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Wir sparen Strom! So verarscht euch dieses Sharepic zu E-Autos

Ja, es ist soweit, wir schreiben den Faktencheck zu einem FB-Sharepic von @BennyLeidergeil. In einer perfekten Gesellschaft würden die Menschen sich zu E-Autos, Stromversorgung und Energiewende bei Profs für Energiewirtschaft, Instituten oder Fachgesellschaften informieren. Aber wir haben das Jahr 2022 und irritierend viele Menschen holen sich die Informationen über extrem wichtige und nicht minder komplexe Themen lieber von privat betriebenen Witzeseiten, deren Content aus Fail-Videos, Bierzelt-Sprüchen und Amazon-Affiliate-Links besteht. Aber dann am Ende sauer sein, dass die „Politik“ einen verarscht habe…

Nun gut, steigen wir also hinab in die Welt des erklärten Selbstdenkers, der es schafft, in 14 Wörtern 2 massive Denkfehler unterzubringen und damit bestimmt irgendeinen Rekord bricht. Bitte vorsorglich mal das Logikzentrum ordentlich puffern und ein Schreikissen bereithalten, here we go:

DÄFDÄÄ DÄFDÄÄ DÄFDÄÄ!

Denkfehler 1:

Äh, nein, lieber BennyLeidergeil, wir haben keine Stromkrise, sondern eine Energiekrise. Der Strom ist ja nicht teuer, weil die Stromernte dieses Jahr schlecht ausgefallen ist, sondern weil Erdöl, Kohle und Erdgas viel teurer geworden sind und wir damit immer noch gut 40 Prozent unseres Stroms erzeugen.

Beim Strom sparen geht es ja ums Energie sparen und nicht darum, dass Strom irgendwie böse ist. Und surprise, genau das machen E-Autos ziemlich geil:

Würden wir den gesamtem Straßenverkehr in Deutschland elektrisch machen, würden wir 14 Prozent des gesamten (!) Energieverbrauchs des Landes einsparen, das entspricht etwa 50 Milliarden Litern Diesel:

Quelle

Warum? Weil bei Diesel- und Benzinmotor mit einem Großteil der Energie (75 Prozent) nur Motorblock und Abgase erwärmt werden, während etwa klägliche 25 Prozent der Energie in der Bewegung des Fahrzeugs landen. Ein E-Auto hingegen wandelt etwa 85 Prozent der Energie in der Batterie in Bewegung um und fährt deswegen mit der gleichen Energie 350 Kilometer, mit der ein Verbrenner nur 100 Kilometer weit kommt.

Ja, wir bräuchten dann etwa 120 Terawattstunden Strom mehr, aber dafür würden wir 400 Terawattstunden Erdöl einsparen, was nicht nur deutlich klimafreundlicher wäre, sondern auch Milliarden Euro an Importen einsparen würde.

Denkfehler 2:

Der Staat schreibt auch nicht vor, dass Neuwagen elektrisch fahren müssen, die angedachten Gesetze schreiben lediglich vor, wie hoch die Emissionen dieser Neuwagen noch sein dürfen, und das schafft schlicht kein noch so „moderner“ Dieselmotor mehr. Es geht also ganz technologieoffen zu: Ihr könnt auch gerne Autos mit Schwungrad fahren oder mit einem Mr. Fusion auf dem Dach oder mit einem Gespann Flugsaurier vor der Karre – feel free.

Wir reden hier außerdem von einem Zeitraum von 10 bis 20 Jahren, in dem wir einfach ordentlich Windkraft und Photovoltaik zubauen können, so dass unsere Fahrt zur Arbeit nicht mehr von auf dem Weltmarkt gehandelten Rohstoffen abhängig ist. Wollen wir bei 48 Millionen PKW bleiben, bräuchten wir dafür etwa 5.000 Windkraftanlagen der neuesten Generation und 300 km² Photovoltaik – eine in 20 Jahren sehr machbare Aufgabe. Und je weniger PKW (Stichwort Verkehrswende), umso machbarer.

Selbst Diesel verstromen ist effizienter

Fun Fact: Selbst wenn wir das nicht schaffen, würden wir weniger Diesel-Kraftstoff verbrauchen, wenn wir den in einem Kraftwerk verstromen und damit E-Autos aufladen, als wenn wir damit direkt Diesel-PKW betanken. Und auch wenn es für das Klima egal ist: Der Vorteil, dass die Luft in unseren Wohngebieten durch Umstieg auf E-Autos, E-Müllabfuhr, E-Lieferwagen und E-Roller dann viel sauberer und es grundsätzlich viel leiser ist, hilft vielleicht dabei, sich in die Vision einzudenken.

Fazit: Elektrische Neuwagen werden dabei helfen, massiv Energie zu sparen und so die Preise durch eine geringere Nachfrage wieder zu senken. Ob es in Zukunft Stromkrisen gibt, hängt davon ab, ob wir weiter auf ein unsicheres, auf Importe angewiesenes Energiesystem setzen oder uns in Zukunft autarker mit Energie versorgen können. Hier könnte selbst denken eine Rolle spielen.

Wer das genauer wissen will: Zur Frage, wie wir die Energiewende schaffen, habe ich das Buch „Weltuntergang fällt aus“ mit dutzenden Popkultur-Referenzen und fluffiger Sprache geschrieben, damit es nicht so langweilig ist.

Artikelbild: Screenshots

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