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Die Menschen brauchen Entlastung – keine künstlich verteuerten Fahrten

4 min geschätz­te Lese­dau­er

Ein Mei­nungs­bei­trag von Dirk Bach­hau­sen, Land­tags­kan­di­dat von Volt

Ich begrü­ße die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Köln aus­drück­lich. Die von der Stadt ein­ge­führ­ten Min­dest­prei­se für Miet­wa­gen­fahr­ten waren der fal­sche Weg. Sie haben Mobi­li­tät künst­lich ver­teu­ert und damit gera­de die­je­ni­gen Men­schen belas­tet, die auf bezahl­ba­re Alter­na­ti­ven zu Bus, Bahn und Taxi ange­wie­sen sind.

Seit Juni durf­ten Miet­wa­gen­fahr­ten, die bei­spiels­wei­se über Platt­for­men wie Uber oder Bolt ver­mit­telt wer­den, in vie­len Fäl­len nur noch höchs­tens 20 Pro­zent güns­ti­ger sein als eine ver­gleich­ba­re Taxi­fahrt. Für die Kun­din­nen und Kun­den bedeu­te­te das deut­lich höhe­re Prei­se. Dabei erle­ben wir in Köln bereits an vie­len Stel­len stei­gen­de Lebens­hal­tungs­kos­ten. Mie­ten, Ener­gie, Lebens­mit­tel und all­täg­li­che Dienst­leis­tun­gen wer­den teu­rer. Die Men­schen brau­chen des­halb nicht noch mehr Belas­tung, son­dern end­lich spür­ba­re Ent­las­tung.

Das Gericht hat nun schwer­wie­gen­de recht­li­che Zwei­fel an der Köl­ner Rege­lung fest­ge­stellt. Beson­ders deut­lich ist die Kri­tik dar­an, dass eine so weit­rei­chen­de Ent­schei­dung ohne aus­rei­chen­de Betei­li­gung des Stadt­rats getrof­fen wur­de. Auch die Aus­deh­nung der Rege­lung über das Köl­ner Stadt­ge­biet hin­aus hält das Gericht vor­aus­sicht­lich für unzu­läs­sig. Die­se Ein­wän­de müs­sen ernst genom­men wer­den.

Poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen mit erheb­li­chen Aus­wir­kun­gen auf die Mobi­li­tät und die finan­zi­el­len Belas­tun­gen der Bevöl­ke­rung dür­fen nicht im Allein­gang getrof­fen wer­den. Sie gehö­ren trans­pa­rent in den Rat, müs­sen öffent­lich dis­ku­tiert und sorg­fäl­tig auf ihre sozia­len, wirt­schaft­li­chen und ver­kehrs­po­li­ti­schen Fol­gen geprüft wer­den.

Beson­ders sicht­bar wird das Pro­blem im Stadt­be­zirk Chor­wei­ler. Dort gibt es weder ein Kran­ken­haus noch eine Not­fall­pra­xis. Wer drin­gend medi­zi­ni­sche Hil­fe benö­tigt, einen Fach­arzt­ter­min in einem ande­ren Stadt­teil wahr­neh­men muss oder auf­grund kör­per­li­cher Ein­schrän­kun­gen nicht ein­fach mehr­fach umstei­gen kann, ist häu­fig auf ein Taxi oder einen Miet­wa­gen ange­wie­sen.

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Für älte­re Men­schen, Men­schen mit Behin­de­run­gen, Fami­li­en mit klei­nen Kin­dern und Beschäf­tig­te im Schicht­dienst ist eine sol­che Fahrt kein Luxus. Sie ist oft not­wen­di­ge Daseins­vor­sor­ge. Wenn die­se Fahr­ten durch poli­ti­sche Vor­ga­ben künst­lich ver­teu­ert wer­den, trifft das nicht zuerst die Men­schen mit hohen Ein­kom­men. Es trifft die­je­ni­gen, die ohne­hin genau rech­nen müs­sen.

Natür­lich müs­sen im Taxi- und Miet­wa­gen­ge­wer­be fai­re Bedin­gun­gen gel­ten. Fah­re­rin­nen und Fah­rer brau­chen gute Arbeits­be­din­gun­gen, ver­läss­li­che Ein­kom­men und Schutz vor Aus­beu­tung. Unter­neh­men müs­sen sich an sozia­le, steu­er­li­che und arbeits­recht­li­che Regeln hal­ten. Doch die­se Zie­le erreicht man nicht, indem man den Wett­be­werb über pau­scha­le Min­dest­prei­se ein­schränkt und die Rech­nung anschlie­ßend den Fahr­gäs­ten prä­sen­tiert.

Die Auf­ga­be der Poli­tik besteht dar­in, Mobi­li­tät zuver­läs­sig, sicher und bezahl­bar zu orga­ni­sie­ren. Dazu gehö­ren ein funk­tio­nie­ren­der öffent­li­cher Nah­ver­kehr, bes­se­re Ver­bin­dun­gen in den Außen­be­zir­ken, bar­rie­re­freie Ange­bo­te und eine medi­zi­ni­sche Infra­struk­tur, die für alle Men­schen erreich­bar ist. Solan­ge die­se Vor­aus­set­zun­gen gera­de in Stadt­tei­len wie Chor­wei­ler nicht aus­rei­chend erfüllt sind, dür­fen ergän­zen­de Mobi­li­täts­an­ge­bo­te nicht künst­lich ver­teu­ert wer­den.

Die Gerichts­ent­schei­dung ist des­halb ein wich­ti­ges Signal. Sie ist aller­dings noch kein end­gül­ti­ger Schluss­strich. Nach dem Eil­be­schluss dür­fen zunächst nur die erfolg­rei­chen Antrag­stel­ler wie­der Prei­se unter­halb der städ­ti­schen Unter­gren­ze anbie­ten. Für ande­re Anbie­ter gilt die Vor­ga­be vor­erst wei­ter. Die Stadt Köln muss jetzt schnell für Rechts­si­cher­heit sor­gen und darf nicht ver­su­chen, die­sel­be pro­ble­ma­ti­sche Rege­lung ledig­lich for­mal neu zu ver­pa­cken.

Wir brau­chen einen ech­ten Neu­start. Stadt­ver­wal­tung, Rat, Taxi­un­ter­neh­men, Miet­wa­gen­un­ter­neh­men, Platt­for­men, Beschäf­tig­te und Fahr­gast­ver­tre­tun­gen soll­ten gemein­sam an fai­ren Regeln arbei­ten. Im Mit­tel­punkt müs­sen die Men­schen ste­hen: ihre Sicher­heit, ihre Wahl­frei­heit und ihr Recht auf bezahl­ba­re Mobi­li­tät.

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Mobi­li­tät ent­schei­det dar­über, ob Men­schen zur Arbeit kom­men, Arzt­ter­mi­ne wahr­neh­men, am gesell­schaft­li­chen Leben teil­neh­men oder nachts sicher nach Hau­se gelan­gen kön­nen. Sie darf nicht vom Geld­beu­tel oder vom Wohn­ort abhän­gen.

Die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts weist des­halb in die rich­ti­ge Rich­tung. Köln braucht weni­ger Allein­gän­ge, mehr Trans­pa­renz und eine Ver­kehrs­po­li­tik, die ent­las­tet statt zusätz­lich belas­tet.

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