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Zwei Wochen später ist der THW-Notstrom-Fake der Berliner Zeitung immer noch online

Die Berliner Zeitung brüstet sich, mit einem Pro-Putin-Schwindel 200.000 Klicks gemacht zu haben. Sie stellt gerne „unbequeme Fragen“, deren Antworten sie dann aber gar nicht hören wollte – und postet dann am Ende selbst versehentlich den Faktencheck. Wirklich wahr.

Das THW hatte genug Notstromaggregate für kritische Infrastruktur, als in Berlin vor zwei Wochen durch einen Terroranschlag großflächig der Strom ausfiel. Die Pro-Putin-Propaganda-Schleuder „Berliner Zeitung“ verbreitete jedoch mitten im Notstand den Mythos, dass es Engpässe gäbe – weil man Aggregate an die Ukraine gespendet habe. Das ist nicht wahr – dennoch hat die Berliner Zeitung sich bis heute nicht korrigiert. Im Gegenteil, sie hat ihre Propaganda im Sinne des Diktators Putin auch noch gefeiert. Das ist extrem perfide: Weil wegen anhaltender russische Raketenangriffe auf zivile Ziele die Heizung bei Minusgraden ausgefallen ist, mussten derzeit 600 000 der drei Millionen Einwohner Kyivs die Stadt verlassen.

Fake News für Putin als Geschäftsmodell

Bei der Berliner Zeitung ist Desinformation für Putin jetzt anscheinend das Geschäftsmodell – das sollte jedem klar sein, der dort noch ein Abo hat, oder über deren Beiträge in Social Media stolpert. Dort ist das Desinformieren ihrer Leser kein peinliches Versagen, sondern ein Erfolg, der Jubel zu Folge hat. Das sagen nicht wir, die Zeitung gibt selbst an, dass sie sich freut, für einen komplett falschen Artikel, bei dem jegliches journalistisches Handwerk verfehlt wurde, auch noch mehr Abos bekommen zu haben. Nicht nur ist der falsche Artikel über zwei Wochen später noch online, in einem weiteren Beitrag rechtfertigt die Zeitung die Desinformation sogar noch.

Das THW hat genügend Stromaggregate in Deutschland zur Verfügung. Wenn Aggregate an andere Länder gespendet werden, dann grundsätzlich nie aus den Beständen – sondern sie werden neu gekauft und das THW übernimmt nur die Logistik. Die Berliner Zeitung war sich sogar zu fein dafür, diese simplen Fakten zu recherchieren, als sie ganz im Sinne von Putin fragte: „1.700 THW-Generatoren sichern Energie in der Ukraine. Fehlen diese Reserven jetzt in der Hauptstadt?“ Solche Aggregate werden auch weder hier noch in der Ukraine zur Versorgung von Privathaushalten eingesetzt.

So funktioniert Notstrom in Deutschland

Schauen wir uns zuerst mal die Fakten an. Wie funktioniert die Notstromversorgung in Deutschland? Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat hier eine klare Antwort: Unternehmen und Behörden sind angehalten, selbst dafür zu sorgen, dass sie über eigenen Notstrom verfügen.

„Bei einem Stromausfall stehen dem eigenen Unternehmen / der Behörde in aller Regel keine Aggregate von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) wie z. B. der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) und Feuerwehren zur Verfügung. Hierfür sind diese nicht in ausreichender Anzahl verfügbar.“

Strenge Regeln gelten dabei für kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser. Laut einer Anfrage des Abgeordneten Dirk Stettner gibt es für alle Krankenhäuser in Berlin die Pflicht, auch bei externem Stromausfall zu funktionieren.

Ob du oder dein Betrieb oder deine Behörde bei Stromausfall weiter Strom haben, das ist also erst mal Eigenverantwortung. Vor allem aber ist Notstrom auch etwas, das man planen muss. Man kann nicht einfach einen Generator an die Steckdose anschließen und hat wieder flächendeckend Strom. Beispiel Solaranlage: Man würde ja denken, dass bei einem Stromausfall eine Solaranlage auf dem Dach das Haus einfach weiterversorgt, aber das ist nicht so. Die Solaranlage muss so geplant sein, dass sie mit einem Speicher bei Stromausfall in den Notstrombetrieb schalten kann.

Das THW war ebenfalls vor Ort, um die Versorgung mit Notstrom sicherzustellen. Die Versorgung konzentriert sich dabei aber auf die kritische Infrastruktur. Privathaushalte aufwendig auf Notstrom umzurüsten, gehört nicht zu den Aufgaben. Das THW verfügt über mehrere Tausend Stromerzeuger unterschiedlicher Leistungsklassen sowie mehrere hundert leistungsstarke Netzaggregate. Davon waren in Berlin 40 Anlagen in Betrieb.

