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title: "Wohneigentum darf kein Privileg für Kapitalanleger sein"
url: https://www.bachhausen.de/wohneigentum-darf-kein-privileg-fuer-kapitalanleger-sein/
date: 2026-07-14
modified: 2026-07-14
author: "Dirk Bachhausen"
description: "Wer in Deutschland eine Wohnung vermietet, beklagt oft zu hohe Auflagen und mangelnde Rentabilität. Die Realität ist differenzierter: Kapitalanleger profitieren gegenüber Menschen, die Wohneigentum selbst nutzen wollen, von erheblichen steuerlichen..."
categories:
  - "Köln"
  - "Meinung"
  - "Stadtbezirk Chorweiler"
tags:
  - "kapitalanleger"
  - "privileg"
  - "wohneigentum"
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# Wohneigentum darf kein Privileg für Kapitalanleger sein

Wer in Deutschland eine Wohnung vermietet, beklagt oft zu hohe Auflagen und mangelnde Rentabilität. Die Realität ist differenzierter: Kapitalanleger profitieren gegenüber Menschen, die Wohneigentum selbst nutzen wollen, von erheblichen steuerlichen Vorteilen. Kreditzinsen, Reparaturen und insbesondere Abschreibungen können bei Vermietung steuerlich geltend gemacht werden; Familien, die dieselben Belastungen für ihr eigenes Zuhause tragen, erhalten diese Entlastung nicht.

Das ist nicht nur eine Frage des Steuerrechts. Es beeinflusst unmittelbar, wer auf dem Wohnungsmarkt zum Zug kommt. Wer dank steuerlicher Vorteile höhere Renditen erwarten kann, kann auch höhere Preise zahlen. Familien, Alleinerziehende und Menschen mit durchschnittlichem Einkommen konkurrieren dann mit Investoren um dieselben Wohnungen – jedoch ohne vergleichbare Unterstützung.

## Köln braucht Sozialwohnungen

In Köln ist diese Entwicklung besonders dramatisch. Ende 2025 gab es nur noch 37.580 Wohnungen mit Mietpreisbindung; das sind lediglich 6,5 Prozent des gesamten Wohnungsbestands. Zugleich wäre fast die Hälfte der Kölnerinnen und Kölner grundsätzlich berechtigt, eine geförderte Wohnung zu beziehen.

Die Lage verschärft sich weiter: Allein 2025 fielen rund 4.500 Wohnungen aus der Bindung. Bis 2032 drohen mehr als 20.000 weitere preisgebundene Wohnungen verloren zu gehen. Zwar wurden 2024 rund 1.454 Wohneinheiten gefördert, überwiegend Mietwohnungen – doch der Neubau muss deutlich schneller werden, wenn Köln seinen Bestand an bezahlbaren Wohnungen nicht weiter verlieren will.

Deshalb muss die Stadt den sozialen Wohnungsbau zur zentralen Aufgabe machen. Städtische Grundstücke gehören vorrangig in die Hände von Genossenschaften, gemeinwohlorientierten Trägern und kommunalen Wohnungsunternehmen – verbunden mit dauerhaften Mietpreis- und Belegungsbindungen. Es reicht nicht, auf den Markt zu hoffen, wenn der Markt für viele Kölnerinnen und Kölner längst keine passende Wohnung mehr bereithält.

## Kreuzfeld darf kein Spielball sein

Kreuzfeld im Kölner Norden ist keine Kulisse für ein Olympia-Spektakel. Es ist ein Standort, über dessen Zukunft sorgfältig, sozial und langfristig entschieden werden muss. Die bisherige Planung ging von rund 3.500 Wohnungen für etwa 5.500 bis 8.000 Menschen aus; im Zusammenhang mit Olympia wird dagegen ein Quartier für 10.000 Menschen in Aussicht gestellt. Zugleich steht im Raum, dass Unterkünfte zunächst modular und nur temporär errichtet und später wieder entfernt werden könnten.

Das ist kein überzeugendes Konzept für eine wachsende Stadt. Köln braucht keine Behelfsbauten für wenige Wochen, keine verschobenen Wohnungsbauversprechen und keine Planung, die sich dem Rhythmus eines internationalen Sportereignisses unterordnet. Köln braucht dauerhaft bezahlbare, barrierefreie und sozial gemischte Wohnungen – mit Kitas, Schulen, Nahversorgung, Verkehrsanbindung und öffentlicher Infrastruktur von Anfang an.

Wer behauptet, Olympia beschleunige den Wohnungsbau, muss erklären, warum ein regulärer Quartiersbau offenbar erst dann möglich sein soll, wenn er als Olympisches Dorf vermarktet werden kann. Die Wohnungsnot ist heute da. Familien warten heute. Menschen mit kleinem und mittlerem Einkommen suchen heute. Ein Olympiaprojekt darf nicht zur Ausrede werden, den dringend benötigten Wohnungsbau zu verzögern oder seine soziale Zielsetzung aufzuweichen.

## Falsche Prioritäten

Die Stadt Köln rechnet für 2026 inzwischen mit einem Defizit von 594,8 Millionen Euro – rund 106 Millionen Euro mehr als im Haushaltsplan zunächst kalkuliert. In einer solchen Lage muss jede zusätzliche Großinvestition daran gemessen werden, ob sie dauerhaft dem Alltag der Menschen dient.

Köln darf seine ohnehin angespannte Haushaltslage nicht durch ein Prestigeprojekt verschärfen, während bei Schulen, Sportstätten, sozialer Infrastruktur und bezahlbarem Wohnen jeder Euro mehrfach umgedreht werden muss.

Das gilt auch für den Sport selbst: Eine Stadt, die bestehende Sportanlagen vernachlässigt, Vereine unter Druck setzt und Sanierungen aufschiebt, sollte nicht so tun, als sei Olympia der große Rettungsplan für den Breitensport. Erst müssen die Sportstätten in den Veedeln zuverlässig funktionieren. Erst dann darf über internationale Großereignisse gesprochen werden.

## Wohnen vor Olympia

Köln sollte Kreuzfeld nicht für ein fragwürdiges Großereignis verplanen. Die Fläche darf weder zum Spekulationsobjekt noch zum zeitlich begrenzten Olympiadorf werden.

Die richtige Priorität lautet: dauerhaft bezahlbare Wohnungen, ein hoher Anteil öffentlich geförderten Wohnraums, soziale Infrastruktur und eine Stadtentwicklung, die den Menschen in Köln langfristig nutzt.

**Kreuzfeld muss Kölns Antwort auf die Wohnungsnot werden – nicht der Preis, den Köln für Olympia zahlt.**