Der nächste unschuldige Protestierende wurde von Trump-Truppen getötet. Die AfD und ihr Umfeld rechtfertigen die Tat mit Fakes– und fordern zeitgleich ICE auch in Deutschland. Es ist der erste Schritt, um nach AfD-Machtergreifung auch bei uns eine derartige Polizeitruppe aufzubauen. Und wie man in Minneapolis sieht, kann es dann jeden treffen.
Alex Pretti war 37, Krankenpfleger auf einer Intensivstation, US-Staatsbürger. Am Samstag wurde er in Minneapolis auf offener Straße von maskierten Bundesbeamten der Einwanderungsbehörde ICE getötet. Es fielen mindestens zehn Schüsse. Es gibt davon mehrere Handyvideos aus unterschiedlichen Perspektiven. Sie zeigen keinen „Schusswechsel“, kein wildes Gefecht, sondern eine Eskalation durch die ICE-Truppen: Pretti filmt, als eine Frau mit Reizgas besprüht wird; er geht hin, hilft, versucht zu dokumentieren, was passiert – und wird dann selbst angegangen, zu Boden gebracht und grundlos erschossen.
Es ist ein heftiger Skandal, und bei weitem nicht der erste derartige Fall. Und hat offenbar tatsächlich einige Konsequenzen, da die Trump-Regierung nicht leugnen kann, wie heuchlerisch ihre Rechtfertigungsversuche sind. Sie hat es aber dennoch stark versucht. Die fürs Lügen und Manipulieren bekannte Administration hat heftige Propaganda gepusht, um die Tötung Prettis zu rechtfertigen.
Das propagandistische Drehbuch wird in Minneapolis wieder durchgespielt: Das Opfer wird nachträglich zur Bedrohung umetikettiert, damit es nicht wie die staatliche Willkür aussieht, die es war. Das Heimatschutzministerium behauptete, Pretti habe Agenten Schaden zufügen wollen, aber ein von Bellingcat und der New York Times verifiziertes Video zeigt, dass Pretti die Pistole, für die er laut lokalen Behörden eine Trageerlaubnis hatte, nie gezogen hatte und bereits entwaffnet war, als er erschossen wurde.
So lügt die Trump-Regierung
Das Department of Homeland Security (US-Ministerium für Innere Sicherheit) und hochrangige Vertreter der Trump-Regierung behaupteten nach dem Tod, Pretti sei gefährlich gewesen, teils wurde er öffentlich als „domestic terrorist“ bezeichnet. Eine blanke Lüge natürlich, er hatte keine Vorstrafen. Nicht, dass welche eine Erschießung gerechtfertigt hätten. In dieser falschen Darstellung wird aus einem Mann mit Handy in der Hand ein bewaffneter Angreifer, aus Zeugenvideos wird „Widerstand“, aus dem Mord wird angeblich Notwehr. Die öffentlich zugänglichen Videos stützen diese Behauptungen nicht.
Pretti war nach Berichten legaler Waffenbesitzer, er soll eine Pistole dabei gehabt haben – wie es in Minnesota auch erlaubt ist, wie auch die konservative, Pro-Trump NRA (National Rifle Organisation, eine US-Waffenlobby-Organisation) betont. Es ist nicht ungewöhnlich, in den USA eine Waffe mitzuführen, auch auf politischen Veranstaltungen. Pretti hatte die Waffe aber in der Auseinandersetzung nicht in der Hand – sondern sein Handy. Videoaufnahmen zeigen, dass er offenbar vor dem ersten Schuss entwaffnet worden ist. Man weiß inzwischen, dass mehrere verifizierte Videos zeigen, wie Pretti ein Handy hält; die Regierungsbehauptung, er habe in diesem Moment eine Waffe in der Hand gehabt, wird dadurch direkt widerlegt.
Anstatt die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, wird durch diese Lügen die Tötung gerechtfertigt, indem die Situation als Notwehr umgedeutet wird. Und Pretti zum gefährlichen Terroristen stilisiert. Doch es entspricht nicht der Realität. Hier wurde jemand, der nichts Falsches gemacht hat, von US-Behörden einfach so hingerichtet.
