[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/weniger-bewerber-mehr-durchfaller-und-abbrecher-die-zahlen-zur-polizeiausbildung-aller-bundeslaender-im-check\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/weniger-bewerber-mehr-durchfaller-und-abbrecher-die-zahlen-zur-polizeiausbildung-aller-bundeslaender-im-check\/","headline":"Weniger Bewerber, mehr Durchfaller und Abbrecher: Die Zahlen zur Polizeiausbildung aller Bundesl\u00e4nder im Check","name":"Weniger Bewerber, mehr Durchfaller und Abbrecher: Die Zahlen zur Polizeiausbildung aller Bundesl\u00e4nder im Check","description":"Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck \/ Zur Quelle wechseln Der Polizeiberuf gilt als eine der tragenden S\u00e4ulen des Rechtsstaats. Doch die Polizeibeh\u00f6rden der Bundesl\u00e4nder stehen vor einem Problem, das auch viele andere Arbeitgeber kennen: Sie m\u00fcssen um ihren Nachwuchs f\u00fcrchten. 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Davon ausgehend spricht sie \u00fcber die Macht der Worte: Warum Begriffe wie \u201eZwangsbeitrag\u201c oder \u201eRemigration\u201c nicht harmlos sind, was Gendern wirklich mit Rechtschreibung zu tun hat und wie Sprache unsere Gesellschaft widerspiegelt. Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Verantwortung, Bedeutung und das fundamentale Wunder, dass Kommunikation \u00fcberhaupt funktioniert.\n\n\u26a1 DIE WICHTIGSTEN THEMEN:\n00:00 Intro\n00:45 Vorstellung Dr. Laura Neumann\n02:10 \u201eWir sind nicht die Sprachpolizei\u201c \u2013 die Duden-Redaktion und ihr Auftrag \n03:50 Wortwahl, Wirkung \u2013 und Verantwortung\n08:47 Gendern und der Kulturkampf um Sprache\n14:58 \u201eStadtbild\u201c, \u201eRemigration\u201c und rechte Kampfbegriffe\n24:56 Wie arbeitet die Duden-Redaktion? \n29:19 Sprachgebrauch in der Politik\n33:13 Veggie-Wurst und Scheuermilch\n41:08 Faszination Sprache\n_______________\n\nCREDITS:\nModeration & Redaktion: Anette Dowideit\nKamera, Ton und Schnitt: Fr\u00e9d\u00e9ric Gaillard\nProduktion: Philipp Schulte\n_______________\n\n\ud83d\udccc Was ist eure Meinung? 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Doch die Polizeibeh\u00f6rden der Bundesl\u00e4nder stehen vor einem Problem, das auch viele andere Arbeitgeber kennen: Sie m\u00fcssen um ihren Nachwuchs f\u00fcrchten.Wie eine Abfrage von CORRECTIV unter den Bundesl\u00e4ndern zeigt, ist die Zahl der Bewerbungen f\u00fcr eine Ausbildung bei der Polizei zwischen 2020 und 2025 in fast allen Bundesl\u00e4ndern deutlich gesunken. Viele Bewerberinnen und Bewerber fallen zudem durch die Aufnahmepr\u00fcfungen.Die Folgen k\u00f6nnten mittelfristig sogar die Arbeitsf\u00e4higkeit der Polizei beeintr\u00e4chtigen: Denn in einigen Bundesl\u00e4ndern bleiben mangels geeigneter Interessenten Ausbildungspl\u00e4tze unbesetzt \u2013 und von denjenigen, die eine Ausbildung aufgenommen haben, brechen viele diese vorzeitig ab. Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jochen Kopelke, bezeichnet die Lage als \u201edramatisch\u201c und warnt: \u201eObwohl wir mehr Polizistinnen und Polizisten in Deutschland brauchen, sinken die Bewerberzahlen, fallen immer mehr durch die Pr\u00fcfungen und k\u00fcndigen.