[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/venezuela-warum-wir-nicht-nur-ueber-trump-sprechen-sollten\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/venezuela-warum-wir-nicht-nur-ueber-trump-sprechen-sollten\/","headline":"Venezuela: Warum wir nicht nur \u00fcber Trump sprechen sollten","name":"Venezuela: Warum wir nicht nur \u00fcber Trump sprechen sollten","description":"Nach dem US-Angriff auf Venezuela am 3. Januar und der Entf\u00fchrung des venezolanischen Diktators Nicol\u00e1s Maduro gab es viel Kritik am Vorgehen Donald Trumps. 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Januar und der Entf\u00fchrung des venezolanischen Diktators Nicol\u00e1s Maduro gab es viel Kritik am Vorgehen Donald Trumps. Bereits die US-Angriffe auf vermeintliche Drogenboote in der Karibik in den Monaten zuvor, die zur Eskalation des Konflikts beitrugen, wurden von vielen Expert:innen als v\u00f6lkerrechtswidrig eingestuft. Auch die Entf\u00fchrung von Diktator Nicol\u00e1s Maduro bewerten Expert:innen durch die Bank als klaren Versto\u00df gegen das V\u00f6lkerrecht.\u00a0W\u00e4hrend es wichtig ist, \u00fcber Verst\u00f6\u00dfe des V\u00f6lkerrechts seitens der US-Regierung zu sprechen, sollten sich vor allem westliche Medien nicht dazu hinrei\u00dfen lassen, den Konflikt nur aus einer Trump-Perspektive zu analysieren. Denn w\u00e4hrend es richtig ist, dass es sehr gef\u00e4hrlich werden k\u00f6nnte, wenn Trump von nun an vermehrt auf das Recht des St\u00e4rkeren setzt, und dass er es vor allem auf das \u00d6l des Landes abgesehen hat, ist es genauso richtig, dass es sich bei Nicol\u00e1s Maduro um einen Diktator handelte, der die letzten Pr\u00e4sidentschaftswahlen verloren hat und Venezuela schon seit Jahren unterdr\u00fcckte. Das ist keine Verteidigung von Trumps rechtswidrigem Vorgehen \u2013 jedoch ist es wichtig, zus\u00e4tzliche Hintergr\u00fcnde und Kontextinformationen zu kennen, die in Debatten genauso wichtig sind wie das klare Benennen von V\u00f6lkerrechtsverst\u00f6\u00dfen.Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr mehr Ambiguit\u00e4tstoleranz und eine Einladung, mehr \u00fcber die Hintergr\u00fcnde zu erfahren.\u00a0Nicol\u00e1s Maduro war ein Diktator und hat die Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2024 verlorenZun\u00e4chst m\u00fcssen wir die Fakten betonen, die in der Debatte um Venezuela gerade h\u00e4ufig untergehen oder gar nicht erst erw\u00e4hnt werden: Erstens, Nicol\u00e1s Maduro, der jetzt in New York im Gef\u00e4ngnis sitzt, war ein Diktator. Warum?\u00a0Es gibt in Venezuela keine funktionierende Gewaltenteilung. Das Milit\u00e4r, die Gerichte und der gesamte Staatsapparat sind regierungstreu. Oppositionelle werden eingesch\u00fcchtert, teilweise verhaftet und gefoltert. Pressefreiheit gibt es fast nicht, die Regierung ist korrupt und jahrzehntelange Misswirtschaft, fehlende Investitionen und eine extrem erd\u00f6labh\u00e4ngige Wirtschaft f\u00fchrten, gepaart mit der gewaltsamen Unterdr\u00fcckung von Protesten, zu einer der gr\u00f6\u00dften Migrationsbewegungen der Welt. Seit 2014 haben fast acht Millionen Menschen das Land verlassen. Fast 70 % der Menschen im Land leben in mehrdimensionaler Armut. Von den \u00d6leinnahmen profitiert nur die regierungstreue Elite.\u00a0Mehr als 300 Menschen wurden bei den vielen Protesten gegen Maduro get\u00f6tet, viele von ihnen bei den Protesten im Jahr 2017. Mehr als 18.000 Menschen wurden seit 2014 als politische Gefangene eingesperrt. Am ber\u00fcchtigsten ist das gro\u00dfe Foltergef\u00e4ngnis El Helicoide mitten in der Hauptstadt Caracas. Mindestens 863 politische Gefangene sollen immer noch eingesperrt sein.\u00a0Der gr\u00f6\u00dfte Wahlbetrug in der Geschichte LateinamerikasZweitens: Wenn wir \u00fcber \u201ePr\u00e4sident Maduro\u201c sprechen, klingt das so, als w\u00e4re er der rechtm\u00e4\u00dfige Pr\u00e4sident Venezuelas gewesen. Doch das ist falsch. Nicol\u00e1s Maduro ist sp\u00e4testens seit den Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2024 kein rechtm\u00e4\u00dfiger Pr\u00e4sident mehr. Er hat die Wahlen verloren und die Macht trotzdem nicht abgegeben. Doch der nationale Wahlrat ist regierungstreu und erkl\u00e4rte Maduro damals dennoch zum Sieger.