
Content Note: Dieser Artikel beschreibt Fälle von sexuellem Missbrauch Minderjähriger
Die US-Regierung hat neue Akten der „Epstein-Files“ veröffentlicht. Während darin neue Verbindungen zu rechten Milliardären wie Musk oder Thiel enthüllt werden, die direkt und indirekt die AfD unterstützen, erklärt der AfD- Politiker Julian Adrat, dass ihn der Skandal nicht interessiere.
Die US-Regierung hat Ende Januar Millionen neuer Dokumente aus den sogenannten Epstein-Files veröffentlicht. Über drei Millionen Seiten, tausende Videos und hunderttausende Bilder geben Einblick in das Netzwerk des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, seine Kontakte zu Milliardären, Politikern und einflussreichen Akteuren. Während Medien weltweit die neuen Enthüllungen aufarbeiten, reagiert ein AfD-Politiker mit erstaunlich ehrlicher Gleichgültigkeit.
Julian Adrat, AfD-Politiker und Kandidat für das Berliner Abgeordnetenhaus, erklärte auf X, ihn interessiere nicht, wenn Milliardäre im Privatjet Sex mit Minderjährigen hätten. Für viele steht das perfekt für das wahre Gesicht der AfD: Systematischer sexueller Missbrauch Minderjähriger interessiert sie nicht, wenn es ein Netzwerk extrem reicher und mächtiger Männer ist, sondern nur, wenn man Migranten beschuldigen kann.
Epstein-Skandal
Jeffrey Epstein bewegte sich seit den 1980er Jahren in den höchsten Kreisen von Wirtschaft und Politik, verwaltete Vermögen von Milliardären und lud regelmäßig auf seine Anwesen ein, darunter eine Privatinsel. Bereits ab den 1990er Jahren gab es Vorwürfe sexuellen Missbrauchs, 2008 wurde er wegen Anstiftung zur Prostitution einer Minderjährigen verurteilt. 2019 wurde der Fall neu aufgerollt, Epstein kam wegen Sexhandels mit Minderjährigen in Untersuchungshaft und starb dort. Seine langjährige Partnerin Ghislaine Maxwell wurde später zu 20 Jahren Haft verurteilt, weil sie Minderjährige für den Missbrauch rekrutiert hatte.
Die nun freigegebenen Akten zeigen vor allem, wie eng Epstein mit einflussreichen Personen vernetzt war. Darunter tauchen ein britischer Prinz, Spitzenmanager, Politiker und zahlreiche Milliardäre auf. Neu ist weniger die Existenz dieser Kontakte, sondern ihre Dichte und Dauer. E-Mails, Terminplanungen und Zeugenaussagen belegen jahrelange Verbindungen, auch nach Epsteins Verurteilung. Es geht dabei um dokumentierte Kontakte, Einladungen und Treffen.
… und die extreme Rechte
Für die extreme Rechte ist dieser Komplex aus einem weiteren Grund heikel. In den Akten finden sich zahlreiche Hinweise auf Akteure, die ideologisch oder strategisch mit rechten Bewegungen verbunden sind. Und auch mit der rechtsextremen AfD. Steve Bannon, langjähriger Strippenzieher der internationalen extremen Rechten und zeitweise Chefstratege von Donald Trump, pflegte bis kurz vor Epsteins Tod einen intensiven Austausch mit ihm. Wie in einem Screenshot aus den Epstein-Akten unten zu sehen ist, bezeichnete sich Bannon als Berater rechtsextremer Parteien in Europa, dezidiert auch der AfD. In internen Dokumenten schwärmte er davon, wie sich mit einem starken rechten Block im EU-Parlament „jede Krypto-Regulierung oder alles, was wir sonst noch wollen“ beenden ließe. Bannon hatte sich auch mit Alice Weidel getroffen.
Auch Faschist Elon Musk taucht in den Akten auf. E-Mails belegen Kontaktversuche und Planungen für Treffen, inklusive Überlegungen zu Besuchen auf Epsteins Insel. Musk bestreitet, dort gewesen zu sein, räumt aber Kontakte ein. Musk hatte zur Wahl der AfD aufgerufen und sie im Wahlkampf unterstützt. Peter Thiel, ein weiterer milliardenschwerer Tech-Unternehmer und politischer Unterstützer rechtsextremer Projekte, hatte über Jahre hinweg Kontakt zu Epstein, auch nach dessen Verurteilung. Thiels Umfeld betont, er habe die Insel nie besucht, die Dokumente zeigen dennoch wiederholte Einladungen und Treffen.