\u201cBewerberzahlen gehen bis zu 41 Prozent zur\u00fcckDie Nachwuchssorgen beginnen beim schwindenden Interesse f\u00fcr den Polizeiberuf: Wie die CORRECTIV-Abfrage zeigt, bewarben sich im Jahr 2020 noch 73.554 junge Menschen f\u00fcr eine Ausbildung bei einer der L\u00e4nderpolizeien. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 63.191. Das entspricht einem R\u00fcckgang von etwa 14 Prozent. Hessen und Baden-W\u00fcrttemberg bleiben bei dieser Berechnung mangels vorliegender Zahlen f\u00fcr eines der Vergleichsjahre unber\u00fccksichtigt.Die Bundesl\u00e4nder, in denen die Bewerberzahlen bei den Polizei-Ausbildungsst\u00e4tten am meisten gestiegen \u2013 oder gesunken sind. Wichtig: Die Zahlen sind zwischen den Bundesl\u00e4ndern nur eingeschr\u00e4nkt vergleichbar. Die Polizeiausbildung ist in Deutschland f\u00f6deral organisiert und unterscheidet sich je nach Land erheblich in den Ausbildungsg\u00e4ngen und Kriterien. Grafik: Sebastian Haupt \/ CORRECTIVDie st\u00e4rksten R\u00fcckg\u00e4nge verzeichnete Niedersachsen: Dort sank die Zahl der Bewerbungen f\u00fcr die Polizeiausbildung zwischen 2020 und 2025 von 4.932 auf 2.906. Aber auch in den meisten anderen L\u00e4ndern bewerben sich immer weniger Menschen f\u00fcr den Polizeiberuf: Starke R\u00fcckg\u00e4nge zeigen sich vor allem im Nordwesten der Republik sowie bei Bewerbungen f\u00fcr ein Studium f\u00fcr den gehobenen Polizei-Dienst.\u00a0R\u00fcckg\u00e4nge bei den Bewerberzahlen f\u00fcr eine Polizei-Ausbildung zwischen 2020 und 2025Niedersachen: -41 ProzentBremen: -39,9 ProzentHamburg: -34,1 ProzentSchleswig-Holstein: -32,4 ProzentRheinland-Pfalz: -29,5 ProzentSaarland: -15,6 ProzentBerlin: -13,7 Prozent (Gesamtzahl aller Bewerbungen \u00fcber alle drei Laufbahnen hinweg; der R\u00fcckgang f\u00fcr eine Ausbildung f\u00fcr den gehobenen Dienst bei der Schutzpolizei liegt bei \u00fcber 46 Prozent)Bayern: -9,9 ProzentSachsen: -9,3 ProzentHessen: -7,0 Prozent (Zeitraum 2023 \u2013 2025)Brandenburg: -6,7 ProzentBaden-W\u00fcrttemberg: -3,0 Prozent (2020 \u2013 2024)Nordrhein-Westfalen: -4,5 ProzentMecklenburg-Vorpommern: -0,9 ProzentGestiegene Bewerberzahlen registrierten nur zwei L\u00e4nder:Th\u00fcringen: +36 Prozent\u00a0Sachsen-Anhalt: +11 ProzentWichtig: Die Zahlen sind zwischen den Bundesl\u00e4ndern nur eingeschr\u00e4nkt vergleichbar. Die Polizeiausbildung ist in Deutschland f\u00f6deral organisiert und unterscheidet sich von Land zu Land erheblich. Es gibt drei Laufbahnen bei der Polizei:\u00a0 Im mittleren Dienst ist man bei der Schutz-, Kriminal- oder Bereitschaftspolizei.\u00a0Im gehobenen Dienst f\u00fchrt man beispielsweise Ermittlungst\u00e4tigkeiten und F\u00fchrungsaufgaben aus.\u00a0Im h\u00f6heren Dienst haben Polizistinnen und Polizisten Leitungsfunktionen und strategische Aufgaben inne.W\u00e4hrend einige L\u00e4nder weiterhin sowohl den mittleren als auch den gehobenen Polizeivollzugsdienst ausbilden, stellen andere ausschlie\u00dflich f\u00fcr den gehobenen Dienst ein.Hinzu kommen Unterschiede in der Datenerhebung. Einige Beh\u00f6rden z\u00e4hlen Bewerbungen pro Kalenderjahr, andere pro Auswahlverfahren oder Einstellungstermin. In Baden-W\u00fcrttemberg erschwert zudem die Einf\u00fchrung eines Online-Bewerbungsportals im Jahr 2023 den direkten Vergleich mit fr\u00fcheren Jahren und anderen Bundesl\u00e4ndern. Hessen wiederum \u00e4nderte sein Bewerbungs\u00adsystem 2023 grundlegend.Anforderungen: Welche T\u00e4tigkeiten \u00fcbt ein