\u00a0Nur durch einen enormen Kraftakt der Opposition und mutiger Venezolaner:innen konnte der Wahlbetrug bewiesen werden. Sie trugen die echten Ausz\u00e4hlungsergebnisse zusammen und ver\u00f6ffentlichten sie.\u00a0Die Echtheit der Ausz\u00e4hlungsergebnisse wurde von mehreren unabh\u00e4ngigen Analysen best\u00e4tigt. Experten sprechen vom gr\u00f6\u00dften Wahlbetrug in der Geschichte Lateinamerikas, gemessen an der Anzahl der gestohlenen Stimmen.\u00a0Mar\u00eda Corina MachadoMillionen Exil-Venezolaner:innen meldeten, dass es ihnen unm\u00f6glich gemacht wurde, aus dem Ausland zu w\u00e4hlen. Mit ihren Stimmen w\u00e4re Gonz\u00e1lez\u2019 Sieg wohl noch deutlicher ausgefallen. Gonz\u00e1lez war \u00fcbrigens der Ersatzkandidat der Opposition, nachdem Maduro der Oppositionspolitikerin Mar\u00eda Corina Machado untersagt hatte, zu kandidieren.\u00a0Mar\u00eda Corina Machado, Friedensnobelpreistr\u00e4gerin 2025 und wichtige, aber auch umstrittene Oppositionspolitikerin, wurde \u00fcbrigens genau wegen dieses Einsatzes f\u00fcr die Demokratie ausgezeichnet. Das norwegische Nobelpreiskomitee begr\u00fcndete den Preis so:\u201eShe is receiving the Nobel Peace Prize for her tireless work promoting democratic rights for the people of Venezuela and for her struggle to achieve a just and peaceful transition from dictatorship to democracy. [\u2026] Despite the risk of harassment, arrest and torture, citizens across the country held watch over the polling stations. They made sure the final tallies were documented before the regime could destroy ballots and lie about the outcome.\u201cMan kann Machado kritisieren, keine Frage. Zur Wahrheit geh\u00f6rt aber eben auch, dass sie sich schon seit Beginn des autorit\u00e4ren Umbaus Venezuelas durch Hugo Ch\u00e1vez f\u00fcr mehr Transparenz einsetzte. Denn nicht erst seit 2024 ist Venezuela eine waschechte Diktatur. Und auch diesen geschichtlichen Hintergrund sollte man kennen, um die gesamte Situation heute verstehen zu k\u00f6nnen.\u00a0Der autokratische Umbau Venezuelas begann bereits vor \u00fcber 25 JahrenBlicken wir also erst einmal ein paar Jahrzehnte zur\u00fcck. Um zu verstehen, wof\u00fcr die Regierung Maduros steht, m\u00fcssen wir auf seinen Vorg\u00e4nger schauen: Hugo Ch\u00e1vez. Der Ex-Pr\u00e4sident Venezuelas war ein ehemaliger Offizier, der sich vor seiner ersten Pr\u00e4sidentschaft an die Macht putschen wollte und nach einem misslungenen Versuch zwei Jahre im Gef\u00e4ngnis sa\u00df, bevor er begnadigt wurde und wie Ph\u00f6nix aus der Asche zur\u00fcckkam.\u00a0Unter anderem aufgrund seines charismatischen Charakters, seines Medientalents und gro\u00dfer Versprechungen f\u00fcr mehr Sozialprogramme wurde er 1998 zum demokratisch gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten. Bereits 1999 \u00e4nderte er per Referendum die Verfassung. Die Amtszeit des Pr\u00e4sidenten wurde von vier auf sechs Jahre verl\u00e4ngert und eine Kammer der Legislative, n\u00e4mlich der Senat, wurde abgeschafft. Viel Macht wurde schon sehr fr\u00fch auf den Pr\u00e4sidenten konzentriert. 2000 lie\u00df er sich durch erneute Wahlen als Pr\u00e4sident best\u00e4tigen.W\u00e4hrend seiner Pr\u00e4sidentschaft gab es mehrere Versuche der Opposition, ihn abzusetzen. Unter anderem ein Putsch im Jahr 2002. Ch\u00e1vez kam kurz in Milit\u00e4rhaft, schlie\u00dflich scheiterte der Putsch aber. Auch bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2006 und 2012 wurde Ch\u00e1vez wiedergew\u00e4hlt.\u00a0Verstaatlichungen und weitere St\u00e4rkung der ExekutiveUnter seinen Amtszeiten wurden zahlreiche Unternehmen verstaatlicht. 