Die Stadt Köln steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Während Brücken, Schulen, Sportstätten, Museen und andere wichtige Infrastruktur vielerorts dringend saniert werden müssten, plant die Stadtverwaltung nun ein jährliches Limit für Bauinvestitionen. Ab 2027 sollen regulär nur noch 350 Millionen Euro pro Jahr für städtische Bauprojekte zur Verfügung stehen, ergänzt um eine Notfallreserve von 50 Millionen Euro. Bei 400 Millionen Euro jährlich soll also Schluss sein.
Was auf den ersten Blick nach geordneter Haushaltsplanung klingt, ist in Wahrheit ein Offenbarungseid. Köln kann sich seine notwendigen Investitionen kaum noch leisten. Die Finanzlage wird von Kämmerin Dörte Diemert selbst als dramatisch beschrieben. Gleichzeitig werden Bauprojekte in Köln regelmäßig teurer, dauern länger und binden enorme Summen. Die Sanierung der Mülheimer Brücke etwa liegt bereits bei rund einer halben Milliarde Euro. Auch andere Großprojekte zeigen seit Jahren, dass Köln beim Bauen weder besonders schnell noch besonders kostensicher ist.
Vor diesem Hintergrund wirkt die Diskussion über eine mögliche Olympiabewerbung nicht nur unrealistisch, sondern verantwortungslos.
Gerade der Stadtbezirk Chorweiler müsste im Fall von Olympia mit einer extremen Belastung rechnen. Schon heute gibt es im Kölner Norden erhebliche Herausforderungen: fehlende Investitionen, sanierungsbedürftige Infrastruktur, Defizite bei Verkehrsanbindung, Schulen, Sportanlagen, öffentlichem Raum und sozialer Infrastruktur. Statt diese Probleme endlich entschlossen anzugehen, wird politische Energie in eine Bewerbung für ein gigantisches Sportfestival gesteckt, das absehbar neue Baustellen, neue Kosten und neue Belastungen mit sich bringen würde.
Olympia wäre für Chorweiler kein harmloses Prestigeprojekt. Ein solches Ereignis würde massive Anforderungen an Verkehr, Sicherheit, Unterbringung, Veranstaltungsflächen, Sportstätten, Straßen, ÖPNV und Verwaltung stellen. Der Stadtbezirk müsste mit zusätzlichen Baustellen, Umleitungen, Flächenkonflikten und jahrelangen Eingriffen rechnen. Gleichzeitig ist völlig offen, wie Köln unter den jetzt bekannt gewordenen finanziellen Voraussetzungen überhaupt in der Lage sein sollte, die notwendige Infrastruktur rechtzeitig fertigzustellen.
Die Antwort liegt auf der Hand: Unter diesen Bedingungen ist die Durchführung von Olympia in Köln, geschweige denn eine rechtzeitige Fertigstellung der dafür benötigten Infrastruktur, bereits heute vollkommen ausgeschlossen.
Besonders bitter ist: Die Bewerbung schadet dem Stadtbezirk Chorweiler schon jetzt. Sie verschiebt die politische Aufmerksamkeit weg von den tatsächlichen Problemen der Menschen vor Ort. Während in Lindweiler, Chorweiler, Seeberg, Heimersdorf, Pesch, Esch, Auweiler, Merkenich, Fühlingen, Roggendorf/Thenhoven, Blumenberg, Volkhoven/Weiler und Worringen ganz konkrete Verbesserungen nötig wären, wird über olympische Luftschlösser gesprochen. Der Stadtbezirk braucht keine neuen Großträume, sondern endlich verlässliche Investitionen in den Alltag der Bürgerinnen und Bürger.
Wenn Köln inzwischen Bauprojekte priorisieren muss, weil das Geld nicht reicht, dann muss die Priorität klar sein: funktionierende Brücken, sichere Schulen, sanierte Sportanlagen, gute Verkehrsverbindungen, bezahlbare Wohnungen, gepflegte öffentliche Räume und eine leistungsfähige Verwaltung. Olympia gehört nicht auf diese Liste.
Es ist politischer Wahnsinn, einerseits einzugestehen, dass die Stadt kaum noch genug Geld für dringend benötigte Investitionen hat, andererseits aber weiter eine Olympiabewerbung voranzutreiben. Ein solches gigantomanisches Sportfestival würde Köln nicht retten, sondern die Stadt erst recht tiefer in die Schulden treiben. Und der Stadtbezirk Chorweiler müsste die Folgen in besonderem Maße tragen.
Lindweiler und der gesamte Kölner Norden haben lange genug erlebt, was passiert, wenn große Versprechen gemacht und notwendige Investitionen verschoben werden. Wer es ernst meint mit Chorweiler, muss die Olympiapläne beenden und die vorhandenen Mittel endlich dorthin lenken, wo sie gebraucht werden: in die Stadtteile, in die Infrastruktur und in die Lebensqualität der Menschen vor Ort.
