[{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"NewsArticle","@id":"https:\/\/www.bachhausen.de\/zerschlagenes-netzwerk-wie-eine-luebecker-firma-ihre-waren-nach-russland-schmuggelte\/#NewsArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/www.bachhausen.de\/zerschlagenes-netzwerk-wie-eine-luebecker-firma-ihre-waren-nach-russland-schmuggelte\/","headline":"Zerschlagenes Netzwerk: Wie eine L\u00fcbecker Firma ihre Waren nach Russland schmuggelte","name":"Zerschlagenes Netzwerk: Wie eine L\u00fcbecker Firma ihre Waren nach Russland schmuggelte","description":"Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck \/ Zur Quelle wechseln Russland\/Ukraine Zerschlagenes Netzwerk: Wie eine L\u00fcbecker Firma ihre Waren nach Russland schmuggelte Wegen mutma\u00dflicher Sanktionsverst\u00f6\u00dfe und Bildung einer krimineller Vereinigung lie\u00df die Bundesanwaltschaft f\u00fcnf Personen festnehmen. 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Einer der Beschuldigten f\u00fchrte in L\u00fcbeck ein Unternehmen, das \u00fcber Jahre Gesch\u00e4fte in Russland machte. CORRECTIV-Recherchen zeigen das Schema \u2013 und teils skurrile Details.                    von                                Alexej Hock                                , Nikita Kondratyev04. Februar 2026                                Zollfahnder durchsuchen die R\u00e4ume einer L\u00fcbecker Firma im Zusammenhang mit verbotenen Rusland-Exporten. Foto. picture alliance\/dpa\/NEWS5 | News5 \/ Sebastian Peters                            Die Global Trade GmbH aus L\u00fcbeck pr\u00e4sentiert sich als \u201eSpezialist f\u00fcr Industrie-Ersatzteile\u201c. Seit \u00fcber 20 Jahren sei die Firma als Ersatzteillieferant t\u00e4tig und biete weltweiten Versand an, hei\u00dft es auf der Unternehmenswebseite.Seit Montag ist bekannt, dass die Firma im Mittelpunkt von Ermittlungen der Bundesanwaltschaft steht. Da lie\u00df sie den Besitzer der Firma, Nikita S., und vier weitere Personen festnehmen, es gibt weitere Beschuldigte auf freiem Fu\u00df. Der Verdacht: Die Firma ist Teil eines russischen Beschaffungsnetzwerks, das Sanktionen umgeht. Am Ende sollen russische R\u00fcstungsbetriebe stehen.Recherchen CORRECTIV und iStories zeigen, dass die Firma schon vor dem russischen \u00dcberfall auf die Ukraine fragw\u00fcrdige G\u00fcter nach Russland exportierte. Nach 2022 stellte sie ihre Handelswege um. Der russische Empf\u00e4nger gewann staatliche Ausschreibungen und profitierte von dem Handel \u2013 und damit offenbar auch der Hauptverd\u00e4chtige Nikita S.Erfahrungen im Russland-Gesch\u00e4ftBei Global Trade hat man Erfahrung im Handel mit russischen Firmen im Graubereich. Bereits vor 2022 exportierte das Unternehmen Waren mit mutma\u00dflich doppeltem Verwendungszweck nach Russland.Eine Recherche von CORRECTIV.Europe im Rahmen des Projekts \u201eTools of War\u201c ergab, dass Global Trade bereits nach der Krim-Annexion Messinstrumente und andere Werkzeuge im Wert von rund 200 Tausend US-Dollar nach Russland geliefert hatte. Damit reihte sich die Firma allerdings unter viele andere europ\u00e4ische Firmen, die bis zur russischen Invasion in die Ukraine im Februar 2022 weiter fragw\u00fcrdigen Handel mit Russland betrieben.In russischen Zolldaten, in denen die Exporte der Global Trade nach Russland zu sehen sind, taucht im ersten Halbjahr des Jahres 2022 als Handelspartner vor allem eine Firma auf. Das Unternehmen Kolovrat mit Sitz in Moskau betreibt eine Art Handelsplattform \u2013 russische Industrieunternehmen k\u00f6nnen hier aus Deutschland gelieferte Teile einkaufen.Handel \u00fcber den Umweg T\u00fcrkei?In den