2007 wurde die venezolanische \u00d6lindustrie verstaatlicht, \u00d6lprojekte mit ausl\u00e4ndischen Firmen wurden in Joint Ventures umgewandelt, in denen die staatliche venezolanische Erd\u00f6lgesellschaft PDVSA (Petr\u00f3leos de Venezuela S.A.) die Kapitalmehrheit h\u00e4lt. Bereits unter Vorg\u00e4ngerregierungen wurden \u00d6lprojekte verstaatlicht. Bereits 2002\/2003 hatte Ch\u00e1vez 40 % des PDVSA-Personals nach einem Streik gefeuert und es mit regierungstreuen Chavisten ersetzt. Die Auswirkungen des massiven Verlustes von Know-how sp\u00fcrt PDVSA bis heute.Die Pressefreiheit wurde unter Ch\u00e1vez zunehmend beschr\u00e4nkt. So wurde beispielsweise dem beliebten Fernsehsender RCTV 2007 die Lizenz nicht verl\u00e4ngert. Weitere Medien wurden zensiert oder zensierten sich aus Angst selbst. Unter Ch\u00e1vez ist die Zahl nicht staatlich kontrollierter Medien stark zur\u00fcckgegangen.Bei einem Referendum im Jahr 2009 erreichte Ch\u00e1vez, dass die Beschr\u00e4nkung von zwei Amtszeiten bei politischen \u00c4mtern aufgehoben wurde. W\u00e4hrend seiner Amtszeiten regierte er oft per Dekret und setzte Gesetze, die die Exekutive st\u00e4rkten, mit der Mehrheit seiner Partei im Parlament durch.\u00a02013 starb Hugo Ch\u00e1vez an Krebs, zuvor hatte er Nicol\u00e1s Maduro zu seinem Wunschnachfolger erkl\u00e4rt. Er lie\u00df ein Land zur\u00fcck, das wie schon vor seinen Amtszeiten stark von der Erd\u00f6lf\u00f6rderung abh\u00e4ngig war. Seine Sozialprogramme waren so unter dem Strich eher ein Tropfen auf den hei\u00dfen Stein, die ihm zwar Stimmen und Popularit\u00e4t brachten und kurzfristig vielen Menschen halfen, jedoch strukturell an der kaum diversifizierten Wirtschaft nichts \u00e4nderten. Die \u00d6lgewinne aus den Boom-Jahren 2004-2013 sparte Ch\u00e1vez nicht an.\u00a0So war es kaum verwunderlich, dass die Wirtschaft nach einem starken Verfall der Erd\u00f6lpreise nach 2014 einbrach. Es kam zu Hyperinflation. Chronische Unterinvestitionen in die Infrastruktur und Misswirtschaft schraubten das \u00d6langebot deutlich zur\u00fcck. Wirtschaftssanktionen (unter anderem seitens der USA) und der eingeschr\u00e4nkte Zugang zu ausl\u00e4ndischen Investitionen wirken sich sp\u00e4ter negativ auf die Exportm\u00e4rkte und die finanzielle Unterst\u00fctzung aus.\u00a0Ein Mythos um die US-SanktionenEs ist \u00fcbrigens ein Mythos, dass die US-Sanktionen der prim\u00e4re Grund f\u00fcr den wirtschaftlichen Niedergang Venezuelas sind. Das Bruttoinlandsprodukt brach zusammen mit dem \u00d6lpreis 2014 ein. Die Liste der US-Sanktionen gegen Venezuela ist zwar lang, die ersten Sanktionen hatten aber nichts mit der \u00d6lwirtschaft zu tun. 2006 wurde US-Firmen der Waffenverkauf nach Venezuela untersagt. 2015 gab es unter Pr\u00e4sident Obama Sanktionen gegen sieben venezolanische Offiziere und Spitzenbeamte, denen unter anderem Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen wurden.\u00a02016 verl\u00e4ngerte Obama die Sanktionen, unter Trump kamen ab 2017 viele umfassendere hinzu, die auch die \u00d6lindustrie betreffen. Unbestritten ist, dass die Wirtschaftssanktionen sich negativ auf die Exportm\u00e4rkte und auf den Zugang zu ausl\u00e4ndischen Investitionen und Krediten f\u00fcr Venezuela ausgewirkt haben. Urs\u00e4chlich f\u00fcr die desolate Lage sind aber mehrere Faktoren, die dem Chavismus zuzuschreiben sind und die Expert:innen als \u201eFluch der Ressourcen\u201c beschreiben: starke Erd\u00f6labh\u00e4ngigkeit und eine kaum diversifizierte Wirtschaft, Unf\u00e4higkeit, ausreichende Dollarreserven anzulegen, um einem \u00d6lpreissturz begegnen zu k\u00f6nnen, und schwache demokratische Institutionen, gepaart mit Misswirtschaft und Korruption.Aufst\u00e4nde und MilitarisierungProteste von Studierenden und Oppositionellen in den Jahren 2014, 2017 und 2019 schlug das Maduro-Regime regelm\u00e4\u00dfig brutal nieder. Es kam 2015 zum Beginn des gro\u00dfen Exodus aus Venezuela. Dass sich Maduro dennoch an der Macht halten konnte, liegt unter anderem daran, dass die Gerichte und s\u00e4mtliche Staatsapparate regierungstreu sind, dass die Opposition oft selbst zersplittert war, dass Wahlen und Volksabstimmungen verfassungswidrig verschoben wurden und dass