Die WELT hatte mal wieder eine Fake News verbreitet, diesmal über Öfen in Nigeria. Das Märchen passte gut in die Feindbilder, die das Kampagnen-Blatt bedienen will. Gewohnt reißerisch schlachtete man das Thema aus. Von einem Gericht wurden sie dann aber zu einer Gegendarstellung gezwungen. Die kam nur ganz still und heimlich – damit wohl ja keiner davon erfährt.
DIE WELT hat im Dezember eine Geschichte veröffentlicht, die sich wie ein Volltreffer anfühlte: Klimakompensation als Betrug, eine NGO als dubioser Akteur, Hamburg als naiver Zahler. Auf X erzielte der Post dazu zehntausende Views. Die Geschichte war aber nachweislich falsch – und wurde WELT gerichtlich untersagt. Die Richtigstellung erreichte allerdings nur einen Bruchteil der Menschen. Und das wohl ganz bewusst.
Am 18.12.2025 postete DIE WELT folgenden Artikel von Chef-Klimkrise-Verharmloser Bojanowski: „Wie Hamburg in Nigeria Öfen kaufte, die es nicht gab“. Ein perfektes Axel-Springer-Märchen: naive Behörden, dubiose NGO, angeblich erfundene Klimaprojekte – und WELT als vermeintlich mutige Aufdeckerin. Der Post ging erwartbar gut. Skandal verkauft sich, besonders bei der Springer-Presse. Und natürlich auch dann, wenn er nicht stimmt.
Was wirklich passiert ist (Spoiler: Die Öfen existieren)
Der Kern der WELT-Vorwürfe war sinngemäß: Hamburg habe CO₂-Kompensation über effiziente Öfen in Nigeria finanziert, aber diese Öfen seien „nicht auffindbar“ gewesen oder hätten „nur auf dem Papier“ existiert. WELT vermischte hier aber zwei Dinge: verifizierte Einsparungen aus bereits existierenden Öfen und die später zusätzlich geplante Auslieferung neuer Öfen, die sich wegen der Sicherheitslage in Nigeria verzögerte.
Der Faktencheck zeigt: Die Öfen existieren. Atmosfair hatte die effizienten Öfen nicht erst ab 2018, sondern bereits seit 2010 in Nigeria verteilt. Familien auf dem Land nutzen diese Herde, die erheblich Brennholz sparen (bis zu 80 %) und so Wälder schützen und CO₂-Emissionen senken. Die CO₂-Minderungen wurden nach einem UN-akkreditierten Prüfstandard (Clean Development Mechanism, CDM) erfasst.
Dabei wird ex post geprüft, wie viele Öfen im Prüfungszeitraum korrekt betrieben wurden, und nur die tatsächlichen Einsparungen werden angerechnet. Die entsprechenden Prüfberichte sind öffentlich dokumentiert und zugänglich. Die Fakten widerlegen die Behauptung, die Öfen hätten „nur auf dem Papier“ existiert.
Die Sicherheitslage in Nigeria ist relevant
Ein zentraler, aber in der WELT-Darstellung fehlender Kontext: Die Lage im Norden Nigerias ist seit Jahren durch Gewalt und Terroranschläge geprägt. Das hat direkte Auswirkungen auf Lieferketten und Projektumsetzungen vor Ort. Weil atmosfair und lokale Partner:innen in diesem Umfeld operierten, konnten die 15.000 neuen Öfen, die ab 2018 vorgesehen waren, erst später produziert und verteilt werden. Diese Verzögerung war kein Geheimnis, sondern wurde transparent an die Hamburger Umweltbehörde (BUKEA) kommuniziert und ist in offiziellen Dokumenten nachvollziehbar. Kurz gesagt: Die Öfen existieren. Sie wurden geprüft. Die Einsparungen sind dokumentiert. Und die Verzögerung neuer Lieferungen hatte einen nachvollziehbaren Grund.
