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title: "Warum sichere Schulwege keine „linksversiffte“ Idee sind"
url: https://www.bachhausen.de/warum-sichere-schulwege-keine-linksversiffte-idee-sind/
date: 2026-07-02
modified: 2026-07-02
author: "Volt"
description: "„Du kannst dir deinen Radweg in deinen linksversifften Arsch schieben.“ – dieser Kommentar landete unter einem Reel auf meinem Instagram-Profil. Ernsthaft: Ich zeige einen Schwerlasttransporter, der mitten auf dem Radschutzstreifen..."
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  - "Politik"
  - "Volt Köln"
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  - "keine"
  - "linksversiffte"
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# Warum sichere Schulwege keine „linksversiffte“ Idee sind

„Du kannst dir deinen Radweg in deinen linksversifften Arsch schieben.“ – dieser Kommentar landete unter einem Reel auf meinem Instagram-Profil. Ernsthaft: Ich zeige einen Schwerlasttransporter, der mitten auf dem Radschutzstreifen vor mehreren Schulen steht – und die Reaktion ist erst einmal Hass. Dabei geht es doch um etwas ziemlich Einfaches: **Kinder sollen morgens lebend und halbwegs entspannt in der Schule ankommen.**

## Was wir in Lindenthal konkret beschlossen haben

Am Montag, den 29.06.2026 haben wir in der Bezirksvertretung Köln-Lindenthal nahezu einstimmig einen Dringlichkeitsantrag beschlossen, der die Verkehrssicherheit im Bereich von Schulen und einer Kita verbessern soll. Auf einem Stück von gut 400 Metern liegen zwei Grundschulen – die GGS Geilenkircher Straße und BilinGO –, die Kita BilinGOlinos sowie das Claudia-Agrippina-Privatgymnasium. Werktags ist dort viel los, denn entlang der Stollberger Straße treffen Wohngebiet, Gewerbe und Industrie direkt aufeinander.

Seit wenigen Wochen sind auf beiden Straßenseiten Radschutzstreifen markiert. Nach Straßenverkehrsordnung dürfen diese überfahren werden, aber Halten und Parken ist klar verboten. In der Realität sieht das anders aus. Die Streifen werden nicht nur von LKW blockiert – wie kürzlich wieder mitten im morgendlichen Verkehr –, sondern vor allem von „Elterntaxis“. Ja, Park- und Haltemöglichkeiten sind knapp. Ja, viele Eltern bringen ihre Kinder, weil der Schulweg nicht sicher wirkt. Aber genau durch dieses egoistische Verhalten – einfach halten oder parken, wo es gerade passt – wird die Situation noch gefährlicher.

Dabei gibt es Ideen, die anders ansetzen: Schulstraßen, bei denen der motorisierte Verkehr zu den Stoßzeiten ausgesperrt wird, oder organisierte Fahrradbusse, bei denen Kinder gemeinsam mit dem Rad fahren. An der Stollberger Straße ist das im Moment nicht realistisch. Dafür werden die neuen Radschutzstreifen von vielen Radfahrenden sehr gut angenommen. **Mit ein wenig mehr Rücksicht müsste dort niemand ernsthaft Umwege fahren – weder Auto, Bus noch LKW.**

Was komplett fehlt, ist konsequente Kontrolle. Polizei und Ordnungsamt sind zu selten vor Ort. Täglich kann man beobachten, wie das Handy am Steuer bedient wird, während Kinder auf dem Weg zur Schule nebenan unterwegs sind. Täglich gibt es brenzlige Situationen. Und jetzt fallen auch noch private Stellplätze einer Schule und der Kita weg – die Gefahr ist groß, dass noch mehr Autos auf den Radschutzstreifen ausweichen, um die Kinder bis vor die Tür zu bringen. Gleichzeitig gilt nicht vor allen Bildungseinrichtungen Tempo 30.

Genau deshalb haben wir fraktionsübergreifend schnell gehandelt und einen Dringlichkeitsantrag beschlossen, nachdem wir erst wenige Tage zuvor von den wegfallenden Parkplätzen erfahren hatten. Den Antrag findet ihr hier:
[Verkehrssicherheit an Schulen und Kita – Dringlichkeitsantrag Stollberger Straße](https://ratsinformation.stadt-koeln.de/to0050.asp?__ktonr=447178)

## Zwischen Alltag und Anfeindungen

Zu diesem Thema habe ich ein Reel auf meinem Instagram-Profil veröffentlicht. Der Clip zeigt sehr konkret, was vor Ort passiert: ein Schwerlasttransporter, der mitten auf dem Radschutzstreifen steht, obwohl nur wenige Meter weiter eine ausgewiesene Fläche für solche Fahrzeuge vorhanden ist. Und während Kinder dort mit dem Fahrrad zur Schule fahren, blockiert ein Fahrzeug genau die Spur, die ihre Sicherheit erhöhen soll.