das Milit\u00e4r hinter Maduro steht. Unter seinen Amtszeiten militarisierte er das Land noch mehr und setzte unter anderem auch auf paramilit\u00e4rische Akteure, darunter sogenannte colectivos \u2013 Maduro-treue Gangster, die die Bev\u00f6lkerung schikanieren.2018 gab es wieder Pr\u00e4sidentschaftswahlen, deren Legitimit\u00e4t ernsthaft angezweifelt wurde. Sowohl die EU als auch die USA erkannten damals den Interimspr\u00e4sidenten Juan Guaid\u00f3 an, der auf das Milit\u00e4r setzte, um Maduro loszuwerden. Das gelang nicht. Unter Biden versprach Maduro demokratische Wahlen im Gegenzug zu gelockerten Sanktionen. Das hielt er jedoch nicht ein. Wie wir oben schon gesehen haben: Maduro hat die Pr\u00e4sidentschaftswahl 2024 haushoch verloren und lie\u00df sich trotzdem zum Sieger erkl\u00e4ren. Sp\u00e4testens seitdem ist er nicht mehr der legitime Pr\u00e4sident Venezuelas.\u00a0Ein kurzes Zwischenfazit also: Bereits unter Ch\u00e1vez begann der autorit\u00e4re Umbau Venezuelas. Beobachter:innen sprachen von einem \u201ekompetitiven Autoritarismus\u201c, der sich unter Maduro zu einem \u201epostelektoralen Autoritarismus\u201c entwickelte. All diese geschichtlichen Hintergr\u00fcnde sind wichtig, um zu verstehen, was Maduro und jahrzehntelanger Chavismus in Venezuela angerichtet haben. Der Internationale Strafgerichtshof ermittelt seit 2021 zu mutma\u00dflichen Menschenrechtsverst\u00f6\u00dfen der venezolanischen Regierung.Am 3. Januar entf\u00fchrten die USA Nicol\u00e1s Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores, ebenfalls eine wichtige Drahtzieherin im Chavismus. Sie sitzen nun in New York im Gef\u00e4ngnis, ihnen wird der Prozess gemacht. Der Vorwurf: Maduro habe Kokain in die USA geschmuggelt. Mehr dazu weiter unten.Uns ist wichtig zu betonen, dass auch wir \u2013 wie so viele andere Medienschaffende in Deutschland \u2013 leider keine venezolanischen Teammitglieder haben. Dabei w\u00e4re das bitter n\u00f6tig, um die teils sehr eurozentristischen Analysen des Konflikts mit Perspektiven von Venezolaner:innen zu bereichern. Wir wollen hier also keinesfalls \u201ef\u00fcr die Venezolaner:innen sprechen\u201c oder behaupten, es g\u00e4be eine einstimmige Positionierung zur US-Intervention. Genauso wie in Deutschland gibt es auch unter \u201eden (Exil-)Venezolaner:innen\u201c keine einheitliche Meinung, sondern verschiedene politische Str\u00f6mungen und Tendenzen.Wir haben aber versucht, uns ein paar Stimmen von Exil-Venezolaner:innen anzuschauen. Ein viral gegangener Post eines Exil-Venezolaners in den USA weist darauf hin, dass zwei Dinge gleichzeitig richtig sein k\u00f6nnen:Instagram Screenshot\u00dcbersetzung: \u201eAn meine nicht-venezolanischen Freunde: Auch wenn ihr die Ereignisse der letzten Nacht vielleicht als unn\u00f6tige ausl\u00e4ndische Einmischung betrachtet, bedeutet sie f\u00fcr uns Venezolaner:innen den m\u00f6glichen Beginn vom Ende eines jahrzehntelangen Albtraums.\u00a0Wir sprechen hier von einer kriminellen Diktatur, die die Menschenrechte der Venezolaner:innen systematisch ausgeh\u00f6hlt hat. Ein Regime, das Studierende in unterirdischen Zellen gefoltert, ein reiches Land in die Armut getrieben und Tausende, die ihre Stimme erhoben haben, zum Schweigen gebracht oder ermordet hat.\u00a0Ich bin extrem gegen Trump, aber wenn ihr die Ereignisse der letzten Nacht verurteilt, ohne die Realit\u00e4t Venezuelas anzuerkennen, sagt ihr den Opfern ungewollt, dass ihr Unterdr\u00fccker in Ruhe gelassen werden sollte, um den Missbrauch fortzusetzen.Lasst euch durch eure politische Ideologie nicht blind f\u00fcr das Leid der Menschen machen. Zwei Dinge k\u00f6nnen gleichzeitig wahr sein: Ihr k\u00f6nnt gegen die derzeitige Regierung sein [Trump, Anm. d. Red.] UND erleichtert sein, dass ein Monster [Nicol\u00e1s Maduro, Anm. d. Red.] nicht mehr an der Macht ist. Bitte lassen Sie sich durch Ihre politische Ideologie nicht zu einem unbeabsichtigten Apologeten eines Tyrannen machen.H\u00f6ren Sie heute den Venezolaner:innen zu, die diesen Albtraum seit Jahrzehnten durchleben m\u00fcssen.