Vance: Straffreiheit statt Aufklärung
Die Trump- Regierung hat explizit geäußert, dass sie kein Interesse daran hat, dass Unrecht aufgeklärt wird. Vizepräsident J.D. Vance hat es selbst gesagt – im Kontext eines anderen ICE-Mordes in Minneapolis. Nachdem die 37-jährige Renee Good in ihrem Auto von einem ICE-Beamten erschossen wurde, sagte Vance laut lokalen US-Medien, der Beamte solle durch „absolute immunity“ (also absolute Immunität) geschützt werden. Mehrere eigentlich zuständige Bundesanwälte sind zurückgetreten, weil Trumps Ministerium sie angewiesen hatte, statt gegen den Todesschützen von Renee Good gegen ihre trauernde Witwe zu ermitteln. Auch eine FBI-Agentin, die die Todesschüsse untersuchen wollte, aber nicht durfte, hat beim FBI gekündigt. Das ist eher ein Polizeistaat, als ein Rechtsstaat.
Wir erinnern uns: Angeblich solle das mal „harte Migrationspolitik“ sein, es ist eher ein Programm zur Anwendung staatlicher Gewalt gegen die eigene Bevölkerung. Ob die Tötungen gerechtfertigt waren oder nicht, ist der Regierung egal. Die Bevölkerung habe sich ohne Protest und Widerstand der Staatsgewalt zu unterwerfen.
Und wer sich nicht unterwirft, kann folgenlos getötet werden, so die faschistische Logik. Und genau deshalb ist der Pretti-Fall in Minneapolis politisch so brisant. Er ist ein Beispiel dafür, was passiert, wenn eine Regierung bewaffnete Truppen losschickt, die die eigene Bevölkerung terrorisieren können und Rückendeckung von der Regierung erhalten. ICE wird so zu einer Terror-Miliz außerhalb des Rechts, maskiert, militarisiert und politisch gedeckt. Doch in Deutschland sehen das nicht alle so.
AfD und ihr Vorfeld: Wie aus einem Handy eine Pistole wird
Genau an dieser Stelle steigen AfD, AfD-nahe und rechtsextreme Medien und Accounts ein. Sie liefern in vielen Fällen der Tötung eine nachträgliche Rechtfertigung. Während man in der Pandemie noch Maskentragen und Maßnahmen als „Diktatur“ beweinte, wird jetzt die ungerechtfertigte Tötung eines Protestierenden durch die US-Regierung mit Propaganda gerechtfertigt.
Harald Laatsch, AfD-Abgeordneter im Berliner Abgeordnetenhaus, schreibt zu dem Fall, man gehe eben nicht „mit Pistole und zwei Magazinen bewaffnet“ zur Demo und lege sich dann mit der Polizei an. Quasi: Selbst schuld, erschossen zu werden. Das Tragen von Waffen ist in Minnesota erlaubt. Die AfD forderte übrigens selbst die Lockerung der Waffengesetze.
Andere große, rechtsradikale Accounts blasen ins gleiche Horn: „Bewaffnet zu einer Demo fahren, ist halt eine Scheiss Idee“ [sic]. Das ist Trumps Staats-Propaganda: erst das Opfer kriminalisieren, dann die Tötung als Konsequenz verkaufen. Und deutsche Accounts machen mit.
David Berger wiederum, Betreiber eines rechtsradikalen Blogs, geht noch weiter und etikettiert Pretti als „Linksterrorist“, „schwer bewaffnet“, und behauptet dazu, „staatsnahe Medien“ würden lügen. Unfreiwillig ehrlich, weil im Kontext der USA ja der Staat tatsächlich lügt – und Medien wie seines, die diese Lügen verbreiten, diesem Staat ja offenkundig nahe sind.
Rechte Medien übernehmen auch Trumps Lüge
Rechtsradikale Medien behaupten gerne, besonders „kritisch“ zu sein. Angeblich würde man hier „hinterfragen“ oder zum „Selberdenken“ anregen. Schauen wir uns das mal genauer an:
Das rechtsradikale Propaganda-Medium Nius packt die Lüge der US-Regierung direkt in die Überschrift.