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Die Reaktion darauf war gemischt. Es gab viel Zustimmung – und es gab die Hasskommentare. Der oben zitierte ist nur ein Beispiel. Was mich daran nicht nur persönlich trifft, sondern politisch irritiert: Plötzlich steht die vermeintliche „politische Haltung“ über der Sicherheit von Kindern.

So nach dem Motto: Hauptsache gegen „Radwege“ und „linksversiffte Politik“ stänkern – egal, ob Kinder gefährdet werden.

> „Du kannst dir deinen Radweg in deinen lknksversifften arsch schieben”
>
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Ganz nebenbei: Schulwege waren auch früher lang und beschwerlich. Viele erzählen heute davon, wie sie „früher 15 Kilometer zu Fuß zur Schule“ gegangen seien. Ehrlich gesagt bin ich froh, dass wir das unseren Kindern und Enkeln heute nicht mehr zumuten müssen – und ich habe den Eindruck, die meisten, die so etwas sagen, würden ihre eigenen Enkel auch nicht gern so losschicken.

Wenn wir selbstständige, sichere und umsichtige Kinder haben wollen, denen wir soziale und respektvolle Werte mitgeben, dann gehört eine passende Infrastruktur einfach dazu. Ja, ich würde es großartig finden, wenn Kinder wieder selbstverständlich alleine zur Schule gehen könnten – wie früher, nur eben unter besseren Bedingungen.

Dass Schulwege weltweit wirklich gefährlich sein können, zeigen eindrücklich die bekannten Dokumentationen über Kinder auf ihren Wegen zur Schule, etwa diese Playlist:
[Unsichere Schulwege weltweit – YouTube-Playlist](https://www.youtube.com/playlist?list=PLStO2Vg2_WfSId-_Lw0HMUCtTIb5DPKf6)

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## Aus der Fakten-Ecke: Der Schulweg ist kein Gefühl, sondern Risiko

Wenn ich mir anschaue, wie „gefühlt“ gefährlich der Schulweg ist, lohnt sich der Blick in die Statistik – und der bestätigt diese Gefühle ziemlich deutlich. Laut Deutscher Gesetzlicher Unfallversicherung (DGUV) gab es 2023 bundesweit über 92.000 meldepflichtige Schulwegunfälle, also Unfälle auf dem Weg zur Schule, bei denen Kinder verletzt wurden oder ärztlich behandelt werden mussten. 16 dieser Unfälle endeten tödlich.

Quelle und Details: [Unfälle in der Schüler-Unfallversicherung – DGUV](https://www.dguv.de/de/zahlen-fakten/schuelerunfallgeschehen/schul-wegunfaelle/index.jsp)

Die Langzeitstatistik zeigt: Die Zahl der Schulwegunfälle ist seit den 1980er-Jahren zwar insgesamt eher gesunken, liegt aber weiterhin bei rund 80.000 bis über 90.000 Fällen pro Jahr.

Langzeitübersicht: [Schulwegunfälle in Deutschland – Statista](https://de.statista.com/statistik/daten/studie/6054/umfrage/gemeldete-schulwegunfaelle-in-deutschland-seit-1986/)

Für NRW hat die Unfallkasse im Jahr 2025 landesweit 24.191 Unfälle auf dem Weg zu Schule, Kita und Hochschule gezählt – davon fünf mit tödlichem Ausgang. Schon im ersten Halbjahr 2025 registrierte die DGUV rund 10.500 Schulwegunfälle in NRW, vier davon tödlich. Damit gab es bereits mehr tödliche Schulwegunfälle als in den gesamten Jahren seit 2021. Bundesweit wurden im gleichen Zeitraum 42.303 Unfälle auf dem Schulweg gemeldet, etwa fünf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Berichte dazu u.a. hier:

– [Steigende Zahl an Schulwegeunfällen – ntv](https://www.n-tv.de/regionales/nordrhein-westfalen/Steigende-Zahl-an-Schulwegeunfaellen-id30873912.html)

– [Schulwegunfälle: 24.191 Vorfälle in NRW, fünf Todesfälle 2025](https://www.ad-hoc-news.de/wirtschaft/schulwegunfaelle-24-191-vorfaelle-in-nrw-fuenf-todesfaelle-2025/69449378)