\u201dEine renommierte venezolanische Exil-Politologin, derzeit in Buenos Aires, sagt:\u00dcbersetzung: \u201eNichts davon w\u00e4re notwendig gewesen, wenn Maduro die Pr\u00e4sidentschaftswahlen des 24. Juli [Anm. d. Red.: Am 24. Juli 2024 verlor Nicol\u00e1s Maduro die Wahl und lie\u00df sich trotzdem zum Sieger erkl\u00e4ren] respektiert h\u00e4tte.\u201dWo du dich noch informieren kannst\u00a0Lesenswert ist auch dieser Beitrag einer venezolanischen Journalistin, die f\u00fcr Nicht-Venezolaner:innen erkl\u00e4rt, warum sie am 3. Januar feierte. Sie erkl\u00e4rt auch viele weitere Hintergr\u00fcnde auf ihrem Instagram-Profil (auf Englisch).\u00a0Wenn du dich (auf Englisch) \u00fcber venezolanische Politik informieren m\u00f6chtest, k\u00f6nnen wir auch diese unabh\u00e4ngige Nachrichten- und Analyseorganisation empfehlen: Caracas Chronicles, mit Analysen von venezolanischen Journalist:innen.\u00a0Die Bilder zahlreicher spontaner Feiern von Exil-Venezolaner:innen in diversen St\u00e4dten weltweit sprachen B\u00e4nde. Gro\u00dfe Kundgebungen fanden nat\u00fcrlich vor allem in St\u00e4dten und Regionen mit einer gro\u00dfen Exil-Community statt, wie beispielsweise in Florida, Buenos Aires, Madrid, Lima, Quito und Santiago de Chile. Es gab aber auch kritische Einsch\u00e4tzungen gegen\u00fcber der US-Intervention. Wir k\u00f6nnen hier auch nicht alle Reaktionen monitoren. Venezolaner:innen in den USA, \u00fcber deren Asylantr\u00e4ge noch nicht entschieden wurde, machen sich Sorgen.\u00a0In Venezuela selbst herrschen Sorge und anhaltende staatliche RepressionIn Venezuela selbst fielen die Reaktionen bei weitem gemischter aus und sind von Sorge gepr\u00e4gt. Dort geht der Kampf ums \u00dcberleben weiter. Die wenigen Lokaljournalist:innen, die noch vor Ort sind und aus dem Untergrund arbeiten, berichten von leeren Stra\u00dfen und langen Schlangen bei den wenigen ge\u00f6ffneten Superm\u00e4rkten. Die Chavisten haben den Ausnahmezustand verh\u00e4ngt und die Polizei wurde angehalten, jede:n zu finden und einzusperren, der die US-Intervention unterst\u00fctzte. Berichten zufolge \u00fcberpr\u00fcfen paramilit\u00e4rische Maduro-Unterst\u00fctzer (die sogenannten colectivos) die Handys von Passanten auf der Stra\u00dfe und suchen nach \u201eBeweisen\u201c f\u00fcr eine Unterst\u00fctzung der US-Intervention. Es gibt bereits Berichte \u00fcber verhaftete Journalist:innen nach dem 3. Januar.\u00a0Im Moment ist es sehr schwer einzusch\u00e4tzen, wie es jetzt vor Ort weitergehen wird. Es bleiben sehr, sehr viele Fragen offen. Kurz nach der US-Intervention k\u00fcndigte Trump an, dass die USA Venezuela zun\u00e4chst verwalten wollen \u2013 er deutete sogar eine jahrelange US-Pr\u00e4senz an. Die Einnahmen aus venezolanischen \u00d6llieferungen m\u00f6chte er selbst kontrollieren. Sollte die Interimspr\u00e4sidentin Delcy Rodr\u00edguez, die unter Maduro Vizepr\u00e4sidentin war, bei den US-Pl\u00e4nen zum \u00d6lgesch\u00e4ft nicht kooperieren, drohte er mit einem erneuten, h\u00e4rteren US-Angriff. Der Elefant im Raum bleibt also die Frage: Hat sich wirklich das Fenster hin zu einer realen Chance auf eine demokratische Transition in Venezuela ge\u00f6ffnet? Wird es Neuwahlen geben und wenn ja, wann?Chavismus verschwindet nicht \u00fcber NachtFest steht, dass der Chavismus \u00fcber Nacht nicht einfach \u201everschwindet\u201c. Es gibt weiterhin mehrere Schl\u00fcsselfiguren des Maduro-Regimes, die sich nach wie vor an die Macht klammern. Darunter sind vor allem nennenswert:Vladimir Padrino L\u00f3pez, er ist Verteidigungsminister und hat die Kontrolle \u00fcber das Milit\u00e4r. Delcy Rodr\u00edguez, sie war Vizepr\u00e4sidentin unter Maduro und ist jetzt Interimspr\u00e4sidentin. 