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Brückeneinsturz in Baltimore: Eintrag auf Schifffahrt-Webseite belegt nicht, dass der Kapitän Ukrainer ist

Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck / Zur Quelle wechseln

Faktencheck

Brückeneinsturz in Baltimore: Eintrag auf Schifffahrt-Webseite belegt nicht, dass der Kapitän Ukrainer ist

Ein Containerschiff rammte Ende März eine Autobahnbrücke in Baltimore, die daraufhin einstürzte. Im Netz behaupten pro-russische Webseiten anschließend, der Schiffskapitän sei Ukrainer. Der angeführte Beleg stützt die Behauptung aber nicht; die Schiffsverwaltung dementiert.

von Kimberly Nicolaus

Das Containerschiff „Dali“ verursachte in der Nacht zum 26. März 2024 den Einsturz der Francis Scott Key Brücke in Baltimore in den USA (Quelle: Sipa USA / Picture Alliance / DPA)
Behauptung

Ein Eintrag auf der Webseite balticshipping belege, dass der Kapitän des Containerschiffs, das die Brücke in Baltimore rammte, Ukrainer sei.

Aufgestellt von: Beiträgen in Sozialen Netzwerken
Datum:
26.03.2024

Quelle

Bewertung

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Falsch
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Falsch. Der Webseiten-Eintrag zeigt eine ukrainische Person, die zuletzt 2016 auf dem Containerschiff gearbeitet haben soll. Laut der Schiffsverwaltung befand sich kein ukrainischer Staatsbürger an Bord.

In der Nacht zum 26. März rammte das Containerschiff „Dali“ einen Stützpfeiler der Francis Scott Key Brücke in Baltimore, im US-Bundesstaat Maryland. Kurz darauf stürzte die Autobahnbrücke ein. Drei Menschen wurden bisher tot geborgen, die Rettungskräfte gehen von weiteren Opfern aus (Stand: 8. April 2024). 

Noch am Tag des Unglücks berichteten pro-russische Medien, darunter die Webseite Pravda, der Kapitän des Schiffes sei ukrainischer Staatsbürger. Das berichtete auch die Webseite Voice of Europe. Dort heißt es, er sei „vermutlich“ Ukrainer. Hinter Voice of Europe steckt nach Angaben der tschechischen Regierung ein russisches Propaganda-Netzwerk, inzwischen ist die Webseite nicht mehr erreichbar.

Beide Webseiten berufen sich auf einen Eintrag auf einer Recruiting-Webseite für die Schiffsindustrie. Zahlreiche Accounts verbreiten die Behauptung auf Telegram, X und Facebook in unterschiedlichen Sprachen, darunter: Deutsch, Englisch, Spanisch und Italienisch.

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Der Screenshot einer Webseite soll belegen, dass der Kapitän des Containerschiffs zum Zeitpunkt des Unglücks in Baltimore ein Ukrainer gewesen sei. Das tut er nicht. (Quelle: Telegram; Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)

Schiffsverwalter: Keine ukrainischen Staatsangehörigen an Bord

Wir haben das Informationszentrum kontaktiert, das Anfragen zum Einsturz der Francis Scott Key Brücke beantwortet. Es vermittelte uns an die Synergy Marine Group, die das Containerschiff Dali verwaltet. 

Auf die Frage, ob der Kapitän der Dali ukrainischer Staatsbürger sei, antwortete Unternehmenssprecher William Marks am 4. April: „Weder während noch nach dem Vorfall befanden sich ukrainische Staatsangehörige an Bord. Zum Zeitpunkt des Vorfalls waren 21 Besatzungsmitglieder (20 indische, 1 srilankisches) und zwei einheimische Schiffslotsen (US-Amerikaner) an Board.“ Die Zahl der Besatzungsmitglieder stimmt mit den Angaben der Nationalen US-Behörde für Transportsicherheit überein.

Baltic-Shipping-Webseite: Eintrag zeigt nicht Kapitän des Containerschiffs zum Zeitpunkt des Unglücks 

Darüber hinaus haben wir uns den vermeintlichen Beleg angeschaut, den pro-russische Webseiten und Beiträge online für ihre Behauptung anführen. Der Screenshot zeigt einen Eintrag auf balticshipping.com, eine Webseite über die Unternehmen Seeleute anstellen können. Zu sehen ist das Foto eines Mannes, der ukrainischer Staatsbürger sein soll und sich als „Master“, also Kapitän, für das Containerschiff beworben habe.

Ein Nutzer weist in der Kommentarfunktion der Webseite darauf hin, dass der Mann laut einer auf der Seite veröffentlichten Tabelle zuletzt 2016 auf der Dali gearbeitet habe. Der Eintrag des mutmaßlichen Ukrainers  auf „Baltic-shipping“ ist seit dem 26. März nicht mehr abrufbar. Über den Quellcode einer archivierten Version der Webseite konnten wir jedoch die dort gelisteten Arbeitseinsätze mit der ID des Seemannes („33401“) abgleichen. Die Informationen decken sich mit denen in der Tabelle. Zu diesem Ergebnis kam auch die Faktencheck-Organisation Lead Stories bei ihrer Überprüfung des Quellcodes. 

Demnach war der Mann das letzte Mal zwischen März und Juli 2016 auf dem Containerschiff Dali tätig. Der Screenshot ist somit kein Beleg dafür, dass der Mann Kapitän der Dali zum Zeitpunkt des Unglücks war.

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In den Kommentaren bei balticshipping.com verlinkt ein Nutzer diese Tabelle. Sie zeigt, dass – anders als behauptet – der ukrainische Seemann zuletzt 2016 auf der Dali gearbeitet haben soll (Quelle: balticshipping.com; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Zudem soll das Containerschiff in dem angegebenen Zeitraum 2016 unter der Flagge der Marshallinseln gefahren sein, zum Zeitpunkt des Unglücks in Baltimore hingegen unter der Flagge von Singapur, wie die Schiffstracking-Seite „Marinetraffic“ angibt. Planmäßig sollte die Dali nach Angaben dieser Webseite am 22. April 2024 in Sri Lanka ankommen. 

Schiff soll vor Brückeneinsturz in Baltimore Stromausfall gehabt haben 

Wie die New York Times berichtete, hatte das Schiff laut der Amerikanischen Pilotenvereinigung wenige Minuten vor dem Aufprall einen „kompletten Stromausfall“, die Ursache dafür ist noch unklar. Laut dem FBI gibt es keine glaubwürdigen Hinweise auf einen Terroranschlag. Marylands Gouverneur Wes Moore berichtete, das Schiff habe den Mayday-Notruf abgesetzt und der Verkehr sei auf der Brücke gestoppt worden. Nach Angaben der Nationalen Behörde für Transportsicherheit zeigen die Aufnahmen des Datenschreibers der Dali, dass Hilfs- und Notmaßnahmen vor dem Aufprall eingeleitet wurden.

Zum Brückeneinsturz in Baltimore kursiert auch falsches Bildmaterial. Wie wir berichteten, zeigt ein Video einer Explosion nicht die Francis Scott Key Bridge, sondern die Krim-Brücke am 8. Oktober 2022.

Redigatur: Matthias Bau, Sophie Timmermann

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Author: Kimberly Nicolaus

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