[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/weitere-vatikan-dokumente-zu-missbrauchstaetern-aufgetaucht\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/weitere-vatikan-dokumente-zu-missbrauchstaetern-aufgetaucht\/","headline":"Weitere Vatikan-Dokumente zu Missbrauchst\u00e4tern aufgetaucht","name":"Weitere Vatikan-Dokumente zu Missbrauchst\u00e4tern aufgetaucht","description":"Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck \/ Zur Quelle wechseln Nach der CORRECTIV-Recherche \u201eAkten des Missbrauchs\u201c zu Dokumenten \u00fcber Missbrauchst\u00e4ter im Vatikan liegen CORRECTIV f\u00fcnf weitere Dokumente aus den USA vor. 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Sie stammen aus der Zeit, als Joseph Kardinal Ratzinger eine vatikanische Beh\u00f6rde leitete und sp\u00e4ter als Papst an der Spitze der katholischen Kirche stand. Vier von f\u00fcnf Briefen hat Ratzinger selbst unterschrieben. Sie best\u00e4tigen, dass die Kirchenoberen vom sexuellen Missbrauch durch Priester wussten \u2013 und geheim hielten. Verantwortliche im Vatikan entschieden, wie mit den T\u00e4tern umzugehen sei: Teils wurden F\u00e4lle \u00fcber Jahre verschleppt, Strafen wieder aufgehoben und der Wiedereinsatz von verurteilten T\u00e4tern erm\u00f6glicht.Insgesamt liegen damit nun 25 interne Briefe vor, die CORRECTIV \u2013 teilweise in Kooperation mit der US-amerikanischen Organisation \u201eBishop Accountability\u201c \u2013 auswerten konnte. Sie belegen, dass die Bist\u00fcmer den Vatikan \u00fcber Missbrauchsf\u00e4lle und T\u00e4ter informierten.\u00a0Vier Dokumente aus dem Zeitraum 1986 bis 2002 weisen die Unterschrift des sp\u00e4teren Papstes auf. Einer der F\u00e4lle aus dem Jahr 1986 ist besonders brisant: Er zeigt, dass der Vatikan versucht hat, einen Fall aus Ratzingers Vergangenheit geheim zu halten.Die neuen Erkenntnisse best\u00e4tigen die bisherigen Recherchen von CORRECTIV. In der weltweiten Recherche \u201eAkten des Missbrauchs\u201c hatte CORRECTIV anhand von 20 internen Briefwechseln aufgedeckt, dass der Vatikan schon seit etwa 100 Jahren \u00fcber Missbrauchst\u00e4ter aus den eigenen Reihen informiert war. Die Recherche von CORRECTIV zeigt, dass die Verantwortung und das Wissen f\u00fcr den Missbrauch in der Kirche im Vatikan lagen und liegen. \u201eDie CORRECTIV-Recherche hat die Verantwortung f\u00fcr den Missbrauch und das Wissen dar\u00fcber auf den Vatikan gelenkt\u201c, erkl\u00e4rt der Kirchenrechts-Experte und Rechtsanwalt Martin Pusch der Anwaltskanzlei Lau Litzka Pusch (fr\u00fcher WSW) in M\u00fcnchen.Die Akten liegen in geheimen Archiven des Vatikans, in gesonderten Schr\u00e4nken des Dikasteriums f\u00fcr die Glaubenslehre, kurz Glaubenskongregation. Diese Beh\u00f6rde leitete Joseph Kardinal Ratzinger, der sp\u00e4tere Papst Benedikt XVI., mehr als 20 Jahre lang.Der Brief, den es nicht geben d\u00fcrfte, bleibt eine AusnahmeDie neuen Unterlagen machen erneut deutlich, wie viel der Vatikan \u00fcber die Missbrauchsf\u00e4lle wusste \u2013 und wie viel M\u00fche sich die damaligen Verantwortlichen offenbar gaben, diese F\u00e4lle geheim zu halten. Denn einer der Briefe best\u00e4tigt die Brisanz der fehlenden Protokollnummer, die CORRECTIV bereits aufgedeckt hatte.Im Jahr 