2018 \u00fcbernahm sie die Kontrolle \u00fcber den Geheimdienst (SEBIN), dem unter anderem Folter von Oppositionellen, Journalist:innen und Aktivist:innen vorgeworfen wird. Ihr Bruder Jorge Rodr\u00edguez ist unter anderem f\u00fcr die chavistische Propaganda zust\u00e4ndig. Nicht vergessen oder untersch\u00e4tzen sollte man Diosdado Cabello, einen der schlimmsten Hardliner der Chavisten.Heute ist der beste Zeitpunkt, als Unbeteiligte unsere Ambiguit\u00e4tstoleranz zu \u00fcben\u00a0Als Unbeteiligte in dem Konflikt und Beobachter von au\u00dfen, erst recht, wenn manche von uns erst vor kurzem mit der Geschichte Venezuelas in Ber\u00fchrung gekommen sind, ist es wichtig, zun\u00e4chst Betroffenen zuzuh\u00f6ren, zu versuchen, venezolanische Perspektiven zu verstehen, und unsere Ambiguit\u00e4tstoleranz zu trainieren.\u00a0Was genau ist Ambiguit\u00e4tstoleranz?\u00a0Ganz kurz gesagt kann es dank Ambiguit\u00e4tstoleranz also m\u00f6glich sein, die US-Intervention in Venezuela als v\u00f6lkerrechtswidrig zu verurteilen, und gleichzeitig anzuerkennen, dass Maduro ein brutaler Diktator und illegitimer Pr\u00e4sident war. Kontext ist wichtig. Immer. Im Fall von Venezuela ist zwar die US-Intervention eindeutig v\u00f6lkerrechtswidrig, doch der Kontext rund um die Geschichte und politischen Hintergr\u00fcnde des Landes ist \u00e4u\u00dferst komplex. Deutsche, die in Westdeutschland aufgewachsen sind, und Deutsche j\u00fcngerer Generationen, haben keine Diktaturerfahrung \u2013 das ist in unserer Redaktion genauso. W\u00e4hrend zum Gl\u00fcck viele Menschen in Deutschland keine Diktatur selbst miterleben mussten, ist es wichtig, das als Privileg anzuerkennen und dementsprechend zumindest zu versuchen, das Leben und die Realit\u00e4t von Millionen Menschen unter einer Diktatur nachzuvollziehen und Empathie zu zeigen.Wo war die internationale Gemeinschaft?Gleichzeitig ist es auch wichtig anzuerkennen, dass Venezuela lange Zeit nicht die Aufmerksamkeit erhalten hat, die vielleicht notwendig gewesen w\u00e4re, um Maduros Diktatur vehementer anzuprangern. Daher sollten wir uns auch folgende Fragen stellen: Wo war die internationale Gemeinschaft, als Maduro systematisch Oppositionelle und die Zivilgesellschaft unterdr\u00fcckte, folterte und umbrachte? Wo war die Solidarit\u00e4t der internationalen Linken, als Maduro rechtswidrig die Pr\u00e4sidentschaftswahl 2024 stahl? Wo war Deutschland und seine \u201ehumanit\u00e4re Verantwortung\u201c, w\u00e4hrend 85 % der Asylantr\u00e4ge von Venezolaner:innen, \u00fcber die das BAMF 2025 entschied, abgelehnt wurden?Deepdive: Dobrindts Migrationspolitik zerst\u00f6rt in 10 PunktenVorschnelle Meinungen von au\u00dfen abzugeben, ist leicht. Die venezolanische Zivilgesellschaft hat alles versucht: friedvolle Proteste, immer und immer wieder, Streiks, Sammlung der Beweise der Niederlage Maduros, Warnungen und Hilferufe an die internationale Community. Haben wir ihnen damals zugeh\u00f6rt?\u00a0Auf Social Media war in hitzigen Debatten nach der US-Invasion oft die schnelle Einsch\u00e4tzung zu lesen, Trump gehe es nur ums \u00d6l und die Demokratie in Venezuela sei ihm egal. W\u00e4hrend diese Einsch\u00e4tzung sehr wahrscheinlich stimmt, braucht es auch hier mehr Kontext. Der westliche Fokus auf das \u00d6l und die geostrategischen Ziele ist wichtig, das ist unbestritten. Doch um die Perspektive der betroffenen Menschen zu verstehen, reicht er nicht aus. Die einzigen, die bislang nicht vom venezolanischen \u00d6l profitierten, sind die Venezolaner:innen selbst. Blicken wir auf die Details.\u00a0Drogenschmuggel war Vorwand f\u00fcr US-Intervention, ist aber nicht komplett von der Hand zu weisenVenezuela hat die gr\u00f6\u00dften gesicherten Erd\u00f6lreserven der Welt. Doch bei Erd\u00f6l geht es nicht nur um den Rohstoff selbst, sondern auch um die Art des Erd\u00f6ls. Venezuela hat vor allem Schwer\u00f6l, auf dessen Aufbereitung US-Raffinerien spezialisiert sind. Um Schwer\u00f6l aus dem Boden zu holen und weiterzuverarbeiten, braucht man besonders viel Energie und weiteres spezielles Equipment und Chemikalien. Es ist ergo also besonders teuer. Der Gro\u00dfteil der venezolanischen \u00d6lindustrie wurde gemeinsam mit US-\u00d6lfirmen aufgebaut. Die Zusammenarbeit geht also viel weiter zur\u00fcck.