Die AfD verlor 2025 eine Wahl nach der anderen. Die zwar hohen Umfragewerte der Rechtsextremen in Wahlumfragen, unter anderem dank des Rechtsrucks der Regierungsparteien, manifestierten sich schlussendlich in keinem einzigen Sieg bei einer (Ober-)Bürgermeisterwahl im Jahr 2025. Wir haben alle Wahlen des letzten Jahres recherchiert und hier interaktiv alle Niederlagen der AfD-Kandidaten aufgezeigt:
Die gesichert rechtsextreme AfD ist nicht unaufhaltsam, im Gegenteil. Man kann sie noch stoppen. Erst wenn wir die Hoffnung aufgeben, können sie gewinnen. Teilt diesen Text, um Mut zu machen.
Wir reden zu wenig über die Niederlagen der AfD
In den letzten Monaten scheint die AfD in Umfragen Rekorde zu jagen. Manche Medien beschwören bereits eine „blaue Welle“ und einen unaufhaltsamen Siegeszug der Rechtsextremisten. In einigen Artikeln habe ich bereits im letzten Jahr genauer dargelegt: Die AfD wird unter anderem stark, weil sie medial aufgebauscht wird – und die hohen Umfragewerte verschleiern, wie zutiefst unbeliebt sie in Wahrheit ist –, weil sie sich weiter zur kompletten Neonazi-Partei radikalisiert. Die vermeintliche Unbesiegbarkeit der AfD ist ein medial erzeugter Mythos. In der Realität tun sich die Rechtsextremen zunehmend schwer, tatsächliche Wahlerfolge zu erzielen.
Tatsächlich ist die Liste der Wahlniederlagen der AfD lang – doch sie findet wenig Beachtung. Wenn es dann lokal wird, wollen viel weniger Leute Neonazis, als man glauben mag. Bei der Bürgermeisterwahl 2025 verlor der Rechtsextremist in Wolmirstedt (Landkreis Börde, Sachsen-Anhalt) deutlich mit 36,2 Prozent gegen den parteilosen Mike Steffens, der 54,4 % holte. Ähnlich in Meißen (Sachsen): Bei der Bundestagswahl wählten noch 44,9 % einen Rechtsextremisten, 2025 fiel der Neonazi Jurisch dort bei der Oberbürgermeisterwahl mit nur noch 30,4 % durch. Und das, obwohl die AfD massive Unterstützung von EU- und Bundesebene mobilisierte, weil sie verzweifelt die Erfolge braucht, die sich so nicht manifestieren.
Ähnliches in Nordrhein-Westfalen bei den Kommunalwahlen im September. Die Medien sprachen teilweise von einem“AfD-Sieg”, von einer “blauen Welle”. In Essen sprach t-online von “AfD-Triumph”. Und die Partei kam nicht mal in die Stichwahl. „Kommt die blaue Welle?“, wurde oft gefragt im Vorfeld.
Blaues Absaufen
Die AfD hat weniger Zustimmung in NRW bekommen im Vergleich zur Bundestagswahl. In keinem Kreis und keiner kreisfreien Stadt war die AfD vorne. Es ist immer noch das zweitbeste Ergebnis für die Grünen in NRW. Dieser Blickwinkel verschleiert natürlich die aktuellen Entwicklungen – den starken Abfall der Grünen und den Anstieg der AfD im Vergleich zur letzten Kommunalwahl. Und natürlich ist das eine negative Entwicklung für unsere Demokratie. Aber: Die letzte Wahl war 2020 – als die AfD inmitten der Pandemie ihre geringsten Zustimmungswerte hatte seit 2017!
Hier geht es aber nicht darum, sich das Ergebnis schönzureden. Sondern zu verhindern, dass der Negativity-Bias der Medien die Arbeit für die Faschisten macht – und die Rechtsextremisten motiviert. Und die Demokraten jetzt schon kapitulieren lässt. Was wir realisieren müssen: Auch die (noch so kleinen) Erfolge der Demokratie über den Rechtsextremismus haben einen Nachrichtenwert! Ganz aktuell beispielsweise steht bereits fest, dass in Bad Homburg im März keine AfD zur Kommunalwahl antreten wird – da sie sich selbst von der Wahl ausgeschlossen hatte.
Das wichtige Bedürfnis nach positiven, konstruktiven, mutmachenden Nachrichten wird in der Medienwissenschaft im Übrigen schon lange festgehalten. Die AfD ist in NRW auf dem dritten Platz gelandet, nur einen Prozentpunkt vor den Grünen. Die Union holt 33 Prozent. Eine Union, die unter Wüst übrigens einen klaren Anti-Rechts-Kurs führt. In Bundesländern, in denen die Union Rechtspopulismus nutzt, ist die AfD teilweise stärker als die Konservativen. Das ist kein Zufall.
Warum nicht „AfD verliert im Vergleich zur BTW, Grüne zweitbestes Ergebnis in NRW“?