Faschist Donald Trump wird in den Akten tausendfach erwähnt. Zwar gibt es keine neuen Belege für strafbares Verhalten, wohl aber Hinweise auf engere Kontakte als bislang öffentlich bekannt. Laut E-Mails eines Staatsanwalts flog Trump mehrfach mit Epsteins Privatjet, teils gemeinsam mit Ghislaine Maxwell. Zudem existieren FBI-Zusammenfassungen von Vorwürfen, die von Opfern eingereicht wurden. Neu ist daran vor allem das Ausmaß der dokumentierten Berührungspunkte.
Über Krähen und Augen?
All das könnte einen Hinweis darauf geben, warum die AfD zum Epstein-Skandal auffallend wenig sagt. In diesem Fall tauchen nicht Migranten, Geflüchtete oder trans Personen auf, sondern reiche Männer, mächtige Netzwerke – und insbesondere internationale Verbündete der extremen Rechten. Der Skandal passt nicht ins eigene Weltbild. Er stört das Narrativ, nach dem sexualisierte Gewalt vor allem ein Problem nur von Migration sei – was so nun mal einfach nicht stimmt. Die Epstein-Files zeigen das Gegenteil: strukturellen Missbrauch durch Eliten, geschützt durch Geld, Macht und Beziehungen.
Julian Adrat macht diese Verdrängung unfreiwillig ehrlich. Statt sich mit dokumentiertem Missbrauch auseinanderzusetzen, lenkt er auf verschiedene Geschichten um, die sich in vielen Fällen als rechte Propaganda oder grobe Verzerrungen entpuppen. Denn nach seinem Satz listet er eine Reihe der Best-of rechter Propaganda auf, die er angeblich für viel wichtiger halte als einen fernen Epstein-Skandal. Das Problem: Viele der Fälle sind rechte Fakes und Verharmlosungen.
Was aus dem rechten Märchen vom „Schlumpf-Skandal“ zu lernen ist
Er erwähnt ein angebliches „Schlumpfvideo“ einer Schülerin, aufgrund dessen eine Schule die Polizei gerufen habe, doch das ist schon Fake: Die Polizei wurde wegen Neonazi-Parolen gerufen. Ein „Ohrwurm“, den der Rechtsextremist verharmlosen will, ist eine Anspielung auf eine Neonazi-Parole, kein harmloser Jugend-Song. Selbst dort, wo reale Gewalt passiert ist, missbraucht Adrat Einzelfälle für pauschale Hetze, ohne die rechtlichen und sozialen Hintergründe zu erwähnen. Dass gleiche und ähnliche Fälle die AfD nicht interessieren, wenn keine Personen mit Migrationshintergrund beteiligt sind, ist ja bekannt.
Verurteilter AfD-Politiker
Adrat ist kein unbeschriebenes Blatt. Er wurde auf die Berliner AfD-Landesliste gewählt, ist Buchautor und Podcaster und wurde 2024 wegen Volksverhetzung verurteilt, nachdem er öffentlich erklärte, „Transgenderismus“ müsse „ausgerottet“ werden. Auf seinen Kanälen setzt er regelmäßig Homosexuelle mit „Perversen“ gleich und bedient extrem religiöse und rassistische Narrative. Dass ausgerechnet er erklärt, ihn interessiere der sexuelle Missbrauch Minderjähriger durch Milliardäre nicht, ist deshalb sehr interessant. Wenn es um pauschale Unterstellungen von Missbrauch durch Homosexuelle oder trans Personen geht, interessiert ihn das sehr wohl.
Auf eine Welle der Kritik an seinem Post erklärt sich Adrat schließlich in einem zweiten. Die Empörung sei „selektiv“. Auch er finde sexuelle Verbrechen an Minderjährigen widerlich, wolle aber über andere Fälle reden. Die selektive Empörung, die er beklagt, betreibt er selbst – für seine rassistischen und queerfeindlichen Zwecke.
In den Augen vieler, die Adrats Tweets gesehen haben, wird dadurch leicht sichtbar, was man längst über die Rechtsextremen wusste: Die AfD hat absolut kein Interesse daran, strukturelle Lösungen für sexualisierte Gewalt anzubieten. Sie will nur mit künstlicher Empörung über sexualisierte Gewalt Hass gegen queere Menschen und Migranten schüren, selbst wenn sie sich dafür dann derartige Vorwürfe ausdenken muss. Wenn Täter reich, mächtig und politisch nützlich sind, wird weggeschaut. Die Empörung gilt nicht den Opfern, sondern nur den Geschichten, die sich gegen Minderheiten instrumentalisieren lassen. Deshalb schweigen die meisten in der AfD zum Thema. Manche andere wie Adrat sprechen aus Versehen aus, was wir alle längst wussten.
Artikelbild: Jon Elswick/AP/dpa, Screenshot x.com. Teile des Artikels wurden mit maschineller Hilfe erstellt. Wie Volksverpetzer KI verwendet.