\u00a0Oft wird derzeit analysiert, dass Trump Maduros vermeintliche Verwicklungen in Drogenschmuggel (wof\u00fcr er jetzt unter anderem in New York vor Gericht steht) nur als Vorwand nutzte, um an Venezuelas \u00d6l zu kommen. Trump selbst hat keinen Hehl daraus gemacht, dass die USA wieder mehr venezolanisches \u00d6l wollen. Zwar wurden auch \u00fcber Venezuela Drogen in die USA geschmuggelt, aber bei weitem nicht so viele wie \u00fcber andere Routen. Gleichzeitig muss auch gesagt werden, dass es unm\u00f6glich ist, alle Drogenschmuggelrouten zu kennen, und wir daher nicht zu 100 % sicher sein k\u00f6nnen, welche die Hauptdrogenrouten sind.Screenshot Statista.comDas Cartel de los Soles\u00a0Obwohl der Drogenschmuggel wohl tats\u00e4chlich eine eher nebens\u00e4chliche Rolle bei der US-Intervention spielte, ist der Vorwurf dennoch nicht komplett von der Hand zu weisen. (Was nicht bedeutet, dass es Trump aus v\u00f6lkerrechtlicher Perspektive berechtigt, Maduro zu entf\u00fchren, das war weiterhin unzweifelhaft v\u00f6lkerrechtswidrig). Dass Milit\u00e4rangeh\u00f6rige in das Drogengesch\u00e4ft in Lateinamerika verstrickt sind, ist \u201eso alt wie das Verbrechen selbst\u201c, so Caracas Chronicles. Drogen k\u00f6nnten ohne die Zusammenarbeit korrupter Beamt:innen und hochrangiger Milit\u00e4rs gar nicht aus den Erzeugerl\u00e4ndern von Kokain (das sind Kolumbien, Peru und Bolivien) ins Ausland geschmuggelt werden. Um ein spezielles Kartell geht es den USA konkret: das Cartel de los Soles.\u00a0Berichte \u00fcber das Kartell gab es bereits vor dem Chavismus. Es besteht aus Gruppen innerhalb der venezolanischen Streitkr\u00e4fte, die in kriminelle Aktivit\u00e4ten verwickelt sind, insbesondere den Drogenhandel. InSight Crime hat 123 aktive und pensionierte hochrangige Offiziere dokumentiert, die in den Kokainschmuggel verwickelt sind.\u00a0Ob Maduro selbst der Kopf des Kartells ist, ist unklar \u2013 ob es \u00fcberhaupt eine feste Struktur hat, genauso wenig. Das venezolanische Milit\u00e4r ist aber in gro\u00dfen Teilen chavistisch, und um es bei Laune zu halten und den Geldfluss nicht zu unterbrechen, hat Maduro vermutlich nichts unternommen, um das Drogengesch\u00e4ft in den H\u00e4nden von Banden, Milit\u00e4r, Polizei, Gesch\u00e4ftsleuten und Staatsbeamten zu unterbinden. Wie auch, wenn er davon vermutlich selbst profitierte und seine Macht stabilisierte. Mehr Informationen zu Maduros Rolle innerhalb des Kartells sind wohl im Zuge seines Gerichtsprozesses in New York zu erwarten. Mehr zum Cartel de los Soles kannst du hier und hier nachlesen.\u00a0\u201eIt\u2019s the oil, stupid!\u201c Na klar, aber bislang haben andere Diktaturen Venezuelas \u00d6l erhaltenAber zur\u00fcck zum \u00d6l. Nachdem sich viele US-\u00d6lfirmen 2007 unter Ch\u00e1vez und seiner Verstaatlichungspolitik aus Venezuela zur\u00fcckzogen und nur noch Chevron mit signifikanten Anteilen zur\u00fcckgeblieben ist, erhielt zuletzt China den Gro\u00dfteil der \u00d6lexporte aus Venezuela \u2013 2023 waren es 69 %. Im Gegenzug flossen hohe Kreditsummen von China, dem Hauptkreditgeber von Venezuela, in das s\u00fcdamerikanische Land.\u00a0Doch China ist nicht die einzige Diktatur, mit der Venezuela verbandelt ist. Hauptlieferant von R\u00fcstung ist Russland. Es gibt auch Beziehungen in den Iran und nach Kuba. Kuba best\u00e4tigte, dass unter den Toten nach dem US-Angriff auf Caracas am 3. Januar 32 kubanische Milit\u00e4rs waren.\u00a0Venezuela produziert bei weitem nicht so viel \u00d6l, wie es mit einer funktionierenden Industrie k\u00f6nnte. Warum die \u00d6lindustrie brachliegt, ist zun\u00e4chst hausgemacht, wie wir weiter oben im Artikel gesehen haben. Jahrzehntelange Misswirtschaft, Unterinvestitionen und Korruption trugen zum Niedergang bei, sp\u00e4ter erschwerten Sanktionen den Zugang zu ausl\u00e4ndischen M\u00e4rkten und Krediten. Bis die venezolanische \u00d6lwirtschaft ihre Kapazit\u00e4ten wieder voll aussch\u00f6pfen k\u00f6nnte, wird es Jahre dauern.