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Transparenzbericht April 2022: Unsere Einnahmen und Ausgaben und ein Blick zurück

Dieser Artikel stammt von Netzpolitik.org.Der Autor ist...
Um zu sehen, was man hinter sich gelassen hat, muss man auch mal zurückblicken. – CC public domain Édouard ManetAls ich hier vor sechs Jahren anfing, war ich 30. Während ich heute bei den Praktikant*innen Muttergefühle entwickele, wurde damals auch ab und an mal eine Nacht zusammen gezecht. Im Raucherraum war eigentlich immer was los. In der nahen Kiezkneipe verlängerte sich der Arbeitstag. Jetzt haben wir uns gegen Schnaps auf der Klausurtagung entschieden. Und ja: Nikotin und Alkohol sind nicht geil, geschweige denn gesund. Aber es geht da noch um mehr.
Au revoir au laissez-faire
2019 kam die bislang letzte Erste-April-Ausgabe von uns raus. Danach war Corona, wieder Corona und dann der Krieg in der Ukraine. Dass wir deshab auf eine satirische Erste-April-Ausgabe verzichtet haben, ist fürwahr eine der irrelevantesten Auswirkungen dieser Zeiten. Aber vielleicht hätten wir sie auch ohne all das nicht gemacht. Vielleicht sind wir mittlerweile die alten Säcke. Verbissen, gründlich, seriöse Fachjournalist*innen. Schon eine ganze Weile zitierfähig und nur noch selten die „Plattform“ oder das „Blog“. Seit Jahren Sachverständige, Expertinnen – früher die Menschen hinterm Demoschild. Und alles davon gehört zu unserer Geschichte.

https://netzpolitik.org/wp-upload/2022/06/15-Jahre-netzpolitik.org-Fight-for-your-digital-rights-1.mp4
In den Anfängen konnte es nur bergauf gehen. Der erste gespendete Euro, das erste Mal zitiert werden, das erste Mal als Expertin befragt werden. Es gab viele erste Male. Gipfelnd in der Ermittlung wegen Landesverrats, die wohl eine einmalige Erfahrung bleiben wird.
Dieser Moment hätte das Ende sein können, aber es war der Anfang einer neuer Phase – sowohl inhaltlich als auch personell. Neue Standards mussten her. Es ging nichts mehr einfach nebenbei. Und an jeder Stelle wollen wir die Besten haben. Diesen Standard zu halten ist die große Herausforderung für 2022.
Je mehr man zu verlieren hat, desto riskanter sind Wagnisse. Fürher hätten zwei bis drei Leute „nur“ ihren ersten Job nach dem Studium verloren, wenn alles broke geht. Heute hängen 15 Menschen mit Kindern und Familien, mit Krediten und anderen Verantwortungen dran. Wir sind nach wie vor ein diverser Haufen mit unterschiedlichsten Lebensmodellen – und bestimmt weit entfernt von spießig oder konventionell. Menschen, die neu bei uns anfangen, saugen den Wind der Freiheit förmlich auf. So viel mitgestalten, so viele eigene Ideen reinbringen. Hier bewahren wir uns unsere Leichtfüßigkeit. Aber die Verantwortung ist eine andere als vor 10 Jahren.
Neue Tugenden
Gelassenheit, Erfahrungswerte, Wissen: Unser Alltag ist nicht mehr ständiges Ausprobieren und latente Überforderung durch Verantwortung im Unbekannten. Wir finden Antworten auf Fragen der betrieblichen Altersvorsorge, dem Umgang mit Kryptowährung, den steuer- und sozialrechtlichen Aspekten beim Sabbatical und der Entsendung ins Ausland.
Vor fünfzehn Jahren gab es noch private Wohnungsgesuche auf netzpolitik.org, heute nicht mehr vorstellbar. Wir werden ernst genommen. Erst, weil wir Vorreiter bei digitalen Themen waren. Aber lange war netzpolitik.org das für die Medienwelt, was Wikipedia für wissenschaftliche Arbeiten war. Kann man daraus zitieren? Ja, kann man! Und dafür wurde hart gearbeitet. Was bei netzpolitik.org steht, ist ausführlich mit Quellen belegt. Kommentare sind eindeutig als Meinung markiert. Alle sollen die Möglichkeit haben, unsere Inhalte auf Wahrhaftigkeit zu prüfen. Denn das ist nach wie vor unsere Aufgabe: netzpolitik.org öffnet Türen, aber durchgehen musst du schon selbst.
Doch egal, wie sehr wir uns professionalisieren, das Wagnis ist Teil von netzpolitik.org. Das erwarten die Menschen, die uns lesen – und wir erwarten es von uns selbst auch. Bloß nicht zahm werden. Aber nicht aus jugendlichem Leichtsinn, sondern, weil es richtig ist.
Dieses Jahr werden wir etwas Neues lernen müssen. Bislang hatten wir immer unglaubliches Glück, dass wir wenig für uns „werben“ mussten, um netzpolitik.org zu betreiben. Das wird in diesem Jahr etwas anders sein. Wir haben uns viel vorgenommen, aber die Spenden entwickeln sich noch nicht entsprechend. Wir werden neue Schritte im Fundraising gehen, damit wir das leisten können. Kleiner werden ist keine Option, um bei den großen netzpolitischen Debatten mitspielen zu können. Aber wir sind schon in so viele kalte Wasser gesprungen, dass uns dieses keine Angst macht. Demut ist gleichwohl da. Und letztendlich ist es wohl so, dass man nie fertig ist, nur einen Schritt weiter als gestern.
Vom Testfeld zum Feldtest
Wir haben gezeigt, dass Journalismus gemeinnützig, rein aus Spenden finanziert, funktionieren kann. Nun wird es darauf ankommen, vom Testfeld zum Feldtest zu kommen. Ist es möglich, mit dieser Finanzierung dauerfhaft eine robuste Organisation zu ermöglichen, im Umfeld mit der Konkurrenz zu bestehen? Wir hoffen es sehr, denn niemand hier hat Lust auf Paywall, Wettbewerb um Klickzahlen – und Gott bewahre: Werbung. Von Native Advertising fangen wir gar nicht erst an.
Es gibt da draußen viele gruselige Entwicklungen, die unabhängigen Journalismus erschweren. Wir werden alles daran setzen, nicht mal in die Nähe davon zu kommen. Umso wichtiger ist jede einzelne Spende, die uns erreicht. Vielen Dank für eure unermüdliche Unterstützung! Und auch wenn eure Gründe vielfältig sind, ihr unterstützt damit in jedem Fall unabhängigen Journalismus. Dafür sind wir hier. Und dafür wollen wir bleiben.
 
