Es wollte am Ende einfach niemand sehenDie Studie nennt Zahlen, die man auf ein Grabsteinchen mei\u00dfeln k\u00f6nnte: Der Marktanteil in der wichtigen Zielgruppe (14 bis 49) lag im Schnitt bei 0,1 bis 0,2 Prozent. Das hei\u00dft: Von 1.000 Menschen, die in dieser Altersgruppe gerade fernsehen, schauten im Schnitt nur 1 bis 2 BILD TV. Einnahmen gab es damit keine, denn f\u00fcr Werbung w\u00e4ren mindestens 0,5 Prozent n\u00f6tig gewesen.Am 1. Dezember 2020 bekam Elon Musk den Axel-Springer-Award verliehen. Ein rechtsextremer Egomane mit Milliarden, der in rechten Kreisen als \u201eGenie\u201c gefeiert wird, der Desinformation pushen l\u00e4sst, der Hass und rechte Mobilisierung normalisiert \u2013 kurz: der perfekte BILD-Posterboy. Und jetzt kommt der eigentliche Witz: Nicht einmal das hat geholfen. Denn selbst ein Interview mit Musk im Vorfeld der Preisverleihung verfolgten bei Bild TV laut Medienberichten gerade einmal 260 Menschen.260.Nicht 260.000. Nicht 26.000. Nicht mal 2.600. Sondern 260. Das ist kein Flop, sondern pure Zerst\u00f6rung.Am Ende war BILD TV ein gigantisch teures Projekt, das Springer nach Medienberichten einen zweistelligen Millionenbetrag kostete und das Ende 2023 wieder eingestellt wurde.\u00a0Artikelbild: J\u00f6rg Carstensen\/dpaZur Quelle wechseln"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Studie zeigt, warum BILD TV so peinlich gefloppt ist","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/studie-zeigt-warum-bild-tv-so-peinlich-gefloppt-ist\/#breadcrumbitem"}]}]