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Olympia in Kreuzfeld: Wohnraum zuerst – nicht Prestige und Rendite

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Ein visionäres Stadion ersetzt keine verlässliche Wohnungspolitik

Die Bilder sehen beeindruckend aus: Ein Olympiastadion für 50.000 Menschen, das nach den Spielen zu Wohnungen, Geschäften und einem großen Park umgebaut wird. Dazu nachhaltige Baustoffe, eine Schwammstadt und sogar vertikale Landwirtschaft. Im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ präsentiert der Architekt Herbert Elfers seine Idee für Kreuzfeld als städtebauliches Zukunftsprojekt.

Doch schöne Visualisierungen beantworten keine der entscheidenden Fragen: Wann entstehen die Wohnungen tatsächlich? Wer trägt die finanziellen Risiken? Wem gehören Grundstücke und Gebäude anschließend? Wie viele dauerhaft bezahlbare und öffentlich geförderte Wohnungen wird es geben? Und weshalb soll der dringend benötigte neue Stadtteil von einem sportlichen Großereignis abhängig gemacht werden?

Als Volt-Direktkandidat für den Landtagswahlkreis Köln IV, zu dem Chorweiler gehört, lehne ich die Bewerbung von KölnRheinRuhr für Olympische und Paralympische Spiele entschieden ab. Nicht aus Ablehnung des Sports, sondern weil der Kölner Norden endlich verlässliche Investitionen statt immer neuer Versprechen und Prestigeprojekte braucht.

Aus einem Stadtteil wird ein Finanzierungsmodell

Besonders problematisch ist das vorgeschlagene Finanzierungsmodell. Nach den im „Kölner Stadt-Anzeiger“ dargestellten Plänen sollen private Investoren und Wohnungsunternehmen frühzeitig eingebunden werden. Sie sollen den Stadionbau mitfinanzieren und später Eigentümer der umgebauten Gebäude werden. Als interessiertes Unternehmen nennt der Architekt ausdrücklich Vonovia.

Private Beteiligung bedeutet nicht automatisch Spekulation. Doch wenn ein Stadion auf städtischem Grund mit privatem Kapital errichtet und später zu Wohnungen und Gewerbeflächen umgebaut werden soll, müssen die Bedingungen vorher öffentlich und verbindlich feststehen.

Dazu gehören mindestens langfristige Mietpreisbindungen, ein hoher Anteil geförderter Wohnungen, der dauerhafte Verbleib des Bodens in öffentlicher Hand, transparente Verträge und eine klare Verteilung sämtlicher Bau-, Umbau- und Kostenrisiken. Im veröffentlichten Interview bleiben diese Fragen offen. Ein allgemeines Versprechen eines „Wohnungsmixes“ reicht nicht aus.

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Genau hier liegt die von NOlympia Colonia beschriebene Gefahr: Aus einem überwiegend öffentlich geplanten Stadtteil könnte ein renditeorientiertes Großprojekt werden, bei dem die öffentliche Hand den Standort bereitstellt, während private Akteure langfristig von den Immobilien profitieren.

Kreuzfeld darf nicht auf Olympia warten

Nach Darstellung von NOlympia Colonia sah die bisherige Planung einen Baubeginn ab 2028, erste Wohnungen ab 2030 und rund 3.650 Wohneinheiten bis 2036 vor. Die Olympia-Pläne verschieben den Schwerpunkt nun auf ein Stadion, ein Athletendorf und eine mögliche Austragung in den Jahren 2036, 2040 oder 2044.

Damit droht der Wohnungsbau von Entscheidungen abhängig zu werden, die Köln kaum beeinflussen kann: zunächst von der Auswahl durch den DOSB, später von einem internationalen Vergabeverfahren und schließlich von der tatsächlichen Durchführung der Spiele. Selbst wenn alle Beteiligten eine Beschleunigung versprechen, bleibt das Risiko jahrelanger Verzögerungen bestehen.

Die Menschen in Chorweiler können nicht bis in die 2040er-Jahre auf bezahlbaren Wohnraum, eine zuverlässige S-Bahn, bessere Straßenverbindungen und soziale Infrastruktur warten. Schulen, Kitas, Sporthallen und Verkehrswege sind keine Belohnung für eine erfolgreiche Olympiabewerbung. Sie gehören zur öffentlichen Daseinsvorsorge und müssen unabhängig von einem zweiwöchigen Großereignis finanziert werden.

Nachhaltigkeit braucht belastbare Antworten

Die Idee, ein Stadion später umzubauen, ist zweifellos interessanter als der Bau einer dauerhaft ungenutzten Arena. Doch auch ein umnutzbares Stadion muss zunächst gebaut, finanziert und nach den Spielen aufwendig umgestaltet werden. Ob dieser Umbau technisch, zeitlich und wirtschaftlich wie dargestellt funktioniert, ist bislang nicht praktisch belegt.

Der Architekt räumt im Interview selbst ein, dass NRW ein Leichtathletikstadion dieser Größe nach möglichen Spielen voraussichtlich nicht mehr benötigt. Damit bleibt es ein Gebäude, dessen ursprünglicher Zweck nach wenigen Wochen entfällt. Aus einem „weißen Elefanten“ wird nicht automatisch ein nachhaltiges Projekt, nur weil für später eine andere Nutzung versprochen wird.

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Echte Nachhaltigkeit bedeutet, vorhandene Planungen weiterzuentwickeln, öffentlichen Boden dauerhaft zu sichern und bezahlbaren Wohnraum ohne Umwege zu schaffen.

Am 26. September muss dieser Unsinn enden

Am 26. September 2026 entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Baden-Baden, ob KölnRheinRuhr, München oder Berlin als deutscher Bewerber ins internationale Rennen geschickt wird.

Ich hoffe, dass der DOSB der Bewerbung von KölnRheinRuhr und damit diesem Unsinn ein Ende setzt. Dann kann sich Köln wieder auf das konzentrieren, was die Menschen im Kölner Norden wirklich brauchen: den zügigen Bau von Kreuzfeld, dauerhaft bezahlbare Wohnungen, moderne Schulen und Kitas, eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur und öffentliche Flächen, die auch langfristig der Allgemeinheit dienen.

Kreuzfeld darf kein Spekulationsobjekt und kein Experimentierfeld für ein olympisches Prestigeprojekt werden. Kreuzfeld muss ein lebendiger, sozial gemischter und klimafreundlicher Stadtteil für die Menschen sein.

Wohnraum zuerst. Verbindliche Infrastruktur statt olympischer Versprechen. Öffentliche Verantwortung statt privater Renditefantasien.

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