1986 entschied Joseph Kardinal Ratzinger als Leiter der Glaubenskongregation im Vatikan, dass der damalige Priester Peter H. die Messe mit Traubensaft statt Wein zelebrieren d\u00fcrfe. Peter H. war im Jahr 1980 von Essen nach M\u00fcnchen versetzt worden, als Kardinal Ratzinger noch dem Erzbistum M\u00fcnchen und Freising als Erzbischof vorstand. Sechs Jahre sp\u00e4ter erlaubte Ratzinger ihm als Leiter der Glaubenskongregation, Traubensaft zu verwenden \u2013 obwohl er dar\u00fcber informiert war, dass es sich bei dem Priester um einen verurteilten Sexualstraft\u00e4ter handelte. Trotzdem gab Ratzinger zu jener Zeit keine weiteren Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr den Mann oder gar eine Aufforderung an das Erzbistum, Ermittlungen einzuleiten. Diese Erlaubnis war f\u00fcr das Erzbistum M\u00fcnchen und Freising notwendig, den Priester wieder in eine Gemeinde einzusetzen. Dort hat er sp\u00e4ter erneut Jungen missbraucht.Bislang versuchten Vertraute aus dem Umfeld Ratzingers, das Dokument \u00f6ffentlich als reinen Routinevorgang darzustellen. CORRECTIV hat den Brief mehreren Experten vorgelegt, keiner von ihnen hat bisher ein Schreiben der Glaubenskongregation ohne eine Protokollnummer gesehen.Die neuen Unterlagen enthalten nun einen Brief, der best\u00e4tigt, wie ungew\u00f6hnlich die fehlende Nummer auf der Traubensaft-Erlaubnis ist: 1986, zwei Monate nach dem Schreiben im Fall des Peter H., erteilte Kardinal Ratzinger wieder einem Priester die Erlaubnis, Traubensaft statt Wein zu verwenden. Es ging um einen Priester in Oregon, USA. Die Texte der beiden Schreiben sind beinahe gleich: Auch in diesem Fall solle man daf\u00fcr Sorge tragen, dass die Gl\u00e4ubigen keinerlei Ansto\u00df daran nehmen. Die Anweisung sollte also geheim bleiben. Der entscheidende Unterschied: Auf dem Schreiben f\u00fcr den Priester in den USA steht eine Protokollnummer: 89\/78.Ausschnitt aus dem Traubensaft-Schreiben von 1986, zu einem Priester in Oregon, USA.Die Protokollnummer weist daraufhin, dass der Fall bereits seit 1978 der Glaubenskongregation vorliegt. Der Grund l\u00e4sst sich den Akten nicht entnehmen. Der Bischof bat erst 1986 um eine Erlaubnis f\u00fcr Traubensaft.Der Rechtsanwalt Martin Pusch aus M\u00fcnchen sagt dazu: \u201eDer Fall zeigt, dass die zuvor erteilte Erlaubnis f\u00fcr Traubensaft f\u00fcr den verurteilten Sexualstraft\u00e4ter Peter H. keine Routine war.\u201c Er meint: \u201eDie fehlende Protokollnummer im Fall H. deutet darauf hin, dass die Kongregation und der Pr\u00e4fekt diesen Fall als Sonderfall behandelten, um ihn au\u00dferhalb der Registratur zu halten.\u201cAnders als im Fall Peter H. l\u00e4sst sich f\u00fcr den Priester aus Oregon nicht sicher sagen, ob Kardinal Ratzinger von dessen Missbrauchstaten gewusst hat, als er den Brief unterschrieb. Im Bistum war bekannt, dass der Priester \u201eSchwierigkeiten mit seiner Sexualit\u00e4t\u201c habe, diese bezogen sich aber vermutlich auf eine Beziehung zu einer Frau in den 1950er Jahren. Ob die Verantwortlichen vor Ort bereits wussten, dass der Priester ab 1980 wohl auch einen 10-j\u00e4hrigen Jungen missbrauchte, l\u00e4sst sich nicht eindeutig feststellen. Der Betroffene reichte erst ab 2002 eine Klage ein. Der Priester war in der