Polizist aus?Das Deutsche Polizeisportkuratorium (DPSK) bezeichnet etwa die k\u00f6rperliche Leistungsf\u00e4higkeit ausdr\u00fccklich als \u201eSchl\u00fcsselqualifikation\u201c f\u00fcr die Funktionsf\u00e4higkeit der Polizei. Sie sei Voraussetzung, um B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger sowie sich selbst zu sch\u00fctzen.Auch ausreichende Deutschkenntnisse sind wichtig: Ein Polizist muss komplexe Sachverhalte in verst\u00e4ndliche, rechtlich brauchbare Anzeigen und Berichte schreiben. Beamte m\u00fcssen au\u00dferdem Platzverweise, Ma\u00dfnahmen, Rechte erkl\u00e4ren und zum Beispiel Beschuldigte belehren.Mathematik und logisches Denken sind ebenfalls wichtig: Bei einer Unfallaufnahme m\u00fcssen beispielsweise Bremswege, Geschwindigkeiten, Entfernungen eingesch\u00e4tzt werden k\u00f6nnen \u2013 Polizistinnen m\u00fcssen Plausibilit\u00e4t pr\u00fcfen, Zahlen grob \u00fcberschlagen, Abst\u00e4nde sch\u00e4tzen und Proportionen verstehen.\u00a0Dazu kommt noch psychische und physische Belastbarkeit und Stresskompetenz: Polizisten werden mit Leid konfrontiert, mit Toten bei Unf\u00e4llen, mit Suiziden, Kindesmisshandlungen. Sie m\u00fcssen Entscheidungen unter Zeitdruck treffen, etwa bei Gefahrensituationen wie einem Messerangriff oder einer Bedrohungslage.\u00a0Wie es um die Qualifikationen bei den Aufnahmetests der Ausbildungsst\u00e4tten bestellt istW\u00fcrden alle Bewerberinnen und Bewerber tats\u00e4chlich eine Ausbildung beginnen, m\u00fcssten sich die Polizeibeh\u00f6rden \u2013 trotz gesunkener Bewerber-Zahlen \u2013 nicht um ausreichend Nachwuchs sorgen. Denn die Bewerberzahlen \u00fcbersteigen die Zahlen der zur Verf\u00fcgung stehenden Ausbildungspl\u00e4tze meist immer noch deutlich. Doch Interesse alleine reicht nicht. Wer den Verkehr regeln oder Demonstrationen absichern will, wer als \u201eFreund und Helfer\u201c bereitstehen oder von Berufs wegen Verbrecher jagen m\u00f6chte, muss seine Eignung unter Beweis stellen \u2013\u00a0und einen Aufnahmetest absolvieren. Die Sprache ist eine zentrale H\u00fcrdeWie diese Tests ausgestaltet sind, ist in den Bundesl\u00e4ndern sehr unterschiedlich geregelt. Eine zentrale Rolle spielen aber fl\u00e4chendeckend die Sprachkenntnisse; wie streng diese gepr\u00fcft werden, unterscheidet sich in den L\u00e4ndern zwar teilweise erheblich. Die CORRECTIV-Abfrage zeigt aber doch einen klaren Trend: Die Bewerberinnen und Bewerber sind demnach im Durchschnitt schlechter qualifiziert als noch vor einigen Jahren \u2013 und die Durchfallquoten steigen.\u00a0Bayern: Hier hat sich der Anteil der Bewerber, die am Sprachtest scheitern, innerhalb weniger Jahre verdoppelt. Fielen 2020 noch rund neun Prozent der Teilnehmenden durch, waren es 2025 bereits 18 Prozent. Das Innenministerium selbst spricht von einem \u201enegativen Trend\u201c.Auch in Nordrhein-Westfalen scheitern jedes Jahr Hunderte Bewerber an unzureichenden Deutschkenntnissen; im Jahr 2025 knapp zehn Prozent der Kandidaten, was minimal besser ist als 2020.Besonders auff\u00e4llig ist die Entwicklung in Schleswig-Holstein: In der Laufbahngruppe f\u00fcr den gehobenen Dienst fielen im Ausbildungsjahrgang 2021\/22 wegen mangelnder Deutschkenntnisse im Diktat 21,74 Prozent durch. 