[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/warum-dieser-kettenbrief-keinen-wahlbetrug-in-prignitz-beweist\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/warum-dieser-kettenbrief-keinen-wahlbetrug-in-prignitz-beweist\/","headline":"Warum dieser Kettenbrief keinen Wahlbetrug in Prignitz beweist","name":"Warum dieser Kettenbrief keinen Wahlbetrug in Prignitz beweist","description":"Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck \/ Zur Quelle wechseln Einen Tag nach der Landtagswahl in Brandenburg 2024 verbreitet ein Telegram-Kanal den angeblichen Brief eines Wahlhelfers. Der Mann berichtet demnach, ohne den Namen des konkreten Wahllokals zu nennen, er habe im Landkreis Prignitz angeblich \u201eschwerwiegenden Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten bei der Stimmausz\u00e4hlung\u201c beobachtet. 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Der Mann berichtet demnach, ohne den Namen des konkreten Wahllokals zu nennen, er habe im Landkreis Prignitz angeblich \u201eschwerwiegenden Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten bei der Stimmausz\u00e4hlung\u201c beobachtet. In dem Text hei\u00dft es unter anderem: \u201eW\u00e4hrend der Ausz\u00e4hlung der abgegebenen Stimmen f\u00fcr die Landtagswahl im Bezirk [Bezirk oder genauer Standort], fiel mir auf, dass eine betr\u00e4chtliche Anzahl von Stimmen f\u00fcr die Partei Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD) gezielt aussortiert und beiseitegelegt wurde.\u201c\u00a0Der Mann bittet angeblich darum, den Brief schnellstm\u00f6glich zu verbreiten, offenbar mit Erfolg: Allein der Telegram-Beitrag erhielt knapp 150.000 Ansichten. Der Kettenbrief verbreitete sich au\u00dferdem per Whatsapp, in Facebook-Gruppen, auf X und im russischen Sozialen Netzwerk VK. Allerdings fragen einige, warum der Mann nicht sofort die Polizei gerufen hat. Andere merken an, dass die Ausz\u00e4hlung von Stimmen \u00f6ffentlich ist und andere so einen Betrug nicht zugelassen h\u00e4tten. Wir erkl\u00e4ren, warum die Behauptungen im Kettenbrief nicht schl\u00fcssig sind.Dieser Kettenbrief kursierte nach der Landtagswahl in Brandenburg 2024 in Sozialen Netzwerken (Quelle: Telegram; Screenshots und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)Landeswahlleitung: Keine Auff\u00e4lligkeiten bei Wahlbeteiligung und ErgebnisCORRECTIV.Faktencheck hat bei der Landeswahlleitung und dem Landkreis Prignitz zu dem angeblichen Vorfall nachgefragt. Beide schrieben uns Mitte Oktober 2024, dass es weder bei den Ergebnissen noch bei der Wahlbeteiligung im Landkreis Auff\u00e4lligkeiten gegeben habe. Der Wahlausschuss habe das Wahlergebnis ohne Beanstandungen anerkannt. Gegen die Behauptungen im Netz hat die Landeswahlleitung inzwischen Strafanzeige gestellt \u2013 man h\u00e4lt sie nicht f\u00fcr plausibel. Grund daf\u00fcr sind die im Kettenbrief genannten Zahlen, doch dazu sp\u00e4ter mehr.\u00a0Aus dem Kettenbrief geht nicht hervor, ob der angebliche Wahlhelfer den Vorfall angezeigt hat. Auf Nachfrage bei der Polizei Brandenburg, ob eine Anzeige dazu eingegangen ist, verwies diese an die Staatsanwaltschaft Neuruppin.\u00a0Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft schrieb uns am 18. Oktober per E-Mail, dass zu den Behauptungen \u00fcber Prignitz zwei Verfahren gegen bislang unbekannte T\u00e4ter bearbeitet werden. Man ermittle einerseits wegen vorgeblicher Wahlf\u00e4lschung und andererseits wegen Falschbehauptungen \u00fcber etwaige Wahlmanipulationen. Die Ermittlungen st\u00fcnden am Anfang \u2013 zu Details wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht \u00e4u\u00dfern.Per E-Mail schreibt die Staatsanwaltschaft Neuruppin, dass zwei Verfahren gegen unbekannte T\u00e4ter bearbeitet werden (Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)Am Sonntag nehmen die Entsorgungsbetriebe keine M\u00fclls\u00e4cke entgegenIn dem Kettenbrief unterstellt der Wahlhelfer, dass, \u201emindestens 45 bis 50 Prozent\u201c der g\u00fcltigen Stimmen f\u00fcr die AfD aussortiert und in M\u00fclls\u00e4cke geworfen worden seien. Diese S\u00e4cke seien dann gegen 18 Uhr in einen Kleintransporter verladen und noch am selben Abend \u201eder M\u00fcllverbrennung zugef\u00fchrt\u201c worden.Dass mehrere S\u00e4cke abtransportiert wurden, ist laut Kreiswahlleitung in der Praxis jedoch unrealistisch. Ein Sprecher rechnet vor: \u201eIn einem Wahllokal mit ca. 1.500 Wahlberechtigten verbleiben bei einer Gesamtwahlbeteiligung von ca. 72 Prozent und einer Briefwahlbeteiligung von ca. 30 Prozent noch rund 760 Urnenw\u00e4hlerinnen und Urnenw\u00e4hler. F\u00fcr diese Stimmzettel ist eine Wahlurne ausreichend. Was vorher in nur einer Wahlurne Platz fand, kann also schwerlich s\u00e4ckeweise entfernt worden sein.