Nur Schlappen für die AfD bei Bürgermeisterwahlen
Auch in Brandenburger Städten wurden neue Bürgermeister gewählt – und in allen Fällen schnitt die AfD enttäuschend ab. Besonders auffällig war die Oberbürgermeisterwahl in Potsdam: Dort kam AfD-Kandidat Chaled-Uwe Said mit nur 13 Prozent der Stimmen abgeschlagen auf den fünften Platz. Die Linke hatte mit 16 % mehr Stimmen. Ja, natürlich ist Potsdam traditionell ziemlich progressiv. Aber das war auch kein Einzelfall.
Auch in Frankfurt (Oder) erfüllten sich die hochtrabenden Erwartungen der AfD nicht. Zwar schaffte es AfD-Bewerber Wilko Möller dort in die Stichwahl, doch der Parteilose Axel Strasser gewann mit 69,8%. Beide profitierten davon, dass in Frankfurt keine starken Bewerber der traditionellen Volksparteien antreten wollten – die CDU- und SPD-Kandidaten landeten mit 28,8 % bzw. knapp 10 % weit hinten. Dennoch: Die AfD war bei den Kommunal,- Europa- und Bundestagswahlen jeweils die stärkste Kraft gewesen.
Noch deutlicher war das Verfehlen der AfD-Ziele in den kleineren Städten Velten und Glienicke/Nordbahn (je rund 10.000 Einwohner) – eben keine liberalen Hochburgen. In Velten trat der AfD-Kreispolitiker Marco Schulze an – doch mit rund 17,9 % der Stimmen blieb er abgeschlagen auf Platz 3 und verpasste klar die Stichwahl. Und in Glienicke/Nordbahn kam AfD-Kandidat André Spannemann sogar nur auf etwa 20,8 % und belegte damit ebenfalls Rang 3. Trotz zum Teil prominenter Wahlkampfhilfe blieb die AfD in beiden Orten deutlich unter ihren Erwartungen und jeweils nur Dritte.
In Nauen und in Wriezen setzten sie sich nicht durch, in Nauen kam der von der AfD unterstützte Neonazi nicht mal in die Stichwahl, mit nur 15,9 %. In Wriezen bekam die AfD nur 27 % – der CDU-Kandidat scheiterte nur knapp an der absoluten Mehrheit. Auch im sächsischen Diehra-Zehren erlebte die AfD ein Wahl-Debakel und ging mit nur 10 % völlig unter.
Niederlagenserie von Sachsen bis Brandenburg
Natürlich gewinnt die AfD so lange nichts, bis sie es dann doch irgendwann tut. 2026 bricht die Niederlagen-Serie der AfD vom letzten Jahr auch leider: In Altenberg in Sachsen gewann der Rechtsextremist André Barth von der AfD gerade die Bürgermeisterwahl. Gleichzeitig kassierten die Rechtsextremisten bereits einige Niederlagen in diesem Jahr, wie in Sanitz oder Oberspreewald-Lausitz, die aber vergleichsweise medial untergehen.
Ich möchte die Gefahr nicht schönreden – ich denke, wir bei Volksverpetzer sind eher bekannt dafür, ständig lautstark vor der AfD zu warnen. Wir haben schließlich eine Petition mit knapp 1,3 Millionen Unterschriften an Bundestag und Bundesrat überreicht, um zu erreichen, dass ein Verbot der AfD geprüft wird. Wir warnen seit über zehn Jahren vor der Partei und ihrer Entwicklung. Und mehr – die Verharmloser hatten retrospektiv stets Unrecht gehabt.
Aber die (berechtigte) Angst vor der AfD führt dazu, dass auch medial der Blick stets nur darauf gerichtet ist. Und das hat eine ungewollte Nebenwirkung: Die ständigen Schlagzeilen darüber, welche rechten Einstellungen jetzt wieder normalisiert werden und in welchen Umfragen die AfD jetzt wieder stark ist, lassen viele glauben, dass die Machtergreifung unausweichlich sei. Dass der Kampf schon verloren ist. Und genau diesem Mythos möchte ich hier vehement widersprechen.
Die AfD kann nur gewinnen, wenn wir aufgeben
Ja, die AfD hat 2025 vielerorts wieder zugelegt, teils ihre bisher besten Ergebnisse erzielt. Aber konkrete (Ober-)Bürgermeisterwahlen hat sie letztes Jahr eben nicht gewonnen, weil ihre Kandidaten nicht überzeugten. Dass die AfD in Umfragewerten stärker wird, heißt nicht, dass das ein unaufhaltsamer Trend ist und eine Entwicklung, die kommen wird, egal, was wir tun. Im Gegenteil. Wir müssen als Demokraten auch die ständigen Niederlagen der AfD im Auge behalten. Die AfD verliert immer noch beinahe alles. Und das sogar ziemlich deutlich. Vom Mythos der Unaufhaltsamkeit profitiert die AfD. Denn sie kann nur gewinnen, wenn wir aufgeben. Sie wird erst anfangen, diese ganzen Wahlen auch wirklich zu gewinnen, wenn der demokratische Widerstand nachlässt. Das dürfen wir nicht zulassen.
Artikelbild: Volksverpetzer