2025 stieg der Wert auf mehr als die H\u00e4lfte aller Pr\u00fcflinge.Auch Berlin meldet eine hohe Durchfallerquote aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse. Im Jahr 2024 wurden laut Hauptstadt-Polizei 45 Prozent der Bewerbenden deswegen abgelehnt.\u00a0 Aus Berlin hei\u00dft es weiter, die Ablehnungsquote des Gesamtverfahrens sei \u201enicht signifikant gestiegen\u201c. Bewerbende erweckten mitunter aber den Eindruck, \u201esich nicht auf das Auswahlverfahren vorbereitet zu haben\u201c. Daten aus 2022 zeigten zudem, dass rund 35 Prozent der Bewerbenden jegliche Kommunikation w\u00e4hrend des laufenden Bewerbungsprozesses abgebrochen h\u00e4tten \u2013 \u201eohne R\u00fcckmeldung oder Begr\u00fcndung\u201c.\u00a0Trotz solcher Zahlen bestreiten die meisten Beh\u00f6rden eine generelle Verschlechterung der sprachlichen F\u00e4higkeiten. Bayern etwa erkl\u00e4rt, die Qualifikation der Bewerber habe sich \u201enicht pauschal verschlechtert\u201c.\u00a0Polizeiarbeit kann auch hei\u00dfen: die Einlasskontrollen bei Fu\u00dfballspielen zu \u00fcberwachen. Symbolbild. Quelle: Picture Alliance \/ SvenSimon, Anke WaelischmillerMathematik-Kenntnisse werden meist nicht gesondert gepr\u00fcftMathematische Kompetenzen von Bewerbenden werden von den meisten Polizeibeh\u00f6rden nur selten als eigener Pr\u00fcfungsbereich ausgewiesen. Sie werden stattdessen durch allgemeine kognitive oder psychologische F\u00e4higkeitstests- oder standardisierte Intelligenztests erfasst.Einige Bundesl\u00e4nder pr\u00fcfen numerische F\u00e4higkeiten jedoch weiterhin ausdr\u00fccklich.In Rheinland-Pfalz m\u00fcssen Bewerberinnen und Bewerber beispielsweise Aufgaben zu Rechenoperationen oder Zahlenreihen l\u00f6sen. Nach Angaben der Polizei w\u00fcrden Bewerbende \u201eerfahrungsgem\u00e4\u00df\u201c h\u00e4ufig an den \u201ePr\u00fcfungen der numerischen F\u00e4higkeiten (Rechenaufgaben) sowie der sprachlichen Kompetenzen (Rechtschreibung, Grammatik)\u201c scheitern.In Sachsen-Anhalt wird mathematisch-logisches Denken durch den Intelligenzstrukturtest I-S-T-5 gepr\u00fcft. Welche Bedeutung einzelne Defizite, etwa in Deutsch oder Mathematik, im jeweiligen Einzelfall haben, lasse sich \u201enicht pauschal beurteilen\u201c \u2013 gleichzeitig k\u00f6nne nicht von einer \u201epauschalen Verschlechterung der Qualifikation oder Eignung von Bewerberinnen und Bewerbern\u201c gesprochen werden.In Nordrhein-Westfalen hei\u00dft es: \u201eMathematische Kenntnisse sind nicht Teil des Einstellungsprofils und kein Ausschlussgrund.\u201c Auf der Website der Polizei hei\u00dft es auch ausdr\u00fccklich, es gebe \u201ekeine Voraussetzung bestimmter Schulnoten\u201c f\u00fcr eine Bewerbung und auch \u201ekeine Mindestanforderung\u201c, wie gut die Note im Fach Mathematik sein m\u00fcsse.K\u00f6rperliche Fitness ist bei der Polizei lebenswichtig, um in unvorhersehbaren Extremsituationen blitzschnell und belastbar reagieren zu k\u00f6nnen. Symbolbild. Quelle: Unsplash \/ Michael HeldDefizite bei Fitness und k\u00f6rperlicher EignungGetestet wird in den Polizeibeh\u00f6rden auch die k\u00f6rperliche Eignung von Bewerberinnen und Bewerbern\u00a0 \u2013 und auch in diesem Bereich k\u00f6nnen viele die Anforderungen nicht erf\u00fcllen.\u00a0In Bayern etwa wurden im vergangenen Jahr 19 Prozent der Interessenten wegen mangelnder Fitness abgelehnt. 