Im Artikel ignoriert Nius alle Videos und andere Evidenz, die zeigen, dass der Ermordete keine Waffe in der Hand hatte. Auch werden Falschaussagen über die Ermordung von Renee Good verbreitet. Die New York Times konnte mit Videos belegen, dass Good ihr Auto von den Agenten weggesteuert hat und der Agent neben dem Auto stand, als er Good erschoss. Nius dagegen deckt die Mörder.
Sie lügen: „Anfang Januar hatte ein ICE-Beamter die 37-jährige Anti-Abschiebe-Aktivistin Renée Good in ihrem Auto erschossen, nachdem diese auf Polizeibeamte zugefahren war und Anweisungen ignoriert hatte.“ Nius unterstützt hier mit Propaganda-Erzählungen, die die Ermordung von US-Bürgern durch die Regierung decken. Warum wohl?
Rechte Echokammer findet stets irgendeine „Rechtfertigung“
Auch die rechtsradikale Junge Freiheit erwähnt im Text mit keinem Wort, dass vom Opfer offensichtlich keine Gefahr ausging. Stattdessen fragen sie sich, warum Menschen gegen die Ermordung ihrer Mitbürger protestieren: „Das Heimatschutzministerium spricht von Selbstschutz, trotzdem demonstrieren Zehntausende gegen Trump.“ Komisch aber auch, dass Menschen dagegen protestieren, ermordet zu werden. Dass Menschen gegen eine Regierung sind, die über solche Morde wie in Minneapolis dann auch noch Lügen verbreitet.
Der rechtsextreme Youtuber Enrico Rudolph, der auch AfD-Kandidat in Brandenburg war, nimmt die ICE-Agenten in Schutz und verdreht die Realität komplett. In Deutschland ist es verboten, Waffen jeglicher Art auf Demos mitzunehmen. In den USA hingegen ist das erlaubt und wird auch regelmäßig so praktiziert. Insbesondere von Rechten. Rudolph rechtfertigt die Ermordung nun damit, dass nun mal die Polizei strenger sei als in Deutschland:
„Lässt man sich dort mit einer Schusswaffe auf einer Demonstration, auf einer vermeintlich friedlichen, dergleichen blicken, kann das tödliche Folgen haben und diese tödlichen Folgen musste der junge Mann hier lernen.” Die Ermordung einer Person, die eine legale Schusswaffe auch nur dabei hatte, ist also eine „Lektion“. So stellt sich Rudolph das anscheinend vor, wie der Staat mit Recht und Gesetz umgehen sollte. Einfach Leute abknallen und dann sagen: Ja, lernt halt daraus?
Rechte Medien bilden eine komplette Echokammer, in der Trump beliebig viele Bürger ermorden könnte – man würde immer irgendeinen Grund finden, warum das schon ok ist.
Der zweite Schritt: AfD Bayern will ICE auch in Deutschland
Kaum stehen Trumps paramilitärische Truppen wegen des Mordvorwurfs in der Kritik, erklärt die rechtsextreme AfD, dass sein Vorgehen ein Vorbild für sie ist: Nach ihrer Winterklausur hat die AfD-Fraktion im Bayerischen Landtag ein Papier vorgestellt, das eine spezialisierte Einheit vorsieht, die gezielt ausreisepflichtige Menschen aufspüren und Abschiebungen organisieren soll – ausdrücklich „ähnlich wie beim ICE“. Das Handelsblatt beschreibt denselben Kurs auch in weiteren Landesverbänden wie Sachsen-Anhalt, die den brutal rechtsextremen Kurs dieser Partei inzwischen zeigen.
Wer AfD wählt, bekommt solche Zustände, wie Trump sie in Minneapolis und im ganzen Land herbeiführt. Auch deswegen wird in der deutschen rechtsextremen Szene so viel darüber gelogen.
Die Situation in Deutschland ist in der Realität kaum mit der in den USA vergleichbar. Während in den USA tatsächlich Millionen Menschen illegalisiert leben, gibt es in Deutschland ein deutlich strengeres Meldewesen. Stand November 2025 sind insgesamt nur 39.500 unmittelbar ausreisepflichtige Personen den Behörden bekannt. Man sieht: Die meisten Menschen mit Migrationshintergrund sind legal hier, haben Aufenthaltstitel oder eine Duldung. Wer ebenfalls „Millionen“ abschieben oder „remigrieren“ will, meint wohl nicht nur diejenigen ohne Aufenthaltstitel. Apropos.