Harald Neuber hilft Putin gerne?

Der verantwortliche Autor der Berliner Zeitung, Harald Neuber, hilft hingegen offenbar stolz mit Propaganda, die ganz im Sinne Putins sein dürfte. Dieser versuchte durch haltlose Spekulationen, die Notlage in Berlin in Teilen der Ukraine zu zu schieben. Andere Menschen würden sich schämen, einen der grausamsten Kriegsverbrecher unserer Zeit bei dessen Eroberungsfeldzug in der Ukraine auch noch mit Desinformation und Propaganda zu unterstützen. Aber Harald Neuber von der Berliner Zeitung ist da auch noch stolz darauf.

„1.700 THW-Generatoren sichern Energie in der Ukraine. Fehlen diese Reserven jetzt in der Hauptstadt?“ fragte Harald Neuber völlig spekulativ, anstatt einfach seinen Job als Journalist zu machen und mal beim THW nachzufragen, wo er diese Frage leicht hätte beantwortet bekommen. Im gesamten Artikel wird diese Frage dann nämlich gar nicht beantwortet. Dennoch wird der Artikel so veröffentlicht. Man hat offenbar kein Interesse an der Antwort und der Wahrheit, sondern daran, diese Suggestivfrage zu stellen.

Stattdessen muss das THW sich bei der Berliner Zeitung anscheinend danach melden und die Frage selbst beantworten. Harald, das wäre deine Aufgabe als Journalist gewesen, beim THW nachzufragen. BEVOR du Fake News viral gehen lässt. Und nicht Verschwörungsmythen so viral zu pushen, dass das THW dann zusätzlich zu seinen schwierigen Aufgaben während eines Stromausfalls auch noch deinen Schwurbel widerlegen muss. DU gehörst zu denen, die im Weg herumstehen, während echte Helden ihre Arbeit machen. Es kann auch sein, dass er die Antwort schon davor gehabt hatte und sie bewusst seiner Leserschaft verschwieg, was die Sache noch schlimmer machen würde.

Screenshot: Berliner Zeitung gibt zu, dass das THW sie babysitten mussten

Bis heute keine Richtigstellung oder Ergänzung online

Also hoffentlich NACH der Veröffentlichung des Propaganda-Artikels meldete sich das THW selbstständig bei der Berliner Zeitung, um ihnen die Informationen zu geben, die sie vorgeblich wissen wollten, aber offenbar seltsamerweise nie nachgefragt haben. Man möchte meinen, dass sie immerhin danach diese so essentielle Antwort in ihren Artikel bauen und ihre Unterstellungen richtigstellen würden. Aber nein, denn die Berliner Zeitung hat offenkundig gar kein Interesse an Journalismus und Aufklärung, sondern daran, lieber weiter Klicks und Abos mit dem Geraune zu verkaufen.

Für die Berliner Zeitung ist Kreml-Propaganda Verbreiten eben Geschäftsmodell. Wer Antworten auf die suggestiv gestellten Fragen erwartet, wird dort enttäuscht. Darauf ist der Autor am Ende auch noch stolz, wie er in diesem Artikel bestätigt. Auf die Kritik, „Hetze“ verbreitet zu haben, erwidert er, er müsse als Journalist „unbequeme Fragen“ stellen. Diese bodenlose Frechheit muss einem mal bewusst werden: Klar muss der Journalist „unbequeme Fragen“ stellen. Aber die Berliner Zeitung glaubt offenbar, danach ist ihr Job beendet. Sie hat vergessen, dass man als Journalist danach auch die unbequemen Antworten veröffentlichen sollte!

Dann stellen wir auch mal „unbequeme Fragen“: Zum Beispiel so unbequeme Fragen, warum Neuber wissentlich Desinformation verbreitet. Warum er die Antwort im Original-Artikel nie veröffentlicht hat. Ja, manche Dinge sind unbequem – zum Beispiel, wenn man sich als Helfer-Organisation wie das THW während einer echten Katastrophe auch noch mit dummen Fake News und Verschwörungsideologen wie bei der Berliner Zeitung herumschlagen muss. Warum man mit Fake News Verbreiten unbedingt „unbequem“ sein muss, das weiß auch nur die unseriöse Berliner Zeitung.

Aus Faulheit drucken sie sogar den Faktencheck

Wie viele andere Medien ist die Berliner Zeitung Mitglied beim DPA-Verteiler. Die Deutsche Presseagentur verschickt darüber fertige Artikel und andere Inhalte, ein Angebot, das viele kleinere Zeitungen nutzen, um die Seiten zu füllen und über überregionale Ereignisse zu berichten. Gerade Lokalzeitungen sind darauf angewiesen, denn sie können ja kaum als kleine Redaktion auch Journalisten in Brüssel und Berlin auf Pressekonferenzen schicken. Interessant wird es dann, wenn diese DPA-Meldungen 1:1 übernommen werden, ohne selbst kurz zu fragen, was dort überhaupt steht.