2020 lag der Anteil der Durchfaller im Bereich Sport noch bei 13 Prozent.In Mecklenburg-Vorpommern zeigten im Jahr 2020 rund 14 Prozent nicht die geforderten k\u00f6rperlichen F\u00e4higkeiten. Im vergangenen Jahr stieg der Wert auf knapp 18 Prozent.Die Polizei in Schleswig-Holstein akzeptierte, je nach Laufbahn, im vergangenen Jahr zwischen knapp elf und knapp 15 Prozent der Bewerbenden nicht f\u00fcr eine Ausbildung.In Niedersachsen, wo derzeit nur Studierende f\u00fcr den gehobenen Polizeidienst ausgebildet werden, waren die Durchfallquoten im Bereich Sport mit sieben Prozent im Jahr 2020 und sechs Prozent im vergangenen Jahr vergleichsweise moderat.In NRW wurden aufgrund mangelnder Fitness im Jahr 2020 rund 13 Prozent der Bewerber nicht genommen. Im vergangenen Jahr fiel die Quote auf\u00a0 knapp zehn Prozent.Einen leicht positiven Trend meldet auch Hessen \u2013 allerdings auf besorgniserregendem Niveau: Die Durchfallquote im Bereich Sport fiel demnach von 20,1 Prozent im Jahr 2023 auf exakt 17 Prozent im vergangenen Jahr.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Bei ihren Tests zur k\u00f6rperlichen Eignung legen die L\u00e4nder unterschiedliche Ma\u00dfst\u00e4be an. Auch die Systematiken zur Erfassung der Durchfallquoten unterscheiden sich. Die Werte der L\u00e4nder sind also nicht unmittelbar miteinander vergleichbar.\u00a0\u00a0\u00a0Die Eins\u00e4tze der Polizei sind vielseitig: Hier warten zwei Polizistinnen vor dem Bundeskanzleramt, nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz die Pr\u00e4sidentin des Europ\u00e4ischen Parlaments zu ihrem Antrittsbesuch am 17. M\u00e4rz 2026 in Berlin empfangen hat. Symbolbild. Quelle: Picture Alliance \/ Christian Marquardt, NurPhotoLockerungen oder Ver\u00e4nderungen der KriterienAngesichts sinkender Bewerberzahlen und hoher Durchfallquoten haben mehrere Bundesl\u00e4nder die Einstellungskriterien bei K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe, Body Mass Index (kurz BMI, also das K\u00f6rpergewicht im Verh\u00e4ltnis zur Gr\u00f6\u00dfe), Fitness und Schulnoten gesenkt.\u00a0Ein neuer Trend zeichnet sich zum Beispiel bei der k\u00f6rperlichen Eignung ab: Die Polizei lagert die Sportpr\u00fcfung zunehmend aus. Anstatt eigene, aufwendige Sporttests durchzuf\u00fchren, fordern L\u00e4nder wie Nordrhein-Westfalen, das Saarland und Sachsen-Anhalt von Bewerbenden das \u201eDeutsche Sportabzeichen\u201c (oft in Silber oder Bronze). In NRW wird auch noch das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Bronze f\u00fcr eine Einstellung gefordert.\u00a0In Baden\u2011W\u00fcrttemberg entfiel 2024 der Mindestnotenschnitt als Voraussetzung f\u00fcr eine Bewerbung. Mitunter deshalb habe sich ein \u201emerklicher Anstieg der Qualit\u00e4t der Bewerberinnen und Bewerber\u201c gezeigt.Hamburg senkte die Mindestk\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe von 160 auf\u202f158\u202fZentimeter und hob den zul\u00e4ssigen Body\u2011Mass\u2011Index von 27,5 auf\u202f29,5 \u202fan.\u00a0Zum Jubil\u00e4umsauftakt \u201e75 Jahre Bundespolizei\u201c wurde eine Stra\u00dfenbahn mit Bundespolizei-Werbung gestaltet. Symbolbild. Quelle: Picture Alliance, DPA \/ Jens KalaeneK\u00f6nnen alle Ausbildungspl\u00e4tze besetzt werden?Die sinkenden Bewerberzahlen und die teils hohen Durchfallquoten bei den Aufnahmetests f\u00fchren zu der Frage, ob die L\u00e4nderpolizeien alle angebotenen Ausbildungspl\u00e4tze besetzen k\u00f6nnen.Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Schleswig-Holstein geben hierzu Entwarnung. Die Zahl der geeigneten Bewerber sei zur Besetzung der vorgesehenen Ausbildungsstellen ausreichend.In Bayern blieben dagegen Stellen unbesetzt. 2022 waren es 20 Ausbildungspl\u00e4tze. 2023 blieben 40 Pl\u00e4tze unbesetzt. Auch aus Niedersachen hei\u00dft es: \u201eDie f\u00fcr eine Einstellung in Frage kommenden Bewerbenden in den Jahren 2022 und 2023 waren nicht ausreichend.\u201c Zu ber\u00fccksichtigen ist dabei, dass die Jahre 2022 und 2023 von der Corona-Pandemie betroffen waren.In Th\u00fcringen standen im Einstellungsjahr 2025 im mittleren Dienst bis zu 310 Ausbildungspl\u00e4tze zur Verf\u00fcgung. Nur 285 Pl\u00e4tze konnten besetzt werden. Aus der Polizei Sachsen-Anhalt verlautete, es habe zwar ausreichend Bewerber gegeben. \u201eEs lagen jedoch nicht immer alle Einstellungsvoraussetzungen vor, so dass im Jahr 2025 nicht alle Einstellungsoptionen besetzt werden konnten.\u201cBesorgniserregend erscheint auch die Lage in Mecklenburg-Vorpommern: In den Jahren 2021 bis 2024 konnten insgesamt 76 Pl\u00e4tze f\u00fcr die Polizeiausbildung nicht besetzt werden. Auch in den Studieng\u00e4ngen f\u00fcr den Polizeiberuf blieben Pl\u00e4tze frei.In Berlin blieb laut Gewerkschaft der Polizei im Jahr 2025 sogar ein F\u00fcnftel der Polizei-Ausbildungspl\u00e4tze unbesetzt. \u201eMit Blick auf die zuk\u00fcnftige Sicherheit dieser Stadt\u201c sehe es \u201ed\u00fcster aus\u201c, hei\u00dft es in der Meldung von GdP-Landesvize Thorsten Schleheider.\u00a0Hohe Abbrecherquoten bei den Polizei-Ausbildungsst\u00e4ttenNicht alle Bewerberinnen und Bewerber, die nach bestandener Aufnahmepr\u00fcfung eine Ausbildung beginnen, werden tats\u00e4chlich zu Polizistinnen und Polizisten. Denn etliche brechen die Ausbildung vorzeitig ab.\u00a0Besonders hohe Abbrecherquoten registriert Berlin. Im mittleren Dienst f\u00fcr die Schutzpolizei beendeten 2025 fast 30 Prozent ihre Ausbildung vorzeitig. Im Studium f\u00fcr den gehobenen Dienst bei der Schutzpolizei lag der Wert bei knapp 18, f\u00fcr die Kriminalpolizei bei knapp 25 Prozent.\u00a0Brandenburg vermeldet, dass im Bachelor-Studiengang im Durchschnitt etwa 25 Prozent der Studierenden das Studium nicht beenden. In der Ausbildung f\u00fcr den mittleren Dienst w\u00fcrden rund 30 Prozent der Auszubildenden abbrechen.In Nordrhein-Westfalen brachen 2020 etwa 21 Prozent ihre Ausbildung ab. 2021 waren es 24 Prozent und 2022 23 Prozent. F\u00fcr die Ausbildungsjahrg\u00e4nge der Folgejahre liegen noch keine validen Zahlen vor.\u00a0\u00a0Schleswig-Holstein vermeldete auf Anfrage im Mittel der vergangenen Jahre eine Abbrecherquote von von knapp 19 Prozent.In Baden-W\u00fcrttemberg sank die Abbrecherquote von knapp 18 Prozent im Jahr 2021 auf gut 14 Prozent im Jahr 2024, wobei die Jahrg\u00e4nge 2022 bis 2025 noch nicht komplett abgeschlossen sind.\u00a0In den \u00fcbrigen Bundesl\u00e4ndern lagen die Werte (meist nur geringf\u00fcgig) niedriger \u2013\u00a0oder die L\u00e4nder konnten oder wollten zu Abbrecherquoten keine Daten nennen.Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnt vor sinkenden StandardsDer sinkende Zulauf bei Polizeiausbildungen kann nach Einsch\u00e4tzung von Arbeitnehmervertretern die Einsatzf\u00e4higkeit der Polizei beeintr\u00e4chtigen. Weniger Neueinstellungen k\u00f6nnten zu weniger Streifen f\u00fchren und eine h\u00f6here Arbeitsbelastung bedeuten \u2013 was weitere Ausf\u00e4lle und Abg\u00e4ngen nach sich ziehen k\u00f6nnte.Zugleich wachsen die Aufgaben der Polizei: Terrorabwehr, Cyberkriminalit\u00e4t, Gro\u00dfdemonstrationen, Fu\u00dfballspiele oder h\u00e4usliche Gewalt binden immer mehr Personal.Um die Zukunft ihres Berufsstandes sorgt sich auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP). \u201eWir erwarten von allen Landesregierungen, dass diese dramatische Entwicklung gestoppt wird\u201c, sagt der GdP-Bundesvorsitzende Jochen Kopelke auf Anfrage von CORRECTIV.Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. Quelle: Picture Alliance, DPA \/ Annette Riedl\u201eUnsere Gesellschaft erwartet mehr Sicherheit und daf\u00fcr brauchen wir verl\u00e4ssliche Personalst\u00e4rken und eine Verst\u00e4rkung der Polizei.\u201cJochen KopelkeBundesvorsitzender, GdP\u00a0Kopelke weist daraufhin, dass die Bewerberzahlen \u00fcberall zur\u00fcckgingen. Dadurch beschr\u00e4nkten sich auch die Auswahlm\u00f6glichkeiten f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst. \u201eDeshalb muss sich der \u00f6ffentliche Dienst st\u00e4rker als fr\u00fcher anstrengen, um Nachwuchs zu gewinnen, zum Beispiel indem die Ausbildungsanstrengungen intensiviert werden.\u201c\u00a0Eine Aufweichung von Einstellungsvoraussetzungen sieht die GdP kritisch. Zwar m\u00fcsse man hinterfragen, ob jede Anforderung \u2013 etwa komplexe Mathematikkenntnisse \u2013 noch zeitgem\u00e4\u00df seien. Doch d\u00fcrfe die Qualit\u00e4t der Ermittlungsarbeit darunter nicht leiden. Entscheidend sei laut Kopelke vor allem, \u201ewas die Anw\u00e4rterinnen und Anw\u00e4rter am Ende ihrer Ausbildung k\u00f6nnen\u201c.\u00a0Hinsichtlich der hohen Abbruchquoten in der Ausbildung sieht der Gewerkschaftschef die Dienstherren in der Pflicht. Es sei zu vermuten, dass die \u201eberechtigten Erwartungen der Auszubildenden\u201c oft nicht erf\u00fcllt w\u00fcrden. Da jedoch keine strukturierten Daten zu den K\u00fcndigungsgr\u00fcnden erhoben w\u00fcrden, bleibe die Ursachenforschung schwierig. Die Professionalit\u00e4t der Polizei k\u00f6nne gewahrt werden \u2013 \u201ewenn die Dienstherren die Voraussetzungen schaffen, eventuelle M\u00e4ngel in der Bewerberlage in Ausbildung und Studium zu kompensieren\u201c.Immer weniger junge Menschen wollen Polizisten werden. Die Gewerkschaft der Polizei sieht eine \u201edramatische Entwicklung\u201c. Symbolbild. Quelle: Unsplash \/ Omar RamadanWie sch\u00e4tzen die Beh\u00f6rden selbst die aktuelle Situation ein?In fast allen Bundesl\u00e4ndern zeigt sich ein interessantes Muster: W\u00e4hrend in der \u00f6ffentlichen Debatte oft \u00fcber sinkende Sch\u00fclerleistungen geklagt wird, halten die Innenministerien im Bereich der Polizei-Ausbildungsst\u00e4tten dagegen. Es gibt eine fast demonstrative Einigkeit dar\u00fcber, dass eine \u201epauschale Verschlechterung nicht feststellbar\u201c sei oder \u201ebisher alle Pl\u00e4tze\u201c besetzt werden konnten. So sagt etwa eine Sprecherin des Innenministeriums von Schleswig-Holstein: \u201eDie Anforderungen im Auswahlverfahren bleiben unver\u00e4ndert anspruchsvoll und orientieren sich konsequent an den Erfordernissen des Polizeidienstes.