AfD will Millionen mit Migrationshintergrund vertreiben
In der öffentlichen Debatte wird „Remigration“ oft bewusst so weichgezeichnet, als ginge es „nur“ um Ausreisepflichtige. Das stimmt aber nicht als Gesamtbild der Szene, die diesen Begriff antreibt. Es ist buchstäblich nicht die Definition des Erfinders dieses Konzepts, Martin Sellner. Den AfD-Politiker zu Diskussionen und in den Landtag in Thüringen einladen. In seinen geplanten „Ghettogesetzen“ geht es explizit auch um deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund.
Correctiv hat dokumentiert, dass AfD-Politiker wie die Brandenburger Landtagsabgeordnete Lena Kotré sich auf Martin Sellners Konzept bezogen und dabei sinngemäß von einer Reduktion der Bevölkerung von 82 auf 60 Millionen sprachen – also von einer Größenordnung, die nur erreicht werden kann, wenn man Millionen Menschen vertreibt, einschließlich solcher mit deutschem Pass (71 Millionen haben einen deutschen Pass).
Wie würde so ein Projekt praktisch aussehen, ohne Gewaltapparat? Welche Behörden müssten es durchsetzen, welche Überwachung, welche Kontrollen, welche Zwangsmaßnahmen? AfD-Faschist Höcke sprach in seinem Buch schon vor Jahren von einem „Aderlass“. „Auch wenn wir leider ein paar Volksteile verlieren werden, die zu schwach oder nicht willens sind, sich der fortschreitenden Afrikanisierung, Orientalisierung und Islamisierung zu widersetzen.“ Höcke, wörtlich.
Genau deshalb passt das ICE-Vorbild so erschreckend gut zu diesem Denken. Eine „Abschiebepolizei“ ist das Werkzeug, das man braucht, wenn man Massenvertreibung politisch ernst meint. Nur der Vollständigkeit halber: Das sind weder Einzelstimmen in der AfD, noch ist das auch nur ansatzweise mit Recht und Verfassung vereinbar.
Warum ein AfD-Verbotsverfahren immer dringender erscheint
Und genau deshalb ist Minneapolis in der deutschen Debatte nicht „weit weg“. Es ist ein Testlauf als Erzählung: Erst wird ein Getöteter von der Partei und dem Umfeld zum „Terroristen“ umgelogen und die Tat gerechtfertigt, dann wird die Behörde als Vorbild gefordert. Trump und seine Taten sind das große Vorbild der AfD.
Es ist schwer, die Sache anders zu sehen, aber mit dieser Propaganda der AfD und ihres Umfelds soll eine Grundlage geschaffen werden, in der diese Gesetz- und Verfassungslosigkeit wie in Minneapolis auch bei den Anhängern dieser extremistischen Ideologien akzeptiert wird. Damit sie auch bei uns umgesetzt werden kann.
Doch die Zustände in den USA müssen nicht unsere Zukunft sein, auch wenn die AfD davon zu träumen scheint. Der Druck für ein AfD-Verbotsverfahren steigt, immer mehr Bundesländer und auch ehemalige Kritiker sind inzwischen offen dafür. Das Land Berlin will sich inzwischen im Bundesrat auch für ein Verbotsverfahren starkmachen. Auch Schleswig-Holstein,Bremen und Hamburg sind schon dabei. Eine Volksverpetzer-Petition zur Prüfung eines Verbotsverfahrens wurde von über 1,2 Millionen Menschen unterzeichnet. In mehreren Bundesländern finden „Prüf“-Demos statt, auch eine Mehrheit der Nicht-AfD-Wähler befürwortet ein Verbotsverfahren.
Der Widerstand in Deutschland ist noch groß genug, dass wir verhindern können, dass es bei uns erst so weit kommt. Helft mit, mit Artikeln wie diesen die Menschen aufzuklären.
Artikelbild: Abbie Parr/AP/dpa, Teile des Artikels wurden mit maschineller Hilfe erstellt. Wie Volksverpetzer KI verwendet.