\u201cZudem schlie\u00dfen die Wahllokale erst um 18 Uhr und die Urnen werden danach erstmals f\u00fcr die Ausz\u00e4hlung ge\u00f6ffnet. Es ist unschl\u00fcssig, dass Stimmen f\u00fcr eine Partei schon kurze Zeit sp\u00e4ter identifiziert, aussortiert und in ein Fahrzeug verladen wurden.\u00a0\u00a0Ebenso unschl\u00fcssig ist, dass die Wahlscheine noch am selben Abend in der \u201e\u00f6rtlichen M\u00fclldeponie\u201c entsorgt und verbrannt wurden: Im Landkreis Prignitz gibt es keine gro\u00dfe M\u00fcllverbrennungsanlage, sondern nur kleinere Annahmestellen. Die Kleinannahmestellen des Landkreises sind jedoch an Sonntagen geschlossen. Auch mit vorheriger Terminvereinbarung ist es nicht m\u00f6glich, dort sonntags M\u00fcll zu entsorgen, schrieb uns ein Sprecher des Landkreises per E-Mail.Laut Landeswahlleitung gab es kein Wahllokal im Landkreis Prignitz mit 700 ung\u00fcltigen StimmenDer Wahlhelfer behauptet weiter, er habe dar\u00fcber hinaus mindestens 700 F\u00e4lle \u201edirekt verfolgen\u201c k\u00f6nnen, bei denen um Kreuze zugunsten der AfD ein Kreis gezogen wurde, wodurch diese ung\u00fcltig gemacht worden seien.\u00a0Laut der Landeswahlleitung gab es aber \u201ekein Wahllokal im Landkreis Prignitz, das eine solch erh\u00f6hte Anzahl an ung\u00fcltigen Stimmen\u201c aufwies. Im gesamten Landkreis Prignitz habe es 629 ung\u00fcltige Erststimmen und 445 ung\u00fcltige Zweitstimmen gegeben. Die genauen Ergebnisse aller Wahlbezirke stehen auf der Webseite des Landes Brandenburg zum Download zur Verf\u00fcgung.\u00a0Die Landeswahlleitung Brandenburg teilte uns zudem mit, dass die Stimmabgabe auch g\u00fcltig sei, wenn das gesetzte Kreuz umrandet wird \u2013 das best\u00e4rke den W\u00e4hlerwillen.Wer die Behauptungen verbreitetDa in dem Kettenbrief weder der vollst\u00e4ndige Name noch das Wahllokal des angeblichen Wahlhelfers stehen, l\u00e4sst sich der Urheber nicht ausfindig machen. Ob es ihn \u00fcberhaupt gibt, ist fraglich. Impfkritische, prorussische und AfD-nahe Gruppen verbreiteten den Kettenbrief in verschiedenen Sozialen Netzwerken. Der \u00e4lteste Beitrag, den CORRECTIV.Faktencheck finden konnte, stammt von dem Telegram-Kanal \u201eUnabh\u00e4ngig-Neutrale Nachrichten\u201c (UNN). Der Kanal UNN geh\u00f6rt einem Youtuber aus \u00d6sterreich, der sich laut Beschreibung als \u201eInvestor, Aktion\u00e4r, Youtuber und Auswanderer\u201c bezeichnet. Auf Anfragen von CORRECTIV.Faktencheck reagierte er nicht. Den Telegram-Kanal gibt es seit September 2021 \u2013 anfangs ging es vorwiegend um Impfkritik. Der Youtuber wirbt auch regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr zweifelhafte Gesundheitsprodukte, hinter denen eine Firma mit Verbindungen nach Russland steckt.Obwohl UNN weniger als 20.000 Abonnenten hat, erreichen manche Beitr\u00e4ge Hunderttausende. Im Januar 2024 schwenkte der Kanal auf \u201epolitische Inhalte\u201c um. In seiner Beschreibung positionierte er sich mal pro-russisch, mal pro-israelisch. Seine Inhalte werden h\u00e4ufig durch Kreml-nahe Propaganda-Seiten weiterverbreitet.Warnungen vor Wahlbetrug kritisch hinterfragen\u00a0Vor Wahlen wird in Sozialen Netzwerken oft vor Wahlbetrug gewarnt. Wie im Fall des angeblichen Wahlhelfers sind solche Behauptungen jedoch h\u00e4ufig unbelegt oder falsch. Dahinter kann eine rechtspopulistische Masche stecken, wie wir in diesem Text erkl\u00e4ren, oder auch pro-russische Desinformation.Um selbst nicht auf Falschbehauptungen reinzufallen, helfen ein paar einfache Tipps. Der wichtigste: erst einmal innehalten, und eine aufw\u00fchlende, vielleicht sogar skandal\u00f6se Information, hinterfragen. Von wem stammt diese \u00fcberhaupt? Zudem lohnt sich die Suche, nach weiteren Quellen, etwa Medienberichten oder Faktenchecks.Sollte es tats\u00e4chlich zu Wahlbetrug kommen, k\u00f6nnen Zeuginnen und Zeugen konkrete Belege den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden melden. Wahlhelfende kontrollieren einander und sind zur unparteiischen Wahrnehmung ihres Amtes verpflichtet \u2013 das ist gesetzlich festgelegt.Redigatur: Paulina Thom, Max BernhardZur Quelle wechselnAuthor: Sarah Thust"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Warum dieser Kettenbrief keinen Wahlbetrug in Prignitz beweist","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/warum-dieser-kettenbrief-keinen-wahlbetrug-in-prignitz-beweist\/#breadcrumbitem"}]}]