Der Streit um den Abendmarkt auf dem Rudolfplatz zeigt ein grundsätzliches Problem der Kölner Verwaltung: Einschränken und Untersagen geht mitunter erstaunlich schnell. Wenn es jedoch darum geht, politische Beschlüsse umzusetzen und tragfähige Lösungen zu entwickeln, vergehen Jahre. Volt-Landtagskandidat Dirk Bachhausen fordert deshalb einen grundlegenden Kurswechsel: Die Verwaltung muss endlich Möglichmacherin werden.
Köln, 12. August 2026 – Der abendliche Wochenmarkt auf dem Rudolfplatz kämpft erneut mit bürokratischen und rechtlichen Hindernissen. Die Deutsche Marktgilde hat gegen eine Anordnung der Stadt geklagt, nach der mindestens 50 Prozent des Angebots aus unverarbeiteten Lebensmitteln bestehen müssen. Gerade am Abend ist die Nachfrage nach klassischen Wochenmarktprodukten jedoch gering. Entsprechend schwierig ist es für den Veranstalter, ausreichend Händlerinnen und Händler für dieses Sortiment zu gewinnen.
Erfüllt das Angebot die Anforderungen an einen klassischen Wochenmarkt nicht, wird die Veranstaltung rechtlich als Spezialmarkt eingeordnet. Nach dem derzeitigen Vergabekonzept der Stadt dürfen auf dem Rudolfplatz allerdings lediglich sechs Spezialmärkte pro Jahr stattfinden. Ein regelmäßig stattfindender Abend- und Genussmarkt ist damit praktisch ausgeschlossen. Schon der Vorgängermarkt „Meet & Eat“ war an vergleichbaren Problemen gescheitert – obwohl sich Grüne, CDU, SPD, Linke, FDP und Volt bereits 2025 für seinen Erhalt eingesetzt hatten.
Volt bringt das Problem auf den Punkt
Jennifer Glashagen, Vorsitzende der Volt-Fraktion im Kölner Stadtrat, kritisierte, dass bei der Genehmigung offenbar kein anderer Weg als eine gerichtliche Auseinandersetzung gefunden werden konnte. Ihr entscheidender Satz lautet: „Kommunalpolitik sollte vor allem eines sein: Möglichmacherin.“
Dirk Bachhausen, Volt-Direktkandidat für die Landtagswahl 2027 im Wahlkreis Chorweiler, unterstützt diese Forderung ausdrücklich. Bachhausen war im Juli 2026 einstimmig als Direktkandidat nominiert worden.
„Dieser Satz trifft den Kern des Problems. Eine moderne Verwaltung darf sich nicht darauf beschränken, Vorschriften zu kontrollieren und Gründe aufzulisten, warum etwas angeblich nicht möglich ist. Sie muss aktiv nach rechtssicheren Lösungen suchen. Wer mit viel Engagement einen gepflegten Abendmarkt organisiert, Menschen zusammenbringt und einen zentralen Platz belebt, verdient Unterstützung statt eines bürokratischen Hindernislaufs“, erklärt Bachhausen.
Niemand verlange von der Stadt, geltendes Recht zu ignorieren. Rechtssicherheit sei unverzichtbar. Das bedeute jedoch nicht, dass Verwaltungsvorschriften und städtische Konzepte unveränderbar seien. Wenn die bestehenden Regelungen nicht mehr zu einem zeitgemäßen Abendmarkt passen, müsse die Stadt entweder ein geeigneteres Veranstaltungsformat ermöglichen oder ihr eigenes Vergabekonzept anpassen.
„Gesetze sind einzuhalten. Aber die Verwaltung ist nicht dazu da, sich hinter Paragrafen und selbst beschlossenen Konzepten zu verstecken. Sie muss zeigen, welcher rechtssichere Weg möglich ist. Der Rechtsweg darf nicht die einzige Antwort sein, die eine Millionenstadt einem engagierten Veranstalter anbieten kann.“
Beim Verhindern schnell, beim Umsetzen jahrelang in Abstimmung
Besonders problematisch ist nach Ansicht Bachhausens die unterschiedliche Geschwindigkeit, mit der die Stadt arbeitet. Während ein Abendmarkt durch starre Vorgaben innerhalb kurzer Zeit in seiner Existenz gefährdet werden kann, wartet Köln bei zentralen politischen Vorhaben jahrelang auf konkrete Ergebnisse.