Zwischenzeit bereits verstorben.Die Briefe best\u00e4tigen bisher bekanntes Verhalten von Vatikan-VerantwortlichenAuch die vier anderen Dokumente, die CORRECTIV nun vorliegen, belegen den fragw\u00fcrdigen Umgang des Vatikans mit Missbrauchst\u00e4tern.Im Jahr 2002 hatte ein Priester aus Philadelphia Beschwerde bei der Glaubenskongregation eingelegt. Sein Bischof hatte offensichtlich disziplinarische Ma\u00dfnahmen gegen den Mann ergriffen. Kardinal Ratzinger bittet den Bischof um Unterlagen, um den Fall pr\u00fcfen zu k\u00f6nnen. CORRECTIV hat Kenntnis von weiteren Priestern, die versuchten, ihnen auferlegte Strafen anzufechten. Der Priester aus Philadelphia wird Medienberichten zufolge erst 2006 aus dem Klerikerstand entlassen.\u00a0In einem anderen Fall muss Kardinal Ratzinger im Jahr 2002 nach einem Hinweis selbst bei einem Bischof nachfragen: Offenbar hatte der Vater eines Jugendlichen der Glaubenskongregation geschrieben, weil ein Priester seinen Sohn im US-Bundesstaat Pennsylvania missbraucht hatte. Der T\u00e4ter war zu der Zeit Mitglied einer katholischen Gemeinschaft, in der mehrere Priester Jugendliche in einem Internat missbrauchten. Der Mann wurde erst 2014 aus dem Klerikerstand entlassen, wie Medien berichteten. Es scheint nicht das erste Mal zu sein, dass die vatikanische Beh\u00f6rde selbst die Bisch\u00f6fe um Informationen bitten muss: CORRECTIV lag zuvor ein weiterer Fall aus Boston vor, in dem die Glaubenskongregation sich nach Vergehen eines Priesters erkundigte. Es sieht danach aus, als h\u00e4tten die jeweiligen Bisch\u00f6fe die Meldepflicht nicht eingehalten. Ab 1922, sp\u00e4testens 2001, ist im Kirchenrecht vorgeschrieben, dass Bisch\u00f6fe schwere F\u00e4lle von sexuellem Missbrauch der Glaubenskongregation melden m\u00fcssen.Nicht in allen F\u00e4llen wurden Priester erst nach vielen Jahren aus dem Klerikerstand entlassen. Ein Dokument von 2006 best\u00e4tigt, dass dies auch deutlich schneller vonstattenging. Ein italienischer Priesters in Los Angeles wurde offenbar 2005 der Glaubenskongregation in Rom gemeldet, so zeigt es die Protokollnummer an. Ob die Meldung einging, als Ratzinger noch als Pr\u00e4fekt die Beh\u00f6rde leitete, l\u00e4sst sich nicht rekonstruieren; im April 2005 wurde er zum Papst gew\u00e4hlt. Innerhalb eines Jahres wird der Fall in der Beh\u00f6rde entschieden, Papst Benedikt XVI. vorgelegt und der T\u00e4ter aus dem Klerikerstand entlassen. In einem bereits vorliegenden Fall eines Priesters, ebenfalls aus der Erzdi\u00f6zese Los Angeles, hatte die Glaubenskongregation sogar innerhalb weniger Monate einer Entlassung zugestimmt.Vor Ver\u00f6ffentlichung der Recherche \u201eAkten des Missbrauchs\u201c hatte CORRECTIV mehrfach bei Verantwortlichen des Dikasteriums f\u00fcr die Glaubenslehre und bei Papst Leo XIV. um Stellungnahme zu den vorliegenden F\u00e4llen gebeten. Bisher haben sie nicht geantwortet.Redaktion: Justus von DanielsRedigatur: Gesa SteegerFaktencheck: Isabel KnippelZur Quelle wechselnAuthor: CORRECTIV"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Weitere Vatikan-Dokumente zu Missbrauchst\u00e4tern aufgetaucht","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/weitere-vatikan-dokumente-zu-missbrauchstaetern-aufgetaucht\/#breadcrumbitem"}]}]