Unser Team - CC-BY-NC-ND 4.0 owieole
Die harten Zahlen
Letztes Jahr im April erhielten wir eine ungewöhnliche, aber sehr willkommene Geldzuwendung in Form einer Geldauflage in Höhe von 10.000 Euro. Eine Geldauflage ist eine Bußgeld, das Menschen im Strafverfahren zahlen müssen. Es kann gemeinnützigen Vereinen zugute kommen. Leider hat in diesem April niemand sein gesetzeswidriges Verhalten derart büßen müssen, und es bleiben die Spenden, auf die wir nun schauen. Ihr habt uns mit 50.468 Euro unterstützt und damit erhielten wir fast genauso viel Spenden wie im Vorjahresapril.
Das ist nicht unbedingt das, was wir uns erhofft hatten. Im Idealfall lägen wir aktuell bei 60.000 Euro Spenden. Aber an den wenigsten gehen die schwierigen Verhältnisse, die uns umgeben, spurlos vorbei. Die Menschen müssen andere Prioritäten setzen, und eine Spende gehört oft zu den ersten Kostenpunkten, die gestrichen werden. Dafür haben wir größtes Verständnis! Dennoch müssen wir schauen, dass wir das Ruder etwas umreißen. Diese Aufgabe wird die große Herausforderung in diesem Jahr.
Unsere Einnahmen und Ausgaben im April 2022 – CC-BY-NC-SA 4.0 owieole
Die Ausgaben waren etwas höher als gewöhnlich. Die Redaktion hat in ein Tool zur Aufbereitung von Daten investiert, das mit 3.992 Euro zu Buche schlägt. Und das Porto für die Spendenbescheinigungen (1.826 Euro) wurde fällig. Alle Jubeljahre bekommt wer bei uns auch ein neues Arbeitsgerät und so steigen die Ausgaben schnell, wenn das alles in einem Monat passiert.
Miete für Berlin und Brüssel (5.036 Euro), Personal (73.251 Euro) und Infrastruktur (1.708 Euro) sind monatlich wiederkehrende Ausgaben ohne größere Abweichungen – wobei die Lohnsteuer für März erst im April vom Finanzamt abgebucht wurde. Sie war höher war als üblich aufgrund der Sonderzahlung an das gesamte Team.
Am Ende standen Ausgaben in Höhe von 94.555 Euro Einnahmen in Höhe von 50.810 Euro gegenüber. Interessant ist, dass wir tatsächlich fast genau so viel Anteil am Spendenjahresziel erreicht haben wie letztes Jahr. Mit 21 Prozent des Jahresspendenziels im April können wir noch alles schaffen, aber es wird nicht einfach werden, und die geplante Entzerrung wird schwierig. Wir hatten uns vorgenommen, den Dezember zu entlasten und schon im Laufe des Jahres ein höheres Spendenvolumen zu erreichen. Aber wir haben Einiges vor und hoffen, dass euch die Entwicklungen gefallen werden.
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Author: Stefanie Talaska

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