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Video: Politikerin behauptet fälschlicherweise, ein Krankenhaus für Covid-19-Patienten in Brasilien sei leer 

Am 8. Juli teilte das Profil „Die Corona Lüge“ auf Instagram ein Video einer Frau mit Mund-Nasen-Bedeckung, die durch ein provisorisches Krankenhaus läuft. Auf Portugiesisch ruft sie verärgert aus, es sei völlig leer. Das Video mit deutschen Untertiteln wurde bereits mehr als 11.800 Mal angesehen. Es führt jedoch in die Irre. In dem Krankenhaus in São Paulo im Anhembi Parque waren zum Zeitpunkt der Aufnahme zahlreiche Covid-19-Patienten.

CORRECTIV konnte mit Hilfe der brasilianischen Faktenchecker von Agência Lupa den Ursprung des Videos finden: Es ist ein Ausschnitt eines längeren Facebook-Live-Videos von der brasilianischen Politikerin Adriana Borgo am 4. Juni. Das Video war also zum Zeitpunkt der Veröffentlichung auf Instagram bereits einen Monat alt. 

Video aus dem Krankenhaus in Brasilien auf Instagram
Ausschnitt aus dem Video mit deutschen Untertiteln auf Instagram. (Screenshot: CORRECTIV)

Politiker drangen Anfang Juni in das Not-Krankenhaus in Brasilien ein

Adriana Borgo ist Mitglied des Parlaments des Bundesstaates São Paulo. In dem Video ruft sie sarkastisch, die Zuschauer sollten sich mal diese Massen an Erkrankten ansehen. Sie sagt außerdem, dass sie das provisorische Krankenhaus für Geldverschwendung halte, weil es dort ja gar keine Patienten gebe. 

Der Journalist Maurício Moraes von Agência Lupa hat bereits am 5. Juni einen Faktencheck zu diesem Thema veröffentlicht. Demnach seien einige Politikerinnen und Politiker am 4. Juni in ein großes Not-Krankenhaus eingedrungen, das im Parque Anhembi (einem Kongresszentrum) in São Paulo für Covid-19-Patienten eingerichtet wurde. Sie filmten unfertige, leere Teile des Gebäudes und behaupteten, es gebe keine Patienten. Eine Lokalzeitung aus São Paulo berichtete ebenfalls am 4. Juni darüber, dass die Abgeordneten in das Krankenhaus eingedrungen seien. Sie hätten behauptet, eine „Inspektion“ durchzuführen, und dass die Regierung von São Paulo über die Zahl der Fälle und Todesfälle lüge.   

Am 4. Juni lagen in dem Krankenhaus mehr als 400 Covid-19-Patienten

Die Darstellung im Video von Adriana Borgo ist irreführend. Sie filmte in einem Teil des Gebäudes, in dem keine Menschen waren. Am 4. Juni gab es jedoch mehrere hundert Patienten in dem Not-Krankenhaus. Der Faktencheck von Agência Lupa weist darauf hin, dass laut dem offiziellen Corona-Lagebericht für São Paulo vom 4. Juni an jedem Tag in diesem Krankenhaus (Anhembi) 407 Covid-19-Patienten lagen (PDF, Seite 2). Das städtische Gesundheitssekretariat von São Paulo veröffentlicht täglich Corona-Lageberichte

Ein anderes Facebook-Video von Adriana Borgo vom selben Tag zeigt sogar einige dieser Patienten – die Politikerinnen und Politiker haben also selbst gesehen, dass das Krankenhaus nicht komplett leer war. 

Facebook-Video Adriana Borgo Brasilien
Ihre „Inspektion“ führte die Politikerinnen und Politiker am 4. Juni auch in den Bereich des Krankenhauses, in dem Patienten lagen. (Screenshot: CORRECTIV)

Das provisorische Krankenhaus im Anhembi Parque ist laut brasilianischen Medienberichten für 1.800 Patienten ausgelegt worden. So viele Betten wurden tatsächlich nicht gebraucht, deshalb werde die Anzahl verkleinert, schrieb die Seite Globo kürzlich (16. Juli). 

Aktuell 207 Patienten im Not-Krankenhaus

Die Patientenzahl in dem Krankenhaus schwankte im Juni und Juli. CORRECTIV überprüfte die Lageberichte für São Paulo stichprobenartig. Am 15. Juni lagen dort 272 Patienten. Am 1. Juli waren es 197. Aktuell liegen in dem Krankenhaus laut dem Lagebericht vom 21. Juli insgesamt 207 Patienten. 

Dem WHO-Lagebericht vom 21. Juli zufolge gibt es in Brasilien aktuell rund 2,1 Millionen bestätigte Corona-Infizierte und rund 79.500 Todesfälle. 

Warum Demokratie Faktenchecks braucht

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ZUM ARTIKEL

Das Video von Adriana Borgo wurde auch in Italien als angeblicher Beleg verbreitet, dass eine „zweite Welle“ in Brasilien nicht existiere. Die Faktenchecker von Facta stuften es in einem Bericht Ende Juni ebenfalls als Falschinformation ein. 

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Andreas Kossiski - Oberbürgermeister für Köln