Man würde ja annehmen, dass besonders AfD-Wähler Fakes über E-Autos glauben. Und wir haben schon einige davon widerlegt. Aber die Desinformationskampagne gegen Alternativen zu fossilen Kraftstoffen zielt auch gerade auf umweltbewusste Menschen. Auch “Grüne” glauben Dinge über E-Autos, die nicht wahr sind.
Dabei nutzen die Verbreiter derartiger Fakes “unerfüllbare Erwartungen” – das ist ein Konzept, das unseren Perfektionismus gegen uns verwendet. Sie argumentieren, dass E-Autos auch negative Umweltfolgen haben, um sie schlechtzureden. Der Denkfehler: Auch wenn du atmest, hat das negative Umweltfolgen. Die Frage ist aber immer, ob etwas besser ist, als die Alternative. Denn einfach tot umfallen und gar nicht atmen oder gar keine Fortbewegungsmittel nutzen, ist halt auch keine Option.
Schaut man sich zum Beispiel den Wasserverbrauch für die Produktion von E-Auto-Batterien an, wird klar: Ja, die brauchen für die Herstellung Wasser – aber viel weniger als beispielsweise der deutsche Fleischkonsum – oder eben die massive Verschmutzung von Frischwasser und der Wasserverbrauch durch fossile Brennstoffe. Alles verschmutzt Wasser. Aber was ist am schlimmsten?
Faktencheck Wasserverbrauch: So “verarscht” dich dieses Bild über E-Autos
Die unerfüllbare Erwartung suggeriert, dass das “saubere” E-Auto einfach mal gar keine negativen Umwelteinflüsse haben dürfe. Das ist aber gar nicht sein Zweck – es reicht, wenn es wesentlich besser ist als Verbrenner. Und das ist es. Und zwar so viel besser, dass es sich sogar lohnt, umzusteigen, wenn der eigene Verbrenner noch einwandfrei funktioniert. Schauen wir uns ein paar Mythen an:
1. Ein E-Auto „amortisiert“ sich ökologisch sehr schnell
Insbesondere die Batterie von E‑Autos gilt als “schmutzig” – und es stimmt, die Herstellung von E-Autos ist energieintensiver als die von Verbrennern. Was dabei aber oft verschwiegen wird: Die Herstellung eines Autos ist nur ein kleiner Teil der gesamten Emissionen über die Laufzeit des Fahrzeugs:
Aktuell amortisiert sich das E-Auto ökologisch nach nur 17 000 Kilometern. Das ist bei typischem Fahrverhalten nach 1–1,5 Jahren ausgeglichen. Sprich: Nach spätestens 1,5 Jahren ist die energieintensivere Produktion der Batterie im Vergleich mit Verbrennern wieder “ausgeglichen” – danach ist der Verbrenner wieder “schmutziger”.
Die Analyse geht davon aus, dass sich der Strommix in den nächsten Jahren weiter Richtung Erneuerbare Energien bewegt, was bisher ja auch der Fall ist. Ein Auto hält ja hoffentlich einige Jahre, und in dieser Zeit werden die Erneuerbaren noch weiter zunehmen. 2030 sollen es bereits 80 % sein.
2. Ein altes Auto “zu Ende fahren” hilft dem Klima nicht
Dein Verbrennerauto fährt noch – lohnt sich trotzdem der Umstieg auf ein E-Auto? Viele hadern mit dem Umstieg, solange das alte Auto noch fährt. Aber das Bundesamt für Energie der Schweiz hat in einer Rechnung festgestellt: Der Weiterbetrieb lohnt sich für die Umwelt nur bei einer Fahrleistung von unter 4000 Kilometern. Egal, ob man den Verbrenner wegwirft oder weiterverkauft – für die individuelle CO₂-Bilanz lohnt sich die Anschaffung eines E-Autos.
Bemerkenswert: Das Bundesamt für Energie hatte die Studie zwar in Auftrag gegeben, aber sie dann bewusst zurückgehalten. Das Ergebnis war offenbar nicht im Sinne der beauftragenden Politiker. Erst das Schweizer Magazin Republik hatte die Studie freigeklagt. Diese Fakten wollte man uns sogar verheimlichen.