Fast fünf Jahre nach dem Beschluss des „Masterplans Parken“ befinden sich wesentliche Maßnahmen weiterhin in Arbeitsgruppen, Prüfverfahren und verwaltungsinternen Abstimmungen. Unter anderem fehlen weiterhin ein tragfähiges Konzept für Quartiersgaragen, ein digitales Parkraum-Dashboard und verbindliche Entscheidungen zu weiteren zentralen Bausteinen.
Bachhausen kritisiert:
„Einen funktionierenden Abendmarkt kann man offenbar binnen kürzester Zeit kaputtregulieren. Für die Umsetzung eines Parkkonzepts benötigt die Verwaltung dagegen fast fünf Jahre Abstimmungszeit. So kann es nicht weitergehen. Verwaltung muss Probleme lösen und Beschlüsse umsetzen, statt Zuständigkeiten, Prüfaufträge und immer neuen Abstimmungsbedarf zu verwalten.“
Sorgfalt, rechtliche Prüfungen und die Beteiligung verschiedener Fachbereiche seien notwendig. Sie dürften aber nicht zu einem System werden, in dem am Ende niemand mehr Verantwortung für eine Entscheidung übernehme.
„Wer jahrelang abstimmt, ohne zu einem sichtbaren Ergebnis zu kommen, hat kein Kommunikationsproblem mehr. Dann haben wir ein Führungs- und Organisationsproblem. Die Bürgerinnen und Bürger haben einen Anspruch darauf, zu erfahren, wer für ein Vorhaben verantwortlich ist, wann eine Entscheidung fällt und bis wann ein Beschluss umgesetzt wird.“
Wie will Köln unter diesen Bedingungen Olympia organisieren?
Die Debatte berührt aus Sicht Bachhausens auch die Frage, ob Köln organisatorisch auf große Zukunftsprojekte vorbereitet ist. Eine Stadt, die bereits bei einem Abendmarkt und einem Parkkonzept in jahrelangen Abstimmungsschleifen feststecke, müsse erklären, wie sie deutlich komplexere Vorhaben bewältigen wolle.
„Köln spricht über Olympia. Da muss die zugespitzte Frage erlaubt sein: Will man sich für Olympische Spiele erst 50 Jahre lang abstimmen, bevor sich auch nur der erste Sportler bewegen darf? Wer internationale Großveranstaltungen ausrichten möchte, muss zunächst beweisen, dass er im kommunalen Alltag Entscheidungen treffen, Zuständigkeiten klären und Projekte fristgerecht umsetzen kann.“
Die Stadt müsse deshalb gemeinsam mit dem Veranstalter kurzfristig eine rechtssichere Perspektive für den Abendmarkt entwickeln. Dazu gehöre eine ergebnisoffene Prüfung des passenden Veranstaltungsformats, eine Anpassung des Platzvergabekonzepts und eine feste Ansprechperson, die die erforderlichen Entscheidungen zwischen den beteiligten Ämtern koordiniert.
Eine lebendige Stadt braucht eine lösungsorientierte Verwaltung
Der Rudolfplatz ist ein zentraler Ort in Köln. Märkte, gastronomische Angebote und Begegnungsformate können dazu beitragen, diesen öffentlichen Raum lebendig und attraktiv zu gestalten. Solche Initiativen dürfen nicht immer wieder an Regelungen scheitern, die offensichtlich nicht zum tatsächlichen Nutzungsverhalten am Abend passen.
Bachhausen abschließend:
„Köln braucht klare Regeln, aber ebenso eine Verwaltung, die Gestaltungsspielräume erkennt und nutzt. Sie darf ihre Leistungsfähigkeit nicht daran messen, wie schnell sie Einschränkungen formuliert. Entscheidend ist, wie schnell sie tragfähige Lösungen ermöglicht. Eine gute Verwaltung ist keine Verhinderungsverwaltung. Sie ist Dienstleisterin für die Menschen und Möglichmacherin für eine lebendige Stadt.“