\u00a0In der Debatte ums \u00d6l werden die Menschen vor Ort vergessenWas in der Debatte um das \u00d6l h\u00e4ufig vergessen wird, aber unglaublich wichtig ist zu betonen: Die einzigen, die bislang nicht vom venezolanischen \u00d6l profitierten, sind die Venezolaner:innen selbst. Gewinne flossen ans chavistische Regime, das sich selbst bereicherte und an befreundete Diktaturen. Die Schweiz fror am 5. Januar mutma\u00dfliche Verm\u00f6genswerte Maduros (der fr\u00fcher \u00fcbrigens Busfahrer war, sich dann aber auf Kosten der venezolanischen Bev\u00f6lkerung enorm bereicherte) und anderer mit ihm verbundener Personen ein.Gabriela Mesones Rojo, venezolanische Journalistin in Caracas, sagt:\u201cThe government mismanaged what was once one of the strongest oil industries in the world and practically bankrupted it. Yes, oil matters. But it\u2019s a mistake to think Venezuela had sovereignty over its oil before this moment. Oil has long been used to finance a brutal dictatorship. So the oil discussion is important and worrying, but without nuance, it misses the real human cost.\u201dWenn wir aus einer westlichen und geopolitischen Perspektive haupts\u00e4chlich \u00fcber das \u00d6l diskutieren und verst\u00e4ndlicherweise besorgt sind, dass Trump es sich anscheinend pers\u00f6nlich unter den Nagel rei\u00dfen will, laufen wir Gefahr, dabei Perspektiven von Betroffenen au\u00dfen vor zu lassen. Wer von den \u00d6leinnahmen haupts\u00e4chlich profitieren sollte, ist die venezolanische Bev\u00f6lkerung. Das war unter Maduro nicht der Fall. Ob sich das unter einer Trump-Verwaltung Venezuelas \u00e4ndert, bleibt unklar. Laut Trump soll sich Venezuela dazu verpflichten, mit den Einnahmen aus den \u00d6lgesch\u00e4ften nur in US-Produkte zu investieren.\u00a0Fazit: Ungewissheit ist gro\u00df und Sorgen sind nachvollziehbar\u00a0Dass Trump das V\u00f6lkerrecht mit F\u00fc\u00dfen tritt, ist brandgef\u00e4hrlich, keine Frage. Dass er es auch nicht wegen einer Liebe zur Demokratie gemacht hat, ebenso. Er sprach bereits Drohungen gegen\u00fcber weiteren Staaten in Lateinamerika aus. Die weltweit gro\u00dfe Sorge vor einem Fl\u00e4chenbrand ist mehr als berechtigt.\u00a0Gleichzeitig hat sich f\u00fcr Venezuelas Zukunft ein m\u00f6gliches Fenster aufgemacht. Vieles ist noch maximal unklar: Wird sich der Chavismus in Venezuela halten oder wird es zu einer internen Fragmentierung des Regimes kommen? Wird es demokratische Neuwahlen geben? Werden alle politischen Gefangenen endlich freigelassen? Werden Millionen Exil-Venezolaner:innen endlich wieder ihre Liebsten besuchen oder gar ganz zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen, wenn gew\u00fcnscht? Oder wird es zu neuen Milit\u00e4rangriffen der USA kommen, wenn die chavistische \u00dcbergangsregierung nicht nach Trumps Vorstellungen kooperiert?\u00a0Vieles bleibt abzuwarten, doch eine Sache bleibt gewiss: Mehrere Fakten k\u00f6nnen gleichzeitig wahr sein. Man kann und sollte Trump kritisieren und gleichzeitig anerkennen, dass Maduro ein illegitimer Diktator war. Man kann v\u00f6lkerrechtswidriges Vorgehen kritisieren und gleichzeitig Bewusstsein daf\u00fcr entwickeln, dass die Menschenrechte von Millionen Venezolaner:innen jahrelang und systematisch missachtet wurden.\u00a0Und am allerwichtigsten: Wir sollten auch versuchen, den Kontext und die Perspektiven von Betroffenen zu verstehen. Viele von uns waren noch nie mit der Situation konfrontiert, kein Essen auf dem Tisch zu haben, nicht zu wissen, ob es Strom, Wasser und Internet auch morgen geben wird, f\u00fcr Proteste ins Gef\u00e4ngnis gesteckt zu werden oder schlimmer, Angst vor freier Meinungs\u00e4u\u00dferung haben zu m\u00fcssen und Familienmitglieder im Ausland jahrelang nicht sehen zu k\u00f6nnen.\u00a0Artikelbild: StringerAL shutterstock.com.Zur Quelle wechseln"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Venezuela: Warum wir nicht nur \u00fcber Trump sprechen sollten","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/venezuela-warum-wir-nicht-nur-ueber-trump-sprechen-sollten\/#breadcrumbitem"}]}]