Warum ist die Rechnung so eindeutig? Die Herstellung der Batterie ist zwar energieaufwendig, aber der Nutzen verteilt sich auf die Lebensdauer des Fahrzeugs. Wenn man also fünf Jahre vor “Lebensende” einen alten Verbrenner wegwirft oder weiterverkauft und durch ein E-Auto ersetzt, dann ist das zwar erstmal ein großer Energieaufwand, nach fünf Jahren hat man aber immer noch einen großen Teil der Lebensdauer der Batterie vor sich. Und das E-Auto hat sich bereits ökologisch amortisiert.
Es liegt einfach daran: Die Nutzung eines Verbrenners stößt einfach so viel mehr CO₂ aus als die Herstellung eines E-Autos.
Es gilt also: Je früher man umsteigt auf ein E‑Auto, desto besser. Ausnahmen gibt es: Nämlich wenn der Verbrenner weniger als 3000 Kilometer im Jahr fährt, lohnt sich eher der Weiterbetrieb, zumindest im Moment.
3. Selbst dann billiger, wenn man nur öffentlich lädt
E-Autos sind mittlerweile bei Neuwägen auch finanziell konkurrenzfähig zu Verbrennern. Laut FAZ und ADAC ist ein E-Auto über die Lebensdauer selbst dann noch günstiger als ein Verbrenner, wenn ausschließlich bei öffentlichen Ladesäulen für 60 ct pro kWh geladen wird. Das sollte man bei den immer noch etwas teureren Anschaffungspreisen bedenken. Auch überlegen sollte man sich, wie viel ein Verbrenner in 5 Jahren dann als Gebrauchtwagen noch wert ist, wenn CO₂-Preis und Abgasregeln den Betrieb von solchen Autos immer schwerer machen.
Für Menschen in Eigentumswohnungen ist die Entscheidung für ein E-Auto mittlerweile nicht nur aus Umweltgründen ein No-Brainer: Wer gratis mit Solarstrom vom Dach laden kann, ist unabhängig von allen Preisschwankungen und Kriegen. Und kommt viel günstiger weg als mit einem Verbrenner. Gerade heute ist Diesel so teuer wie noch nie.
Auch einige Mieter könnten ihre E-Autos mit günstigerem Autostrom laden. Der ist günstiger als Haushaltsstrom, weil darauf weniger Netzentgelte fällig werden. Wer einen eigenen Stellplatz für ein Auto mietet, der hat seit ein paar Jahren auch das Recht, dort eine Ladesäule zu installieren. Der Vermieter muss informiert werden, aber er muss es dulden – eine ähnliche Regelung gibt es bei Balkonsolar. Der ADAC stellt dafür zahlreiche Informationen zur Verfügung. Immerhin hat die Mehrheit der Mietwohnungen einen privaten Stellplatz.
Desinformation passt sich an uns an
Wir fallen eben gerade am ehesten auf Fake News herein, die unsere bestehenden Werte und Weltbilder adressieren. Rechten, die sich aus ideologischen Gründen eh nie ein E-Auto holen würden, zu erzählen, wie doof E-Autos sind, schwächt nicht mehr den Absatz. Deshalb gibt es Anti-E-Auto-Fakes für Grüne.
Und manche Desinformationskampagnen zum E-Auto zielen eben auch gerade auf Menschen, die eigentlich umweltbewusst leben wollen. Wie du gesehen hast, werden dafür sogar extra Studien zurückgehalten. Mit Scheinargumenten und besonders mit der Technik der „unerfüllbaren Erwartungen“ sollen sie noch länger von fossilen Brennstoffen abhängig gemacht werden. Zeit, das mal zu hinterfragen.
Übrigens: Auf unserer neuen Wissensplattform Prüfpunkt haben wir einen ausführlicheren Artikel über den Bericht geschrieben. Wer sich tiefer einlesen möchte: Hier entlang!
Artikelbild: canva.com