Zolldaten ist auch nachzuvollziehen, dass sich die Handelswege im Sommer 2022 offenbar an die damals eingef\u00fchrten EU-Sanktionen gegen Russland anpassten. Mitte Juli endeten die direkten Exporte der deutschen Global Trade an Kolovrat. Vier Monate sp\u00e4ter taucht die wenige Monate zuvor gegr\u00fcndete t\u00fcrkische Firma Mr Global Group als Exporteur auf \u2013 mit ganz \u00e4hnlichen Waren.Doch die Statistik ist verr\u00e4terisch: Immer wieder taucht als Ursprungsort die Hansestadt L\u00fcbeck auf, der Sitz der Global Trade von Nikita S. So k\u00f6nnten bis mindestens Ende 2024 Pumpen, Halbleiterelemente und Motoren aus Deutschland \u00fcber die T\u00fcrkei nach Russland gelangt sein, deren Ausfuhr nach Russland per se schon verboten ist.Dort k\u00f6nnten Teile zudem laut Mitteilung des Generalbundesanwalts mindestens 24 Mal an russische R\u00fcstungsunternehmen, die von der EU sanktioniert sind, gelangt sein. Der Gesamtwert der verbotswidrigen Gesch\u00e4fte soll sich demnach auf mindestens 30 Millionen Euro belaufen.Die Alarmglocken h\u00e4tten bei Zollfahndern schon mehrfach schrillen k\u00f6nnen. Nicht nur, dass die Firma mutma\u00dfliche Dual-Use-G\u00fcter schon vor 2022 nach Russland geliefert haben k\u00f6nnte. Auch ist der Abnehmer dort, die Firma Kolovrat, bereits seit einiger Zeit von den USA sanktioniert.Die zweite Identit\u00e4t des Hauptverd\u00e4chtigenNach Recherchen von CORRECTIV und iStories gibt es strukturelle und personelle \u00dcberschneidungen zwischen der deutschen und der russischen Firma. So taucht der nun von der Bundesanwaltschaft beschuldigte Chef der Global Trade Nikita S. gleichzeitig auch im russischen Firmengeflecht rund um die Kolovrat auf \u2013 allerdings offenbar mit seinem Geburtsnamen Nikita O. Eintr\u00e4ge in diversen russischen Datenbanken weisen auf die Personengleichheit hin.In diesem Kolovrat-Geflecht, das unter anderem von russischen Staatsauftr\u00e4gen profitierte, hatte Nikita S. alias O. Gesellschaftsanteile. Der Focus berichtete, dass er unauff\u00e4llig in einer Einzimmerwohnung in Schleswig-Holstein gelebt haben soll. Aus geleakten russischen Datenbanken geht allerdings hervor, dass er seinen Lebensmittelpunkt in Russland hatte und dort noch im Jahr 2023 mehr Zeit verbrachte als in Deutschland. Dort fuhr er in den vergangenen Jahren Porsche und Mercedes.Eine Anfrage an die Global Trade zu den Vorw\u00fcrfen der Bundesanwaltschaft und den Recherchen von CORRECTIV blieb vorerst unbeantwortet.Das Sonnenrad als NamensgeberIn der Ukraine k\u00e4mpft Russland laut Putin und seiner Propaganda-Maschine gegen ein vermeintlich faschistisches Regime. Es hat eine gewisse Ironie, dass die russische R\u00fcstungsindustrie ausgerechnet auf ein Netzwerk rund um eine Firma namens Kolovrat setzte.Der russische Begriff \u201eKolovrat\u201c bedeutet w\u00f6rtlich \u201edrehendes Rad\u201c. Manchmal wird es als slawisches Sonnenrad interpretiert, auch das Firmenlogo zeigt eine Sonne. Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man darunter allerdings ein achtgliedriges Hakenkreuz, das vor allem in der Neonazi-Szene Verwendung findet.Die deutsche Bundesanwaltschaft hat das Rad vorerst zum Stoppen gebracht.Redigatur und Faktencheck: Till EckertZur Quelle wechselnAuthor: Alexej Hock"},{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"BreadcrumbList","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Zerschlagenes Netzwerk: Wie eine L\u00fcbecker Firma ihre Waren nach Russland schmuggelte","item":"https:\/\/www.bachhausen.de\/zerschlagenes-netzwerk-wie-eine-luebecker-firma-ihre-waren-nach-russland-schmuggelte\/#breadcrumbitem"}]}]