WELT hat vor Gericht verloren
Jetzt kommt der Teil, den WELT offensichtlich nicht groß erzählen wollte. Denn atmosfair hat gegen DIE WELT geklagt – und gewonnen.
Am 20.01.2026 verhandelte das Landgericht II in Berlin den Fall. Die Richter:innen folgten atmosfair in allen Punkten und kamen zum Schluss: WELT muss künftig unterlassen, sinngemäß oder wörtlich zu behaupten: „Wie Hamburg in Nigeria Öfen verkaufte, die es nicht gab“, „Um seine Klimaziele zu erreichen, finanzierte Hamburg klimafreundliche Öfen in Afrika – doch die waren nicht aufzufinden.“ und „Zwar existierten die effizienten Herde, mit denen der Senat ab 2018 die Klimabilanz aufpolierte, nur auf dem Papier“. Das Urteil war sofort vollstreckbar.
Das Kammergericht Berlin entschied zusätzlich, dass DIE WELT eine Gegendarstellung von atmosfair an gleicher Stelle zeigen muss. Und die ist ziemlich eindeutig: „Wir haben bereits seit dem Jahre 2011 über 11.000 Öfen errichtet in Nigeria.“ Hier liegt keine „Meinungsverschiedenheit“ vor. DIE WELT hat falsche Tatsachenbehauptungen verbreitet – und wurde dafür verurteilt.
Wie man eine Richtigstellung quasi verschwinden lässt
Dass WELT am 03.02.2026 eine Gegendarstellung gepostet hat, war demnach keine Überraschung. Musste sie ja auch. Es war jedoch nur das journalistische Äquivalent zu: Schnell was in den Flur murmeln und hoffen bzw. zurecht davon ausgehen, dass es niemand hört.
Der erste Post – die große Behauptung, Hamburg habe in Nigeria Öfen gekauft, „die es nicht gab“ – erreichte allein auf X 88,3 Tausend Views. Der zweite Post – die Gegendarstellung – kam gerade mal auf 14,9 Tausend Views. Das ist nicht ein bisschen weniger. Die Richtigstellung erreichte nicht mal ein Sechstel der Reichweite. Und das ist nicht einfach Pech oder Algorithmus-Laune, sondern auch vor allem das Ergebnis einer ganz einfachen Axel-Springer-Logik: Empörung wird gepusht, Korrektur kleinlaut gepostet.
Denn Reichweite ist auch eine redaktionelle Entscheidung. Man kann Beiträge anpinnen oder nicht. Man kann sie mit einem maximalen Skandal-Frame formulieren oder trocken juristisch. Oder man kann sie in der eigenen Dramaturgie zur „Breaking News“ machen – oder zur unaufgeregten, langweiligen Fußnote.
Und genau das ist die Verantwortung von WELT in diesem Fall: Sie haben nicht nur eine falsche Tatsachenbehauptung verbreitet. Sie haben auch dafür gesorgt, dass die Korrektur dieser Behauptung möglichst wenig Menschen erreicht. So entsteht in der Öffentlichkeit ein dauerhaftes Bild, das sich nur noch schwer einfangen lässt: „Da war doch was mit Fake-Öfen in Nigeria.“ Das bleibt hängen. Die Gegendarstellung nicht.
WELT behauptete, Hamburg habe in Nigeria Öfen finanziert, die es nicht gab. Atmosfair wies nach, dass die Öfen existierten und die CO₂-Einsparungen offiziell geprüft und dokumentiert waren. Das Axel-Springer-Blatt verlor vor Gericht in allen relevanten Punkten – doch die Richtigstellung bekam nur einen Bruchteil der Reichweite, weil man diese so leise wie möglich verbreitete. Ein Lehrstück darüber, wie die Axel-Springer-Presse funktioniert: Die Lüge kommt mit knalliger Headline. Die Wahrheit wird kleinlaut geflüstert.
Artikelbild: Screenshots x.com via @gruenkappler, canva.com. Teile des Artikels wurden mit maschineller Hilfe erstellt. Wie Volksverpetzer KI verwendet.