Offenbar arbeitet die Redaktion der Berliner Zeitung genauso. Die DPA verschickt nämlich auch Faktenchecks über diesen Verteiler. Und so kam es, dass die Berliner Zeitung dann aus Versehen den DPA-Faktencheck zu ihrem eigenen Artikel am 9. Januar auf Seite 5 abgedruckt hat!

(Artikel nur in Print erschienen)

Kann schon mal passieren.

Terrorklatscher AfD

Im Übrigen hätte man nicht einmal nur beim THW nachfragen können, um das herauszufinden. Auch wenn das wirklich nicht zu viel verlangt sein sollte. Die Abgeordnete Christine Baum der rechtsextremen AfD hat genau diesen Sachverhalt bereits 2024 in einer schriftlichen Frage an die Bundesregierung nachgefragt. Hier die Antwort der Bundesregierung:

Und ja, dass die ebenfalls Pro-Putin-AfD hier diese Anfrage gestellt hat, lässt auch deutlich werden, in welchem Mindset sich auch die Berliner Zeitung befindet: Eines, das nach Möglichkeiten sucht, Propaganda und Desinformation zu verbreiten, die offenbar ganz im Sinne des russischen Diktators sind.

Man muss dazu wissen: Die AfD stellt solche Anfragen nicht, um besser informiert zu sein. Da scheint sie wohl ganz ähnlich gestrickt zu sein wie die Berliner Zeitung. Sondern sie stellt ihre meist sinnlosen oder peinlichen Anfragen vor allem deswegen, um zu sehen, ob man irgendwelche Zahlen oder Antwortfetzen propagandistisch ausschlachten kann. Daher ist es auch kein Wunder, dass die Antwort der Bundesregierung innerhalb der AfD niemanden interessiert hat. Die AfD WUSSTE, dass es genug THW-Notstromaggregate gab. Weil sie eine entsprechende Anfrage im Jahr zuvor gestellt hatte.

AfD verbreitete die Propaganda-Steilvorlage der Berliner Zeitung

Die AfD hat die Propaganda der Berliner Zeitung trotzdem einfach weiterverbreitet, und auch trotz mittlerweile dutzender Faktenchecks nicht gelöscht. Weder die gesichert rechtsextreme AfD noch die Pro-Putin-Propaganda-Schleuder Berliner Zeitung haben ein Interesse an der Wahrheit und den wirklichen Antworten an ihren Suggestivfragen. Sie haben aber ein Interesse daran, diese Narrative zu verbreiten.

Sächsischer AfD-Politiker Sebastian Wippel, Screenshot
AfD-Politiker Kay-Uwe-Ziegler aus Sachsen-Anhalt, Screenshot
Sächsischer AfD-Politiker Maximilian Krah, Screenshot

Die gesichert rechtsextreme AfD ist hier nicht nur Multiplikator der Desinformation der Berliner Zeitung, sondern aktive Lügner. Sie WISSEN, dass sie lügen. Aber es hilft Putin, dem THW so etwas zu unterstellen, denn dann steht die Ukraine schlecht da, also werfen sie die Helfer vom THW vor den Bus. So sieht es aus bei den angeblichen Patrioten der AfD: Während ihre Heimat in einer Notlage ist, belästigen und bedrängen mutige Helfer – Hauptsache, der ausländische Diktator bekommt, was er will? Für Putin Propaganda machen, ist wichtiger, als einmal im Leben hinter den echten Helden Deutschlands zu stehen.

Das THW musste die dreiste Kampagne bekämpfen, statt Menschen zu helfen

Das THW muss jetzt diese Desinfo-kampagne ausbaden und anstatt in Ruhe Menschen in Not zu helfen, eine PR-Kampagne starten müssen, um die Menschen aufzuklären, die durch die Berliner Zeitung und die AfD verunsichert wurden.

Es gab genug Notstromaggregate im Stromausfall in Berlin, das hätte durch eine kurze Nachfrage beim THW auch herausfindbar sein können – oder durch Recherche, die die öffentlich einsehbare kleine Anfrage der AfD von 2024 geliefert hätte. Der unseriösen Berliner Zeitung war jedoch nicht daran gelegen, eine Antwort auf diese Frage zu finden – sondern ihre Leserschaft mit einer Suggestivfrage Propaganda unterzujubeln, die ganz im Sinne des russischen Diktators ist. Eine Richtigstellung gab es nie – sondern nur Jubel über die Reichweite der Propaganda.

Artikelbild: canva.com, Screenshot Berliner Zeitung, Screenshot facebook.com

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