– [Deutlich mehr Unfälle auf Schulwegen bei Kindern in NRW – WDR](https://www1.wdr.de/nachrichten/unfaelle-schulweg-steigen-kinder-jugendliche-nrw-100.amp)

– [Mehr Unfälle auf dem Schulweg – Tagesschau](https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/unfall-versicherung-schulweg-elterntaxis-100.html)

– [Mehr Unfälle auf dem Schulweg – NDR](https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/mehr-unfaelle-auf-dem-schulweg-besonders-mit-dem-fahrrad,schulweg-164.html)

Noch einmal der größere Rahmen: Das Statistische Bundesamt meldet, dass 2024 insgesamt 27.260 Kinder unter 15 Jahren im Straßenverkehr verunglückten, 53 Kinder wurden getötet – ein Anstieg gegenüber 2023. Besonders häufig verunglücken 6- bis 14-Jährige zwischen 7 und 8 Uhr morgens, also genau in der Zeit, in der sie typischerweise auf dem Weg zur Schule sind.

Quelle: [27.260 Kinder im Jahr 2024 bei Verkehrsunfällen verunglückt – Destatis](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/08/PD25_N043_46241.html)

Rund 43 Prozent der Schulwegunfälle betreffen Kinder und Jugendliche auf dem Fahrrad, knapp elf Prozent sitzen im Auto, etwa neun Prozent sind zu Fuß unterwegs. **Der Schulweg ist vor allem für radfahrende Kinder gefährlich – also genau dort, wo sichere Radinfrastruktur entscheidend wäre.**

Auf Stadtebene, etwa speziell für Köln, sind die Daten weniger transparent verfügbar, weil viele Statistiken nur auf Bundes- oder Landesebene veröffentlicht werden. Lokale Unfallzahlen werden meist über Polizei- und Stadtstatistik ausgewiesen und sind nicht überall frei zugänglich abrufbar.

Im europäischen Kontext zeigt der European Transport Safety Council (ETSC), dass in den letzten zehn Jahren mehr als 6.000 Kinder bis 14 Jahre auf EU-Straßen gestorben sind. Die Kindersterblichkeit im Straßenverkehr schwankt zwischen den Ländern um den Faktor zehn – besonders gut schneiden Länder mit konsequenter Tempo-30-Politik, sicherer Radinfrastruktur und ausgebauten Schulwegen ab, etwa Teile der Niederlande oder Skandinaviens. Ein aktueller Beitrag der Europäischen Verkehrssicherheitscharta schätzt, dass 2023 etwa 780 Kinder zwischen 5 und 17 Jahren auf europäischen Straßen starben und 115.000 verletzt wurden; viele dieser Unfälle passieren auf urbanen Straßen, bei Tageslicht und in der Nähe von Schulen.

Einige zentrale Quellen dazu:

– [European Road Safety Charter: Protecting children on Europe’s roads – safer journeys to school](https://road-safety-charter.ec.europa.eu/node/8250)

– [Artikel zur Schulwegsicherheit, April 2026](https://www.nrso.ntua.gr/european-road-safety-charter-protecting-children-on-europes-roads-safer-journeys-to-school%E2%80%AF-april-2026/)

– [Reducing Child Deaths on European Roads – ETSC](https://etsc.eu/publication/reducing-child-deaths-on-european-roads-etsc-pin-flash-43/)

– [Wissenspool des Bundesverkehrsministeriums: Reducing child deaths on European roads](https://www.mobilitaetsforum.bund.de/DE/Themen/Wissenspool/Berichte/ETSC_Reducing-child-deaths-on-European-roads_2022.html)

## Bitte Sicherheit über Ideologie

Wenn ich all das zusammendenke – den Alltag an der Stollberger Straße, die Beschlüsse in der Bezirksvertretung, das Reel mit dem Schwerlasttransporter, die Hasskommentare und die Zahlen – komme ich zu einem ziemlich einfachen Punkt:

**Die Sicherheit unserer Kinder sollte über jeder parteipolitischen Haltung stehen.**

Wir können darüber streiten, wie viele Radwege sinnvoll sind, welche Maßnahmen prioritär sind, wie wir Flächen gerecht verteilen. Aber dass Kinder sicher zur Schule kommen sollen, ist kein „linksversifftes“ Projekt, sondern eine Basis, auf der wir überhaupt diskutieren können.

Und genau deshalb lohnt es sich, an diesen 400 Metern in Lindenthal zu sichern, konsequenter zu kontrollieren und die Infrastruktur an den Alltag der Kinder anzupassen – statt an die Bequemlichkeit mit dem Auto.

[Zum Originalartikel](https://www.derfriedri.ch/warum-sichere-schulwege-keine-linksversiffte-idee-sind/)