\u201cSachsen-Anhalt f\u00fchrt den Mangel an Bewerbern auf ver\u00e4nderte Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt zur\u00fcck: \u201eGerade junge Menschen der Generation Z verf\u00fcgen heute \u00fcber zahlreiche berufliche Alternativen, wodurch sich der Wettbewerb um gut geeignete Nachwuchskr\u00e4fte sp\u00fcrbar versch\u00e4rft hat.\u201cBlick aus Bildungssicht: Das Fundament br\u00f6ckelt \u2013\u00a0warum der Nachwuchs die Standards verfehltBildingsexperten sehen die schwierige Lage beim Polizeinachwuchs als Teil eines allgemeinen Ph\u00e4nomens, das l\u00e4ngst auch etwa in Industrie-, Handel-, und Dienstleistungsberufen angekommen ist: Bei der Unternehmensbefragung der Deutschen Industrie- und Handelskammer \u201eAusbildung 2025\u201c gaben mit 48 Prozent knapp die H\u00e4lfte der Betriebe an, dass sie nicht alle angebotenen Stellen besetzen konnten. Hauptgrund daf\u00fcr ist der Mangel an geeigneten Bewerbern: 73 Prozent dieser Betriebe gaben an, trotz vorhandener Bewerbungen keinen passenden Auszubildenden gefunden zu haben.Grund daf\u00fcr waren unter anderem die gro\u00dfe Defizite bei den Schulabsolventen: Fast jeder zweite Betrieb berichtet \u00fcber h\u00e4ufige M\u00e4ngel im Hinblick auf das m\u00fcndliche und schriftliche Ausdrucksverm\u00f6gen in Deutsch (44 Prozent) oder elementare Rechenf\u00e4higkeiten in Mathematik (43 Prozent).\u00a0Ein Befund, der insofern nicht \u00fcberraschend ist, als die deutschen Neuntkl\u00e4ssler im alle zwei Jahre erhobenen IQB-Bildungstrend der Bundesl\u00e4nder einen neuen Tiefstand erreicht haben. Bei den 2024 in der Studie untersuchten Kompetenzen in Mathematik verfehlten ein Drittel der k\u00fcnftigen Schulabsolventen die von der Kultusministerkonferenz festgelegten Mindeststandards in Mathematik, die f\u00fcr den Mittleren Schulabschluss n\u00f6tig sind. In Bremen und Nordrhein-Westfalen als den \u201enegativen Spitzenreitern\u201c waren es sogar 49 beziehungsweise 41 Prozent der Neuntkl\u00e4ssler. Im Fach Deutsch, das im IQB-Bildungstrend 2022 untersucht wurde, erreichten ein Drittel nicht die Mindeststandards im Lesen. Bei Rechtschreibung waren es knapp ein Viertel.\u00a0Das entspricht ziemlich exakt dem Bild, das die letzte internationale Vergleichsstudie PISA 2022 gezeichnet hat. Dabei fielen die 15-J\u00e4hrigen in allen Kompetenzbereichen auf die niedrigsten Werte, die in Deutschland je im Rahmen von PISA gemessen wurden. In Mathematik verfehlten 30 Prozent der Jugendlichen die Mindestanforderungen, im Lesen waren es 25 Prozent.Die n\u00e4chste PISA-Studie wird im September dieses Jahres ver\u00f6ffentlicht. F\u00fcr die Ergebnisse d\u00fcrften sich auch die Ausbildungsbeauftragten der Polizeibeh\u00f6rden interessieren.\u00a0Recherche, Polizei und Ausbildungsst\u00e4tten: Samira Joy Frauwallner, Ulrich KraetzerRecherche und Text, Bildung: Alexandra Ringendahl\u00a0Redigatur und Faktencheck: Ulrich KraetzerZur Quelle wechselnAuthor: Samira Joy Frauwallner"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Weniger Bewerber, mehr Durchfaller und Abbrecher: Die Zahlen zur Polizeiausbildung aller Bundesl\u00e4nder im Check","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/weniger-bewerber-mehr-durchfaller-und-abbrecher-die-zahlen-zur-polizeiausbildung-aller-bundeslaender-im-check\/#breadcrumbitem"}]}]